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Remote-Zugriff auf Windows

Sie sitzen gerade im Biergarten und genießen eine kühle Erfrischung. Doch dann drängt sich eine unliebsame Erinnerung auf: Da war doch noch eine kleine Arbeit zu erledigen, zu Hause auf dem Windows-PC. Also ab nach Hause oder bietet Android eine Lösung?

Mit der richtigen App kann jedes Android-Gerät mittels Internet-Anbindung auf den heimischen PC zugreifen (oder auf den im Büro, falls der Arbeitgeber dies erlaubt): Das Smartphone oder Tablet zeigt dabei den Bildschirm des Desktop-Computers an, während der Windows-Maus-Zeiger auf Android-Art gesteuert wird: Der Benutzer tippt mit dem Finger an eine entsprechende Stelle des Handy-Touchscreens, um einen Mausklick auszulösen, oder streicht beispielsweise mit diesem nach rechts, damit sich der Mauspfeil dorthin bewegt.

Die Programmierer solcher Fernsteuerungs-Apps haben diese jedoch nicht nur entworfen, damit niemand mehr vorzeitig seinen Biergarten-Besuch abbrechen muss – es existieren viele mögliche Anwendungsfälle: Das neueste PC-Spiel, welches nur auf dem leistungsstarken Desktop-Computer im heimischen Arbeitszimmer läuft, kann so auf einem federleichten Tablet am Baggersee gespielt werden. Oder von unterwegs hilft der technisch Versierte einem Bekannten mit PC-Problemen, ohne bei diesem vor Ort vorbeischauen zu müssen. Der Wohnzimmer-Rechner eines Pärchens gibt den neuesten Blockbuster von einer Blue-Ray-Disc wieder – doch tatsächlich gucken die beiden den Streifen auf einem Tablet im (gemütlicheren) Schlafzimmer.

Aber nicht jede App eignet sich gleichermaßen für jedes Fernsteuerungsvorhaben. Dieser Artikel stellt vier Apps vor und beleuchtet die Unterschiede.

Wake-On-Lan

Damit man von unterwegs auf den heimischen PC zugreifen kann, muss dieser nicht 24h am Tag laufen. Das Zauberwort heißt WoL oder ausgeschrieben Wake on Lan und bedeutet das Aufwecken des Rechners über das Internet.

Diese Funktion muss jedoch vom Computer unterstützt werden, (was bei Modellen mit halbwegs aktuellem BIOS der Fall sein dürfte) und Sie müssen die Funktion im BIOS aktivieren. Dieses erreichen Sie durch Drücken von der F2- oder der Entf-Taste während des Hochfahrens. In der Regel existiert im BIOS ein Menüpunkt namens Power. Aktivieren Sie dort die Punkte ACPI 2.0, Power Management (dieser kann auch APM heißen) sowie Resume on Lan. Die Begriffe lauten je nach vorliegendem Rechner möglicherweise auch anders, sind dann den genannten jedoch ähnlich.

Als nächstes muss gewährleistet werden, dass der zu weckende Computer im Wirrwarr des Internets später von Ihrem Android-Handy gefunden wird. Ähnlich einer Hausnummer besitzt jeder am Internet teilnehmende Anschluss eine sogenannte IP-Adresse. Die meisten Telefon-Anbieter wechseln jedoch diese für jeden Anschluss nach 24h gegen eine andere aus. Dieses Problem lässt sich jedoch leicht umgehen: Unter http://no-ip.com können Sie einen Namens-Platzhalter für Ihren Anschluss registrieren, der sich nicht ändert und auf die tatsächliche, derzeit aktuelle IP-Adresse des Internet-Anschlusses weiterleitet. Die Registrierungsdaten müssen dann anschließend noch im Konfigurationsmenü des Routers eingetragen werden (die meisten Fritzbox- und Speedport-Modelle unterstützen diese Option, wie Abbildung 1 zeigt).

Zum Schluss benötigt das Smartphone noch eine App die den Einschalt-Vorgang auslösen kann, zum Beispiel Wake On Lan [1], (Abbildung 2). Bei Host Name | IP Address tragen Sie den Namens-Platzhalter ein, den Sie von no-ip.com erhalten haben. Das Feld MAC-Address benötigt die Hardware-Adresse Ihrer Netzwerk-Karte. Diese finden Sie entweder im Windows-Geräte-Manager oder in den Statistiken Ihrer Routers. Von nun an können Sie von überall durch einen Druck auf den Wake-Knopf der App den Windows-PC zu Hause einschalten.

Abbildung 1: Via Speedport bzw. Fritzbox richten Sie die Weiterleitung aus dem Internet über wenige Mausklicks ein.
Abbildung 1: Via Speedport bzw. Fritzbox richten Sie die Weiterleitung aus dem Internet über wenige Mausklicks ein.

Abbildung 2: Über die App Wake on Lan wecken Sie Ihren heimischen PC aus dem Tiefschlaf auf.
Abbildung 2: Über die App Wake on Lan wecken Sie Ihren heimischen PC aus dem Tiefschlaf auf.

Splashtop


Für die erste der hier vorgestellten Fernsteuerungs-Lösungen müssen Sie auf dem PC die Software Splashtop-Streamer installieren. Das Programm gibt es kostenlos unter http://www.splashtop.com zum Download. Das Android-Gerät benötigt die App Splashtop Remote Desktop aus dem Google Play Store [1] – die schlägt je nach Version mit 3,80 Euro bis 7,58 Euro zu Buche.

Als ersten Konfigurationsschritt sollte der Benutzer die Zugangsdaten eines eigenen Googlemail-Kontos sowohl am PC als auch im Smartphone eingeben, damit diese sich gegenseitig finden und kontaktieren können (Abbildung 3). Anstatt dessen könnte die Fernsteuerung auch über andere Wege initiiert werden, doch diese stammen noch aus der Zeit älterer Splashtop-Versionen und bringen fast nur Nachteile mit sich. Die Verbindung klappt nun problemlos, ohne dass weitere Einstellungen vom Benutzer nötig sind. Im Test war die Bedienung etwas gewöhnungsbedürftig, nach etwas Eingewöhnungszeit und dem Erlernen der Gesten (zum Beispiel: längeres Drücken des Fingers um einen Klick mit der rechten Maustaste zu simulieren) aber in Ordnung. Einige Funktionen sind für fortgeschrittene Android-Anwender logisch (wie etwa das Auseinanderziehen der Finger um einen Bildschirmbereich heranzuzoomen). Selbst Videos und aufwendige Grafiken konnten flüssig übertragen werden – genügend Bandbreite und ein leistungsfähiges Android-Gerät vorausgesetzt.

Abbildung 3: Splashtop benutzt den angegebenen Google-Account, um die Verbindung zwischen dem PC und der Android-App herzustellen.
Abbildung 3: Splashtop benutzt den angegebenen Google-Account, um die Verbindung zwischen dem PC und der Android-App herzustellen.

TeamViewer


Auch hier steht am Anfang auf beiden Geräten die Installation einer Software an: Auf dem PC (Software erhältlich unter http://www.teamviewer.com) sowie dem Smartphone beziehungsweise Tablet. Letzteres benötigt die App Teamviewer Fernsteuerung aus dem Play Store – nicht zu verwechseln mit Teamviewer Meeting, welches für Online-Videokonferenzen mit virtuellen Whiteboards gedacht ist. Im Unterschied zu Splashtop sind beide Seiten der Software komplett kostenlos, so lange sie nur für private, nicht-kommerzielle Zwecke verwendet werden. Nach dem Start von Teamviewer auf dem Windows-Rechner zeigt dieser dem Benutzer eine automatisch generierte Kombination aus ID-Nummer und Passwort an (Abbildung 4). Diese sollte man nun abschreiben und anschließend in das Smartphone eintippen.

Abbildung 4: Bei Teamviewer müssen Sie sich die ID-Nummer und das Passwort gut merken.
Abbildung 4: Bei Teamviewer müssen Sie sich die ID-Nummer und das Passwort gut merken.

Anschließend erfolgt problemlos der Aufbau der Verbindung, ohne dass weitere Einstellungen nötig sind. Statt der automatisch generierten Angaben kann der Benutzer auch einen online zu erstellenden Teamviewer-Account (bestehend aus der eigenen E-Mail-Adresse und Passwort) verwenden – dieser bringt aber nur dann Vorteile, wenn mehrere PCs aus demselben Android-Gerät heraus ferngesteuert werden sollen. Die Bedienung wirkt intuitiver als bei Splashtop. Für Anfänger stehen stets helfende Erklärungen zur Seite, und benötigte Funktionen (wie zum Beispiel das Ein- und Auszoomen über einen Schieberegler, siehe Abbildung 5) sind auch für Unerfahrene schnell auffindbar.

Abbildung 5: Mit Teamviewer macht Windows auf dem Android-Tablet richtig Spaß.
Abbildung 5: Mit Teamviewer macht Windows auf dem Android-Tablet richtig Spaß.

Der Anwender kann konfigurieren, ob die Verbindung auf Geschwindigkeit (schnelle Reaktionen und schneller Bildaufbau) oder Qualität (Details, Schärfe und Farbgebung der optischen Darstellung) optimiert werden soll. Ebenfalls kann Teamviewer versuchen, dies automatisch zu regulieren. Während das bei normalen Büroanwendungen gut funktioniert, zeigte sich im Test bei grafiklastigen Programmen wie zum Beispiel Video-Playern oder modernen Spielen ein anderes Bild: Keine der möglichen Optionen konnte dann so recht zufriedenstellen – entweder wurden Bewegungen nur sehr ruckhaft übertragen, oder die Darstellung der Farben war deutlich reduziert.

Android VNC Viewer


Anders als Splashtop und Teamviewer ist VNC ein offenes Übertragungsprotokoll, für welches nicht nur von einem bestimmten Hersteller Software existiert. Der Android VNC Viewer kann beispielsweise selbst für kommerzielle Zwecke kostenlos verwendet werden – genauso wie das in diesem Test verwendete PC-Gegenstück Tight-VNC (für letzteres existieren ebenfalls alternative Software-Lösungen anderer Hersteller – die sich jedoch höchstens marginal von Tight-VNC unterscheiden).

Sowohl die App auf dem Android-Gerät (Abbildung 6) als auch das Server-Programm für den PC sind komplett in Englisch gehalten und erfordern eine Vielzahl von Einstellungen. Für Anfänger ist diese Lösung somit ungeeignet. Ebenfalls trägt das Installations-Programm nicht automatisch Ausnahmen in die Windows-Firewall ein, außerdem muss der Benutzer im Gegensatz zu Teamviewer und Splashtop im Router das Portforwarding für den Port Nr. 5900 aktivieren, sowie – um das Abhören der Verbindung zu vermeiden – einen SSH-Tunnel einrichten. Dementsprechend ist diese Software nur versierten Benutzer anzuraten, die wissen, was sie tun. Anfänger, denen die genannten Fachbegriffe nicht vertraut sind, sind bei den anderen hier vorgestellten Lösungen besser aufgehoben. Im Test funktionierte die Verbindung zuverlässig, wenn auch die Geschwindigkeit manchmal etwas zu wünschen übrig ließ.

Abbildung 6: Das Setup des Android VNC Viewer erfordert etwas Fachwissen.
Abbildung 6: Das Setup des Android VNC Viewer erfordert etwas Fachwissen.

Remote RDP Lite


Das Remote Desktop Protocol (kurz RDP) ist auf jedem Windows-PC bereits von Haus vorhanden, es muss nur aktiviert werden. Je nach Betriebssystem-Version unterscheiden sich die hierzu nötigen Schritte. Bei Windows 7 sollten die folgenden Punkte angeklickt werden: Start Menü | Computer | Eigenschaften | System-Eigenschaften | Remote-Einstellungen. Hier setzen Sie einen Haken bei Remoteuntertützungsverbindungen mit diesem Computer zulassen. Jedoch ist es auch hier gegebenenfalls erforderlich, das Portforwarding im Router zu aktivieren. Auf Android-Seite gibt es mehrere mögliche verwendbare Apps, eine Möglichkeit ist das kostenlose Remote RDP Lite. Die IP-Adresse des Computers oder ein zuvor auf no-ip.com registrierter Platzhalter (siehe Kasten "Wake-On-Lan") müssen bekannt sein und angegeben werden (Abbildung 7). Dies ist im Übrigen ebenfalls bei VNC nötig, bei den anderen beiden weiter oben vorgestellten Lösungen (Teamviewer und Splashtop) jedoch nicht. Das Einloggen der Fernsteuerung auf dem Computer funktioniert über Benutzername und Passwort. Im laufenden Betrieb ist die Übertragungsgeschwindigkeit nur bei normalen Anwendungen ausreichend, bei Grafik- oder Videoanwendungen jedoch eindeutig nicht.

Nicht unbemerkt sollte bleiben, dass in der Vergangenheit oft Sicherheitslücken im RDP-Server gefunden wurden. Zwar konnte Microsoft diese in der Regel schnell über ein Windows-Update stopfen – doch ein unschöner Beigeschmack bleibt. Wer möchte schon, dass ein unbekannter Fremder es schafft, sich Zugriff auf den eigenen PC zu erschleichen?

Abbildung 7: Remote RDP Lite kommt ohne zusätzliche Windows-Anwendung aus.
Abbildung 7: Remote RDP Lite kommt ohne zusätzliche Windows-Anwendung aus.

Fazit

Für die meisten Anwender dürfte Teamviewer die geeignetste Lösung darstellen: Es ist schnell eingerichtet, einfach zu bedienen und kostenlos. Nur wer unbedingt Videoanwendungen oder PC-Spiele auf dem Android-Gerät fernsteuern möchte, sollte stattdessen das Geld für die Splashtop-App investieren. VNC ist weniger für den Privatanwender, als vielmehr für Unternehmen lohnenswert, welche zum einen an einer kostenlosen kommerziellen Nutzung interessiert sind, zum anderen aber auch auf Grund des offenen Übertragungsprotokolls nachvollziehen können, auf welche Art und Weise Ihre Daten übertragen werden. RDP hat den Vorteil, dass es bereits auf jedem Windows-PC vorhanden ist. Soll so von einem Android-Handy aus einem Freund bei Computer-Problemen geholfen werden, muss dieser keine neue Software bei sich installieren – dieser Vorteil relativiert sich jedoch recht schnell durch die (bei RDP) nötige Konfigurationsänderung am Router des Betroffenen.

Unabhängig von der verwendeten Software-Lösung ist zumindest ein Smartphone mit großem Display (vier Zoll oder größer) oder ein Tablet zu empfehlen. Ansonsten muss der Anwender ständig den Bildschirm größer zoomen, um einen bestimmten Button treffsicher auszuwählen. Wichtig ist ebenfalls ein Passwort, welches nicht einfach erraten werden kann. Möchte der Benutzer außerdem grafikintensive Anwendungen außerhalb des heimischen WLANs fernsteuern, so ist unbedingt auf den Datenverbrauch im UMTS-Netz zu achten!

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