30. September 2022
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Rechtliche Aspekte rund um Apps: Das müssen Entwickler und Nutzer beachten

»Erstellen wir doch schnell eine App.« Diese Worte wurden in großen und kleinen Betrieben schon häufiger gesprochen, doch rasch wird klar: So einfach ist die App-Erstellung nicht. Obwohl, oder gerade, weil sich Apps so großer Beliebtheit erfreuen, sind die Anforderungen hoch. Dies gilt auch den rechtlichen Aspekten, denn nur wenige User wollen sich unsichere Programme auf ihrem Gerät installieren oder ihre Daten in heikle Hände geben. Aber worauf kommt es bei Apps genau an? Dieser Artikel klärt auf und zeigt, was wichtig ist.

Datenschutz

Die Datenschutzgrundverordnung gilt auch für Apps. Daten sind zwar die Währung des Internets, doch müssen Herausgeber genau prüfen, was mit den erhobenen Daten geschieht. Jede App muss der DSGVO entsprechen und Nutzer insbesondere in den folgenden Punkten sicherstellen: 

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Apps werden immer beliebter. App-Entwickler müssen dabei jedoch immer auch auf rechtliche Regelungen achten. Dies ist mitunter auch entscheidend für Nutzer. Bildquelle: @ ra2 studio – 171917968 / Adobe Stock
  • Speicherung – die meisten Apps sind dazu gedacht, dass sich ein Nutzer anmeldet und somit direkt Daten von sich speichert. Diese müssen vom Anbieter jedoch absolut sicher aufbewahrt werden. Zugleich hat der Anbieter dafür Sorge zu tragen, dass diese Daten nicht in die falschen Hände geraten können, wie auch, dass sie auf Nutzerwunsch gelöscht werden. 
  • Sicherheit – bei vielen Apps handelt es sich um Onlineshops, Dienstleistungen oder Spieleanbietern. All diese Apps haben eines gemein: Zahlungsinformationen werden, wie auch die Adresse, gespeichert. Eine solche App muss natürlich auch hinsichtlich der Sicherheitsmechanismen perfekt gestaltet sein. Gerade in Bezug auf die Zahlungsinformationen ist die Sicherheit das oberste Gebot. Eingegebene Konto- oder Kreditkartendaten müssen gesichert sein. 
  • Aber was können Unternehmen machen, um eine solide App zu erstellen? Wichtig ist, die Gestaltung von einem Profi durchführen zu lassen. Zugleich sollte der Datenschutzbeauftragte des eigenen Hauses ein Auge auf die Entwicklung haben. Nachdem die App-Stores im Regelfall eigene Prüfungen zusätzlich durchführen, bevor eine App veröffentlicht wird, müssen auch deren Ansprüche bedacht werden. Dies kann meist einzig ein professioneller Spezialist sicherstellen. Bei Unsicherheiten hinsichtlich des Datenschutzes hilft es, sich an die zuständigen Stellen zu wenden. Auch sie bieten Prüfungen an und begleiten gerade junge und kleinere Unternehmen auf dem Weg zur guten App. 

Zugriffsbeschränkungen

Es gibt keinen Smartphonenutzer, der sich diese Frage noch nicht gestellt hat: Warum will die Wetter-App auf mein Telefonbuch zugreifen oder den SMS-Versand lesen? Eine schlechte App erfordert unheimlich viele Zugriffe, die nicht einmal unterbunden werden können, wenn die App gar nicht gestartet ist. Was gilt also für einen Anbieter? 

  • Logischer Zugriff – viele Apps benötigen Zugriffe. Keine Kartenapp kann eine Wegbeschreibung live bieten, wenn sie nicht auf GPS und somit auf den Standort zugreifen kann. Eine App, über die gebrauchte Stücke online angeboten werden können, benötigt im Regelfall den Zugriff auf die Kamera. Die Zugriffe sollten jedoch so beschränkt werden, dass sie stets mit der Art des Programms Hand in Hand gehen. Natürlich braucht eine App zum Fotografieren von Blitzen Zugriff auf die Kamera – doch benötigt sie sicherlich keinen Zugriff auf Messenger, das Telefonbuch oder auf Gesundheitsdaten. 
  • Zugriff beschränken – eine gute App sollte es erlauben, die Zugriffe nur für die Nutzungszeit zu erlauben. Das heißt: Wird die App geöffnet oder läuft sie im Hintergrund, sind die Zugriffe erlaubt. Wird die App geschlossen oder alle laufenden Programme geschlossen, dann wird der Zugriff verweigert. Bei vielen Apps ist das absolut möglich, wenngleich nicht bei allen. Eine Unwetterwarnapp benötigt den Zugriff auch, wenn sie nicht läuft – anderenfalls kann sie nicht punktuell warnen. 
  • Erklärungen – manchmal ist es für einen User nicht schlüssig, warum eine App diesen oder jeden Zugriff benötigt. Ein guter App-Anbieter klärt Nutzer über die Hintergründe ehrlich auf. Dabei ist auf leichte Verständlichkeit zu achten. Erklärungen, die verklausuliert sind, gelten grundsätzlich als problematisch. 

Selbstverständlich sind Zugriffe innerhalb von Apps absolut notwendig und vielfach verständlich. Das Problem stellen überwiegend die Anbieter dar, die völlig abwegige Verknüpfungen erfordern. Eine reine Shopping- oder Lieferdienstapp benötigt keinen Zugriff auf Telefonbücher, Kontakte oder auf die Kamera. Selbst der Standort braucht in diesem Fall nicht dauerhaft eruiert zu werden, wenn er überhaupt notwendig ist. Wer hingegen eine Fitnessapp bietet und Joggingrunden aufzeichnet, der benötigt selbstverständlich die GPS-Ortung, während Kontakte, Kamera oder Galerie nebensächlich und unnötig sind. 

Inhaltliche Aspekte 

Fakt ist, die inhaltlichen Anforderungen an eine App werden auch vom App-Store mit ausgesprochen. Google und Apple haben klare Regeln, nach denen sie Apps überhaupt in ihre Stores aufnehmen. Wer seine App rein über die Homepage anbieten möchte, der muss den Inhalt noch deutlicher darstellen und den Kunden von der Installation überzeugen. Aber was ist in diesem Fall so wichtig? 

  • Lizenzen – ist für das Angebot eine Lizenz notwendig? Gerade Sportwettenanbieter benötigen eine Lizenz des Landes, in dem die App herausgegeben wird. Nun wird es übrigens ein wenig kompliziert, denn bei Apps müssen sich Anbieter auch nach den Gesetzen der Länder, die überhaupt einen Zugriff auf die Webseite haben, richten. 
  • Legalität – die App muss sich im legalen Bereich bewegen. Das trifft auch auf die dort enthaltenen Angebote oder Dienstleistungen zu. Auch per App ist es beispielsweise nicht erlaubt, illegale Drogen zu vertreiben, egal, wie sie bezeichnet werden. 
  • Gesetzeslagen – wie sieht es mit dem Jugendschutz aus? Eine Sportwetten-App muss den gesetzlichen Jugendschutz beachten. Dabei kommt es auf die Sicherstellung des Alters des Spielers an. Ein Herausgeber trägt die Verantwortung, dass kein Zwölfjähriger sich die App herunterladen, sich anmelden und munter Wetten abschließen kann. Hinsichtlich des Wettgeschäfts ist der Glücksspielstaatsvertrag grundsätzlich maßgeblich und federführend bei der App-Gestaltung.

Weitere Aspekte rund um Apps

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Neben dem Datenschutz existieren noch viele weitere potenzielle juristische Stolperfallen, die auch Nutzer kennen sollten, um Probleme zu vermeiden. Bildquelle: @ SOMKID – 400210551 / Adobe Stock

Apps sind teilweise in Verruf. Das Problem sind die sogenannten In-App-Käufe, die schon Jugendliche durchführen können. Ein seriöser Herausgeber schließt dieses Kaufverhalten aus beziehungsweise sichert es strikt ab. Zugleich gilt jedoch: 

  • Klarheit – in einer App durchführbare Käufe sind natürlich erlaubt. Sie müssen jedoch klar gekennzeichnet sein und nicht unbewusst oder aus Versehen getätigt werden können. Unseriöse Apps setzen oft auf diese Versehenskäufe, indem sie die Bestätigung für einen Kauf so verwässern, dass der User aus seiner Sicht gar keine Einwilligung erkennen kann. 
  • Suchtvermeidung – gerade für jüngere User gibt es unzählige Spiele-Apps. Leider sind einige von ihnen deutlich Casinospielen nachempfunden, was nicht selten dazu führt, dass die Jugendlichen bereits spielsüchtig werden. Über In-App-Käufe verlieren sie zudem Geld. Jeder App-Herausgeber sollte sich sein Werk genau anschauen und prüfen, ob diese Gefahr besteht. Manchmal hilft es, sich die Frage zu stellen, ob das eigene Kind stundenlang und ohne Aufsicht die App nutzen dürfte. 
  • Werbung – ein Großteil der kostenlosen Apps ist werbefinanziert. Betreiber müssen unbedingt sicherstellen, dass die eingeblendete Werbung nicht den Jugendschutz aushebelt oder Schadprogramme auf das Gerät bringt. Eine werbefinanzierte Lern-App für Schüler ist jugendfrei, doch sollte nun nicht während der Werbung eine Anzeige für eindeutige Themen auftauchen. 

Mit einer guten, sicheren und datenschutzkonformen App haben Herausgeber wesentlich höhere Erfolgschancen als mit minderwertigen Programmen. Passen die Inhalte nicht, so wird auch der Erfolg ausbleiben. Zumal gerade die Programme in den Stores durchaus gesperrt werden, wenn sie nicht regelkonform sind. 

Fazit – die Rechtsgrundlage beachten

Gestaltung, Design, Inhalt – das sind wohl die Punkte, die meistens rund um die Erstellung einer App auf den Tisch kommen. Doch muss der Inhalt den Gesetzen entsprechen und die App nicht nur das Vertrauen des Users gewinnen, sondern dieses erhalten. Zugriffsbeschränkungen oder, noch besser, einzig notwendige Zugriffe helfen bereits dabei. Dass die Datenschutzgrundverordnung im Hintergrund beachtet werden muss, ist ohnehin bekannt. Der Schutz der Daten ist unheimlich wichtig und längst für etliche User der Knackpunkt bei der Beschaffung einer App. 

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