Start Android 6 Neuerungen von Android 6.0 „Marshmallow“ im Detail: Teil 1 – App-Berechtigungen

Neuerungen von Android 6.0 „Marshmallow“ im Detail: Teil 1 – App-Berechtigungen

Seit dem 5. Oktober steht Googles Android 6.0 „Marshmallow“ für Entwickler und die neusten Nexus-Geräte zum Download frei. Zeit, sich die Neuerungen im Detail anzuschauen. Unser erster Artikel erklärt, wie sich Apps mit Marshmallow besser kontrollieren lassen und wozu das gut ist.

Es ist jedesmal bei der Installation einer neuen App das gleiche Spiel: Man sollte sich die Berechtigungen im Detail anschauen, denn schließlich soll ja ein Taschenrechner nicht auf die Kamera zugreifen dürfen und eine Taschenlampe braucht auch keinen Zugriff auf das Mikrofon oder die microSD-Karte. Doch in der Praxis fehlt dazu meistens die Zeit und auch etwas die Lust, schließlich will man ja nur möglichst schnell an eine neue App herankommen. Was bei einer schnellen Installation so alles durchgewunken wird, vergisst man deshalb recht schnell.

Runtime Permissions

Dieses „Spielchen“ mit den Berechtiungen wird uns auch in der Nach-Marshmallow-Zeit noch eine Weile begleiten, aber je mehr Entwickler ihre Apps auf Android 6.0 bzw. API Level 23 anpassen, desto seltener bekommst du den Dialog zum Bestätigen von Berechtigungen in Zukunft angezeigt. Das ist eine der großen Neuerungen von Android 6.0. Hier bekommst du den Hinweis zu den verlangten Berechtiungen genau dann, wenn ihn die App benötigt. Das gilt sogar für die vom Hersteller vorinstallierten Apps. So fragt die Google-Kamera-App zum Beispiel beim ersten Start nach, ob sie auf das GPS und den internen Speicher zugreifen darf oder Gmail muss beim Speichern eines Attachments die nötigen Rechte einfordern.

Auch die eigenen Apps von Google, die auf dem Nexus-Gerät vorinstalliert sind, müssen sich an die neuen Spielregeln halten.
Auch die eigenen Apps von Google, die auf dem Nexus-Gerät vorinstalliert sind, müssen sich an die neuen Spielregeln halten.

Wenn eine App mehrere Berechtigungen erhalten will, muss sie also mehrfach nachfragen. Dabei gibt es Hinweise beim Start einer App und während der konkreten Nutzung. Hangouts will zum Beispiel bereits beim Start das Adressbuch auslesen.

Bereits beim ersten Start von Google Hangouts erscheint dieser Hinweis.
Bereits beim ersten Start von Google Hangouts erscheint dieser Hinweis.

Will der Nutzer anschließend via Chat ein Bild verschicken und dazu ein Foto mit der Kamera aufnehmen, sind gleich zwei weitere Rechte notwendig, die die Hangouts-Entwickler hier in einem Dialog mit zwei Unterseiten integriert haben.

Um ein Bild verschicken zu können, muss Hangouts Zugriff auf die Kamera haben.
Um ein Bild verschicken zu können, muss Hangouts Zugriff auf die Kamera haben.
Das neue Foto wird anschließend im internen Speicher abgelegt. Auch dafür sind explizit die nötigen Rechte anzufragen.
Das neue Foto wird anschließend im internen Speicher abgelegt. Auch dafür sind explizit die nötigen Rechte anzufragen.

Natürlich gilt das nicht für wirklich alle Berechtigungen: Marshmallow unterscheidet zwischen Rechten, die im Manifest der App in die Kategorie PROTECTION_NORMAL fallen (dazu gehört zum Beispiel der Internet-Zugriff oder Zugriff auf den Wecker, aber auch WiFi, Bluetooth, die Taschenlampe und viele weitere). Diese normalen Berechtigungen können vom Nutzer nicht widerrufen werden und müssen auch nicht bewilligt werden. Android gewährt diese quasi blind. Alle anderen Permissions müssen aber  nach der Installation von der App explizit erfragt werden. Dazu gehört zum Beispiel der Zugriff auf die Kontakte, Versand von SMS und viele mehr.

Der Play Store wird denn auch für Apps, die für API Level 23 oder neuen kompiliert wurden keinen Dialog zur Rechtefreigabe mehr anzeigen. Die Apps werden — wie bei iOS — einfach heruntergeladen.  Für alle älteren Anwendungen bleibt alles wie gehabt: Die Apps müssen bei der Installation um ihre Rechte betteln, bei der Nutzung erscheint kein weiterer Hinweis mehr. Sich auf das neue Feature unter Android 6.0 zu verlassen, ist also nicht möglich. Es hängt vom App-Entwickler ab, ob er sich an die neuen Spielregeln hält!

Berechtigungen entziehen

Bereits in früheren Versionen von Android war es mit kleinen Tweaks möglich, die Berechtigungen der jeweiligen Apps anzupassen. Einige Hersteller wie Huawei, ZTE oder Lenovo integrierten diese Funktionalität sogar fest in Ihren Firmware. Mit Android 6.0 Marshmallow wird diese Funktion nun offiziell Teil des Systems.

Apps zentrale Berechtigungen zu entziehen, ist nicht nur für Anwendungen möglich, die der Entwickler auf das API Level 23 oder neuer von Android 6.0 angepasst hat, sondern für alle Apps. So kann der Nutzer zum Beispiel den Facebook Messenger installieren, und ihm anschließend den Zugriff auf SMS, Kontakte und Mikrofon verbieten. Über diese Neuerung lassen sich auch nicht erwünschte Benachrichtigungen ausschalten, aber nicht die oben beschreibenen „Grundrechte“ einer Android App, die als PERMISSON_NORMAL gelten. Bei nicht angepassten Apps ist das Risiko größer, dass eine App anschließend nicht mehr funktioniert oder sogar crasht. In unseren Tests war das zum Beispiel bei WhatsApp der Fall, nachdem wir der App den Zugriff auf die SMS entzogen hatten. Google zeigt bei älteren Apps einen Warnhinweis an, dass es zu Problemen kommen kann.

Willst du einer älteren App unter Android 6.0 die Rechte entziehen, blendet das System eine Warnmeldung ein.
Willst du einer älteren App unter Android 6.0 die Rechte entziehen, blendet das System eine Warnmeldung ein.

Alle Apps lassen sich sortiert nach Berechtigungen auflisten. So hast du sofort den Überblick, welche Apps zum Beispiel Zugriff auf die Kamera oder auf das Mikrofon haben und kannst bei Bedarf aktiv werden.

20 von 29 Apps dürfen auf die Kamera zugreifen? Da wollen wir doch mal nachschauen, welche das sind...
20 von 29 Apps dürfen auf die Kamera zugreifen? Da wollen wir doch mal nachschauen, welche das sind…

Auch hier hast du oben rechts über das Menü mit den drei Punkten die Möglichkeit, die Systemprozesse miteinzublenden.

Erst Denken dann entziehen! Viele Berechtigungen sind erst auf den zweiten Blick sinnvoll. Zum Beispiel der Kamera-Zugriff für den Google-Übersetzer. Hier lohnt sich weiterhin ein Blick auf die Kommentare im Play Store und den Entwickler.

Besondere Rechte

Unter Android 5.0 hatten viele Nutzer das Problem, dass Apps wie WhatsApp oder Facebook trotz der Einstellung „Nicht stören“ mit ihren Benachrichtigungen durchkamen. Unter Android 6.0 werden solche Apps separat aufgelistet. Der entsprechende Eintrag findet sich unter Ton & Benachrichtigung | Zugriff während „Nicht stören“.

Apps werden ab „Marshmallow“ nicht mehr in drei Reiter geordnet, sondern schlicht alphabetisch. Das Kontextmenü mit den drei Punkten blendet auf Wunsch noch die Systemprozesse dazu. Zudem gibt es hier die Möglichkeit, sämtliche App-Einstellungen zurückzusetzen. Das erleichtert weniger bewandten Nutzern, das Ändern einer Standard-App rückgängig zu machen oder deaktivierte Apps wieder zu finden. Auch eine eventuelle Einschränkung der Hintergrunddaten wird dadurch aufgehoben.

Der neue Apps-Dialog in den Einstellungen listet einfach alle Anwendungen alphabetisch
Der neue Apps-Dialog in den Einstellungen listet einfach alle Anwendungen alphabetisch
Sämtliche App-Einstellungen lassen sich unter Marshmallow zurücksetzen.
Sämtliche App-Einstellungen lassen sich unter Marshmallow zurücksetzen.

Ebenfalls gesondert gelistet werden von Android 6.0 Apps, die sich über andere Apps legen dürfen und die Zugriff auf die Systemeinstellungen haben. Auch mit dieser Übersicht lassen sich potentielle schwarze Schafe schneller ermitteln. Unter Erweitert bestimmst du den Standard-Browser, die Stanard-SMS-App sowie die gewünschte Lieblings-App für das Telefonieren und die Spracheingaben. Diese Möglichkeiten findest du über einen Fingertip auf das Zahnradsymbol in den App-Einstellungen.

Unter Android 6.0 kannst du dir schnell einen Überblick über alle Apps verschaffen, die sich über andere Apps legen dürfen.
Unter Android 6.0 kannst du dir schnell einen Überblick über alle Apps verschaffen, die sich über andere Apps legen dürfen.

Eine weitere spezielle Berechtigung von Apps ist der neue Tiefschlafmodus. In der Grundeinstellung schickt Android 6.0 sämtliche Anwendungen in einen Deep Sleep, falls du dein Handy oder Tablet über einen längeren Zeitraum nicht benutzt. Ausgeschlossen davon sind nur die Google Play Dienste. Möchtest du weitere Apps immer aktiv halten (in Frage kommen hier die üblichen Kandidaten wie Messenger, WhatsApp, Snapchat & Co.), dann musst du diese explizit vom Einfrieren alias „Optimieren“ ausschließen. Dazu wählst du in den App-Einstellungen das Zahnradsymbol, anschließend den Eintrag Akku-Leistungsoptimierung. Hier tippst du die Drop-Down-Liste Nicht optimiert an und wechselst zu Alle Apps. Du kannst nun für jede App eine Ausnahme festlegen.

App lassen sich von den Stromspar-Optimierungen von Android 6.0 ausschließen. Das solltest du aber nur im Notfall tun.
App lassen sich von den Stromspar-Optimierungen von Android 6.0 ausschließen. Das solltest du aber nur im Notfall tun.

Von dieser Option solltest du aber nur dann Gebrauch machen, wenn sich eine App nicht wie erwartet verhält, alsoz zum Beispiel Chat-Nachrichten zu spät oder überhaupt nicht eingehen.

Fazit

Android 6.0 „Marshmallow“ bringt zwei längst überfällige Verbesserungen: Apps zeigen ihre Berechtigungen erst dann an, wenn sie diese benötigen und zu leichtfertig vergebene Rechte lassen sich den Anwendungen entziehen. Die Verantwortung bleibt weiterhin zwischen dem Entwickler und dem Nutzer. Zu viele Rechte zu entziehen, wird in vielen Fällen nicht funktionieren. Zudem sind viele Rechte auf den ersten Blick nicht notwendig, was zu einem zu leichtfertigen Umgang mit den neuen Möglichkeiten führen könnte. Genau deshalb ist das Zurücksetzen aller App-Einstellungen der vielleicht wichtigste Punkt, den man sich für das Marshmallow-Update unbedingt merken sollte.

Einige der Neuerungen haben wir auch im folgenden Video zusammengefasst:

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