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Neue Einschränkungen von Google für Apps bei SMS- und Anrufprotokollzugriff

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(Bildquelle: XDA-Developers)

Kürzlich hat Google ein Update seiner Google Play-Entwicklerrichtlinien angekündigt. Im Wesentlichen wurden dabei die Berechtigungen in Bezug auf SMS und Anrufprotokolle behandelt. Nur Apps, welche als Standard-App des Benutzers für Anruf oder SMS ausgewählt wurden, dürfen demnach noch mit wenigen Ausnahmen auf die SMS- und Anrufprotokolle zugreifen.

Was ist der Hintergrund für diese Änderung?

Google möchte mit dieser Änderung die Nutzer schützen, welche eine App herunterladen und einfach alle Berechtigungen gewähren. Denn kaum einer schaut, welche Berechtigung wirklich für die eigentliche Funktion der App notwendig ist. Und kaum einer entzieht später die überflüssigen Berechtigungen wieder.

Die Schuld trägt jedoch nicht der Endnutzer alleine, sondern auch der App-Entwickler, welcher mit den Berechtigungen Zugang zu privaten Informationen erhält, welche er für die Funktion seiner App gar nicht benötigt. Google nimmt nun jedoch den Endnutzer in Schutz und beschränkt den Zugriff auf SMS- und Anrufprotokolle nur auf Apps, welche als Standard-App festgelegt wurden.

Mit der neuen Regelung haben Entwickler nun 90 Tage Zeit, ein Formular für die App-Berechtigungen bei Google einzureichen. Darauf müssen sie erläutern, warum ihre App SMS- und/oder Anrufprotkollberechtigungen benötigt. Ist die Erklärung für Google nachvollziehbar, darf die App im Play Store bleiben. Ist die Erklärung für Google nicht nachvollziehbar, wird das Formular abgelehnt. Der Entwickler muss dann eventuell nützliche Funktionen aus seinem Dienst entfernen, um im Play Store zu bleiben.

Google schreibt dazu:

  • Sie sollten nur auf die Anrufprotokoll- oder SMS-Berechtigungen zugreifen, um die Kernfunktionen ihrer App zu aktivieren. Die Kernfunktion ist der Hauptzweck der App und diese Funktion ist in der Beschreibung der App am deutlichsten dokumentiert und beworben.
    Keine andere Funktion ist zentraler für die Funktionalität der App. Wird diese Funktion der App nicht bereitgestellt ist die App “defekt” (wird z.B. nicht wie erwartet von einem Benutzer ausgeführt).

Google bietet Ausnahmeszenarien an, in denen vorübergehende Ausnahmen für Apps auftreten können, die keine Standard-Handler für SMS, Telefon und Assistent sind, wenn:

  • Durch die Verwendung der Berechtigung Benutzern grundlegende App-Funktionen bereitgestellt werden.
  • Es derzeit keine alternative Methode gibt, um die Kernfunktionalität bereitzustellen.
  • Fällt eine App unter folgende Ausnahmen kann Google die Genehmigung für einen Weiterbestand im Play Store erteilen.

    • Anrufer-ID
    • Spam-Erkennung und -blockierung
    • verbundene Gerätebegleiter, geräteübergreifende Sync. oder Übertragung von SMS und Anrufen, SMS-basierte Finanztransaktionen und ihre Aktivitäten, Proxy (VoiP)-Anrufe

    Google wird nun also nur noch Apps zulassen, bei denen der SMS- und Anrufprotokollzugriff zur Kernfunktion gehört. Nun darf man darüber streiten, was eine Kernfunktion ist. Denn dieser Ansatz hat Mängel: Jede zufällige Funktionalität einer App, die trotz ihrer Nützlichkeit für den Endnutzer und der uneingeschränkten Absicht des Entwicklers eine solche Genehmigung erfordert, kann von Anfang an abgelehnt werden. Bietet also eine App mehrere Funktionen und eine dieser wichtigen Funktion erfordert eine Berechtigung auf Anruf- oder SMS, wird die gesamte App abgelehnt. In einem solchen Fall wird das Feature als zufällige Funktion klassifiziert und nicht als Kernfunktion. Somit braucht sich der Entwickler keine Hoffnung auf eine Ausnahme zu machen.

    Das Ende vom Lied wird sein, dass Apps abgelehnter Entwickler nicht im Play Store aufgeführt werden. Will der Entwickler seine App wieder im Play Store sehen muss er die Berechtigungen vollständig aus der App entfernen, wodurch allerdings auch Schlüsselfunktionen entfernt werden.

    Einige Apps, wie z. B. Call Recording-Apps, werden durch diese Änderung beeinträchtigt. Andere Apps müssten die SMS / Call-Funktion in eine separate App entkoppeln (um sicherzustellen, dass diese Funktion nun zu einer „Kernfunktion“ wird) und beide Apps mit Erklärungen erneut an Google zu übermitteln. Das ist viel Arbeit und es gibt keine Garantie, dass dieser Ansatz auch zu einer Genehmigung führt.

    Ob eine App die Anrufprotokoll- oder SMS-Berechtigung benötigt, wird von Google bestimmt und nicht vom Entwickler oder den Benutzern der App. Der Ermessensspielraum von Google ist sehr breit und berücksichtigt nicht die einvernehmliche und beabsichtigte Verwendung der App. Was als „Kernfunktionalität“ betrachtet wird, ist für die Interpretation in den Händen des menschlichen Vertreters, der über die Anfrage entscheiden soll, offen. Die Türen bleiben für willkürliche Diskretion und Vorurteile weit offen.