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Mythen rund um den Akku widerlegt

Zahlreiche Tipps&Tricks kursieren im Netz die Akkulaufzeit eines Smartphones zu verlängern, manches hilft, andere Ratschläge sind gar kontraproduktiv. Wir zeigen Ihnen was Strom schluckt und wie Ihr Akku länger durchhält.

High-End Android-Smartphones wie das HTC One S oder das Samsung Galaxy S III sind leistungsfähige Telefone mit allen erdenklichen Features, doch trotz der seit Jahren weiterentwickelten Technik bleibt eines unverändert: Die Akkulaufzeit. Größere Displays, schnellere CPUs, dünnere Designs mit immer weniger Platz für große Akkus und immer mehr aktive Dienste lassen die geringen Fortschritte in der Akku-Technologie bislang für den Anwender wirkungslos verpuffen.

Kein Wunder also, dass Smartphone-Besitzer alle möglichen Tricks versuchen doch noch ein bisschen mehr Laufzeit aus Ihrem Androiden herauszukitzeln. Viele der im Netz und von Freunden verbreiteten Tipps gehören allerdings ins Reich der Legenden. Wir möchten Ihnen zeigen was eigentlich am meisten Strom schluckt und wie Sie ihrem Androiden etwas mehr Laufzeit – möglichst ohne Tools und Tricksereien – abluchsen können.

Das Display: Stromdieb #1

Ganz egal, was Sie auf Ihrem Smartphone installieren oder was Sie Einstellen, der größte Stromkiller sind Sie. Wenn Sie Ihren Androiden einfach nur ungebraucht in einer Ecke liegen lassen und nicht alle fünf Minuten das Display aktivieren würden um die letzten Mails zu checken, dann würde Ihr Handy auch deutlich länger mit einer Akkuladen über die Runden kommen. Die Entwicklung hin zu immer helleren, hochauflösenden und größeren Displays frisst leider jede Kapazitätssteigerung in der Akku-Technik schnell wieder auf.

Abbildung 1: Über 50% des Stroms schluckt das Display unseres Samsung Galaxy Nexus.
Abbildung 1: Über 50% des Stroms schluckt das Display unseres Samsung Galaxy Nexus.

Kommt es Ihnen daher gerade auf jeden Tropfen Strom an, da die Akkuanzeige schon orange oder rot leuchtet und die nächste Steckdose erst zu Hause wartet, dann sollten Sie daher Ihr Handy am besten aus der Hand legen, so sparen Sie in der Tat am meisten Strom. Brauchen Sie dennoch das Display, dann achten Sie ganz einfach drauf, die Helligkeit der Hintergrundbeleuchtung auf die niedrigste, gerade noch ablesbare, Stufe zu stellen.

Werbung: Stromdieb #2

Es lohnt sich auch in Bezug auf die Akkulaufzeit kostenpflichtige Apps und Spiele gegenüber ihren werbefinanzierten Alternativen zu wählen. Eine gemeinschaftlich von Microsoft und Purdue University veröffentlichten Arbeit [1] hat gezeigt, dass die von Werbung-Netzwerken genutzten Tools oft massiv den Stromverbrauch einer Anwendung erhöhen.

Abbildung 2: Anzeigen haben sich in der Vergangenheit als wahre Stromschlucker erwiesen.
Abbildung 2: Anzeigen haben sich in der Vergangenheit als wahre Stromschlucker erwiesen.

Das Lokalisieren des Standorts und das anschließende Laden regional spezifischer Anzeigen verursacht bis zu 75% des Akku-Verbrauchs bekannter Anwendungen. Konkret wurden im März 2012 Angry Birds, Free Chess, der Android-Browser, MapQuest und die App der New York Times auf einem HTC Nexus One mit Android 2.3 getestet. Beim durchspielen eines Angry-Birds-Levels verursachten die Werbeeinblendungen 70% des Akku-Verbrauchs der App, ähnlich sah es auch bei Free Chess aus.

Kaufen Sie daher besser Apps, die Sie intensiver nutzen. Die Werbeeinblendungen der Apps nehmen nicht nur wertvollen Platz auf Ihrem Bildschirm ein, sondern leeren den Akku Ihres Handys schneller als es Ihnen lieb ist.

Schlechte Apps: Stromdieb #3

Natürlich gibt es auch Apps, die sich als Stromkiller erweisen. Ihnen auf die Schliche zu kommen ist allerdings nicht ganz leicht. Die Android-App-Einstellungen geben Ihnen zwar aus, wie viel Arbeitspeicher pro App verbraucht wird, doch über die von der App erzeugten Prozessor-Last finden Sie hier leider nichts. So müssen Sie sich auf Ihr Gespür verlassen, leert sich nach der Installation einer neuen App auf einmal der Akku deutlich schneller, dann kann hier durchaus ein Zusammenhang bestehen.

Abbildung 3: Der Watchdog Task Manager zeigt Ihnen den Stromverbrauch jeder einzelnen App.
Abbildung 3: Der Watchdog Task Manager zeigt Ihnen den Stromverbrauch jeder einzelnen App.

Ein praktisches Tool ist für diesen Fall der Watchdog Task Manager [2]. Die App identifiziert zuverlässig CPU-intensive Programme wie etwa den beliebten Whats-App Messenger oder auch die Facebook-App. Laufen Anwendungen aufgrund von Fehlern Amok und belasten die CPU über längere Zeit deutlich, dann gibt Ihnen der elektronische Wachhund zudem auch per Alarm Bescheid.

Allerdings schlucken natürlich auch solche Überwachungs-Tools Energie. Sie müssen permanent die Prozessliste abrufen und die Ergebnisse protokollieren, was sich natürlich auch wieder im Akku-Verbrauch niederschlägt. Übertreiben Sie es also nicht mit den Analyse-Tools und installieren Sie diese nur, wenn Sie aus einem konkreten Stromschlucker suchen.

Unnütz: Taskkiller

Vom PC sind Sie es gewohnt Anwendungen zu Starten und nach Beendigung der Aufgabe das Programm auch wieder zu schließen. Android-Apps bieten ein Beenden der Anwendung jedoch in den meisten Fällen gar nicht nicht an. Wechseln Sie zu einer anderen Anwendung oder gehen auf den Home-Screen, dann bleibt die App im Hintergrund erhalten und schluckt weiterhin Arbeitsspeicher, CPU-Zeit und damit auch letztendlich Strom – so ist zumindest der Glaube viele Android-Einsteiger.

Abbildung 4: Task-Killer sollen als Dienst ungebrauchte Apps automatisch beenden.
Abbildung 4: Task-Killer sollen als Dienst ungebrauchte Apps automatisch beenden.

Abbildung 5: Allerdings richten Sie dabei meist mehr Schaden als Nutzen an.
Abbildung 5: Allerdings richten Sie dabei meist mehr Schaden als Nutzen an.

Abhilfe sollen hier so genannte Task-Killer-Apps schaffen, die in den Hintergrund gerückte Apps automatisch beenden und somit Speicher für neue Anwendungen freimachen und die Akkulaufzeit Ihres Handys verlängern möchten. In den meisten Fällen erweisen sich diese Apps allerdings als wirkungsloses Schlangenöl, das oft sogar negative Auswirkungen auf Ihr Handy-System hat.

Der Arbeitsspeicher Ihres Handys muss nicht geleert werden, Android ist sehr wohl in der Lage selber seinen Speicher zu verwalten und macht das in der Regel auch besser als jede Task-Killer-Apps aus dem Play Store, die in die Mechanismen des Android-Systems eingreifen. Unter Einstellungen | Apps können Sie Ihrem Android-System ein bisschen auf die Finger sehen, dort haben Sie einen sehr guten Überblick, über die von Android ausgeführten Dienste und Anwendungen.

Abbildung 6: Android liefert Ihnen in den Einstellungen eine Liste aller aktiven Apps.
Abbildung 6: Android liefert Ihnen in den Einstellungen eine Liste aller aktiven Apps.

Abbildung 7: Einmal aufgerufene, aber nun mehr ungenutzt Apps landen im Cache des Speichers.
Abbildung 7: Einmal aufgerufene, aber nun mehr ungenutzt Apps landen im Cache des Speichers.

Abbildung 8: Dort warten sie im Dämmerzustand auf ihren nächsten Aufruf, ohne Strom zu verbrauchen.
Abbildung 8: Dort warten sie im Dämmerzustand auf ihren nächsten Aufruf, ohne Strom zu verbrauchen.

Android lagert zum Beispiel Anwendungen im Hintergrund in einen Cache aus (Abbildung 7), dort bleibt Ihr aktueller Stand eingefroren, so dass Sie beim nächsten Aufruf der App wieder an der selben Stelle weitermachen können wie zuvor. Im Cache benötigt die App keine CPU-Zeit und zieht somit auch nicht am Akku. Sollte eine aktive App mehr Arbeitsspeicher benötigen, als dem System zur Verfügung stehen, dann entfernt Android eine der schon länger nicht mehr benötigten Apps aus dem Cache und macht so ganz selbstständig mehr Arbeitsspeicher frei.

Auch die Liste der aktiven Apps (Abbildung 6) muss von Ihnen oder einem Task-Manager nicht ausgedünnt werden. Viele der hier aufgeführten Dienste laufen im Hintergrund und verbrauchen als Service nur wenig Rechenzeit. Beenden Sie hier Dienste von Hand oder automatisch per Task-Killer, dann steht Ihnen zum einen die Funktion des Dienstes nicht mehr zur Verfügung und zum anderen startet das System solche Dienste oft automatisch neu. Mit einem automatischen Task-Killer ergibt sich so ein verschwenderischer Kreislauf aus Killen und Neustarten der Dienste. Deinstallieren Sie lieber Apps, die permanent laufen und die Sie im Normalfall gar nicht benötigen.

Wichtig: WLAN statt 3G

Es gibt Anwender, die WLAN nur dann anschalten, wenn Sie einen sehr schnellen Internetzugang oder ihr Inklusiv-Volumen schonen möchten. Unser Tipp: Lassen Sie WLAN an jedem Ort aktiviert, an dem Sie auch per WLAN ins Internet können. Die Funkverbindung über 3G (UMTS) und in Zukunft auch 4G (LTE) belastet den Akku Ihres Smartphones deutlich stärker als der WLAN-Funk. Starten Sie daher am besten WLAN, wann immer Sie in der Nähe Ihres Zuhauses oder Büros sind.

Achten Sie auch darauf, dass Ihr Handy die WLAN-Verbindung im Standby nicht abbaut, was leider die Voreinstellung bei manchen Smartphone-Herstellern ist. In dem Fall würde die Datenverbindung wieder hochgefahren werden, was wieder mehr Stromverbrauch verursacht, als das aktive WLAN-Modul. Prüfen Sie dazu unter Einstellungen | WLAN | Erweitert die Option WLAN im Standby-Modus aktiviert lassen, sie sollte auf Immer stehen.

Abbildung 9: Die erweiterten WLAN-Einstellungen wurden leider sehr gut hinter dem Menü-Button verborgen.
Abbildung 9: Die erweiterten WLAN-Einstellungen wurden leider sehr gut hinter dem Menü-Button verborgen.

Abbildung 10: Das WLAN sollte auch während des Standbys aktiv bleiben, es verbraucht weniger Strom als 3G.
Abbildung 10: Das WLAN sollte auch während des Standbys aktiv bleiben, es verbraucht weniger Strom als 3G.

Selbst reine WLAN-Tablets profitieren von dieser Einstellung. Würde sich hier das WLAN im Standby schlafen legen, dann müsste etwa zur Synchronisierung der Mails jedes mal eine neue Abfrage gestartet werden. Dazu muss das WLAN-Modul geweckt, eine IP vom DHCP-Server abgerufen, eine Verbindung zum Mail-Server aufgebaut und dann schließlich der Posteingang auf den Eingang neuer Mails geprüft werden.

Bleibt das WLAN wach, dann halten moderne E-Mail-Protokolle (GMail, Exchange und die meisten IMAP-Server) einen Kanal offen und lassen das WLAN-Modul in einen Stromsparmodus fahren. Trifft eine Mail auf Ihrem Mail-Konto ein, dann fährt das WLAN wieder zur vollen Sendeleistung hoch und die Mail wird ohne großen Aufwand ausgelesen, ohne dass die Verbindung komplett neu aufgebaut werden muss.

Es ist auch nicht all zu gravierend das WLAN-Modul aktiviert zu lassen wenn Sie Ihr Haus verlassen. Ohne eine aktive WLAN-Verbindung sperrt das WLAN-Modul nur immer für einen kurzen Moment seine Ohren auf und hört welcher WLAN-Router oder -Access-Point seine Existenz per Broadcast in die Umgebung sendet. Das Empfangen dieser Daten braucht im Gegensatz zu einer stehenden WLAN-Verbindung nur sehr wenig Energie.

Stromspar-Weltmeister können zudem noch die Option Netzwerkhinweis deaktivieren und die Option WLAN nur bei guter Internetverbindung aktivieren (nur bei Android 4.0). Sie sorgen dafür dass sich Android noch weniger um eine mögliche WLAN-Verbindung kümmert und im Fall, dass Sie an die Grenzen Ihres Grundstücks mit dementsprechend schlechten WLAN-Empfang kommen, die schwache WLAN-Verbindung zugunsten eines besseren 3G-Empfangs geschlossen wird.

Abbildung 11: Der Y5-BatterySaver aktiviert nur dort das WLAN, wo Sie es schon einmal benutzt haben.
Abbildung 11: Der Y5-BatterySaver aktiviert nur dort das WLAN, wo Sie es schon einmal benutzt haben.

Besser ist es jedoch natürlich WLAN abzuschalten, wenn Sie es gerade wirklich nicht brauchen. Faule Android-User können dafür auf das kostenlose Tool Y5-BatterySaver [3] zurückgreifen. Es verknüpft die WLAN-Einstellungen zusammen mit der über die Handy-Masten grob ermittelten Position und schaltet anhand der ermittelten Daten den WLAN-Empfänger ab, wenn Sie den Umkreis Ihres WLANs verlassen und wieder an, wenn Ihr Handy sich wieder bei den entsprechenden Funkmasten einbucht.

Optional: Juice Defender

Ein wahrer Kämpfer um Ihren Akku ist der JuiceDefender [4]. Die kostenlose Basisversion deaktiviert jegliche Funkverbindungen, wenn der Bildschirm ausgeschaltet ist und aktiviert sie nur alle 15 oder 30 Minuten für einen kurzen Moment, so dass Benachrichtungen, Mails und andere anstehende Informationen aus dem Internet abgerufen werden können.

Abbildung 12: Der Juice Defender deaktiviert sämtliche Funk-Verbindungen, wenn das Handy in den Standby geht.
Abbildung 12: Der Juice Defender deaktiviert sämtliche Funk-Verbindungen, wenn das Handy in den Standby geht.

Diese simple Maßnahme spart sehr viel Strom, da ein großer Teil der Stromverbraucher so nur für kurze Zeit aktiv ist. JuiceDefender lässt sich in zwei Stufen kostenpflichtig erweitern und ermöglicht dann die Konfiguration praktisch aller relevanten Aspekte wie Zeitfenster und Schwellwerte, Zeitpläne für Tag, Nacht und Wochenende, abhängig von den aktiven Programmen oder auch standortbasiert wie Y5.

Die Bedienung der App ist zwar ungewöhnlich und nicht sonderlich intuitiv, doch Benutzer der App berichten immer wieder von einer deutlichen Verbesserung der Akkulaufzeit, ohne dass dabei großartig an Komfort eingebüßt werden muss.

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