Start Im Test Modding ohne Custom-ROM mit dem Xposed-Framework

Modding ohne Custom-ROM mit dem Xposed-Framework

Wer sein Android-System tunen möchte, greift meistens zu einem Custom-ROM. Doch dabei gehen sinnvolle Anpassungen der Hersteller oft verloren. Nicht so beim Xposed Toolkit: es verspricht Modding ohne Custom-ROM.

Ihr Android-Smartphone oder -Tablet ist bereits gerootet und Sie möchten gerne ein paar Änderungen vornehmen, die der Hersteller so nicht geplant hat? Dann müssen Sie nicht gleich zu einem Custom-ROM greifen, sondern holen sich einfach das Xposed-Framework [1]. Es bietet über Module praktisch unendliche Modding-Optionen, die praktisch jedes Custom-ROM überflüssig machen.

Ein Beispiel für den Nutzen des Xposed-Frameworks findet man etwa bei der Lautstärkeregelung mancher Androiden. Die aktuellen Nexus-Geräte mit Android 4.3 oder neuer zeigen beim Überschreiten einer gewissen Wiedergabe-Lautstärke immer eine Warnung an, die sich nicht deaktivieren lässt. Das kann auf Dauer schon ganz schön nerven. Mit dem Toolkit lässt sich dieser Dialog gezielt abschalten, ohne dass man gleich auf ein Custom-ROM umsteigen müsste. Andere Anwendungsszenarien sind zum Beispiel die Softbuttons von Android. Diese lassen sich über Tweaks mit beliebigen Funktionen ausstatten. Natürlich darf auch der Look & Feel nicht zu kurz kommen. Hier erhalten Sie mit den passenden Xposed-Modulen praktisch uneingeschränkte Möglichkeiten.

Abbildung 1: Mit dem Xposed-Framework deaktivieren Sie diese lästige Warnung auf aktuellen Nexus-Geräten.
Abbildung 1: Mit dem Xposed-Framework deaktivieren Sie diese lästige Warnung auf aktuellen Nexus-Geräten.

Xposed Framework

Das Xposed-Framework dient als Grundlage für diverse Tweaks. Es schafft die Basis für zusätzliche Module, die nicht zwangsläufig von den Xposed-Entwicklern stammen müssen. Das Framework findet sich nicht im Play Store. Sie müssen es als APK-Datei von der Adresse http://repo.xposed.info/ oder aus dem Xposed-Thread im XDA-Forum [2]herunterladen und anschließend manuell installieren. Auch die meisten Module finden sich nicht im Play Store sondern unter der bei [1] angegebenen Adresse. Voraussetzung für das Framework ist ein gerootetes Android-Smartphone mit Version 4.0.4 oder neuer.

Die heruntergeladene APK-Datei (aktuell: de.robv.android.xposed.installer_v29_665be7.apk, Stand Ende April 2014) installieren Sie von Hand im System. Dazu muss auf Ihrem Androiden die Installation von Apps Unbekannter Herkunft unter Einstellungen | Sicherheit erlaubt sein. Xposed kümmert sich nicht um das Rooten Ihres Androiden. Sie müssen Ihr Android-Gerät für die Installation zwar nicht gerootet haben, aber spätestens beim ersten Start meldet sich die SuperUser-App oder Xposed mit einer Fehlermeldung. Details zum Root-Vorgang finden Sie Sie in unserer Root-Ausgabe 03/2014 [3].

Nach der Installation des Xposed-Installers, der lediglich etwas mehr als 550 KByte groß ist, müssen Sie das Framework installieren. Dies geschieht sehr bequem innerhalb gerade installierte App. Sie lädt das aktuelle Framework-Build aus dem Netz und installiert es mit Root-Rechten im System. Möchten Sie später das Framework wieder los werden, dann können Sie es über die App auch deinstallieren. Zum Abschluss müssen Sie Ihr Handy neu starten. Einen entsprechenden Button finden Sie am unteren Ende der Installer-App.

Abbildung 2: Der Xposed-Installer verankert das Framework direkt im Android-System.
Abbildung 2: Der Xposed-Installer verankert das Framework direkt im Android-System.

Abbildung 3: Spätestens bei der Installation des Frameworks müssen Sie der App Root-Rechte gewähren.
Abbildung 3: Spätestens bei der Installation des Frameworks müssen Sie der App Root-Rechte gewähren.

Module installieren

Ohne Module ist das Framework nutzlos. Die Entwickler des Xposed-Frameworks pflegen deshalb mit der Xposed Tweakbox [4] ein Modul-Paket, das diverse Möglichkeiten bietet. Sie installieren die Tweakbox wieder über den Download der APK-Datei aus dem XDA-Developers-Forum. Nach erfolgreicher Installation der Datei, müssen Sie die Tweakbox als ersten Schritt im Xposed Installer unter Modules aktivieren. Diesen Schritt müssen Sie bei jedem installierten Modul wiederholen.

Abbildung 4: Jedes Xposed-Modul muss vor dem ersten Einsatz aktiviert werden.
Abbildung 4: Jedes Xposed-Modul muss vor dem ersten Einsatz aktiviert werden.

Die Toolbox finden Sie nun als App in der Anwendungsschublade, alternativ starten Sie das Modul über einen Klick auf den Eintrag im Xposed-Installer. Wie in den Android-Einstellungen haben Sie nun die Möglichkeit das System zu ändern. So können Sie zum Beispiel die (Hintergrund)-Farbe der Statusbar ändern, das Netzempfang-Icon mit mehr Balken ausstatten oder den Tastatur-Wähler (nach der Installation alternativer Tastatur-Apps) deaktivieren. Viele der Änderungen werden erst nach einem Neustart Ihres Androiden aktiv.

Abbildung 5: Die Tweakbox bietet diverse Optionen in das Android-System einzugreifen.
Abbildung 5: Die Tweakbox bietet diverse Optionen in das Android-System einzugreifen.

Abbildung 6: Ändern Sie zum Beispiel die Farbe der Toolbar oder das Icon der Netzstärke.
Abbildung 6: Ändern Sie zum Beispiel die Farbe der Toolbar oder das Icon der Netzstärke.

Weitere Toolkits

Neben der Toolbox-App haben sich inzwischen auch andere Entwickler dazu entschlossen Module für das Xposed Framework zu erarbeiten. Die wohl größte Mod-Sammlung finden Sie im MoDaCo Toolkit [5]. Das Toolkit bietet etwa eine Option um das Batterie-Symbol aus der Status-Leiste zu verbannen (interessant für User mit Android auf einem HDMI-Stick für das TV-Gerät) oder den Lockscreen ins Querformat zu drehen. Unter dem Eintrag für das Google Nexus findet sich auch die eingangs angesprochene Option, um die Lautstärkewarnung zu deaktivieren.

Abbildung 7: Das Modaco Toolkit sammelt unzählige Hacks unter einer Oberfläche.
Abbildung 7: Das Modaco Toolkit sammelt unzählige Hacks unter einer Oberfläche.

Abbildung 8: Entfernen Sie zum Beispiel die Akku-Anzeige aus der Statusleiste.
Abbildung 8: Entfernen Sie zum Beispiel die Akku-Anzeige aus der Statusleiste.

Die Installation des Modaco Toolkits läuft genauso ab, wie die der Toolbox. Wieder installieren Sie die APK-Datei von Hand und aktivieren das Modul anschließend im Xposed Installer. Danach finden Sie das Toolkit ebenfalls wieder unter Ihren Apps und im Reiter Modules des Xposed Installers. Vergessen Sie nicht, nach der Installation der APK-Dateien die Einstellungen für Apps unbekannter Herkunft wieder zurückzusetzen.

Neben dem MoDaCo-Toolkit finden sich im Play Store bereits andere Apps, die auf das Framework zugreifen. So kann etwa Greenify [6] mit seinen experimentelle Features Push-Nachrichten zu schlafenden Apps durchleiten. Auch Trackball Alert [7] greift auf das Framework zurück, um die mehrfarbige LED vieler Handys (wie zum Beispiel bei einem Galaxy Nexus) individuell pro App mit unterschiedlichen Farben ansteuern zu können.

Nexus-Nutzern und CyanogenMod-Fans mit Android 4.4 empfehlen wir die App XGELS von Alexander Schulz. Damit lässt sich zum Beispiel die Searchbar von Google ausblenden und das Display mit einer einfachen Geste sperren. Auch die Anzahl der Symbole im App-Drawer können Sie mit dieser App anpassen. Sie finden die App Xposed GEL Settings bei Google Play [8].

Abbildung 9: Xposed GEL Settings ist das Xposed-Modul für KitKat-Nutzer mit dem Standard-Launcher von Google!
Abbildung 9: Xposed GEL Settings ist das Xposed-Modul für KitKat-Nutzer mit dem Standard-Launcher von Google!

Fazit

Mit der Installation eines Custom-ROM verliert man manch eine interessante Anpassung des Herstellers in der Original-Firmware. Stromsparmaßnahmen (wie etwa der Stamina-Mode bei Sony) oder verbesserte Kamera-Treiber und spezielle Apps bleiben beim Flashen einer alternativen Firmware auf der Strecke. Mit dem Xposed-Toolkit passiert Ihnen das nicht: sämtliche Vorteile der Original-Firmware bleiben erhalten, viele Nachteile lassen sich hingegen beseitigen. Der vielleicht einzige Nachteil des Toolkits besteht darin, dass die Modul-Pakete oft nur auf Englisch verfügbar sind.


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