Start Magazin Mit Stop-Motion und Clayframes zum Trickfilmproduzent

Mit Stop-Motion und Clayframes zum Trickfilmproduzent

Möchten Sie einen besonderen Weihnachtsgruß versenden oder einen unterhaltsamen Clip produzieren? Dann greifen Sie doch mit Ihrem Androiden etwas tiefer in die Trickkiste und produzieren einen eigenen Trickfilm. Dabei helfen Ihnen die Apps Stop-Motion und Clayframes.

Trickfilme sind eine Aneinanderreihung von mehreren Bildern pro Sekunde, wie Sie es schon vom guten alten Daumenkino kennen. Dabei unterscheiden sich die aufeinanderfolgenden Bilder nur minimal voneinander, damit keine Bewegungssprünge entstehen. Für den Trickfilm können Sie alle möglichen Gegenstände oder Bilder verwenden. Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Bevor Sie loslegen, benötigen Sie eine Idee, Ihre Requisiten und natürlich Ihren Androiden mit einer Kamera und der passenden Anwendung. Es empfiehlt sich für die Aufnahmen ein Stativ zu verwenden, damit die einzelnen Aufnahmen nicht verrutschen. Spezielle Smartphone-Stative gibt es in vielen Variationen bereits für wenig Geld. Möchten Sie die Aufnahmen von oben machen, was etwa bei Trickfilmen mit am Boden liegenden Buchstaben oder Bildern sinnvoll ist, können für Ihren Androiden ein Stativ mit beweglichen Beinen oder Saugknöpfen oberhalb der Szene an irgendeinem Gegenstand oder der Decke fixieren. Ansonsten erfüllt ein kleines Tischstativ seinen Zweck. Achten Sie zudem auf eine ausreichende und gleichbleibende Beleuchtung und verwenden Sie bei Bedarf zusätzlich eine helle Lampe.

Stop-Motion


Mit Stop-Motion nehmen Sie Bilder auf, die das Programm danach automatisch in einen Trickfilm umwandelt. Diese Anwendung gibt es kostenlos, jedoch mit eingeschränkter Bildqualität (176×144 Pixel) oder als Vollversion für 1,51 Euro. Zunächst geben Sie unter Playback rate an, wie viele Bilder pro Sekunde Ihr Trickfilm haben soll (Abbildung 1). Bei laufenden Bewegungen von Figuren sollten Sie nicht weniger als 10 Bilder in der Sekunde einstellen. Allerdings brauchen Sie dann für längere Clips entsprechend viele Aufnahmen. So benötigen Sie für einen Trickfilm von einer Minute Länge bei 10 Bildern pro Sekunde insgesamt 600 Fotos. Möchten Sie einen kurzen Gruß mit ins Bild laufenden Buchstaben erstellen, kommen Sie hingegen auch mit weniger Bildern pro Sekunde aus. Diese Einstellung lässt sich auch im Nachhinein noch anpassen.

Im nächsten Schritt legen Sie die Bildqualität fest. Eine hohe Auflösung geht allerdings mit einer höheren Speicherkapazität einher. Wie viel Platz Sie noch haben, zeigt Ihnen das Programm daher auf dem Startbildschirm an. Besonders hilfreich sind die Einstellungen im Bereich Overlay , auf Deutsch: Überlagerung. Hier können Sie nach Wunsch ein Gitter anzeigen lassen (Abbildung 2) oder die vorherige Aufnahme als Anhaltspunkt im Hintergrund einblenden (Abbildung 3). Wenn Sie bestimmte Bewegungsabläufe machen möchten, ist es sinnvoll genau zu sehen, wo sich der Gegenstand vorher befand.

Nun positionieren Sie Kamera und Gegenstände und nehmen die Bilder auf. Leider ist es nicht möglich, dem Trickfilm im Nachhinein noch weitere Aufnahmen hinzuzufügen. Daher können Sie mit Stop-Motion keine größeren Projekte durchführen. Zudem sollten Sie bei den einzelnen Fotos darauf achten, dass keine großen Sprünge drin sind, da Sie dies später nicht mehr korrigieren können. Um die Kamera Ihres Androiden zu betätigen, berühren Sie den Bildschirm. Sind Sie fertig, speichern Sie Ihre Bilder ab. Danach können Sie jedoch nicht mehr viel an Ihrem Projekt ändern (Abbildung 4). Zur Anzeige des Videos benötigen Sie den VLC Media Player. Mit FFmpeg, einer speziellen Plattform, können Sie Ihren Clip in ein mp4-Format konvertieren. Eine schrittweise Anleitung finden Sie dafür in der Hilfe. Ihr fertiges Video laden Sie auf YouTube hochladen, schieben es in die Dropbox oder teilen es auf Facebook mit Ihren Bekannten.

Abbildung 1: Im Startbildschirm legen Sie die Einstellungen für das neue Projekt fest. Unter My Stop Motions sehen Sie Ihre ganzen Filme.
Abbildung 1: Im Startbildschirm legen Sie die Einstellungen für das neue Projekt fest. Unter My Stop Motions sehen Sie Ihre ganzen Filme.

Abbildung 2: Das Gitter (Grid) hilft dabei, die Gegenstände genau zu positionieren.
Abbildung 2: Das Gitter (Grid) hilft dabei, die Gegenstände genau zu positionieren.

Abbildung 3: Die Überlagerung des vorherigen Bildes (Onion Skin) hilft dabei, Veränderungen wirklich nur minimal durchzuführen.
Abbildung 3: Die Überlagerung des vorherigen Bildes (Onion Skin) hilft dabei, Veränderungen wirklich nur minimal durchzuführen.

Abbildung 4: Erteilen Sie Ihrem Projekt in My Stop Motions Edit einen Namen, damit sie den Überblick behalten.
Abbildung 4: Erteilen Sie Ihrem Projekt in My Stop Motions Edit einen Namen, damit sie den Überblick behalten.

Bei der Aufnahmequalität gibt es leider einige Mängel. Nicht nur das veraltete 4:3-Format ist störend, Stop-Motion nutzt zudem bei der Kamera den eingebauten Blitz nicht, sodass Sie selbst für ausreichend Licht sorgen müssen. Kunstlicht wirkt in den Fotos gelbstichig. Farbanpassungen an das Umgebungslicht sind leider nicht vorgesehen. Ein weiterer großer Nachteil besteht darin, dass Sie keine Musik oder Aufnahmen direkt in das Programm einpflegen können. Benötigen Sie Text, müssen Sie das entweder nachträglich in einem anderen Programm einsprechen oder sie blenden den Text in der laufenden Story ein, indem Sie Wörter oder Sätze durch das Bild laufen lassen.

Clayframes


Clayframes wirkt auf den ersten Blick etwas unübersichtlicher und altmodischer als Stop-Motion, bietet dafür allerdings mehr Features (Abbildung 5). Mit der kostenlosen Version können Sie zwei Clips mit jeweils bis zu 50 Bildern aufnehmen. Für 1,89 Euro erhalten Sie die Vollversion ohne Beschränkung. In den Einstellungen (Options) geben sie zunächst auch wieder die Anzahl der Bilder pro Sekunde an. Danach stellen Sie ein, wie Sie die Kamera betätigen wollen. Den Auslöser drücken Sie entweder durch Berühren des Bildschirms, über den Sensor oder automatisiert über einen eingestellten Timer. Im Gegensatz zu Stop-Motion haben Sie sogar die Möglichkeit, einen Weißabgleich durchzuführen, also anzugeben wie die Lichtverhältnisse in der Umgebung sind. In den Einstellungen können Sie auf Wunsch noch einen künstlerischen Effekt auswählen.

Mit Clayframes ist es Ihnen möglich, Ihre Projekte auch später noch weiterzuführen. Dazu wählen Sie die jeweilige Datei aus und fügen bei Photo neue Aufnahmen hinzu. Aufgrund der automatischen Anzeige des vorherigen Bildes können sie den ursprünglichen Zustand ganz problemlos wieder rekonstruieren und vermeiden dadurch ärgerliche Fehler. Sie haben den Auslöser zu früh betätigt und Ihre Hand war noch im Bild? Kein Problem. Gehen Sie auf Review und suchen Sie in der Leiste das entsprechende Bild aus. Halten Sie die Auswahl gedrückt, um zwischen löschen und duplizieren zu entscheiden. Auf den Befehl Reverse läuft die komplette Handlung sogar rückwärts.

Wie bei Stop-Motion müssen Sie sich bei Clayframes selbst um die Beleuchtung kümmern, da die App das Blitzlicht der Smartphone-Kamera nicht nutzt. Der Weißabgleich ist zwar durchaus hilfreich, aber führt nicht zu perfekten Ergebnissen. Zudem ist es bisher nicht möglich, Tondateien aufzunehmen oder nachträglich Musik zu integrieren. Auch hier müssen Sie auf alternative Apps ausweichen. Zu guter Letzt speichert auch Clayframes die Trickfilme im 4:3-Format.

Abbildung 5: Die Übersicht der Funktionen von Clayframes.
Abbildung 5: Die Übersicht der Funktionen von Clayframes.

Abbildung 6: Die Overlay-Funktion hilft beim Positionieren der Figuren.
Abbildung 6: Die Overlay-Funktion hilft beim Positionieren der Figuren.

Abbildung 7: Den fertigen Clip gibt es leider nur um 4:3-Format.
Abbildung 7: Den fertigen Clip gibt es leider nur um 4:3-Format.

Fazit

Mit beiden Apps können Sie unkompliziert und schnell Trickfilme produzieren. Legen Sie Wert auf schnelle Ergebnisse und eine einfache Bedienweise, sind Sie mit Stop-Motion gut bedient. Möchten Sie jedoch einen aufwendigeren Trickfilm drehen und eventuell ein paar Effekte einbauen, ist Clayframes die bessere Wahl. Zu kritisieren ist bei beiden Anwendungen, dass insgesamt nur wenige Möglichkeiten für die Weiterbearbeitung Ihrer Filme zur Verfügung stehen. Wünschenswert wären weitere Effekteinstellungen, das Einsetzen der Kamerabeleuchtung und das Hinzufügen von Ton. Es ist schade, dass beide Anwendungen stark hinter den technischen Möglichkeiten zurückbleiben. Es bleibt zu hoffen, dass die Entwickler solche zusätzlichen Funktionen noch mit aufnehmen, um professioneller gestaltete Trickfilme zu ermöglichen. Dennoch lohnt es sich, diese einmal auszuprobieren, da die Trickfilmproduktion sehr viel Spaß machen kann und das Ergebnis sicherlich für Erheiterung sorgt.

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