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Mit Gmote und Android den Rechner fernsteuern

Android-Handys erweisen sich im Alltag als digitale Multitools. Mit der richtigen App verwandeln sie sich in Fernbedienungen zum Abspielen beziehungsweise Ausführen von Mediadateien auf Ihrem PC.

Über die Apps im Android Market haben Sie gefühlt unbegrenzte Möglichkeiten, Ihr Android-Handy um Funktionen zu erweitern. Eine sehr praktische Erweiterung besteht darin, das Handy in eine Fernbedienung verwandeln. Für diese Aufgabe bietet der Android-Market gleich mehrere Apps an, eine besonders praktische und vielseitige unter diesen ist Gmote. Mit dem frei verfügbaren Programm lässt sich nicht nur der Medienplayer auf dem PC steuern, sondern Sie können das Tool auch als Streaming-Client und als Touchpad-Ersatz benutzen.

Client und Server

Gmote [1] finden Sie im Android-Market. Möchten Sie die App auf einem Android-Gerät ohne Market-Zugriff installieren, dann finden Sie auf der Google-Code-Seite des Projekts [1] die passende APK-Datei zum Download. Das Tool unterstützt neben der Fernbedienungsfunktion auch das Streaming von Musik und Fotos auf Ihr Handy. So haben Sie im Heimnetzwerk immer Ihre Lieblingsmusik parat. Alles was Sie dazu benötigen, ist Ihr Android-Handy, einen PC und ein eingerichtetes Heimnetzwerk mit WLAN-Router.

Um Gmote zu installieren, müssen Sie zunächst die entsprechende App gleichen Namens auf ihr Android-Handy laden. Falls Sie nicht den Weg über den Market wählen, müssen Sie dazu zunächst über die Android-Einstellungen unter Anwendungen die Installation von Apps unbekannter Herkunft akzeptieren. Von den Berechtigungen her verlangt die App lediglich, Internetverbindungen verwenden und den Standby-Modus deaktivieren zu dürfen. Nach der Installation ist Ihr Android-Handy der so genannte Gmote-Client. Nun muss noch der Gmote-Server eingerichtet werden – ihr PC.

Auf dem PC sind je nach benutztem Betriebssystem ein paar Arbeitsschritte mehr erforderlich. Unter Windows laden Sie sich unter [3] den Setup-Assistenten für Windows herunter. Starten Sie im Anschluss die Setup-Datei und folgen Sie den dort angegebenen Beschreibungen. Im letzten Installationsschritt können Sie festlegen, ob der Gmote-Server automatisch bei jedem Windows-Start ausgeführt werden soll.

Im Anschluss an die Installation, öffnet sich automatisch ein Dialog zur Vergabe eines Zugangspassworts. Danach öffnet sich der Media Path Selector zur Freigabe von Ordnern. Fügen Sie hier über Add Path Ordner mit Musik, Fotos und Videos hinzu, die Sie über Gmote ansprechen möchten und schließen Sie den Dialog durch einen Klick auf Done. Nun stehtüber die Task-Leiste ein entsprechendes Symbol für die Steuerung des Gmote-Servers zur Verfügung.

Achten Sie insbesondere unter Windows darauf, dass eine eventuell installierte Firewall Gmote nicht blockiert und geben Sie dann gegebenenfalls Gmote über die Firewall-Konfiguration frei. Jetzt können Sie Gmote auf Ihrem Android-Handy starten.

Auch unter Mac OS X läuft die Installation ähnlich einfach ab. Hier müssen Sie sich zunächst für das passende Zip-Archiv entscheiden, je nachdem, ob Sie die aktuelle Version Snow Leopard oder eine ältere benutzen. Anschließen führen Sie das im ZIP-Paket enthaltene Installationsprogramm aus (Abbildung 1). Sie finden Gmote anschließend unter den Programmen.

Abbildung 1: Die Installation (hier unter Mac OS X) bereitet auch unter Windows und Linux keinerlei Probleme.
Abbildung 1: Die Installation (hier unter Mac OS X) bereitet auch unter Windows und Linux keinerlei Probleme.

Beim ersten Start legen Sie das Passwort fest (Abbildung 2) und richten anschließend die Verzeichnisse frei, die Gmote nach unterstützten Mediadateien untersuchen soll (Abbildung 3). Die Installation unter Linux beschreibt der Kasten "Gmote-Server für Linux".

Abbildung 2: Setzen Sie ein Passwort, damit nicht jemand unerwünscht mithört oder mitsieht.
Abbildung 2: Setzen Sie ein Passwort, damit nicht jemand unerwünscht mithört oder mitsieht.

Abbildung 3: Über den Media Path Selector teilen Sie Gmote mit, welche Verzeichnisse aus der Ferne aufgerufen werden dürfen.
Abbildung 3: Über den Media Path Selector teilen Sie Gmote mit, welche Verzeichnisse aus der Ferne aufgerufen werden dürfen.

Musik freigeben und loslegen

Um den Server betriebsbereit zu machen, müssen Sie ein Zugangspasswort vergeben und die Ordner mit den Mediadateien freigeben, die Sie über Gmote steuern möchten. Klicken Sie dazu mit der rechten Maustaste auf das Gmote-Symbol im Systempanel und rufen Sie über Settings | Change password den Dialog zum Passwort ändern auf (falls Sie nicht bereits bei der Installation ein Passwort gesetzt haben). Vergeben Sie in diesem Dialog das Zugangspasswort und bestätigen Sie dieses über OK. Die Freigabe für die Mediadateien erfolgt über das Menü Settings | Change media paths des Systempanels, was den Dialog Media Path Selector öffnet (Abbildung 3). Fügen Sie nun über Add Path alle relevanten Ordner hinzu, die Bilder, Videos und Musik enthalten und die Sie über Ihr Android-Handy fernsteuern beziehungsweise abspielen möchten. Das Hinzufügen von einzelnen Dateien ist nicht möglich. Damit haben Sie das Setup des Servers abgeschlossen.

Gmote-Server für Linux

Linux-Nutzer benötigen den VLC Media Player [2], den Sie meist bequem über die Software-Verwaltung Ihrer Distribution installieren können. Prüfen Sie nach der Installation von VLC mit dem Befehl whereis vlc über eine Konsole, ob sich der VLC Media Player am Speicherort /usr/bin/vlc befindet. Falls nicht, dann setzen Sie mit Root-Rechten und dem Kommando ln -s aktueller_vlc-Pfad /usr/bin/vlc einen symbolischen Link an diese Stelle. Ersetzen Sie dazu aktueller_vlc-Pfad durch den Pfad, der Ihnen mit dem Befehl whereis angezeigt wurde. Weiterhin setzt Gmote voraus, dass eine Java-Laufzeitumgebung installiert ist und dass eine Netzwerkverbindung besteht.

Laden Sie nun das Linux-Paket von Gmote für Ihren PC herunter [3] und entpacken Sie es in ein beliebiges Verzeichnis. Zu guter Letzt müssen Sie die Datei GmoteServer.sh noch ausführbar machen. An einfachsten geht dies mit dem Befehl chmod +x GmoteServer.sh. Nun können Sie Gmote über den Befehl ./GmoteServer.sh starten. Nach dem Start steht in Ihrem Systempanel ein entsprechendes Symbol zur Verfügung.

Gmote in Aktion

Starten Sie nun Gmote auf Ihrem Android-Handy. Beim ersten Start weist Sie die App darauf hin, dass der Gmote-Server installiert sein muss, bevor Sie die App nutzen können. Da dieser Schritt bereits getan ist, können Sie direkt auf I have installed the Server. Start Gmote! drücken. Danach sucht Gmote, nach den verfügbaren Gmote-Servern im Bereich des lokalen Netzes. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Desktop-Rechner per LAN oder WLAN mit dem Android-Gerät verbunden ist – Hauptsache die beiden Geräte befinden sich im gleichen Netzwerk. Markieren Sie nun den gewünschten Gmote-Server (in der Regel erscheint hier nur ein Eintrag). Um die Mediendaten auszuwählen, drücken Sie auf Browse (Abbildung 2).

Abbildung 4: Der Browser dient zum Auswählen von Mediadateien. Sie können außerdem festlegen, ob die jeweilige Datei auf PC oder Handy abgespielt wird.
Abbildung 4: Der Browser dient zum Auswählen von Mediadateien. Sie können außerdem festlegen, ob die jeweilige Datei auf PC oder Handy abgespielt wird.

Haben Sie sich für eine Datei entschieden, startet auf dem PC der zugehörige Medienplayer. Unter Mac ist das iTunes, unter Windows der Windows Media Player und unter Linux der VLC Media Player. Die Inhalte werden also in der Grundeinstellung auf den dort angeschlossenen Lautsprechen und bei Videos auf dem angeschlossen Bildschirm beziehungsweise Fernseher ausgegeben. Gmote selbst wechselt auf dem Handy in den Fernbedienungsmodus (Remote), in dem Sie den gestarteten VLC Media Player auf dem PC steuern können. Neben den üblichen Abspielfunktionen und der Lautstärkeregelung finden Sie oben rechts ein Symbol, über das Sie den Player auf dem PC wieder beenden.

Streamen und Tippen

Der Gmote-Server unterstützt auch das Abspielen (Streamen) von Mediadateien, die auf Ihrem PC oder einer angeschlossenen Festplatte gespeichert sind. Diese Funktion befindet sich zwar noch im Beta-Status, kann aber bei Musik- und Bilddateien trotzdem schon beeindrucken. Das Abspielen von Filmen ist derzeit nur bei sehr wenigen Dateitypen möglich. Klicken Sie auf Browse und im Anschluss unter Play on auf Phone (beta). Wählen Sie nun eine Audio- oder Bilddatei aus, Gmote übernimmt nun die Playerfunktion und öffnet die Datei auf ihrem Handy (Abbildung 5). Bilder werden in einem einfachen aber trotzdem schicken Bildbetrachter geöffnet (Abbildung 6). Als eine der wenigen Streaming-Apps zeigt Gmote dabei auch Albumbilder an.

Abbildung 5: Über diese Oberfläche steuern Sie Gmote. Über Browse wechseln Sie in den Dateibrowser, um Dateien auszuwählen.
Abbildung 5: Über diese Oberfläche steuern Sie Gmote. Über Browse wechseln Sie in den Dateibrowser, um Dateien auszuwählen.

Abbildung 6: Ein übersichtlicher Bildbetrachter ermöglicht das Anzeigen von Urlaubsfotos auf dem Handy. Die Bilder sind auf dem PC gespeichert.
Abbildung 6: Ein übersichtlicher Bildbetrachter ermöglicht das Anzeigen von Urlaubsfotos auf dem Handy. Die Bilder sind auf dem PC gespeichert.

Eine weitere nützliche Funktion im Betastatus ist das Aufrufen von webbasierten Inhalten. Dafür besitzt Gmote einen integrierten Browser, über den Sie Internetseiten öffnen können (siehe Abbildung 7). Drücken Sie dazu auf die Menütaste Ihres Android-Smartphones und dann auf Web (beta). Der Webbrowser verfügt derzeit nur über Grundfunktionen. Sie können Internetadressen aufrufen und per Handytaste zur vorherigen Seite zurückkehren. Eine Lesezeichenfunktion fehlt dagegen. Über die Taste open on computer öffnet Gmote die jeweils eingegebene Adressen in einem Webbrowser auf dem PC.

Abbildung 7: Der integrierte Webbrowser ermöglicht das Surfen im Internet und das Aufrufen der Internetseiten auf den PC.
Abbildung 7: Der integrierte Webbrowser ermöglicht das Surfen im Internet und das Aufrufen der Internetseiten auf den PC.

Maus und Tastatur

Der Funktionsumfang von Gmote wird durch das Touchpad komplettiert. Das Ziel dieser Funktion ist das, eine Maus und eine Tastatur mit dem Android-Handy zu simulieren, sodass Sie Ihren PC bequem zum Beispiel vom Sofa aus bedienen können. Auch diese Funktion befindet sich derzeit noch im Betastatus, funktioniert aber recht gut. Die Tastatur ist aber bereits funktionstüchtig. So kann man mit Gmote und einem Android-Gerät bequem einen PC steuern, der zum Beispiel an einen Fernseher oder Beamer angeschlossen ist. So könnte man auf klobige Funk- beziehungsweise Bluetooth-Tastaturen verzichten. Es bleibt also abzuwarten, wann diese Funktion den Beta-Status hinter sich gelassen hat.

Infos

  1. Google-Code-Seite: http://code.google.com/p/gmote/
  2. Gmote-Homepage: http://www.gmote.org/
  3. Gmote-Server: http://www.gmote.org/server

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