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Mit Geocaching verborgene Winkel erkunden

Weltweit verstecken und finden Menschen aus allen Altersgruppen Schätze. Bei dieser modernen Form eines sehr alten Spiels übernimmt der GPS-Empfänger von handelsüblichen Smartphones eine tragende Rolle.

Da sich in den letzten Jahren Smartphones mit GPS immer stärker ausgebreitet haben, gewinnt ein neuer Volkssport weltweit an Beliebtheit: Das Geocaching. Hierbei handelt es sich jedoch nicht – wie manchmal zu lesen ist – einfach nur um eine Art GPS-gestützte Schnitzeljagd, bei der das Handy als Navigationshilfe genutzt wird. Es spielen über die Internetverbindung des Smartphones Menschen zusammen, die sich noch nie gesehen haben (und in der Regel auch nie sehen werden) – und von den Verstecken existieren unterschiedliche "Arten".

Mehrere Varianten

Da wären zum einen die Traditional-Caches. Das Wort "Cache" steht hierbei für Versteck. Das Handy des Schatzsuchers lotst diesen mit einer Genauigkeit von +/- 10 Metern (je nach Gerät auch genauer) in die Nähe des Zielorts. Von da an gilt es, mit offenen Augen alles abzusuchen. In einem Wald könnte beispielsweise bei einem nahegelegenen Baum innerhalb eines Astloches ein kleiner Behälter liegen, der durch einen darübergelegten Zweig verdeckt wird. Auf einer innerstädtischen Metallbrücke könnte ein kleines, zur Tarnung grau angemaltes Döschen in einer Ritze versteckt sein. Die aufzusuchenden Behälter weisen mindestens einen Zettel auf, auf dem sich jeder Finder mit Pseudonym, Datum und Uhrzeit verewigt. Manchmal enthalten sie auch zusätzlich Tauschgegenstände: Hier kann (muss aber nicht) der Finder einen Gegenstand herausnehmen und dafür einen mindestens gleichwertigen eigenen zurücklassen. Zum Schluss sollte der Behälter wieder in sein Versteck gelegt werden, damit der nächste vorbeikommende Geocacher ebenfalls noch Spaß an der Suche hat.

Bei den meisten Caches handelt es sich um die Sorte Traditional. Solche können recht spontan gesucht werden: Die passende App auf dem Android Handy zeigt alle nahegelegenen Caches an. Der Nutzer liest sich zur Erleichterung der Auswahl von einem die Beschreibungen aller durch (wie hoch ist der Schwierigkeitsgrad? Befindet sich eine interessante Sehenswürdigkeit in der Nähe? Sind Hilfsmittel – wie zum Beispiel Gummistiefel – notwendig?). Nebenbei lohnt sich noch ein Blick auf die Online-Kommentare anderer Nutzer, die erst vor kurzem jeweils den Ort aufgesucht haben. Dort steht etwa, ob ein Ziel besonders lohnenswert ist (Das Versteck war eine tolle Idee und von hier aus hat man einen atemberaubenden Blick über das ganze Tal).

Anders funktionieren Multi-Caches. Bei diesen existieren mehrere, fest vorgegebene Orte, die alle abgearbeitet werden müssen. Oft erhält der Geocacher als Erstes nur die Koordinaten des Startpunktes. Wenn er dort ist, bekommt er weitere Informationen zur Auffindung der nächsten Station. Manchmal erzählen Multi-Caches dabei über den angezeigten Beschreibungs-Text eine außenrum gesponnene, fiktive Geschichte. Oder alle abzusuchenden Orte weisen einen Zusammenhang auf (etwa Überreste unserer Stadt aus der Römerzeit oder eine Mountainbike-Tour zu den schönsten Sehenswürdigkeiten).

Abbildung 1: Beschreibung eines "Mystery-Caches" in der selbstsprechend betitelten App namens "Geocaching".
Abbildung 1: Beschreibung eines "Mystery-Caches" in der selbstsprechend betitelten App namens "Geocaching".

Abbildung 2: Geocacher hinterlassen Kommentare zu einem Versteck, nachdem sie dieses aufgesucht haben.
Abbildung 2: Geocacher hinterlassen Kommentare zu einem Versteck, nachdem sie dieses aufgesucht haben.

Bei einem Mystery-Cache löst dagegen der Nutzer erst eine Aufgabe, bevor er die tatsächlichen GPS-Koordinaten erhält. Hier sind der Kreativität der Cache-Owner (das sind Leute, welche selbst Caches erstellen und im Internet eintragen) keine Grenzen gesetzt. Mal kann es sein, dass ein Sudoku gelöst werden muss. Ein anderes Mal heißt es: Gehe in das Foyer des Westdeutschen Rundfunks. Schaue auf die Statue der Maus. Zähle die Buchstaben des dort eingelassenen Schriftzugs und setze die Zahl in die folgende Formel ein: [..]. Mystery-Caches können auch mit Multi-Caches kombiniert auftreten, so dass etwa der Startpunkt nur über das Lösen eines Rätsels herausgefunden werden kann.

Verstecken und verbergen

Aber wer denkt sich eigentlich diese ganzen Verstecke aus? Das kann im Prinzip jeder. Nachdem ein Behälter versteckt wurde, muss der frischgebackene Cache-Owner diesen nur noch mit seinen GPS-Koordinaten und einer kleinen Beschreibung auf einer speziellen Internet-Seite eintragen. Geocaching-Apps lesen solche Homepages automatisiert aus, und lassen aufbauend auf diesen Informationen dann Cache-Sucher Verstecke aussuchen und finden.

Vor Ort sollten eifrige Sucher allerdings an zufällig vorbeikommende Passanten denken: So ist es mitunter problematisch, zur Mittagszeit eine belebte Großstadt-Kreuzung nach einem Cache abzusuchen. Auch in der Natur kann es bei Beobachtern leicht zu Missverständnissen führen, wenn regelmäßig unterschiedliche Personen dieselben Orte nach Verstecken durchkämmen. Zudem sollte ein Behälter ausreichend verdeckt sein – bevor ein vorbeikommender Wanderer denkt, er habe gerade Müll gefunden und den Cache daraufhin entsorgt.

Der Einstieg

Um in dieses Hobby hineinzuschnuppern, wird nur eine hierauf zugeschnittene App benötigt. Wir stellen Ihnen drei der bekanntesten vor. Bei den nachfolgenden Tests spielte neben den üblichen Kriterien ebenfalls eine Rolle, auf welches Cache-Verzeichnis im Internet eine App zugreift. Je besser besucht die verwendete Homepage ist, desto mehr und aktuellere Caches sind dort eingetragen und werden von ihr an die App weitergereicht. Um herauszufinden, ob auch an vollkommen unterschiedlichen Orten ausreichend Caches angezeigt werden, prüften wir die Handy-Programme nacheinander in strukturell komplett verschiedenen Regionen auf Herz und Nieren: In einer Millionenstadt (Köln), einer Kleinstadt (das 18000 Einwohner zählende Konz im Rheinland) sowie einem kleinen Dorf (der 400 Seelen Ort Knöringen in der Südpfalz). Bedeutende Kriterien waren zudem praxisrelevante Zusatzfunktionen der Apps sowie deren Bedienbarkeit und preisliche Gestaltung.

Geocaching


Die offizielle App von den Machern der Seite geocaching.com nennt sich selbstsprechend auch einfach nur Geocaching [1]. Dieser Hintergrund ist gleichzeitig auch ihre größter Stärke: Geocaching.com wurde vor über 10 Jahren als erster Anlaufpunkt dieser Art gegründet (damals waren die Menschen noch mit teuren, separat angeschafften GPS-Empfängern unterwegs – Smartphones kamen erst später auf). Seitdem wurden weltweit fast zwei Millionen Caches versteckt und auf dieser Homepage eingetragen. Davon sind derzeit immerhin 1,8 Millionen als aktiv markiert. So konnten wir uns im Praxistest auch nicht über die Menge der Verstecke beklagen. In Köln existierte erwartungsgemäß eine hohe Anzahl – wobei im Innenstadtbereich die Mystery-Caches dominierten. Selbst die Kleinstadt Konz verfügte über eine ansehnliche Menge. Dort wurden hauptsächlich Traditional-Caches an Sehenswürdigkeiten ausgelegt oder Multi-Caches für Wanderer und Radfahrer. Das kleine Dorf Knöringen beherbergte im Ort selbst kein einziges Versteck. Der direkt umliegende Weinberg wies zwei Caches auf, und wenn die Suche auf den fünf Kilometer-Umkreis erweitert wurde, wuchs die Anzahl sogar auf eine enorme Menge an.

Bei allen drei der getesteten Orte waren die von anderen Nutzern hinterlassenen Kommentare hochaktuell. So wurde jeder betrachtete Cache zumindest innerhalb der letzten zwei Wochen von jemand anderem angesteuert und kommentiert (manchmal sogar erst am Tag zuvor). Alle Verstecke wurden korrekt als aktiv oder nicht aktiv markiert (wenn zum Beispiel der Behälter verschwunden war).

Abbildung 3: Die älteste Anlaufstelle zum Thema: geocaching.com.
Abbildung 3: Die älteste Anlaufstelle zum Thema: geocaching.com.

Die App Geocaching an sich ist auch für Anfänger sehr übersichtlich aufgebaut und schön anzuschauen. Mit wenigen Klicks gelangt der Benutzer an die jeweils nächste Information. Leider kommt die Übersichtlichkeit nicht von ungefähr: Die App verfügt über sehr wenige Zusatzfunktionen. So ist es zum Beispiel nicht möglich, zu Hause bereits Landkarten herunterzuladen, welche später dabei helfen offline (also ohne bestehende Internetverbindung) nach Caches suchen zu können. Im Play Store ist die App nur für den überaus stolzen Preis von sieben Euro erhältlich. Ferner versucht der Anbieter, zusätzlich Premium-Accounts für 30 USD/Jahr zu verkaufen, welche Zusatzfunktionen anbieten (das grundlegende Geocaching ist jedoch auch mit einem kostenlosen Basic-Account möglich – der Kaufpreis für die App fällt jedoch in jedem Fall an). Auf Grund dieser Preisstruktur und der Funktionsarmut drängt sich der Gedanke auf, ob nicht besser zu einer Alternative gegriffen werden sollte.

c:geo


Diese App greift ebenfalls auf die Daten der Seite geocaching.com zu. Dementsprechend werden dieselben Caches wie auch bei der offiziellen App der Homepage-Betreiber gefunden. Allerdings wurde sie nicht von diesen programmiert, sondern von unbeteiligten Dritten. Deswegen kann das Programm kostenlos im Google-Play-Store heruntergeladen und benutzt werden. Auf den ersten Blick wirkt c:geo [2] weniger bunt und unübersichtlicher als die offizielle Geocaching-App. Doch dies liegt nur an der Fülle der Funktionen. Da die Bedienung logisch aufgebaut und die Menüabfolge nachvollziehbar ist, findet sich der Nutzer bereits nach wenigen Minuten Einarbeitungszeit zurecht. Die Vielzahl an zusätzlichen Funktionen stellen bei längerem Benutzen sogar ein großes Plus dar (beispielsweise ist es problemlos möglich, Karten und Caches vor einer Tour zu speichern, so dass später auch offline gesucht werden kann). Die Live-Karte wirkt übersichtlicher als bei der Original-App und baut sich signifikant schneller auf – so können schnell nahegelegene Caches auf einem Stadtplan entdeckt werden. Schon nach wenigen Minuten machen Geocaching-Touren mit c:geo richtig Spaß.

Abbildung 4: Die App c:geo beim Anzeigen eines Fotos als Suchhilfe.
Abbildung 4: Die App c:geo beim Anzeigen eines Fotos als Suchhilfe.

Abbildung 5: Bei c:geo baut sich die Live-Karte schnell auf.
Abbildung 5: Bei c:geo baut sich die Live-Karte schnell auf.

Columbus


Mit einer Besonderheit wartet die kostenlose App Columbus [3] auf: Nicht nur geocaching.com wird als Cache-Datenbank unterstützt, sondern auch mehrere alternative Seiten wie opencaching.com. Leider enthalten solche Alternativen derzeit noch sehr wenige Verstecke. Im getesteten Dorf fand sich via opencaching.com nur ein Cache im fünf Kilometer-Umkreis, welcher zum letzten Mal drei Monate zuvor von jemand anderen aufgesucht worden war. In der geprüften Kleinstadt fand sich nur ein einziger Anlaufpunkt, und selbst im Stadtkern der Metropole Köln ließen sich die eingetragenen Caches an einer Hand abzählen. Derzeit macht dementsprechend – trotz der in dieser App angebotenen Alternativen – fast nur das Auswählen der Datenbank von geocaching.com Sinn.

Columbus besticht durch einige Zusatzfeatures. So kann das Kartenmaterial von unterschiedlichen Anbietern eingebunden werden, eine Offline-Nutzung ist ebenfalls möglich. Die Bedienung ist wiederum alles andere als intuitiv – sie wirkt sogar leider sehr unübersichtlich. Die Eingewöhnungszeit dürfte somit länger dauern als bei anderen Apps.

Abbildung 6: Columbus ermöglicht auch die Wahl alternativer Cache-Datenbanken.
Abbildung 6: Columbus ermöglicht auch die Wahl alternativer Cache-Datenbanken.

Fazit

Auf den ersten Blick scheint die von den geocaching.com-Betreibern herausgegebene App namens Geocaching für Anfänger interessant zu sein: Sie ist auf Grund ihrer wenigen Funktionen übersichtlich und optisch ansprechend gestaltet. Doch bei näherer Betrachtung ist sie im Vergleich zur Konkurrenz zu spartanisch ausgestattet. Auch auf Grund des hohen Preises sollte der interessierte Benutzer eher die kostenlose Konkurrenz c:geo in Betracht ziehen: diese bietet viele Möglichkeiten, weist jedoch zugleich einen logischen und durchdachten Aufbau auf. Die Einarbeitungszeit fällt nur minimal länger aus. Der Kauf der offiziellen Geocaching-App lohnt sich eher nur dann, wenn man hiermit die dahinter stehende Homepage unterstützen möchte. Das Programm selbst ist die sieben Euro kaum wert.

Bei Columbus wirkt der Ansatz, auch andere Seiten als geocaching.com als Datenbasis zu benutzen, eigentlich sehr interessant. Da die alternativen Homepages jedoch (derzeit) noch nicht ansatzweise so viele Caches verzeichnen wie das Original, ist diese Möglichkeit momentan noch kein ausschlaggebendes Kriterium. Der sonstige Funktionsumfang von Columbus ist durchaus ansehnlich, doch die Bedienbarkeit lässt zu wünschen übrig. Was nützt eine Funktion, wenn sie nur schwer auffindbar ist? Somit dürfte auch hier c:geo für die meisten angehenden Geocacher die bessere Wahl sein.

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