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Mit der Synology Cloud Station Dropbox ersetzen

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Für digitalen Schlapphüte sind Cloud-Dienste ein Schnüffler-Paradies. Wirklich private Daten und Geschäftsunterlagen gehören nicht in einen kommerziellen Cloud-Speicherdienst. Mit einer Synology Cloud Station hosten Sie Ihre eigene Cloud Zuhause oder im Büro.

Noch vor wenigen Monaten konnte es eigentlich nicht genug "Cloud" sein. Unzählige Cloud-Speicherdienste konkurrierten um die Gunst des Kunden. Daran hat sich im Prinzip wenig geändert, doch der User ist zumindest in Grenzen aufgewacht – Die Spionage-Affäre rund um die Enthüllungen von Edward Snowden macht klar, dass Skepsis im Umgang mit Cloud-Diensten angesagt ist. Viele Daten gehören einfach nicht in die Cloud. Zumindest nicht in die Datenwolken, die Sie nicht selber kontrollieren.

Der Trend geht daher wieder weg von der Cloud: Analysten gehen davon aus, dass den amerikanischen Cloud-Anbietern wie Dropbox, Box und natürlich auch Google mit Google Drive aufgrund der gewachsenen Skepsis in den nächsten drei Jahren zwischen 22 und 35 Milliarden Dollar Umsatz entgehen könnte [1].

Im kommen sind dagegen Lösungen, die Ihnen selber das Einrichten Ihrer eigenen Cloud ermöglichen. Dazu reicht eine schnelle DSL-Leitung und ein NAS-Speicher – kurz für Network Attached Storage – aus. Mit den DiskStations von Synology [2] lässt sich eine Home-Cloud sehr einfach aufsetzen, inklusive App für das Handy.

Synology QuickConnect

Ist Ihre DiskStation installiert und eingerichtet, aktivieren Sie die Cloud Station über das Paket-Zentrum Ihres Synology-NAS. Sollten Sie Ihr NAS hinter einem Router betreiben und auch von Ihrem Internetanbieter regelmässig eine neue Internet-IP zugewiesen bekommen, sollten Sie zusätzlich QuickConnect über die Systemsteuerung konfigurieren.

Abbildung 1: QuickConnect erlaubt Ihnen den Einsatz der Cloud Station hinter einem DSL-Router.
Abbildung 1: QuickConnect erlaubt Ihnen den Einsatz der Cloud Station hinter einem DSL-Router.

QuickConnect erlaubt es Ihr NAS über eine ID aufzurufen, so dass Sie sich nicht eine kryptische IP merken müssen, die sich im Falle einer dynamischen Internet-IP sowieso regelmäßig ändert. Zudem werden dann ebenso Portweiterleitung von einem Router auf Ihr NAS hinfällig, diese übernimmt ebenfalls QuickConnect. Der Service erleichtert besonders Einsteiger die Nutzung der NAS-Dienste über das Internet.

Synology Cloud Station

In den Einstellungen zur Cloud Station aktivieren Sie den Dienst auf Ihrem Synology-NAS, setzen anschließend die Berechtigungen und bestimmen welche Ordner in Zukunft über die Cloud Station zu erreichen werden sollen. Die dafür benötigten Konfigurationen sollten sich auch ohne tiefgreifendes Fachwissen in wenigen Minuten zusammenklicken lassen.

Abbildung 2: Die Cloud Station ist in der Lage Dropbox und andere Cloud-Speicherdienste zu ersetzen.
Abbildung 2: Die Cloud Station ist in der Lage Dropbox und andere Cloud-Speicherdienste zu ersetzen.

Wie bei Dropbox und anderen Cloud-Speicherdiensten macht die eigene Daten-Cloud natürlich erst dann Sinn, wenn Ihre Computer ausgewählte Daten automatisch mit dem Cloud-Speicher abgleichen. Auch bei der Synology Cloud Station übernimmt ein Client-Programm diese Aufgabe. Sie finden es für Windows, MaxOS X und Linux im Download-Bereich [3] bei Synology. Bei der Installation des recht neuen Linux-Clients ist noch etwas Handarbeit angesagt [4], da bisher keine Pakete für die Paketverwaltung angeboten werden.

Abbildung 3: Im Desktop-Client der Cloud Station legen Sie fest welche Daten synch werden sollen.
Abbildung 3: Im Desktop-Client der Cloud Station legen Sie fest welche Daten synch werden sollen.

Abbildung 4: Wie bei Dropbox signalisiert Ihnen ein kleiner Haken, dass die Daten abgeglichen wurden.
Abbildung 4: Wie bei Dropbox signalisiert Ihnen ein kleiner Haken, dass die Daten abgeglichen wurden.

Der Installationsaufwand für den Cloud-Station-Client beschränkt sich darin die Serveradresse als IP oder QuickConnect-ID einzugeben, sowie die Zugangsdaten einzutragen. Anschließend wählen Sie welche über die Cloud Station freigegeben Ordner wohin gesichert werden wollen. Ist Ihre Cloud Station korrekt eingerichtet, wird der Client umgehen mit der Synchronisation der gespeicherten Daten beginnen.

Installieren Sie den Client auf allen Ihren Rechner, gleicht das System in Zukunft die von Ihnen ausgewählten Daten über das Heim-Netzwerk und auch das Internet – wenn Sie Ihre QuickConnect-ID zum Login nutzen – über Speicher Ihres ab. Genauso wie Sie es von Dropbox gewohnt sind, allerdings bleiben externe Serverdienste komplett außen vor. In der Grundeinstellung nutzt Cloud Station zudem eine verschlüsselte SSL-Verbindung über ein selbstgeneriertes Zertifikat.

DS cloud für Android

Damit Sie auch von unterwegs Zugriff auf Ihre Cloud-Daten haben, bietet Synology für seine – beziehungsweise Ihre – Cloud Station auch Apps für Android und iOS an. Das kostenlose DS cloud [5] synchronisiert wie der Desktop-Client für den PC Ihre Daten zwischen Handy/Tablet und Ihrem Synology-NAS.

Abbildung 5: Auch die Cloud-Station-App erlaubt es Ihnen die zu synchronisierenden Ordner zu wählen.
Abbildung 5: Auch die Cloud-Station-App erlaubt es Ihnen die zu synchronisierenden Ordner zu wählen.

Abbildung 6: Im Gegensatz zu Dropbox gleicht der Cloud-Station-App jedoch die Daten direkt ab.
Abbildung 6: Im Gegensatz zu Dropbox gleicht der Cloud-Station-App jedoch die Daten direkt ab.

Auch wenn die Funktionalität auf den ersten Blick an den Dropbox-Client für das Handy erinnert, beide App unterscheiden sich grundlegend. DS cloud synchronisiert die von Ihnen ausgewählten Ordner komplett zwischen Handy und NAS. Was in der Cloud abgespeichert wird, lädt die App auch automatisch auf Ihr Handy, so dass Sie die ausgewählten Cloud-Daten auch immer Offline mit sich führen.

Dropbox für Android schreibt im Gegensatz dazu erst dann etwas auf Ihr Handy (beziehungsweise in den Zwischenspeicher der App), wenn Sie eine Datei in der Dropbox-App explizit antippen. Ohne einen schnellen und günstigen Internetzugang bleiben die meisten Ihrer Cloud-Daten daher bei Dropbox außer Reichweite.

Abbildung 7: Beim Einrichten können Sie genau festlegen welche Daten abgeglichen werden sollen.
Abbildung 7: Beim Einrichten können Sie genau festlegen welche Daten abgeglichen werden sollen.

Die Konfiguration des DS-cloud-Clients für Android ist nicht viel aufwändiger als die des Desktop-Clients. Wieder tragen Sie die Internet-IP oder DirectConnect-ID Ihrer DiskStation ein, anschließend wählen Sie einen Ordner aus, den es zu synchronisieren gilt und wohin die Daten geschrieben werden sollen. Beachten Sie an dieser Stelle bitte erneut, dass DS cloud die Daten umgehend auf dem Handy speichert, wählen Sie daher nicht Ordner aus, die große Datensammlungen Daten enthalten.

Damit sich das abzugleichende Datenvolumen auf Ihrem mobilen Gerät in Grenzen hält, bietet Ihnen der Einrichtungsassistent am Ende noch diverse Optionen an. So können Sie etwa Unterordner vom Daten-Sync ausklammern, die maximale Dateigröße beschränken (in der Grundeinstellung werden nur Daten bis zu 10 MByte gesichert) oder auch diverse Dateiformate von der Synchronisation ausklammern.

Von Haus aus arbeitet DS cloud nur, wenn Sie via WLAN im Internet hängen, in den Einstellungen lässt sich dies jedoch ändern. Deaktivieren Sie den Punkt Nur WLAN-Sync, jedoch nur wenn Sie ein GByte-großes Inklusivvolumen zusammen mit Ihrem Handyvertrag gebucht haben, sonst ist Ihr Datenvolumen bei aktiven Gebrauch nur zu schnell überschritten.

Abbildung 10: Deaktivieren Sie den Verbindungsstatus, um das Icon in der Kopfleiste abzuschalten.
Abbildung 10: Deaktivieren Sie den Verbindungsstatus, um das Icon in der Kopfleiste abzuschalten.

Nicht ganz so schön, und auch oft von den Usern der App über Kommentare im Play Store moniert, ist, dass DS cloud über ein Icon in der Benachrichtigungsleiste permanent darüber informiert gerade aktiv zu sein. Diese Benachrichtigung lässt sich jedoch über die Einstellungen der App über den Punkt Verbindungsstatus deaktivieren.

Fazit

Eine Synology-NAS und die entsprechenden Anwendungen für PC und Handy stellen eine ernsthafte Alternative zu Dropbox da – wenn Sie bereit sind die Kosten zu tragen und den Aufwand zu leisten. Die Apps unterscheiden sich nur in Details mit denen der kommerziellen Cloud-Anbieter, ist alles einmal eingerichtet arbeitet die Synology Cloud Station reibungslos. Zudem bietet Synology noch eine Reihe weitere Apps für Android an [6], mit denen sich das NAS-Gerät komfortabel nutzen lässt.

Die Preise für eine einfache DiskStation wie die DS213J [7] mit Platz für zwei Festplatten liegen im Internet bei etwa 180 Euro. Dazu kommen noch eine oder mehr Harddisks, wenn Sie zusätzlichen Speicherplatz brauchen oder mit einem RAID-Verbund sich vor Datenverlust schützen wollen. Zusätzlich würde der Betrieb über 24/7 Stunden bei 28 Cent/kWh teurem Ökostrom im Jahr etwa 50 Euro kosten.

Ob sich die Kosten und Mühen lohnen? Es hängt von Ihrem Nutzungsverhalten ab: Wer Dropbox, Google Drive und Co. nur für ausgewählte Daten benutzt, braucht sich nicht eine eigene Home-Cloud einrichten. Wer aber größere Datenmengen, vielleicht auch vertrauliche Unterlagen und Daten, synchronisieren möchte, dem bleibt heutzutage eigentlich gar nichts mehr anderes übrig, als sich selber in eigener Regie einen Home-Cloud-Dienst aufzusetzen.


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