27. November 2021
StartMagazinMit Android-Handys Offline navigieren

Mit Android-Handys Offline navigieren

Die meisten Android-Handys bieten die Möglichkeit, unterwegs ohne Zusatztools als Navigationssystem zu werkeln. Online-Navigationssysteme erzeugen unter Umständen einen hohen Traffic, der vor allem in Ausland teuer werden kann. Offline-Navigation löst das Problem.

Android-Handys sind weit mehr als nur schnöde Telefone: Bei Bedarf werden die Geräte quasi sofort zum vollständigen Navigationssystem. Dafür stehen etliche Programme in Googles Market zur Verfügung. Sie haben die Wahl zwischen Programmen, die kostenlos vertrieben werden, und kommerziellen Vertretern des Genres.

Eine Eigenschaft teilen alle typischen Android-Navigationstools: Nach dem Start stellt die Software via GPS Ihren Standort fest und lädt dann per UMTS den jeweils passenden Kartenausschnitt herunter. Bei Googles Navigator ist die Kartenquelle logischerweise Google Maps. Geben Sie ein Ziel für Ihre Reise an, lädt das Handy erneut mittels mobilem Datennetzwerk alle Daten auf das Gerät, die es zur Berechnung der Route braucht.

Sofern Ihr Mobilfunkvertrag ein Freivolumen enthält, kostet Sie das Herunterladen der Karten in Deutschland über UMTS keinen Cent. Anders schaut die Sache aus, wenn Sie sich im Ausland befinden. Datenroaming ist noch immer ein teurer Spaß, und wer nicht vor dem Urlaub das richtige Datenroaming-Paket dazubucht, riskiert eine saftige Handy-Rechnung. Das heißt aber nicht, dass Sie während Ihrer Reise auf die Navigationsfertigkeiten Ihres Smartphones verzichten müssen: Die Lösung heißt Offline-Navigation.

Offline-Navigation als Alternative

Wenn das Reiseziel fest steht, ist auch klar, welche Karten Sie unterwegs benötigen. Das jeweilige Kartenmaterial laden Sie dann bereits im Vorfeld über das heimische Internet herunter. Unterwegs verwendet das Navigationsprogramm auf dem Smartphone dann diese Karten und lotst Sie so ans Ziel – ganz ohne UMTS-Verbindung und hohe Kosten.

Im Vergleich zu den Online-Navigatoren ist die Zahl der Programme, die mit vorab gespeicherten Karten auf dem Smartphone zurecht kommen, eher klein. Drei Vertreter der Kategorie lernen Sie in diesem Artikel kennen: Navit [1] ist wohl die bekannteste Lösung, kämpft aber mit einigen lästigen Kinderkrankheiten. ZANavi [2] basiert auf Navit und versucht, dessen Fehler zu korrigieren. OsmAnd+ [3] funktioniert im Alltagseinsatz intuitiver, allerdings ist es hier schwieriger, das Gerät wirklich tauglich für den Offline-Einsatz zu machen. Darüber hinaus ist es die einzige kostenpflichtige App im Test, für die moderate 2,99 Euro fällig sind.

Einfache Navigation mit Navit

Navit erhalten Sie kostenlos in Googles Market. Beim ersten Start gibt sich die App sehr karg: Die angezeigte Karte ist leer, das Eingeben einer Route in diesem Zustand nicht möglich. Zum Leben erwecken Sie die App durch das Herunterladen der Map, zum Beispiel für Ihr Heimatland:

  • Benutzen Sie die Menütaste, um das Kontextmenü des Programms anzuzeigen.
  • Wählen Sie die Menüoption 1ste Karte herunterladen aus, worauf sich eine Liste der Karten öffnet, die Navit kennt.
  • Navigieren Sie im Dialog zum Eintrag Ihres Heimatlands und warten Sie nach dessen Auswahl, bis der Download abgeschlossen ist.
  • Sofern Ihr Gerät die Position per GPS orten kann, erscheint nach einigen Sekunden auf der heruntergeladenen Karte Ihr Standort als grüner Kreis auf dem Display.

Je nach Land bestehen die Maps aus mehreren hundert MByte großen Dateien – entsprechend lang kann deren Download dauern. Darüber hinaus drosselt der Anbieter die Downloadgeschwindigkeit von den Navit-Servern auf etwa 300 KByte/s, was das Herunterladen zusätzlich verlangsamt.

Gewöhnungsbedürftiges Menü

Indem Sie auf einen Bereich der Karte tippen, rufen Sie das eigentliche Menü des Programms auf. Dort sehen Sie die Buttons Aktionen, Einstellungen, Werkzeuge, Route und Über. Bei Aktionen legen Sie die Navigationsroute entweder über GPS-Koordinaten oder mittels Ortssuche fest. Wenn Sie von einer Menüebene auf die nächst höhere wechseln möchten, tippen Sie oben in der Menüleiste von Navit auf das entsprechende Symbol. Über die stets eingeblendete Weltkugel gelangen Sie zur Kartenansicht zurück.

Unter Einstellungen legen Sie das Aussehen des Programms fest. Besonders die 3D-Darstellung von Navit zeigt sich eher gewöhnungsbedürftig.

Navit konnte im Test mit seinen Navigationsfähigkeiten (Abbildung 1) punkten. Egal, ob per Auto oder zu Fuß: Die App fand stets den richtigen Weg zum Ziel. Routenkriterien wie schnellste oder kürzeste Strecke kennt die App aber ebenso wenig wie den Radfahr- oder Fußgängermodus. Negativ fällt auf, dass die Stimme, welche die Navigationsanweisungen spricht, überaus computergeneriert klingt. Ein weiterer Wermutstropfen ist, dass die Sprachanweisungen sehr häufig wiederholt werden – ein Dialog, in dem Sie das Gerede reduzieren könnten, fehlt in der Konfiguration. Wer mit diesen Unannehmlichkeiten leben kann, findet in Navit aber ein zuverlässiges Navigationswerkzeug.

Abbildung 1: Navit beherrscht sowohl die zwei- als auch dreidimensionale Anzeige der Routenführung.
Abbildung 1: Navit beherrscht sowohl die zwei- als auch dreidimensionale Anzeige der Routenführung.

ZANavi

Auch ZANavi stellt seine App kostenfrei im Android-Market zum Download bereit. Bei ihr handelt es sich um eine direkte Weiterentwicklung von Navit, weswegen auch das Logo ähnlich aussieht. Seine Entwickler haben das Ziel, mit ZANavi einen Navit-Ableger zu schaffen, der ohne Navits Kinderkrankheiten auskommt.

Nach dem ersten Start der Software halten sich die Unterschiede erstmal in Grenzen. Zwar zeigt ZANavi anders als Navit bereits eine rudimentäre Karte an, die sich jedoch nicht zur Navigation eignet, sonder lediglich die Umrisse der Kontinente anzeigt. Wie bei Navit geht auch bei ZANavi ohne eine eigene Karte nichts. Um sie zu installieren, gehen Sie wie folgt vor:

  1. Drücken Sie auf die Menütaste des Android-Telefons und tippen Sie dann auf Mehr.
  2. Dort wählen Sie Karten laden und wechseln in der Liste zu der Karte, die Sie herunterladen möchten.

Die Karten von ZANavi sind erstaunlicherweise bei identischer Detailtiefe wesentlich kleiner als die von Navit. Auch hier drosselt der Kartenanbieter den Download.

Navigation mit ZANavi

Die Menüführung unterscheidet ZANavi fundamental von Navit: Statt eines selbst gebauten Menüs kennt ZANavi ausschließlich ein einzelnes, das Sie über die Menütaste des Smartphones erreichen. Für die Eingabe des Reiseziels stellt die App eine Online- und Offline-Suchfunktion bereit (Abbildung 2). Letztere war im Test wenig zuverlässig: So fand sie zwar Wien, Graz aber nicht. Die Online-Suche funktioniert hingegen tadellos. Sobald ZANavi den Zielort kennt, greift es übrigens nur noch auf lokale Daten zu und braucht keine Datenverbindung mehr.

In Sachen Zielsicherheit gibt sich ZANavi genau wie Navit keine Blöße. Dafür klingen aber auch die Sprachansagen genauso blechern. Vorteil: ZANavi wiederholt sie seltener.

Abbildung 2: ZANavi bietet die Zielsuche sowohl als Offline- als auch als Online-Variante an. Letztere funktionierte im Test deutlich zuverlässiger.
Abbildung 2: ZANavi bietet die Zielsuche sowohl als Offline- als auch als Online-Variante an. Letztere funktionierte im Test deutlich zuverlässiger.

OsmAnd+ – alles anders, alles besser?

Die App OsmAnd+ ist eine vollständige Eigenentwicklung. Im Test fiel sie positiv durch ihre Stabilität auf: Sie stürzte kein einziges Mal ab.

OsmAnd+ beherrscht sowohl die Online- wie auch die Offline-Navigation. Um das Feature Offline-Navigation verwenden zu können, sind aber einige Änderungen in der Konfiguration notwendig. Diese erreichen Sie über die Menütaste und den Button Einstellungen. Um das Navi entsprechend vorzubereiten, gehen Sie wie folgt vor:

  1. Öffnen Sie in den Einstellungen das Untermenü Landkarten. Dort aktivieren Sie den Eintrag Offline-Vektor-Karten, indem Sie einen Haken in die Checkbox dahinter setzen.
  2. Wählen Sie bei Kartenquelle (Kacheln) den Eintrag Mapnik.
  3. Wechseln Sie zurück ins Hauptmenü und wählen Sie darin den Eintrag Offline-Daten aus. OsmAnd+ zeigt Ihnen eine Liste aller Daten, die bereits auf dem Smartphone vorhanden sind und für Offline-Zwecke genutzt werden können. Über Herunterladen erhalten Sie Zugriff auf weitere Karten sowie verschiedene Point-of-Interest-Sammlungen, Sprachdateien und dergleichen.
  4. Gehen Sie danach wieder zurück ins Hauptmenü und wählen Sie daraus Navigation.
  5. Drücken Sie auf Routing-Dienst und wählen Sie dort OsmAnd (Offline) an.
  6. Bei den Sprachansagen aktivieren Sie de-tts, um deutsche Sprachansagen für die Offline-Verwendung festzulegen.
  7. Aktivieren Sie ganz unten OsmAnd Routing, um der App auch die Navigation über größere Distanzen zu ermöglichen.
  8. Springen Sie zurück ins Einstellungsmenü und dort nach Allgemein. Deaktivieren Sie dann die Option Internet verwenden und verlassen Sie das Menü von OsmAnd+ – das Programm ist nun für den Offline-Betrieb konfiguriert.

Navigation mit OsmAnd+

Um die App zur Navigation zu verwenden, wählen Sie aus dem Hauptmenü zunächst Suche aus und geben nacheinander das Land, den Ort sowie die Straße des Ziels ein. Um die Routenplanung zu starten, tippen Sie abschließend auf Navigiere zu.

Das Programm beherrscht ausschließlich die zweidimensionale Darstellung von Routen (Abbildung 3). Wer die 3D-Version gewohnt ist, muss sich am Anfang umgewöhnen. Im Gegenzug verwöhnt OsmAnd+ seine Benutzer mit vielen angenehmen Sonderfunktionen: Beim Planen einer Route bietet es beispielsweise die Möglichkeit, das gewünschte Verkehrsmittel auszuwählen. So wird es auch für Fußgänger interessant, die einen Urlaubsort lieber zu Fuß als im Auto erkunden wollen.

Abbildung 3: OsmAnd+ punktet mit guter Menüführung und angenehmen Sprachansagen. Allerdings fehlt ihm eine 3D-Ansicht der Route.
Abbildung 3: OsmAnd+ punktet mit guter Menüführung und angenehmen Sprachansagen. Allerdings fehlt ihm eine 3D-Ansicht der Route.

Gut getönt

Die Sprachanweisungen von OsmAnd+ sind klar verständlich in einer angenehmen Frequenz und lange nicht so monoton wie die von Navit oder ZANavi. Der integrierte Kompass zeigt Ihnen stets, in welche Richtung Sie Ihr Smartphone halten und wohin auf der Karte Sie gerade schauen. Eine solche Funktion wünscht man sich bei Googles eigener App für Navigation sehr häufig.

Das Angebot rundet OsmAnd+ mit einer Funktion für Favoriten ab, die das Speichern der am häufigsten besuchten Ziele erlaubt. So sparen Sie sich bei einer weiteren Fahrt das Eingeben der vollen Adresse.

Fazit

Offline-Navigieren mit Android ist eine praktische Alternative für alle, die Geld sparen möchten. Die drei vorgestellten Programme haben ihre ganz eigenen Stärken und Schwächen. So lässt sich die Verwandtschaft von Navit und ZANavi nicht leugnen, und ausgerechnet die eher blecherne Navistimme teilen sich die beiden Programme 1 zu 1. Dafür bieten sie solide Navigation auch ohne Verbindung zum Internet – sogar mit 3D-Ansicht.

Eben jene fehlt bei OsmAnd+. Dieser Nachteil bleibt dann aber auf weite Sicht der einzige: In Sachen Komfort und Funktion steht der dritte Proband im Test den beiden anderen in nichts nach. Der Karten-Download funktioniert genauso bequem wie die Navigation – ganz egal, ob Sie per Auto, mit dem Bus oder zu Fuß unterwegs sind. Und im Gegensatz zu Navit und ZANavi kann OsmAnd+ eindeutig mit der Navistimme punkten.

Zwar kommen Sie mit allen drei Kandidaten sicher ans Ziel, der kommerziellen Konkurrenz wie CoPilot [4] oder Navigon [5] können sie jedoch nicht im Ansatz das Wasser reichen. Dafür fehlt es nicht nur an Funktionen, sondern auch am Bedienkomfort, der bei allen drei Apps zu wünschen übrig lässt.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

EMPFEHLUNGEN DER REDAKTION

MAGAZIN

APPS & SPIELE