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MediaTek-Interview: „Wir sind immer stärker im Highend-Segment vertreten“

Leserinnen und Leser von Android User haben wir via Social Media gefragt, was sie gerne vom Chipsatz-Hersteller MediaTek wissen möchten. Siegmund Redl, Vice President and General Manager Corporate Marketing, Europe stellt sich in unserem Interview zehn Fragen von Verkaufszahlen bis hin zu CyanogenMod und Open Source.

Android User: Wie kam man bei MediaTek überhaupt auf die Idee, SoCs für Smartphones herzustellen? War man einfach zur richtigen Zeit mit dem richtigen Produkt auf dem Markt, oder hat man hart dafür gekämpft?

Siegmund Redl: MediaTek ist schon seit über zehn Jahren in Chipgeschäft für mobile Endgeräte. 2011 kam man dann mit ersten SoCs und entsprechenden Referenz-Designs auf den Markt, die die Funktionalität von Smartphones unterstützten. Anfangs (2011) noch mit mäßigen Umsatz-Zahlen, die aber dann im Laufe der Zeit rasch anstiegen. 2012 waren es dann schon 110 Mio Einheiten, 2013 220 Mio und 2014 schon 350 Mio Einheiten. Für 2015 erwarten wir über 400 Mio Einheiten Smartphone SoCs für unsere OEM und ODM-Partner. Smartphone SoCs waren für MediaTek ein logischer nächster Schritt. Mit der entsprechenden Modem Technologie und der Integration von Multimedia-und Connectivity-Funktionen, die quasi auch bereits durch Entwicklungen in anderen Produktbereichen bei MediaTek (Digital TV, Blue-Ray/DVD Player, Connectivity: WiFi, Bluetooth, GPS) schon verfügbar waren, bzw wurden, konnte man Synergie-Effekte ausnutzen und sehr konkurrenzfähige, hochintegrierte und effiziente Lösungen anbieten.

AU:Können Sie uns ungefähre Zahlen liefern, in wie viel Prozent aller Android-Smartphones/Tablets ein MediaTek-Chipsatz verbaut ist? In Asien dürfte der Marktanteil wohl über 50 Prozent liegen.

SR: 2014 war jedes dritte (!) weltweit verkaufte Mobiltelefon (Feature oder Smartphone) mit MediaTek SoCs ausgestattet. Im selben Jahr traf dies auch auf cirka. 40+ Millionen Tablets zu. Im Smartphone- und Tablet-Bereich unterstützen wir das Android Betriebssystem. Für Tablets heißt das bei einem weltweiten Markt von ca. 175 Mio Einheiten im Jahr 2014 etwa ein Viertel des weltweiten Gesamtmarktes. Für 2015 erwarten wir bei Android-Tablets einen leichten Rückgang im Gesamtmarkt (165 Mio Einheiten), mit 45 Mio SoCs aber auch einen leichten Gewinn an Marktanteilen für MediaTek.

Siegmund Redl ist Vice President und General Marketing Manager für Europa bei MediaTek.
Siegmund Redl ist Vice President und General Marketing Manager für Europa bei MediaTek.

AU:MediaTek hat immer noch etwas den Ruf, in Billig-Smartphones verbaut zu sein. Werden in naher Zukunft auch High-End-Geräte (zum Beispiel von Sony, Motorola oder HTC) mit MediaTek Prozessoren ausgestattet sein? Oder ist dieser Ruf falsch/überholt?

SR: Low-End heißt heute für MediaTek bereits mindestens Dual-Core Processor im SoC. Während immer noch hohe Stückzahlen in dieses Segment gehen, hat sich MediaTek in den letzten Jahren zunehmend auch im mittleren Segment und im High-end etabliert. Speziell in Märkten, wo LTE gefragt ist haben wir nicht nur mit unseren Entry-LTE SoCs gepunktet, sondern sind nun auch vermehrt und sehr stark im High-End-Bereich vertreten. Beispiele dafür sind SONY Experia C4, HTC M9+ oder Meizu Hi-End-Smartphones. Unsere Helio Produktfamilie, die für dieses Segment konzipiert wurde, findet bei unseren Partnern sehr guten Zuspruch und auch einen hohen Grad an Akzeptanz und Anerkennung bei Benchmarks und Leistungsbeurteilungen.

Speziell in Märkten, wo LTE gefragt ist haben wir nicht nur mit unseren Entry-LTE SoCs gepunktet, sondern sind nun auch vermehrt und sehr stark im High-End-Bereich vertreten.

AU:Was versucht MediaTek, um sich gegen Qualcomm durchzusetzen? Oder hat man sich schon durch-/abgesetzt? Mit welchem Argument (außer dem Preis) würden Sie die Leserinnen und Leser von Android User davon überzeugen, sich für ein Smartphone mit MediaTek-Chipsatz zu entscheiden?

SR: Konkurrenz belebt jedes Geschäft! Wir alle buhlen um die Gunst unserer Kunden und Konsumenten. MediaTek hat es sich zur Aufgabe gemacht, jedem Nutzer Funktionalität an die Hand zu geben, die ihn jeden Tag ein Stück weiter bringt. Wir konzipieren unsere SoCs auf der Basis, dass der Nutzer im Mittelpunkt steht und die heute von Top-Endgeräten erwartete Leistungsfähigkeit erschwinglich sein muss. Außerdem haben wir mit unseren Multi-Core und Multi-Cluster Architekturen, zusammen mit dem CorePilot Scheduling die beste Kombination von hoher Leistung und niedriger Energiebilanz im Markt. Und das überzeugt immer mehr Anwender. Ein sehr breites Spektrum von Herstellern mit einer großen Auswahl an wiederum breit gefächerten Smartphone-Modellen findet damit immer mehr Freunde bei den Käufern.

AU:Wird MediaTek in den nächsten Prozessoren nur die Specs leicht verbessern, oder sind auch große Innovationen geplant? Wenn ja, welche Innovationen werden das sein?

SR: Selbstverständlich arbeiten wir an einer kontinuierlichen Verbesserung unserer SoCs. Der Fokus liegt derzeit ganz klar auf dem Thema Energieeffizienz. Bei den Specs sind keine großen Veränderungen zu erwarten, der Stromverbrauch ist aber definitiv ein wichtiger Bereich. So haben wir beispielsweise im Helio X20 mit dem Cortex M4 . – zusätzlich zu unserer Tri-Cluster-Architektur — einen kleinen Prozessor verbaut, der als Sensor-Hub funktioniert, aber auch in Hintergrund zum Beispiel MP3 Musik abspielen kann, ohne die großen Prozessoren zu bemühen. Ein weiterer Innovationsbereich ist die Kamerafunktion. Der Helio X20 verfügt über eine 3D-Depth Engine, die Tiefenschärfeinformationen für die Bildvorschau in Echtzeit errechnen kann. Damit ergeben sich neue Perspektiven für die Entwicklung von nützlichen Applikationen.

AU:Wie sieht es mit der OpenSource/Linux-Offenheit von MediaTek aus? Momentan führt Qualcomm hier immerhin noch immens, sodass viele Entwickler Qualcomm-CPUs bevorzugen.

SR: Bei mobilen Endgeräten wie Smartphone oder Tablet unterstützen wir das Android-Betriebssystem. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass Android das dominierende Betriebssystem in diesem Bereich ist und wir damit den Bedürfnissen unserer Kunden entgegen kommen. Nichtsdestotrotz beschäftigen wir uns natürlich auch mit OpenSource/Linux, um sämtlichen Kunden- und Partnerwünschen gerecht zu werden. Wir entwickeln entsprechende Packages, die nach umfangreichen Tests den Partnern zur Verfügung gestellt werden, die auf OpenSource-Betriebssysteme setzen wollen.

AU:Wird es irgendwann alle Treiber frei für Projekte wie CyanogenMod geben? Warum arbeitet MediaTek nicht enger mit Cyanogen Inc. zusammen, um Chipsätze mit frei verfügbaren Treibern zu entwickeln?

SR: Wir arbeiten, wie gesagt, eng mit Kunden und Partnern zusammen, um unsere SoCs weiter zu entwickeln, und für so viele Anwendungsszenarien wie möglich, aber auch wie nötig – das heißt, wie nachgefragt — zu optimieren. Bislang haben wir aus dem Markt keine übermäßig große Nachfrage nach CyanogenMod Treibern oder ROMs erfahren, wir arbeiten aber an verschiedenen Projekten mit CyanogenMod.

Bislang haben wir aus dem Markt keine übermäßig große Nachfrage nach CyanogenMod Treibern oder ROMs erfahren, wir arbeiten aber an verschiedenen Projekten mit CyanogenMod.

AU:Der neueste MediaTek-Chipsatz Helio X20 wird über 10 Kerne verfügen. MediaTek erklärt das grafisch so, dass ein Auto mit drei Gängen (2+4+4 Kerne) besser den Berg hinauf kommt, als eines mit nur zwei Gängen (4+4 oder 4+2 Kerne). Wo wird diese Entwicklung Halt machen? Werden wir schon bald 12-Kern, 14-Kern, 20-Kern-Chipsätze für mobile Geräte sehen?

SR: Die Anzahl der Kerne ist weniger entscheidend als vielmehr die Energieeffizienz. Es geht doch darum, wie energieeffizientere CPUs für die jeweils richtigen Aufgaben eingesetzt werden. Deshalb setzen wir auf bessere Lastverteilung durch unsere Tri-Cluster-Architektur. Wir gehen nicht davon aus, dass Applikationen bis zu zehn Kerne gleichzeitig nutzen. Noch mehr Kerne in einem Chipsatz zu verbauen macht nur dann Sinn, wenn das nicht zu Lasten des Stromverbrauchs geht. Deshalb ist für uns die Tri-Cluster-Zehn-Kern-Architektur die richtige Mischung aus Energieeffizienz und gleichzeitig hoher Leistungsfähigkeit. Das Ausnutzen von neueren Generationen von Halbleiter-Technologie, zum Beispiel ein 16-nm-Prozess, wird auch nochmals etwas höhere Taktfrequenzen erschließen.

AU:Mit Android One konnte MediaTek Google als Partner gewinnen (oder umgekehrt). Vor kurzem hat der indische Provider Lava Mobiles das Pixel V1 angekündigt, das über eine Qualcomm-CPU verfügt. Konnte Qualcomm Google bzw. den Provider Lava Mobiles mit der besseren CPU oder einem besseren Preis überzeugen?

SR: Grundsätzlich ist Android One eine Spezifikation, eine Mindestanforderung und Rahmenvorgabe für das Design eines Smartphones. Wenn man als Hersteller diese Vorgabe erfüllt, kann man grundsätzlich als Android One gelabelte Smartphones anbieten. MediaTek hat somit keine Exklusivität dafür, wir sind nur einer der ersten Chipset Partner die schon 2014 mit Android One auf den Markt gekommen sind. Wir werden jedoch weiterhin unser bestes tun, um dieses Konzept zu unterstützen. Hier geht es ja auch letztendlich darum, das Internet und mobile Kommunikation möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen.

AU:Was ist aus dem speziellen Chipsatz für Android-Wear-Uhren geworden? Bisher gibt es keine Geräte damit auf dem Markt. Wird sich das bis zum Weihnachtsgeschäft ändern?

SR: Wir haben zusammen mit Partnern sowohl mit der Android-Wear Platform als auch mit der LinkIt-One-Platform einige SmartWatch-Designs auf den Weg gebracht. Mit LinkIt MT2502 sind heute schon eine Anzahl von SmartWatch-Modellen verfügbar. Android-Wear-Modelle werden noch kommen!

1 Kommentar

  1. So ein Unternehmen draf man einfach nicht interviewen! MediaTek versucht gezielt, Millionen Smartphonenutzer Sicherheitslücken auszuliefern und kümmert sich einen Dreck um ihre Opfer! Dieser Laden gehört definitiv boykottiert!

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