Start Magazin Kurztest: Samsung Galaxy Nexus

Kurztest: Samsung Galaxy Nexus

© Samsung

Das Samsung Galaxy Nexus ist das neue Android-Flaggschiff von Google. Wir hatten bereits Anfang November das Glück ein erstes Gerät einen Tag lang testen zu dürfen.

Plusminus

+ Original Google Android

+ Wertige Verarbeitung

+ Schnelle Kamera

+ Updates OTA durch Google

– Schwacher Grafikprozessor

– Kein MicroSD-Slot

Der erste Eindruck zählt bekanntlich und hier schneidet das Samsung Galaxy Nexus sehr gut ab. Das Smartphone ist zwar groß, aber nicht größer als das Galaxy S II, die paar Millimeter auf dem Papier merkt man im täglichen Gebrauch nicht. Im Unterschied zum neuen Galaxy Note passt es somit gut in die Hosentasche und die Abmessungen bereiten auch beim Telefonieren oder beim Bedienen keinerlei Probleme. Im direkten Vergleich zu anderen Galaxy-Geräten gefiel uns neben dem hochauflösenden Display, vor allem die geriffelte und gummierte Rückseite des Nexus: sie vermittelt eine Wertigkeit, die die vorangegangenen Galaxy Modelle nicht in petto hatten.

Vorserienglück

Bei dem für diesen Test benutzten Galaxy Nexus handelt es sich um ein Vorseriengerät. Es ist von der Hardware her mit dem jetzt erhältlichen Galaxy Nexus identisch, weist aber eine leicht ältere Software-Version auf (4.0 vs. 4.0.1 bei den Seriengeräten) und vermisst somit noch ein paar Anpassungen der Software auf die verbaute Hardware. Es können sich zum Beispiel bei den Benchmark-Resultaten Unterschiede ergeben.

Generell ist das Galaxy Nexus sehr schön verarbeitet und das Display eine Augenweide. Von bloßem Auge ist die von Samsung eingesetzte Technik zur Erhöhung der Pixelzahl (Pentile-Matrix-Display) nicht zu sehen. Die Anzeige wirkt scharf und kontrastreich, allerdings hat Samsung für das Galaxy Nexus kein Gorilla Glass eingesetzt. Wie sich das Display im täglichen Gebrauch abnutzt und ob man eine Schutzfolie benötigt, um Kratzer zu vermeiden, müssen Langzeittests zeigen.

Ice Cream Sandwich

Die Nutzung des Galaxy Nexus macht Spaß. Egal ob Sie im Internet browsen, eine Mail schreiben oder bloß etwas spielen möchten: Das Galaxy Nexus reagiert stets prompt und flüssig, der Wechsel zwischen einzelnen Apps geschieht ohne Verzögerung. Vor allem der Browser sticht hier im Unterschied zu anderen Geräten hervor und zeigt selbst umfangreiche Seiten mit sehr vielen Inhaltstypen flüssig an. Eine durchs Band gute Performance attestieren dem Galaxy Nexus auch unsere Standard-Benchmarks AnTuTu und Vellamo. Beim System-Benchmark von AnTuTu bringt es das neue Nexus auf 6105 Zähler und liegt damit leicht hinter dem Galaxy Note mit seiner 1,5 GHz schnellen Dualcore-CPU zurück. Der Vellamo-Test zeigt jedoch, dass die Zusammenarbeiten von Hard- und Software sehr gut funktioniert. Hier stellt das Galaxy Nexus mit 1214 Punkten einen neuen Rekord auf. Das Galaxy Note kam hier nicht an die 1000 Punkte heran.

Abbildung 1: Mit 1214 Punkten stellt das Galaxy Nexus einen neuen Rekord beim Vellamo-Benchmark auf.
Abbildung 1: Mit 1214 Punkten stellt das Galaxy Nexus einen neuen Rekord beim Vellamo-Benchmark auf.

Auch wenn wir in der kurzen Testphase nicht sämtliche Neuerungen von Ice Cream Sandwich ausprobieren konnten, haben wir auf dem Galaxy Nexus ein paar neue Features entdeckt. So blendet das Android-System bei Apps, die unbedingt ein Kontextmenü benötigen, aber noch nicht auf das von Google vorgesehene Menü oben rechts umgeschrieben sind, ein Symbol mit drei Punkten ein.

Abbildung 2: Zwei Neuerungen von Android 4.0 auf einen Blick: Die detaillierte Statistik für die Datennutzung und das Symbol mit den drei Punkten für das Kontextmenü (oben rechts).
Abbildung 2: Zwei Neuerungen von Android 4.0 auf einen Blick: Die detaillierte Statistik für die Datennutzung und das Symbol mit den drei Punkten für das Kontextmenü (oben rechts).

Eine weitere Neuerung, die oft übersehen wird, betrifft den Datenaustausch mit dem Computer. Im Gegensatz zu Android 2.x hat die Version 4.0 von Honeycomb das MTP-Protokoll als Standard übernommen. Das bedeutet, dass Sie für den Dateiaustausch zwingendermaßen auf ein Spezialtool angewiesen sind, das MTP beherrscht. Vor allem Linux- und Mac-Nutzer dürften damit kleinere Probleme haben. Die Vorteile von MTP: Sie müssen den Speicher nicht jedesmal freigeben, wenn Sie Dateien vom PC aufs Handy übertragen möchten, ein Zugriff ist praktisch gleichzeitig möglich. Als Fallback-Lösung bietet das Galaxy Nexus aber den Transfer per PTP an, damit kommt praktisch jedes System von Haus aus klar. Über einen MicroSD-Kartenslot verfügt das Galaxy Nexus nicht. Sie sind also auf MTP oder PTP angewiesen, wenn Sie das Handy via USB-Kabel mit Ihrem Rechner verbinden möchten.

Abbildung 3: Android 4.0 bedeutet definitiv den Abschied vom gewöhnlichen USB-Massenspeicher.
Abbildung 3: Android 4.0 bedeutet definitiv den Abschied vom gewöhnlichen USB-Massenspeicher.

Streitpunkt Kamera

Als Samsung und Google ankündigten, dass das neue Nexus-Phone nur mit einer 5-Megapixelkamera ausgestattet sein wird, waren einige Hobbyfotografen enttäuscht. Die verbaute Kamera gehört aber zu den aktuell besten und besticht vor allem durch sehr schnelle Reaktionszeiten. Auch die Videoaufnahmen in Full-HD gelingen sehr schön, lediglich die Bildstabilisierung funktionierte im Vorserienmodell nicht reibungslos. Für ein echtes Foto-Smartphone fehlt dem Galaxy Nexus allerdings ein Xeon-Blitz. Mit der verbauten LED-Lampe dürfen Sie folglich keine zu guten Nachtaufnahmen erwarten. Enttäuscht waren wir zudem von der neuen Panoramafunktion. Die Aufnahmen sind zwar sehr sauber zusammengefügt, aber auch ziemlich unscharf. Möchten Sie ein Panoramafoto zum Ausdrucken und an die Wand hängen erstellen, dann müssen Sie das weiterhin von Hand tun (oder auf gute Apps von Drittanbietern setzen).

Abbildung 4: Die Kamera des Galaxy Nexus macht sehr schöne Fotos und Videos, einzig die Panoramafunktion enttäuschte in den Tests.
Abbildung 4: Die Kamera des Galaxy Nexus macht sehr schöne Fotos und Videos, einzig die Panoramafunktion enttäuschte in den Tests.

Wie bei einigen HTC-Smartphones ragt auch beim Galaxy Nexus die Kamera ca. 1mm aus der Rückseite heraus. Die Objektivabdeckung ist aber durch einen Ring aus Metall geschützt, Kratzer sollten hier also keine Auftreten.

© Foto: Ben PeterAbbildung 5: Das Objektiv der Kamera ist durch einen Ring aus Metall vor Kratzern geschützt. Als Blitz kommt eine einfache Fotoleuchte zum Einsatz.
© Foto: Ben PeterAbbildung 5: Das Objektiv der Kamera ist durch einen Ring aus Metall vor Kratzern geschützt. Als Blitz kommt eine einfache Fotoleuchte zum Einsatz.

Hardware-Besonderheiten

Das Galaxy Nexus verfügt unten in der Mitte über eine kleine Benachrichtigungsled, die Sie über eingehende Mails, Kurznachrichten und verpasste Anrufe informiert. Laut einigen Infos im Netz soll die LED mehrfarbig sein, in unseren Tests blinkte sie nur weiß-bläulich. Das verbaute GPS-Modul ist recht genau. Wir erreichten Spitzenwerte von ca. 3m, normalerweise lag die Genauigkeit aber bei den üblichen fünf bis zehn Metern. In der kurzen Testphase nicht testen konnten wir den NFC-Support, auch eine Docking-Station stand uns nicht zur Verfügung. Last but not least konnten wir mangels eines zweiten Galaxy Nexus Geräts auch das neue Beam-Feature nicht testen.

Fazit

Ice Cream Sandwich selbst hinterlässt auf dem Galaxy Nexus einen sehr guten Eindruck. Bei der Hardware selbst bleiben neben dem sehr guten Gesamteindruck ein paar gemischte Gefühle zurück. So gehört das Display zwar klar zu den besten auf dem Markt (selbst iPhone-Nutzer geben das zu) und auch die Verarbeitung gibt keinen Grund zur Beanstandung. Abgesehen vom Display und den direkten Updates durch Google bietet das Google-Phone aber keine gravierenden Vorteile zu bestehenden Top-Geräten: So sind Extras wie NFC in Deutschland aktuell nicht wirklich relevant und CPU und GPU gehören auch nicht mehr zu den Spitzenmodellen. Das Galaxy Nexus zu kaufen, lohnt sich deshalb in erster Linie für Android-Fans, die das Original-Android von Google möchten. Hier können wir eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen. Ein Umstieg vom Galaxy S II lohnt sich eher weniger, da die High-End-Geräte von Samsung eh schon bald ein Update auf Ice Cream Sandwich bekommen. Stehen Sie also jetzt vor der Entscheidung ein Galaxy Nexus oder das S II zu kaufen, dann sollten Sie diese Faktoren berücksichtigen.

Samsung Galaxy Nexus I9250

Kerndaten
Hersteller Samsung
Formfaktor 4,65-Zoll-Smartphone
Auflösung 1280×720 Pixel
Prozessor TI OMAP 4460, 1,2 GHz, Dual-Core
Android-Version 4.0
Akku 1750 mAh
Laufzeit (Standby/Gespräch) 700h / 14h
Gewicht 135g
Preis (Internet) 550 Euro
Web-Infos
Technische Daten und Preisvergleich http://www.android-user.de/lp/1574
Performance
AnTuTu-Benchmark 6105 Punkte
Vellamo-Benchmark 1181 Punkte
Video-Wiedergabe 1080p
Android-User-Bewertung 4,9 Punkte
 

Der Autor

Ben Peter arbeitet seit über 10 Jahren als IT-Security Consultant und betreibt seit mittlerweile sieben Jahre das Tech-Blog http://www.nodch.de.

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