15. September 2021
StartMagazinKommentar: Wie autonome Autos unsere Verkehrsprobleme lösen -- und neue schaffen

Kommentar: Wie autonome Autos unsere Verkehrsprobleme lösen — und neue schaffen

In den USA hat Google grünes Licht für seine autonomen Fahrzeuge im normalen Straßenverkehr bekommen.  Damit beginnt ein komplett neues Kapitel in der Geschichte der Mobilität. Es wird viele aktuelle Problem lösen, aber auch neue schaffen.

Noch sind die Google-Fahrzeuge nicht für die komplette USA zugelassen, sondern nur in Kalifornien. Und auch hier starten die Tests nun in der Google-Hauptstadt Mountain View. Dennoch: Bis wir hier ein Europa eine ähnliche Entwicklung sehen werden, dürften leider noch ein paar Jahrzehnte vergehen. Denn die Technik hinkt hinterher und auch die Akzeptanz bei den Autofahrern und Autofans. Grund zur Besorgnis gegenüber den selbstfahrenden Autos gibt es aber keinen: In den vergangenen  Jahren legten die Google-Fahrzeuge über 100.000 Meilen zurück und waren dabei kaum in Unfälle involviert. In den wenigen negativen Fällen,  war stets der „Faktor Mensch“ schuld. Warum also die kleinen Dinger nicht auch auf die deutschen Straßen holen?

Wie autonome Autos Probleme lösen

Das autonome Auto (ich nenne es mal Autoauto) ist das ideale Fahrzeug für den täglichen Stadtverkehr. Den Weg zur Arbeit, um die Kinder zur Schule zu bringen, zum Einkaufen zu gehen und für viele weitere Routineaufgaben. Autoautos brauchen wir deshalb dringend, weil sie das Problem mit dem täglichen Stau in die Großstadt rein und aus der Stadt heraus nach Hause lösen. Autoautos handeln nämlich nicht emotional, sondern rational. Sie verspüren keine Freude dabei, möglichst schnell vor einer roten Ampel noch rechts zwei oder drei Fahrer zu überholen, um bei Grün ganz vorne mit dabei zu sein. Sie haben aber auch keine Anst vor anderen Autos, oder Kindern und Gegenständen, die plötzlich auf die Straße springen können.  Deshalb müssen — böse Zungen sagen dürfen — autonome Autos auch nicht besonders sportlich, agressiv, oder bombensicher aussehen. Denn sie fahren weder besonders schnell noch besonders gefährlich, noch besonders ängstlich,  wie einige Menschen das im täglichen Straßenverkehr tun. Wer möchte schon einen Defender ohne Fahrer am Steuer im Straßenverkehr sehen…

Weg vom umgebauten SUV aus 2012 wie auf diesem Bild zu sehen. Die neuen Google-Autos haben nichts Erschreckendes mehr an sich. Bild: Google
Weg vom umgebauten SUV aus 2012 wie auf diesem Bild zu sehen. Die neuen Google-Autos haben nichts Erschreckendes mehr an sich. Bild: Google

Autoautos fahren bei einem 50-er Schild (nach Möglichkeit) 50 km/h, bei einem 30-er Schild 30 km/h und stellen keine Fragen am Steuer (die aktuellen Google-Autos sind auf 40 km/h (25 mph) limitiert). Und wenn das alle Autoautos so tun und die autonomen Fahrzeuge miteinander gekoppelt sind, gibt es keine Staus mehr. Wenn alle Deutschen und Holländer beim Start ihres Sommerurlaubs in den Süden auf der Autobahn strikt 120 km/h fahren würden, dann würde es keinen Stau auf der Route ans Meer geben. Aber Hans möchte natürlich zeigen, was sein neuer X5 drauf hat und Hänschen in seinem Porsche ebenfalls. Dumm nur, dass Xaver einfach nicht von der rechten auf die linke Spur wechseln möchte. Beim ersten Blitzer gibt es dann eine Vollbremsung und schon haben wir die Schweinerei vom Gotthard bis an den Bodensee. Stau ist ein typisch menschliches Phänomen, das zwar niemand will, aber trotzdem immer wieder entsteht, weil wir alle Fehler machen. Und weil die Frage bestimmt aufkommt: Autoautos müssen nicht überholen können, wenn alle Autoautos gleich schnell und gleich intelligent fahren, gibt es keinerlei Grund, um ein anderes Autoauto zu überholen.

Autoautos lösen aber nicht nur das Traffic-Jam-Problem. Sie verursachen auch weniger Unfälle im Straßenverkehr, weil sie weniger lange brauchen, um eine Entscheidung zu fällen, nicht durch ein Handy oder ein schreiendes Kind im Auto abgelenkt werden und im Zweifelsfall immer defensiv entscheiden. Zumindest solange es unter den Autoautos keine Bugatti-Idioten gibt, die stolz darauf sind, mit ihren 1000 PS durch schnelles Anfahren auch mal einen Unfall verhindern zu können…

Last but not least werden selbstfahrende Fahrzeuge auch einmal das Verkehrsaufkommen deutlich verringern. Weil es dann keine eigenen Autos mehr geben wird, sondern du einfach ins nächste autonome Fahrzeug einsteigst und dich zum Zielort chauffieren lässt. Das ist aktuell noch Zukunftsmusik, denn selbst in den jetzt zugelassenen selbstfahrenden Fahrzeugen von Google sitzt ein Chauffeur, der im Notfall die Kontrolle über das Auto übernehmen kann.

Autoautos schaffen neue Probleme

Doch wie jeder Fortschritt werden auch die selbstfahrenden Fahrzeuge neue Probleme verursachen. Autoautos fahren immer den schnellsten (nicht den kürzesten) Weg. Dadurch, dass in einer idealen Welt alle Fahrzeuge vernetzt sind, ist jedes Auto über das aktuelle Verkehrsaufkommen informiert und passt seine Route so an, dass es möglichst keine Staus gibt. Das bewirkt aber auch, dass bisher unbefahrene Straßen wohl oder übel zu Ausweichrouten werden. Denn wussten vor ein paar Jahren nur Einheimische, dass es in der Stadt xyz einen tollen Schleichweg von A nach B gibt, wissen das heute dank Navigationssoftware und Live-Tracking der entsprechenden App-Benutzer alle. Autonomes Fahren kann also für eine leichte Umverteilung des Verkehrs von Haupt- auf Nebenstraßen sorgen, immer abhängig davon, wie die Vehikel programmiert werden.

Vor dem zweiten Problem stehen die Taxifahrer sowie Uber & Co. Denn schon in wenigen Jahren wird niemand mehr ein Taxi mit Fahrer bestellen, sondern nur noch ein Autoauto bzw. Autotaxi. Das ist auch gut so, denn wozu soll jemand täglich 12 bis 14 Studen in einem Auto sitzen, wenn diese Aufgabe auch ein Computer übernehmen kann. Anstelle von Taxifahrern wird es dafür einen großen Bedarf an Experten für Sprachsteuerung geben und natürlich müssen auch neue Parkplätze am Straßenrand anstelle von fixen Garagen im Haus gebaut werden. Nur so als Tipp für eine Umschulung. Google selbst glaubt aber auch (noch) an Uber und hat 2013 eine größere Summe in den Dienst investiert.

So lange alle autonomen Fahrzeuge vom gleichen Hersteller kommen und mit der gleichen Software ausgestattet sind (bzw. miteinander verknüpft sind), gibt es also theoretisch keine Staus und Drängeleien. Aber wie wird das ausgehen, wenn sich zwei oder mehrere Anbieter konkurrieren und der eine zum Beispiel verspricht, mit seinen Autoautos besonders schnell ans Ziel zu gelangen (weil seine Software bei einem 50er-Schild mit 55 km/h programmiert ist)?

Das sind nur einige mögliche Probleme, die die autonomen Fahrzeuge schaffen können. Wie jedes Computersystem sind sie darüber hinaus anfällig auf Hacks und natürlich klappt das alles nicht mehr, sollte das mobile Netzwerk und/oder das GPS-Netzwerk zusammenbrechen (Stichwort GPS-Spoofing und GPS-Jamming).

Jahre des Chaos?

Die kommenden Jahre könnten aber vor der erhofften Verbesserung auch eine vorübergehende Verschlimmerung auf den Straßen verursachen. Denn je mehr Menschen auf Autoautos umsteigen und ihre Reise von A nach B ohne Stress absolvieren werden, desto mehr Konkurrenzdruck werden die Alphatiere hinter dem Steuer zu spüren bekommen. Cool in einem Google-Auto zu sitzen und dabei ein Buch zu lesen, ist nun mal effizienter und schlauer, als einen SUV zu fahren. Und ein Autoauto auszubremsen oder beim Start an der Ampel stehen zu lassen, bereitet nun mal keine Freude, weil sich der Fahrer darin (der Computer) keinen Dreck darum schert.

Zugegeben, vermutlich wird es nicht Jahre sondern Jahrzehnte brauchen, bis immerhin jedes zweite Auto auf unseren Straßen selbstfahrend wird und das einstige Vorzeigeprodukt der deutschen Wirtschaft endgültig der Vergangenheit angehören wird. Vielleicht werden es auch erst meine Enkelkinder wirklich so erleben, wie ich mir es vorstelle. Dennoch bleibe ich dabei: Das Auto ist tot, es lebe das Autoauto!

1 KOMMENTAR

  1. Wir schaffen uns doch selber mit so Sachen ab. Roboter in der Produktion, selbst fahrende Trucks, AutoAutos, vollkommen Menschen leere dunkle Lager wo Automatische Stapler fahren.

    Wie kann man so eine Entwicklung gut heißen?
    Wer soll denn dann noch arbeiten?
    Stell dir mal vor alle Trucker und Taxi Fahrer werden arbeitslos? Wohin mit den Leuten?

    In der Kfz Berufschule hatten wir 2004 ähnliche Diskussionen, vorallen stellte sich die Frage wollen die Autofahrer das überhaupt?
    Selbst wenn kurzeitig die Autos automatisch und manuell fahren können, gehen alle davon aus das das Selbst fahren irgendwann verboten wird, dann kann man auf speziellen Plätzen noch selbst fahren.

    Ich bin leidenschaftlicher Auto Fahrer, das ist eines der Dinge die mir im Leben besonders Spaß machen.

    Nur durch Elektroautos stehen in deutschland 3,5 Millionen Arbeitsplätze ( Nur in der Produktion ) auf dem Spiel. Keine Kolben, kupplung, Getriebe, Einspritzsysteme.

    Das sind alles Bauteile die hier her gestellst werden. Bei einem Elekteoauto haben wir grob gesagt nur einen Simplen Elektromotor und Akku.

    Also nur in der Produktion 3,5 Millionen Jobs die weg fallen.
    Dazu kommen Werkstätten die nahezu nichts mehr zu tuhen haben.
    Tankstellen Jobs die weg fallen und und und.

    Fallen dann noch die Taxis und Trucks weg wird es noch enger.
    Ach ja Postboten brauchen wir dann ja auch nicht mehr, das übernehmen die Drohnen.
    Und Kassiererinnen sind auch nicht mehr nötig, man läuft nur noch durch einen Scanner.
    Regale werden dann auch automatisch ein geräumt.

    Das ganze System Kann daran kolabieren.
    Wer soll denn noch die Automatisierten Dienstleistungen bezahlen können, wenn die ganze Arbeit weg ist?

    Mir soll mal einer sagen was die ersatz beschäftigung der Menschen sein soll?
    Alles Dienstleistung? Lächerlich.
    Wie soll das Wirtschaftssystem noch funktionieren?

    Wenn ihr mich fragt, kann alles daran zusammen brechen.

    Ich denke da nur an die Terminator Filme, die mittlerweile garnicht mehr so Scifi sind…

    Aus diesem Grund bin ich generell gegen diese Technoligien, für uns im Industrieland hat dies nur Nachteile. In Armen Ländern wird man davon nichts bemerken, die haben eh keine Wirtschaft.

    Nur das Elektroauto selber ist ein großes Risiko für unseren Reichtum, nur daran könnte Deutschland im ganzen scheitern.

    Darum die Frage, ist das wirklich gut für den Menschen?

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