Start Aktuell Kommentar: Warum uns der WhatsApp-Kauf von Facebook schockiert oder am A. vorbeigeht

Kommentar: Warum uns der WhatsApp-Kauf von Facebook schockiert oder am A. vorbeigeht

WhatsApp gehört nun zu Facebook. Dabei war der Messenger für viele Leute die letzte Hoffnung auf Irgendwas, das es eigentlich längst nicht mehr gibt.

WhatsApp steht heute größer denn je in den Schlagzeilen. In der Vergangenheit machte der Messenger durch zwei Dinge auf sich aufmerksam: das unheimlich schnelle Wachstum und die zahlreichen teils groben Sicherheitslücken im Messenger. Doch regte man sich 2012 und Anfangs 2013 noch über Sicherheitslücken in einem Messenger auf, sollte heute eigentlich jedermann klar sein, dass eh alle Chats, die über den großen Teich gehen und nicht sicher verschlüsselt sind, abgehört werden. Insofern muss man sich als Nutzer von WhatsApp nach der Facebook-Übernahme keine Gedanken machen. Es bleibt alles, so wie es ist.

Was ist also so schlimm dran?

Das Schlimmste am WhatsApp-Kauf durch Facebook ist die Tatsache, dass damit nun ein Messenger stirbt, von dem viele Leute glaubten, dass der Messenger den Nutzern dient und nicht die Nutzer dem Messenger. Denn — so machte man uns immer wieder glaubhaft — WhatsApp kostet Geld und lebt vom Geld, das die Nutzer einspielen. WhatsApp interessiert sich nicht für deine Chats, weil die Macher nicht mit Werbung Geld verdienen wollen. Damit ist nun definitiv Schluss.  Denn der Käufer Facebook ist die Internetfirma, die aktuell am meisten darauf angewiesen ist, mit Werbung und Benutzerdaten Geld zu verdienen. Ein anderes Businessmodell gibt es bei Zuckerberg & Co. (noch) nicht. Auch Google verdient sich seine Brötchen damit, die von den Usern gewonnenen Daten zu Gold zu machen. Im Unterschied zu Facebook hat man aber in Mountain View auch noch ein paar andere Projekte am Laufen, die Geld einbringen.

Whats Nun?

Wer WhatsApp wirklich deshalb benutzt hat, weil die App angeblich kein Interesse an den Nutzerdaten besitzt, hat nun statt einem Problem (NSA) gleich zwei (NSA und Facebook). Eine wirklich sichere Chat-Alternative, die auch nur halbwegs benutzerfreundlich und verbreitet ist, gibt es keine. Klar kann man auf WeChat, den BlackBerry Messenger oder Line umsteigen, aber im Endeffekt, ist jede Chat-App entweder an unserem Geld oder unseren Daten interessiert. Line ist hier die positive Ausnahme insofern, dass die Macher schon immer über die Stickers Geld verdienen wollten und auch verdienten. Freie Alternativen gibt es zwar, aber um eine Verbreitung von mehreren Millionen Nutzern zu erreichen, braucht es ein richtiges Business. Dann stirbt der Open-Source-Gedanke meistens.

Es stellt sich also die Frage, ob es überhaupt eine Alternative gibt? Zurück zur SMS? Ich bin doch nicht blöd, auch noch dafür zu bezahlen, abgehört zu werden. Zudem macht Chatten via SMS keinen Spaß. Es muss also klar ein neues Chat-Programm her. Und genau das wird passieren. Neue Alternativen werden sich etablieren genauso, wie wir ein neues Internet brauchen, weil das alte abgelutscht ist. Kann gut sein, dass das mittelfristig zu Inkompatibilität und nationaler Abschottung etc. führt. Warum sollten alle Menschen auf der Welt das gleiche Social Network und die gleiche Chat-App benutzen. Das ist doch eh krank.

Die 19 Milliarden hat Zuckerberg in den Sand gesetzt. Die Investition wird sich nie lohnen. Denn die wenigen Leute, die gegenüber Facebook kritisch eingestellt sind und neue soziale Netzwerke für sich entdecken, die werden jetzt auch WhatsApp den Rücken kehren, und Facebook nutzten eh schon alle. Die Rechnung: 1 Mrd Facebook-Nutzer + 500 Millionen WhatsApp-Nutzer = 1,5 Mrd Nutzer geht also mit Sicherheit nicht auf und ich bin mir ziemlich sicher, dass auch die Tage von FB schon so langsam aber sicher gezählt sind. Denn es gibt so viele neue interessante Dinge und so viele Wege, seine Zeit besser totzuschlagen.

Soll man sein WhatsApp-Konto also löschen? Eigentlich bleibt alles beim Alten: Digital bespricht man keine persönlichen oder gar vertraulichen Dinge egal ob Chat, SMS oder Telefon, denn alles wird abgehört. Das ist die Realität, Punkt. Wer sich an diese Verhaltensregel hält, kann jede beliebige App benutzen, also auch mit gutem Gewissen bei WhatsApp bleiben oder jetzt wieder zu Facebook Messenger zurückkehren. Wer sich nicht daran hält, ist selber schuld.

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