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Kommentar: Virtual Reality ist der nächste Big Fail

Viele Smartphone-Hersteller und Smartphone-Fans warten auf das so genannte nächste große Ding, das Next Big Thing. Glaubt man Mark Zuckerberg und Samsung, dann könnte Virtual Reality dieses Next Big Thing sein. Doch hinter dem großen Theater steckt eigentlich nur ein Luftballon, der sich nicht unendlich lang aufblasen lässt, ohne zu platzen.

Mark Zuckerberg auf dem diesjährigen Samsung-Event in Barcelona live zu sehen, war ein Erlebnis für sich. Der Mensch besitzt ohne Zweifel Charisma, aber bei einigen Kollegen und Kolleginen brannten bei seinem Auftritt gleich sämtliche Sicherungen durch und sie stürmten zur Samsung-Bühne, um ein Foto von Mark zu schießen. Egal ob Spiegelreflex oder Smartphone, ein Foto musste her. Erst nach ein paar Minuten schafften es die spanischen Sicherheitsbeamten, den „Graben“ um die Bühne herum wieder frei zu halten.  Die eigentliche Rede von Zuckerberg ging bei dem Getümmel schon fast unter. Er sprach natürlich über Virtual Reality und dem nächsten Big Thing, und dass wir sicher noch viel Freude an VR haben werden. Doch sein gewähltes Beispiel stieß bei mir auf alles andere als Sympathie: Er verglich seine eigene Geburt mit der Geburt seiner Tochter, und wie schade es doch sei, dass von seiner eigenen Geburt kaum Erinnerungen übrig blieben, dabei sei doch die Geburt so etwas wie der größte Moment im Leben.

Natürlich konnte ich mich hier nicht gegen etwas Kopfkino wehren, und ich stellte mir vor, wie Mark im Kreißssaal mit einer Oculus Rift auf dem Kopf seiner Ehefrau bei den Wehen zuschaut oder zuhört. Denn das ist konsequenterweise der nächste Schritt, nach dem Foto und dem Video: Virtual Reality!

 

Die meisten Nutzer auf dem Samsung-Event nutzten die VR-Brille nur ein paar Sekunden lang. Von einem "Eintauchen" in neue Welten war auf dem Event keine Spur zu spüren.
Die meisten Nutzer auf dem Samsung-Event nutzten die VR-Brille nur ein paar Sekunden lang. Von einem „Eintauchen“ in neue Welten war auf dem Event nichts zu spüren.

Doch die meisten Leute, die ich kenne, möchten die Realität gar nicht mit der virtuellen Welt vermischen. Im Gegenteil, die Trennung der beiden ist viel wichtiger. Denn seien wir ehrlich: der aktuelle „Täuschungseffekt“, den man über die Oculus Rift oder Google Cardboard erreichen kann, fällt eher bescheiden aus, und wenn  der erste WOW-Effekt nach ein paar Minuten erst einmal verflogen ist, dann ist Unterhaltung mit einer VR-Brille genauso lustig wie zu Hause Fernsehen mit einer 3D-Brille, also nicht lustig. Daran ändern auch YouTube-Videos von Omas, die zum ersten Mal eine VR-Brille aufhaben nichts. Denn die Oma wird das Experiment als lustig abhaken und sich wieder den wirklich wichtigen Dingen des Lebens widmen, garantiert keine VR-Brille kaufen.

VR und 3D weisen also ein paar Gemeinsamkeiten auf: So überrascht es denn kaum, dass die meisten Hersteller 2016 die Produktion von 3D-TV-Geräten zurückgefahren oder sogar komplett eingestellt haben. Virtual Reality aber hier als Grund anzuführen, wie es zum Beispiel der verlinkte Artikel von futurezone.at tut, ist aber genau falsch herum gedacht. Denn genau aus demselben Grund, aus dem sich die 3D-Brillen und 3D-Filme nicht wirklich verkauft haben, werden sich auch Virtual-Reality-Geräte nicht verkaufen. Die Samsung Gear ist ein Ladenhüter, denn es gibt kaum Content dafür, der nach 1-2 Tagen noch Spaß machen würde. An diesem Umstand werden auch die jetzt gelaunchten 360° Kameras kaum etwas ändern.

Kein Wunder also, dass die Hersteller jetzt in Barcelona einen Gang höher geschraubt haben und anstelle von purer Virtual Reality auf „4D“ setzen, also 3D-Kino mit Kopfbrille und bewegbaren Sitzen, um das Erlebnis „noch intensiver“ zu machen, wie man strahlend bekannt gibt. In Wahrheit wird das Erlebnis damit überhaupt erst erlebenswert, auch wenn einige Anwender die Brille gleich nach dem Start wieder abnehmen: „Mir wird schlecht!“

Gear VR Theater mit 4D nannte Samsung seine virtuelle Achterbahnfahrt mit der Gear VR.
Gear VR Theater mit 4D nannte Samsung seine virtuelle Achterbahnfahrt mit der Gear VR.

Machen wir uns nichts vor: VR ist nicht wirklich praktisch und eher für Spezialfälle wie die (Porno-)Industrie gedacht. Das „Next Bing Thing“ wird es garantiert nicht, auch wenn Mark Zuckerberg viel Geld dafür investiert hat…

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