Start Aktuell Kommentar: Die gute Seite des Samsung-Urteils?

Kommentar: Die gute Seite des Samsung-Urteils?

Samsung wurde von einem amerikanischem Schöffengericht zu einer Strafzahlung von über einer Milliarde Dollar verteilt, weil man Patente von Apple verletzt und Produkte kopiert habe. Das harte Urteil muss man auch als Konsument erst einmal Sacken lassen, Samsung wird natürlich Berufung einlegen. doch ganz egal wie das Spiel ausgeht: Android User könnten von dem Urteil profitieren.

Mit insgesamt 25 Smartphones soll Samsung diverse Patente von Apple verletzt haben, so die Jury. Dazu gehören fragwürdige Software-Patente wie Pinch-to-Zoom oder der Gummiband-Effekt. Im Gegenzug befand die Jury hingegen, Apple habe keine Samsung-Patente verletzt. Zudem kam die Jury in praktisch allen Fällen zum Schluss, dass Samsung die Apple-Patente absichtlich verletzt habe. Daraus leitet sich auch die recht hohe Schadenersatz-Summe, die zwar unter den von Apple geforderten 2,5 Millarden bleibt, aber doch massiv ausfällt.

Das Ende von Touchwiz, Sense und Co.?

Fast alle großen Android-Hersteller versuchen sich durch individuelle Oberflächen voneinander abzusetzen. HTC entwickelt permanent an seiner Sense-Oberfläche, LG arbeitet mit der Optimus UI und Samsung ist mit TouchWiz am Start. Die Meinungen über diese Android-Aufsätze gehen auseinander. Der eine findet sie toll, der andere möchte lieber ein möglichst unverändertes Android. Ein Punkt ist jedoch ein Fakt: Die proprietären Oberflächen verzögern Updates oder verhindern diese sogar.

Google sind die Ähnlichkeiten zwischen TouchWiz und Apples iOS bereits im Februar 2010 aufgefallen, man hatte Samsung sogar gewarnt und empfohlen Änderungen am Galaxy Tab und Galaxy Tab 10.1 vorzunehmen. Die Abstrafung Samsungs könnte nun dazu hinführen, dass Hersteller es sich zweimal überlegen an Android zu schrauben und sich näher am Original zu halten. Wir als Android User könnten so früher mit Updates versorgt werden, da die Hersteller ihre Firmware bei einem Update nicht mehr aufwändig anpassen müssten.

Mehr Neuerungen im europäischen Markt?

Also europäischer Android User bekommt man nur die Hälfte der Android-Features mit. In Deutschland können wir zwar — im Gegensatz zu anderen Ländern der Welt — die Navigation, den Play Store oder mittlerweile auch Play Movies nutzen. Doch viele Funktionen sind hierzulande nur mager bestückt.

Das viel beworbene Google Now ist in Deutschland mangels Inhalte nicht wirklich interessant. Die Anzahl der Filme im Play Store ist überschaubar. Geschenkkarten für den Market gibt es zwar endlich, aber nur in den USA. Play Music gibt es seit Januar dieses Jahres, aber wie immer nur in den USA.

Um es kurz zu fassen: Google vernachlässigt den europäischen Markt. Europäische und auch deutsche Gerichte haben sich in der Vergangenheit ebenfalls in Bezug triviale Softwarepatente keinen guten Namen gemacht, doch solche Böcke — wie sie nun in den USA geschossen worden — sind hierzulande noch nicht untergekommen. In einem Fall musste sich Apple sogar öffentlich für seine Anschuldigungen per Zeitungsanzeige entschuldigen.

In Europa ist mit digitalen Inhalten noch viel Geld zu holen. Wir haben kein Hulu, wir haben kein Netflix. YouTube ist hierzulande nur ein Schatten seiner selbst: "Dieses Video ist in Deutschland leider nicht verfügbar, da es möglicherweise Musik enthält, für die die erforderlichen Musikrechte von der GEMA nicht eingeräumt wurden.Das tut uns leid." Google und die anhänglichen Hersteller von Android-Geräten könnten auch in Europa Umsatz machen, sie müssen es nur wollen.

Google mit Macht in die Verhandlungen!

Der eigentliche Big-Player dieses Spiels hat sich bislang ziemlich im Hintergrund gehalten: Google! Die Schlacht mussten HTC und Samsung als Proxy gegen Apple schlagen. Google hat das Kapital und auch die Patente (dank des Zukaufs von Motorola Mobile) um Apples Anwälten Paroli bieten zu können. Ein massives Gerichtsverfahren zwischen Apple und Google würde unsere Gerichte an ihre Grenzen bringen.

Der Kampf Google vs. Apple steht nicht nur für Android gegen iOS, sondern für den ganzen Konflikt um Software- und Trivial-Patente, der nun schon seit Jahren tobt. Patent-Trolle, also Unternehmen ohne Produkte und ohne eigene Ideen, reichen weit gefasste Patente ein und fordern dann Lizenzgebühren ein. Schätzungen der Boston University zur Folge entstanden der Industrie dadurch Kosten in Höhe von 29 Milliarden Dollar — alleine im Jahr 2011.

Unser Patent-System steht in der Kritik: Politiker, Lobby-Organisationen, Unternehmen versuchen es zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Die eigentliche Idee des Patents — Wissen offen zu legen und diesen Schritt mit einer Schutzfrist zu honorieren — wird bei Trivialpatenten missbraucht, sie dienen lediglich dazu dem Mitbewerber Steine in den Weg zu legen. Wir als Kunden stehen am Ende dieser Kette, wir müssen über den Kaufpreis die Scharmüzel der Anwälte und Trolle zahlen und bekommen schlechtere Geräte bei einer dünneren Auswahl.

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