Start Magazin Kleine Krachmacher ? Beats basteln mit Android

Kleine Krachmacher ? Beats basteln mit Android

Das Vorurteil, dass Android im Gegensatz zum iPhone und iPad notorisch unmusikalisch sei, hält sich hartnäckig. Dass dieses Gerücht in die Mottenkiste gehört, beweist unsere Übersicht virtueller Grooveboxen und Synth-Racks.

Wer auf dem Mac oder Windows-PC schon einmal mit dem Programm Reason des schwedischen Herstellers Propellerhead musiziert hat, wird sich nach dem Erststart von Caustic verdutzt die Augen reiben. Wurde die Produktionssuite etwa auf Android umgesetzt? Ganz so weit ist es noch nicht, allerdings kommt die mittlerweile in ihrer Version 2 vorliegende App dem Original schon recht nahe. Caustic stellt einen virtuellen Rack-Synthesizer mit mehreren vorkonfigurierten Elementen dar, die es klanglich wie optisch in sich haben.

Ein virtuell-analoger Klangerzeuger mit subtraktiver Synthese sorgt für den guten Ton und bietet mit seinen besonders im Horizontalmodus gut zu erreichenden Potis Zugriff auf je zwei Oszillatoren und LFOs sowie eine leistungsfähige Filtersektion. Hier kommen Klangfrickler auf ihre Kosten. Aber auch das Spielen mit der virtuellen Tastatur auf dem Touchscreen macht schlichtweg Spaß, zumal die Reaktionszeit sogar auf älteren Geräten sehr schnell ist – auf einem Samsung Galaxy Tab P1010 etwa war keinerlei Latenz feststellbar, sodass in Echtzeit geklimpert werden konnte.

Dies trifft auch auf den PCM-Synthesizer zu. Ähnlich wie sein virtuell-analoger Bruder liefert er eine umfangreiche Auswahl fertiger Klangfarben gleich mit – weitere können aus dem Google Play Store heruntergeladen oder im WAV-Format importiert werden. In seiner Inkarnation als E-Piano liefert er für den typischen warmen Rhodes-Klang, der sich durch intuitive Veränderungen an den Sampleeinstellungen feinjustieren lässt.

Doch damit nicht genug: Ein an die legendäre Groovebox Roland TB-303 angelehntes Klangmodul sorgt für das Bassfundament und eine mit allen klassischen Sounds ausgestattete Drummachine für den nötigen Wumms. Ergänzt wird so viel audiophile Leistung um eine umfangreiches Effekt-Rack sowie ein Mischpult inklusive globalem Delay und Reverb. Ein mehrspuriger Songsequenzer hält die eingegeben Noten fest. Wer Android ab der Version 3.2 nutzt, kann die Synths per USB sogar mit einem externen MIDI-Controller steuern.

Caustic 2 kann dem großen Reason noch nicht das Wasser reichen, trotzdem weiß die App auf ganzer Linie zu überzeugen. Wer eine mobile Klang- und Rhythmusstation für kreative Extravaganzen sucht, ist hier genau richtig.

6,49 Euro

englisch|Version 2.1.1|10 MByte

★★★★★






RD3 HD


Schnell ein paar Beats und Bässe auf dem Nachhauseweg in der U-Bahn programmieren? Dann ist RD3 HD erste Wahl. Die locker an die legendäre TB-303 angelehnte Groovebox (die auf Tablets in ihrer vollen Pracht erscheint) bietet zwei voneinander unabhängige virtuell-analoge Basssynthesizer mit vier Oszillatortypen, hochauflösendem Filter und frei zuweisbaren Audioeffekten. Der Drumcomputer selbst verwaltet zehn verschiedene Kits auf jeweils acht Kanälen. Jeder Drumsound darf mit einem eigenen Effekt veredelt und mit einem zusätzlichen Punch hervorgehoben werden. Fertige Loops können zum Weiterverarbeiten im WAV-Format exportiert werden. Eine direkte Upload-Möglichkeit zum SoundCloud-Konto bringt die eigenen Werke vor ein großes Publikum.

3,99 Euro

englisch|Version und Größe variieren je nach Gerät

★★★★


G-Stomper


Grob an die Korg-Electribe-Serie angelehnt präsentiert sich G-Stomper. Die klassische Groovebox empfängt ihren Anwender mit einer mächtigen Oberfläche, die zwar nicht sonderlich elegant ist, deren Elemente aber auch mit den Daumen gut bedienbar sind. Die virtuelle Rhythmusmaschine bietet elf Spuren, auf die in 16 Steps und über jeweils acht Oktaven Sounds verteilt werden. Mitgeliefert werden bereits Samples von diversen Roland-, Casio- und Linn-Klassikern, die jederzeit durch die zahlreichen Soundsets aus dem Play Store ergänzt werden können. Zur Veredelung des wuchtigen Klangs operieren drei in Kette schaltbare Effekteinheiten, und auch der Sequenzer selbst bietet in die Tiefe gehende Bearbeitungsmöglichkeiten. Etwas träge reagiert jedoch zeitweise die Oberfläche – hier wirkt RD3 HD weitaus leichtfüßiger.

4,59 Euro

englisch|Version 2.2.3|12 MByte

★★★★★


PocketBand


Den Traum von der kompletten Loop-Werkstatt lässt PocketBand Realität werden. Geboten wird ein 12-Kanal-Sequenzer inklusive polyphonem Synthesizer mit 125 Instrumenten, einem grafisch editierbaren Modularsynth, einer Drummachine mit 41 Kits sowie einem Sampler für Liveaufnahmen mit Nachbearbeitungsmöglichkeiten. Und das schon in der kostenlosen Version – wer noch mehr will, greift für knapp 8 Euro zur Pro-Version, die noch mehr Klangmaterial mitbringt. So viel Leistung ist in einer wohldurchdachten Oberfläche verpackt, die ihren Nutzer mit einer On-Screen-Hilfe zum Entdecken der kreativen Möglichkeiten an die Hand nimmt. Und als wäre das alles noch nicht genug, können Loops und Songs per Cloud geteilt werden – sogar das gemeinsame Arbeiten an einem Projekt ist möglich. Top!

Lite-Version kostenlos|Pro-Version 7,67 Euro

englisch|Version 3.5.0|2.8 MByte

★★★★★


Nanoloop


Bereits die Erwähnung von Nanoloop dürfte so manchem Konsolen-Fan ein wohliges Gefühl verleihen: Die Kombination aus Sequenzer, Synthesizer und Sampler erblickte auf dem Game Boy das Licht der digitalen Welt. Das herausragende Merkmal der App war stets ihr bewusst minimal gehaltenes Interface. Nanoloop bietet sechs Spuren zum Musikmachen, denen ein Synthsound oder Sample zugeordnet wird. Jeder dieser Kanäle nimmt bis zu acht Noten- und Rhythmusmuster auf, die in einer Matrix von vier mal vier Takten gesetzt werden. Der integrierte Sampler wird direkt vom internen Mikrofon oder der SD-Karte befüttert, fertige Projekte werden in eine WAV-Datei exportiert oder per Dropbox beziehungsweise SoundCloud geteilt. Eine ungewöhnliche App, auf deren Konzept man sich allerdings einlassen muss.

1,99 Euro

englisch|Version 1.8.7|6.5 MByte

★★★★★



Music Matrix HD


Yamaha hat sein Tenori-on virtuell bisher nur auf iOS umgesetzt – mit Music Matrix HD steht allerdings auch für Android eine App bereit, die sich zumindest von dem innovativen Kompaktsynthesizer inspiriert zeigt. Zur Eingabe von Noten dient eine Matrix von 16 mal 16 Zellen, die zusammen einen Block bilden. Jedem Block können zwei Synth-Sounds sowie ein Drumset zugewiesen, bis zu acht Blöcke zu einem Song kombiniert werden. Es steht also reichlich Potenzial zum Ausleben der eigenen Kreativität bereit. Leider sind viele Elemente und Piktogramme der theoretisch intuitiven Oberfläche so klein geraten, dass sie selbst auf einem 7-Zoll-Tablet nur äußerst schwer erreichbar sind und Fehleingaben provozieren – die Begrenzung auf einen erreichbaren Tonumfang von einer Oktave pro Block wäre schlauer gewesen.

2,99 Euro

englisch|Version 1.1|18 MByte

★★★★★


Electrum Drum Machine


Sind Ihnen die bisher vorgestellten Apps zu komplex? Dann könnte die Electrum Drum Machine genau das Richtige für Sie sein. Die Groovebox zeigt sich übersichtlich und großzügig in ihrer Gestaltung und lädt zum spontanen Programmieren von Beats ein. Im Mittelpunkt steht ein Sequenzer mit 16 Steps, der mit bis zu acht Sounds innerhalb von 32 Rhythmusmustern zum Klingen gebracht wird. Mitgeliefert werden bereits eine Reihe klassischer Klänge aus verschiedenen Stilrichtungen, Nachschub erfolgt durch fertige Sample-Pakete aus dem Play Store und Sounds im WAV-Format von der SD-Karte. Der interne Sampler nimmt auch direkt vom internen Mikrofon auf, ein simpler Klangeditor mit drei Effekten sorgt für die schnelle Nachbearbeitung.

3,03 Euro

englisch|Version 4.6.2|5,3 MByte

★★★★★


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