Start Im Test Kinder und Smartphones: was ist gesund und worauf sollte man achten?

Kinder und Smartphones: was ist gesund und worauf sollte man achten?

Das Baby kann kaum sitzen, geschweige sprechen, aber es hält bereits das Handy der Mutter oder des Vaters in den Händen. Gesund oder gar hilfreich ist das für die Entwicklung des Kindes bestimmt nicht. Wir geben ein paar grundlegende Tipps aus Elternsicht, wann und wie Sie Android mit Kindern nutzen sollten.

Mit Handys und Kleinkindern ist es fast wie mit dem Impfen: egal, wie man es macht, man macht es falsch. Wächst das Kind komplett ohne Smartphone oder Tablet auf, dann hat es eventuell später kleine Nachteile gegenüber anderen gleichaltrigen Kindern. Bekommt es aber das Handy quasi schon in die Wiege gelegt und wird zu früh mit diversen konfusen Bildern konfrontiert, kann es psychische Schäden davontragen, vom stark diskutierten Thema Strahlenbelastung mal ganz zu schweigen. Wie so oft ist also der goldene Mittelweg gefragt. Aber wie sieht dieser aus?

24 oder 48 Monate?

Kinder unter 2 Jahren fingern zwar gerne auf einem Touchscreen herum und steuern problemlos die Bildergalerie per Wischgeste, wirklich etwas anfangen oder sogar etwas lernen können Sie mit dem Tablet oder dem Handy nicht. Generell wird deshalb von der Nutzung von Smartphones und Tablets durch Kleinkinder unter 24 Monaten abgeraten [1]. Dieser Empfehlung schließen auch wir uns an.

Zwischen zwei und vier Jahren können Kleinkinder aber schon recht viel mit moderner Technik anfangen, unter anderem auch selbständig Apps kaufen oder In-App-Käufe freischalten (wenn auch meistens unbewusst, siehe weiter unten). Dabei sollten Sie jedoch unbedingt darauf achten, dass Handy und Tablet höchstens ergänzend zu anderen Spielen und Spielsachen eingesetzt werden und keinesfalls als Babysitter oder "Beruhigungsmittel" dienen. Es gibt zwar keine Studien, die beweisen, dass die Nutzung von Smartphones und Tablets in diesem Alter schadet, aber generell sollten Kinder bis zum Alter von vier Jahren in erster Linie die motorischen Fähigkeiten schulen und möglichst viel mit echten Gegenständen und im Freien spielen.

Als Vater von drei Kindern und Android-Fan halte ich den sehr beschränkten Einsatz zwischen zwei und vier Jahren durchaus für sinnvoll, wenn auch nicht für notwendig. Ab und zu für ein paar Minuten auf einem virtuellen Piano zu klimpern bringt dem Kind entwicklungstechnisch natürlich deutlich weniger, als mit einem Schläger auf einem echten Xylophon herumzuhauen, aber es ist immer noch besser, als das Kind vor den Fernseher zu setzen.

Abbildung 1: Taste drücken, Ton anhören. Solche Apps schaden Kleinkindern garantiert nicht.
Abbildung 1: Taste drücken, Ton anhören. Solche Apps schaden Kleinkindern garantiert nicht.

Komplett abraten möchte ich Ihnen aber an dieser Stelle vor den meisten Spielen. Die Kinder finden diese zwar bereits im Alter von zwei Jahren äußerst spannend und lernen auch recht schnell, wie man zum Beispiel mit Cordy hüpft oder ein Autorennen bedient. Wirklich verarbeiten lassen sich die schnellen Bildfolgen jedoch nicht und es besteht auch eine recht große Suchtgefahr, die Sie daran erkennen, dass das Kind aggressiv wird, wenn Sie Ihm das Handy oder Tablet wieder wegnehmen.

Sie sollten Kindern unter vier Jahren also keinesfalls tolle Spiele zeigen oder den Kids sogar nahelegen, mit dem Tablet oder Handy zu spielen. Das Interesse daran kommt von alleine. Gemeinsam auf einem Tablet ein paar Fotos anzuschauen, entsprechende Baby-Apps zu benutzen, wie wir Sie auch in diesem Heft vorstellen, dagegen spricht aber meiner Meinung nach nichts, solange das Kleinkind daran Spaß hat und die Nutzung 30 Minuten am Stück nicht überschreitet.

Abbildung 2: Mit schnellen Bildfolgen wie etwa bei "Ich unverbesserlich 2" können kleine Kinder nichts anfangen.
Abbildung 2: Mit schnellen Bildfolgen wie etwa bei "Ich unverbesserlich 2" können kleine Kinder nichts anfangen.

Tipp

Kleinkinder haben kein Gefühl dafür, wie lange sie an einem Spiel sitzen. Machen Sie deshalb vor dem Spielen ab, wie lange das Kind das Handy/Tablet nutzen darf und stellen Sie am besten einen lauten Timer: Schellt der Wecker ist Schluss und das Gerät wird ausgemacht. An diese Ordnung gewöhnen sich kleine Kinder recht schnell.

Kein Handy auf dem Spielplatz!

In den letzten Jahren hat die Zahl an Unfällen mit kleinen Kindern auf Spielplätzen deutlich zugenommen, nachdem Sie in den Jahrzehnten zuvor stets zurückging. Schuld daran sind nicht die Sicherheitsvorschriften auf den Spielplätzen oder die unvorsichtigen Kinder, sondern die Eltern, die mal eben kurz die Mails checken oder ein Foto auf Facebook posten, anstatt auf den Nachwuchs aufzupassen [2]. Man muss keine Studie dazu verfassen: Jeder Vater oder jede Mutter hat vermutlich schon Situationen erlebt, wo man gerade noch rechtzeitig das Handy beiseite legen konnte, um den Sohnemann daran zu hindern, sich selbst etwas anzutun. Denn bis Sie eine Mail gelesen haben, klettert Ihr Kind problemlos ein paar Meter hoch oder krabbelt aus dem Sandkasten in Richtung Gartenteich. Lassen Sie deshalb die Finger vom Handy, wenn Sie auf dem Spielplatz oder in einer gefährlichen Situation sind. Das gilt ganz besonders auch in Einkaufszentren oder auf Festplätzen mit vielen Leuten, wenn das Kind schon alleine gehen kann: Es genügt ein kurzer Blick aufs Handy und schon haben Sie das Kind aus den Augen verloren!

Kinder sind schlau

Spielt das Kind mit dem Handy des Vaters oder der Mutter, dann sollte das bis zum Schulalter stets unter Aufsicht erfolgen. Dabei kann auch eine größere Schwester oder ein älterer Bruder die Aufsicht übernehmen, wenn diese bereits in die Schule gehen und mit der Materie vertraut sind. Kinder im Vorschulalter können nicht mit Geld umgehen, aber sie sind problemlos in der Lage eine App oder ein Spiel mit Ihrer bei Google Play hinterlegten Kreditkarte zu kaufen. Unter vier Jahren passiert das meistens aus Versehen, ältere Kinder verstehen aber genau, wie man eine App kauft. Einige Apps sind zudem bewusst so gestaltet, dass die Kinder beim Herumspielen früher oder später auf die In-App-Käufe stoßen. Sichern Sie Ihre Käufe bei Google Play deshalb mit einem Passwort ab. Dazu öffnen Sie in der Google Play App oben rechts das Menü und wählen den Eintrag Einstellungen. Hier markieren Sie nun die Checkbox Passwort und geben ein sicheres Passwort ein. Dieses muss anschließend für jeden Kauf eingegeben werden.

Abbildung 3: Mit einem Passwort schützen Sie unbeabsichtigte Käufe bei Google Play.
Abbildung 3: Mit einem Passwort schützen Sie unbeabsichtigte Käufe bei Google Play.

Es gibt bei Google Play auch zahlreiche Kinder-Software, die die abgesicherte Nutzung des Handys mit klar definierten Apps erlauben. Eine solche Software empfiehlt sich jedoch nur bei älteren Kindern, da Kids im Vorschulalter nie alleine mit dem Handy/Tablet spielen sollten. Die älteren Kinder sind jedoch meistens problemlos dazu in der Lage einen solchen Schutz auszuhebeln. Insofern können wir den Einsatz von Kindersicherungs-Apps nur bedingt empfehlen. Benutzen Sie ein aktuelles Tablet mit Android 4.2. oder 4.3 können Sie auch den Mehrbenutzermodus einschalten, um Ihren Kindern eine Android-Umgebung bereitzustellen, die nur die gewünschten Apps und Spiele enthält.

Meiden Sie Apps mit Werbung, und investieren Sie besser ein paar Cent für eine gut gemachte App, die Ihnen gefällt, damit das Kind nicht aus Versehen auf die Reklame tippt und dabei womöglich noch in eine Abofalle tappt. Wenn immer möglich sollten Sie bei kleinen Kindern den Internetzugang ausschalten, wenn diese am spielen sind. Gute Baby-Apps bieten dazu eine Flugmodus-Einstellungen.

Mediale Erziehung ist wichtig

Meine Kinder schauen gerne die Sendung mit der Maus oder andere Kinderfilme auf YouTube. Aber die Erfahrung zeigt, dass ein paar Klicks genügen, um von der harmlosen Sendung mit der Maus über andere Filme zum Thema "Maus" zu einem Film zu gelangen, der alles andere als kinderfreundlich ist. Erzählen Sie den Kindern von diesen Gefahren, wenn sie bereits etwas älter sind und ab und zu alleine am Tablet oder Handy herumspielen und das Internet nutzen dürfen. Bei Google Play gibt es zwar keine wirklich schädlichen Apps für Kinder, aber ist erst einmal der Browser gestartet, drohen die gleichen Gefahren, wie auf einem PC. Wann der Zeitpunkt dafür geeignet ist, hängt von der allgemeinen Entwicklung des Kindes ab und vom Umstand, ob es ältere Geschwister oder Spielkameraden besitzt. So wie man seinem Kind erklärt, welche Gefahren auf der Straße lauern und warum es nie mit fremden Leuten mitgehen sollte, erklären Sie ihm auch, welche Gefahren im Internet lauern.

Wenn das Kind etwas sieht, das nicht für Kinderaugen gedacht ist, dann soll es zu Ihnen kommen und es Ihnen erzählen, sodass Sie Ihr Kind beruhigen können. Dazu muss es aber wissen, welche potentiellen Gefahren es gibt. Klären Sie Ihr Kind nicht über die möglichen Gefahren auf, dann hat es eventuell Angst davor, etwas Schlimmes/Verbotenes gemacht zu haben und verschweigt Ihnen diesen Umstand.

Kinder im Schulalter sollten in der Lage sein, alleine Apps zu installieren. Hiermit meine ich nicht, dass Sie das tun sollen. Aber die Kinder sind schlau und werden den Augenblick nutzen, um kurz ein Spiel auszuprobieren, das so toll aussieht. Hier hilft es ungemein, wenn Sie Ihrem Kind beibringen, die Bewertungen und Kommentare bei Google Play zu lesen, bevor Sohnemann auf Installieren klickt. Verbieten Sie den Kindern nicht, Apps zu installieren, sondern bitten Sie das Kind darum, die Kommentare zu lesen und Ihnen die tollen neuen Apps zu zeigen. Wenn es eine App nicht installieren soll, dann erklären Sie dem Kind, warum (hoher Datenverbrauch, dumme Werbung, hoher Akkuverbrauch sind Argumente, die ein Zehnjähriger durchaus versteht). Nur bei einer entsprechenden Vertrauensbasis können Sie darauf hoffen, dass sich das Kind auch später bei gravierenderen Problemen an Sie wendet.

Mach’s mit!

Nicht jeder kann es sich leisten, ein separates Smartphone zu kaufen oder ein extra Tablet für die Kinder. In vielen Fällen spielen die Kinder deshalb mit dem Familien-Tablet oder dem Handy von Papa/Mama. Achten Sie darauf, Geräte, die in Kinderhände gelangen, unbedingt mit einer Schutzhülle zu versehen. Denn irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo das Handy oder Tablet auf den Boden fällt. Ist das Gerät mit einem Bumper aus Gummi versehen, dann stehen die Chancen recht gut, dass es den Sturz überlebt. Wissen Sie bereits jetzt, dass Sie ein Familiengerät anschaffen möchten, dann lohnt es sich darauf zu achten, dass es wasserfest ist (wie zum Beispiel das Xperia Z von Sony) oder besonders widerstandsfähig wie das Galaxy Xcover von Samsung. Eine Auswahl an geeigneten Familiengeräten haben wir Ihnen ebenfalls in dieser Ausgabe zusammengestellt.

Abbildung 4: Eine Schutzhülle aus Gummi schützt Ihr Gerät wirksam bei Stürzen aus mittlerer Höhe.
Abbildung 4: Eine Schutzhülle aus Gummi schützt Ihr Gerät wirksam bei Stürzen aus mittlerer Höhe.

Fazit

Kinder unter zwei Jahren sollten die Nutzung von Android-Handys und -Tablets komplett meiden. Zwischen zwei und vier Jahren kann eine maßvolle Nutzung passender Apps durchaus Spaß machen und dem Kind auch etwas beibrigen. Wirklich nötig ist aber auch dann die Nutzung keineswegs. Bei Kindern im Vorschulalter ist es wichtig, dass Sie das Android-Gerät nicht alleine sondern unter Aufsicht nutzen und dabei auch über die Risiken und Gefahren des Internets aufgeklärt werden. Kinder im Schulalter sollten in der Lage sein, ein Tablet oder Smartphone für kurze Zeit auch alleine nutzen zu können. Die dazu nötige Vertrauensbasis ist Grundlage für eine entspannte Internetnutzung in der späteren Entwicklung.


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