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Kauft nicht beim Chinesen, oder was? — Kommentar zu den US-Vorwürfen gegen Huawei und ZTE

In den USA warnt man vor den chinesischen Unternehmen ZTE und Huawei. Angeblich sollen diese zwei Firmen unter starkem Einfluss der chinesischen Regierung stehen und ihre Möglichkeiten zu Spionagezwecken misbrauchen. Mal abgesehen davon, dass es keine elfmonatige Untersuchung braucht, um zu diesem Schluss zu kommen, sondern lediglich etwas gesunden Menschenverstand, stellt sich dennoch die Frage: wo liegt das eigentliche Problem?

Soweit aktuell bekannt, gibt es für die Anschuldigungen des Geheimdienstausschusses keinerlei Beweise. In einigen Fällen sollen die Bestimmungen für die Einwanderung verletzt worden sein und es soll zu Bestechungen und Korruption gekommen sein. Da fragt man sich natürlich als Europäer: "ja sind denn die Amerikaner so dumm, dass sie glauben, es komme bei Milliardenaufträgen zu keinen Bestechungsversuchen? Haben die noch nie von Siemens gehört, oder was?" Allein wenn man an das Volumen denkt, das aktuell bei Mobilfunkmasten, Smartphones und Netzwerkzubehör produziert wird, muss doch klar sein, dass es sich hier um ein Riesen-Business handelt, bei dem es um Milliardenbeträge geht.

Ebenso naiv liest sich der Teil der Anschuldigungen, der sich mit dem Einfluss der chinesischen Regierung auf die zwei Firmen beschäftigt. Es scheint so, als habe man in Amerika erst jetzt davon erfahren, dass in China ein leicht anderes politisches Regime herrscht, als in den USA. Und dass praktisch über 90 Prozent aller Elektronikartikel ihren Ursprung in China haben, scheint dem Untersuchungsausschuss auch nicht klar zu sein. Und natürlich hat man auch CarrierIQ schon längst vergessen. Diese auf Smartphones vorinstallierte Software einer US-Firma, die sich wunderbar zur Spionage eignet, aber offiziell lediglich dem Support durch die Carrier dient. Und wie war das doch gleich mit den Hintertüren in Microsoft Windows?

Kauft nicht beim Chinesen!

Es geht dem US-Kongress nicht darum, Beweise für die Vorwürfe gegen Huawei und ZTE zu liefern, sondern es handelt sich bei diesem Bericht um schlimmste Propaganda im Stil von ,,Kauft nicht beim Juden!„. Einen ersten Erfolg hat man schon vorzuweisen, indem Cisco seine Partnerschaft mit ZTE beendet hat. Der Vorwurf dabei: ZTE würde Technik zur Telekommunikationsüberwachung an den Iran liefern. Klar, ehemalige Waffenlieferungen aus den USA in den Iran waren kein Problem, schließlich bleibt dabei das Geld im Land, aber wenn ZTE Telecom-Equipment in den Iran liefert, dann ist das anscheinend ein weiterer Beweis dafür, dass die Firma von der chinesischen Regierung kontrolliert wird und Spionage betreibt. Cisco ist übrigens in China groß im Geschäft und hat in den 90er Jahren sehr viel Equipment und Know-How geliefert, damit China seine "Great Firewall" aufbauen kann, die den kompletten Netzwerkverkehr zwischen China und dem Rest der Welt regelt.

Die USA sieht sich schlicht und einfach in Gefahr, von den Chinesischen Firmen überrollt zu werden. Denn in China wird nicht nur schnell kopiert, sondern auch sehr schnell weiterentwickelt. Und das alles zu unschlagbaren Preisen. Hier liegt das eigentliche Problem, nicht bei der Spionage. Man hat Angst, Marktanteile zu verlieren — es geht nur ums Geschäft.

Kooperation statt Konfrontation

Es bringt überhaupt nichts, ZTE und Huawei den Schwarzen Peter zuzuschieben. Klar haben Huawei und ZTE die Möglichkeiten, Informationen abzufangen, schließlich produzieren die Firmen einen sehr großen Anteil an unseren Mobilfunkmasten. Dann stellt sich aber die Frage: warum wurden denn die Firmen überhaupt beauftragt? Weil sie das günstigste Angebot eingereicht haben! Und genau hier liegt das Problem: so lange die USA und wir hier in Europa Profit aus spottbilligen Produkten ,,Made in China„ schlagen, sollten wir nicht mit dem Finger auf chinesische Firmen zeigen, sondern diesen Firmen und China bei der Öffnung gegen den Westen helfen. Komplett auf Billigprodukte aus China zu verzichten, ist zum aktuellen Zeitpunkt unmöglich. Das sollte man nicht vergessen.

Zudem gibt es ein einfaches Mittel, das Problem zu umgehen: Open-Source-Software. Denn steht die Firmware eines Routers oder einer beliebigen Hardware unter einer freien Lizenz, lässt sich das Produkt den eigenen Anforderungen anpassen und auf eventuelle Sicherheitsprobleme überprüfen. Android macht es vor, der Quellcode ist freie Software. Wer also kein Vertrauen in den Hersteller seines Smartphones besitzt, sei es Huawei, ZTE, LG, Motorola, HTC, Sony oder Samsung, kann einfach auf eine alternative Firmware umsteigen. Problem gelöst.

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