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Jelly Bean auf dem HTC Desire HD

© (C) htc.com

Android-Geräte, die ein gewisses Alter überschritten haben, werden meistens nicht mehr mit Systemupdates versorgt. Doch dank der Arbeit von verschiedenen Programmierern weltweit tut sich immer wieder mal eine Möglichkeit auf, so auch mit Jelly Bean für das Desire HD.

Verschiedene Entwicklergruppen arbeiten zurzeit an der Optimierung von Android 4.1 bzw. 4.2 "Jelly Bean" für das HTC Desire HD. In diesem Artikel erfahren sie alles über die Version von Cyanogenmod. Um Jelly Bean – oder in diesem Fall Cyanogenmod 10 – nutzen zu können, benötigen sie ein gerootetes Gerät. Wie sie Ihr Desire HD Rooten, erfahren sie im Artikel "Desire HD Rooten" aus der Ausgabe 07/2012 von Android User [1].

It’s Jelly Time

Eine Auflistung der aktuellen JellyBean-Varianten von Cyanogenmod gibt es bei Google Code [2]. Hier finden Sie auch gleich das passende ROM zum Download (JellyTime_R27..zip) sowie ein paar Alternativen. Zusätzlich zum ROM benötigen Sie noch die aktuellen Google-Apps, kurz G-Apps. Aktuell (Mitte November 2012) ist das die Datei gapps-jb-20121011-signed.zip [3].

Wenn sie das ROM und die G-Apps heruntergeladen haben, müssen sie diese auf die MicroSD-Karte ihres Smartphones kopieren. Das ROM sollte eine Größe von circa 180 MByte haben, die G-Apps betragen knapp 90 MByte. Als Nächstes müssen sie das Desire HD in den Recovery-Modus booten. Das können Sie entweder tun, indem sie auf Neustarten und dann auf Recovery gehen, oder bei Einschalten des Smartphones die Powertaste und die Leiser-Taste gedrückt halten, und anschließend recovery auswählen.

Backup nicht vergessen

Im Recovery-Modus angekommen, sollten sie zunächst ein Backup machen, um für den Fall, das etwas schieflaufen sollte gewappnet zu sein. Dazu wählen sie Backup and restore aus, und bestätigen anschließend, dass sie ein Backup machen wollen. Dies wird auf Ihrer MicroSD-Karte gespeichert.

Tipp

Sie sollten ein Backup immer an zwei verschiedenen Orten aufbewahren, falls sie einmal versehentlich Ihre SD-Karte formatieren, oder austauschen

Nach dem Backup wählen sie im Recovery-Menü den Eintrag Wipe/format aus und führen ein Factory reset durch. Anschließend empfiehlt es sich, über den Menüpunkt Cache + Dalvik-Wipe auch den Zwischenspeicher zu leeren. Möchten Sie später eine andere Version von Cyanogenmod 10 auf dem Desire HD ausprobieren ist dieser zweite Schritt nicht mehr notwendig.

Nach dem Factory Reset gehen sie wieder zurück in das Hauptmenü des Recoverys, und wählen dort den Punkt install from SD aus. Im nächsten Fenster klicken sie auf choose zip from SD. Nun sehen sie eine Liste mit allen auf ihrer SD-Karte gespeicherten Dateien. In dieser Liste befindet sich auch (wahrscheinlich relativ weit unten) die heruntergeladene ZIP-Datei mit JellyTime. Diese klicken sie nun an und bestätigen. Der folgende Vorgang kann nun ein paar Minuten in Anspruch nehmen. Wird Ihnen anschließend angezeigt, dass das ROM ordnungsgemäß installiert wurde, ist alles glatt gelaufen.

Ist dies nicht der Fall, gehen sie die Anleitung bitte noch einmal Schritt-für-Schritt durch. Um alle Google-Funktionen nutzen zu können, müssen sie nun noch die G-Apps installieren. Das passiert auf dem selben Weg, wie die Installation eines ROMs, also auch über die Recovery-Funktion und den Menüpunkt Install from SD. Anschließend wählen Sie in der Liste die G-Apps.zip-Datei aus, und installieren diese. Wenn auch dieser Vorgang abgeschlossen ist, starten Sie das Desire HD mit einem Klick auf reboot now neu.

Jelly Bean ist flott

Sie werden nun von einer Startanimation begrüßt. Nachdem Sie sich mit ihrem Google-Account angemeldet haben, läuft alles wie gewohnt. Auf dem Homescreen lassen sich nach wie vor Widgets, Ordner und Apps ablegen, um die Bedienung möglichst persönlich gestalten zu können. Am oberen Rand fällt sofort eine Google-Suchleiste auf, die das direkte Suchen vom Homescreen aus ermöglicht. Selbst, wenn mehrere Widget auf den Homescreens abgelegt sind, kann man ohne kleinste Ruckler zwischen den fünf Seiten wechseln.

Abbildung 1: Kein HTC Sense mehr, dafür pures Cyanogenmod mit den aktuellsten Apps.
Abbildung 1: Kein HTC Sense mehr, dafür pures Cyanogenmod mit den aktuellsten Apps.

Abbildung 2: Das Wetter auf dem Lockscreen anstatt dem Home Screen.
Abbildung 2: Das Wetter auf dem Lockscreen anstatt dem Home Screen.

Außerdem beeindruckt JellyBean mit vielen netten Animationen. Wenn man beispielweise die Statusleiste nach unten zieht, wird die Bildschirmhelligkeit gedimmt, und der eigentliche Hintergrund verschwindet fast unbemerkt. Das sieht nicht nur toll aus, sondern ist auch wesentlich angenehmer, wenn man in einem dunklen Raum ist, und sich durch das langsame heller werden beim Hochschieben der Statusleiste erst an die Helligkeit gewöhnen kann. Eine weitere grafische Verbesserung bemerkt man, wenn man an das Ende einer Liste scrollt. Der sogenannte Overscrolleffekt wurde stark optimiert, sodass das blaue glimmen jetzt wirklich ein schönen, stufenlosen Farbverlauf angenommen hat.

Abbildung 3: Aktuell steht die Custom-Firmware noch bei Android 4.1.2, doch Android 4.2 wird folgen.
Abbildung 3: Aktuell steht die Custom-Firmware noch bei Android 4.1.2, doch Android 4.2 wird folgen.

Abbildung 4: Auch der Akkuverbrauch kann sich durchaus sehen lassen.
Abbildung 4: Auch der Akkuverbrauch kann sich durchaus sehen lassen.

Es gibt jedoch auch Unterschiede zwischen dem puren Jelly Bean von Google und der Cyanogenmod-Variante. So bietet Cyanogenmod von Haus aus eine Funktion an, um die Leistung des Handys zu steigern. Neben dem Hochtakten kann man hier auch etwas an der Grafikleistung schrauben oder das RAM-Modul tunen.

Leider gibt es nicht nur Positives zu berichten. Oft werden durch Updates über Nacht Dinge, die schon funktionierten wieder unbrauchbar, nur damit andere Dienste laufen. Zwischenzeitlich gab es in unseren Tests Fehler bei der Kamera, und in einem späteren Update funktionierte auf einmal der Taschenrechner nicht mehr. Auch der Akkuverbrauch schwankt zur Zeit noch sehr stark. Teilweise ist ein Akkuverbrauch von drei bis vier Prozent pro Stunde im Standby-Modus aufgetreten. Solche Fehler sollten allerdings durch zukünftige Updates behoben werden.

Fazit

Mit dem Jelly-Time-ROM bekommen Sie ein butterweiches Desire HD. Im Benchmarktest mit AnTuTu-Benchmark übertraf sich das Smartphone zwar mit 3688 Punkten nicht, aber das System läuft absolut flüssig. Alle Features aus Jelly Bean sind mit an Board, wie zum Beispiel Google Now und die neue Sprachsuche. Wenn die kleinen Fehler behoben werden und noch ein wenig an der Energieverwaltung geschraubt wird, blüht das schönste Android-Smartphone aller Zeiten noch einmal so richtig auf. So verwundert es auch nicht, dass der Preis eines Neugeräts inzwischen wieder bei rund 400 Euro liegt.

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