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Im Test: Textverarbeitung für Android

© Microsoft

Word-Dateien sind überall. Von der Steuererklärung bis zur Strompreisrechnung, vom Buchmanuskript bis zum Zollformular. Doch welche App eignet sich am besten, um die Dokumente mit Android zu bearbeiten?

Die Dateiendung .doc ist omnipräsent. Selbst im Bus, Flugzeug und in der U-Bahn trifft man sie an oder bekommt sie per Mail als Anhang geschickt. Wer heutzutage auf seinem Smartphone Word-Dateien nicht auch unterwegs bearbeitet, verliert Zeit – und nicht zuletzt vielleicht auch den Vorsprung vor der Konkurrenz. Erfreulicherweise gibt es im Android Market eine Vielzahl von Office Suiten, um "Word-Datei-mäßig" am Ball zu bleiben. Fragt sich nur, welche von ihnen was am besten leistet?

So testeten wir

Wer testen will, braucht bekanntlich erst einmal Testkriterien. Der Autor hat diesbezüglich zwei Dokumente aus seinem reichen Fundus von mit Office XP und Office 2003 erstellten .doc-Dateien herangezogen. Das eine ist ein Manuskript für einen Fachartikel, das zweite ein rund 140 Seiten langer Draft für ein Fachbuch. Beim Test öffnete der Autor beide Dokumente mit jeder zu prüfenden Office Suite. Danach suchte er einige markante Stellen im Dokument (Header, Footer, Änderungen, Kommentare, WordArts) und verglich die Darstellungen in den einzelnen Programmen. Das Ergebnis dieser Tests plus einige subjektive Eindrücke ergaben dann die Bewertung.

Documents To Go


Spricht man von Office auf dem Smartphone, denkt zumindest jeder Mobilcomputer-Veteran sofort an DataViz. Dieses neuerdings zu RIM gehörende Unternehmen ist seit Jahren im Mobilcomputermarkt aktiv und konzentriert sich auf Synchronisation mit dem Desktop und den Erhalt sämtlicher Dokumentelemente bei Bearbeitungen.

Unterwegs wird man kaum Visio oder AutoCad-Diagramme anpassen – eine kleine Textänderung ist hingegen immer drinnen. Bei Documents To Go von DataViz legt man großen Wert darauf, dass das eingebettete AutoCad-Objekt diese Änderung unbeschadet überlebt. Das funktionierte auch in unseren Tests hervorragend..

Die Synchronisation ist eine weitere Komfortfunktion von Documents To Go, die man schon bald nicht mehr missen möchte. Ändert der Autor oder jemand anderer ein Dokument auf dem PC, erscheint diese Mutation ohne manuelles Kopieren gleichzeitig auf dem Smartphone.

Die Benutzerschnittstelle des Programms ist traditionell konservativ gehalten. Das bedeutet: Die Steuerelemente sind sehr groß. Allerdings muss man sich beim Bearbeiten eines Dokuments manchmal durch mehrere Hierarchie-Ebenen durchklicken.

Abbildung 1: Nach einem Klick auf Format erscheinen weitere Optionen.
Abbildung 1: Nach einem Klick auf Format erscheinen weitere Optionen.

Leider – auch das ist gute alte Tradition – ist das Rendering von Dokumenten bei DataViz nie sonderlich gut realisiert. Elemente wie WordArts erscheinen in diesem Sinne auf dem Display des Smartphones als Fragezeichen. Das Inhaltsverzeichnis wiederum gelangt nur "zusammengestaucht" zur Darstellung. Den eigentlichen Inhalt sieht man erst, wenn man es anklickt:

Abbildung 2: Ein Inhaltsverzeichnis und einige WordArt-Einträge a la Documents To Go.
Abbildung 2: Ein Inhaltsverzeichnis und einige WordArt-Einträge a la Documents To Go.

Abbildung 3: Documents To Go zeigt auch Änderungen an.
Abbildung 3: Documents To Go zeigt auch Änderungen an.

Insgesamt merkt man, dass der Fokus der Lösung auf "casual editing" liegt. So gibt es beispielsweise keine Druckansicht. Stattdessen erscheint Text immer schön groß und leicht markierbar.

Erfreulicherweise erlaubt Documents To Go das Suchen/Ersetzen von Ausdrücken, zählt Wörter, erstellt Kommentare und kann Änderungen anzeigen – wenn auch sehr unelegant. Das Fehlen der auf anderen Plattformen implementierten Rechtschreibkontrolle ist ein besonderes Ärgernis.

Bewertung: ★★★★

KingSoft Office


Das in Hongkong ansässige Unternehmen KingSoft produziert seit Jahren Office-Lösungen für den chinesischen Markt. Mehr aus Lustigkeit hat man die Lösung auf den Androiden portiert. Jetzt plant man, diese an die geschätzten Kunden zu verschenken. Wer das Produkt bereits im Market gekauft hat, soll daher – laut Aussage der Pressestelle – den bezahlten Betrag zurückerstattet bekommen. Das Unternehmen möchte anscheinend um jeden Preis weitere Marktanteile im Mobilbereich gewinnen.

Das Benutzerinterface der App beeindruckt durch die CoverFlow-artige Anzeige der zuletzt genutzten Dokumente. Auch das etwas zu klein geratene Menü folgt dem CoverFlow-Ansatz. Es ist als Ribbon aufgebaut, der alle Optionen auf einmal anbietet. Manche Stellen sind durch "Bookmarks" leichter erreichbar.

Abbildung 4: Nach dem Start der App sehen Sie eine Übersicht der Dokumente.
Abbildung 4: Nach dem Start der App sehen Sie eine Übersicht der Dokumente.

KingSoft gibt sich beim Anzeigen von Dokumenten keine Blöße. WordArt, eingebettete Grafiken, Kopf- und Fußzeilen erscheinen fast, wie man es vom Microsoft-Original her kennt.

Abbildung 5: Das Inhaltsverzeichnis ist perfekt, die Fußzeilen sind etwas ungenau.
Abbildung 5: Das Inhaltsverzeichnis ist perfekt, die Fußzeilen sind etwas ungenau.

Im Menü findet man eine Funktion namens Comments. Diese blendet eine Ansicht ein, die Änderungen verfolgt und Kommentare auflistet. Sie steht der vom PC bekannten in Genauigkeit um nichts nach

Abbildung 6: Die Änderungsansicht von KingSoft Office lässt kaum Wünsche offen.
Abbildung 6: Die Änderungsansicht von KingSoft Office lässt kaum Wünsche offen.

Als besondere Überraschung gibt es eine – noch etwas halbherzig implementierte – Unterstützung für Formatvorlagen. Wer diese Funktion schätzt, findet sie aktuell nur bei KingSoft Office.

Abbildung 7: Die häufigsten Formatvorlagen lassen sich direkt am Smartphone zuweisen.
Abbildung 7: Die häufigsten Formatvorlagen lassen sich direkt am Smartphone zuweisen.

Leider scheinen die Editierfunktionen des Programms nicht voll implementiert zu sein. So darf man beispielsweise noch keine Bilder oder Tabellen einfügen, und eine Rechtschreibprüfung ist auch noch nicht implementiert. Es dürfte allerdings nur eine Frage der Zeit sein, bis KingSoft diese Funktion nachreicht.

Bewertung: ★★★★★

MobiSystems OfficeSuite


Die bulgarische MobiSystems zählt neben DataViz und QuickOffice zu den drei "Old Players" der mobilen Office-Szene. OfficeSuite ist auf diversen Telefonen von Sony Ericsson vorinstalliert. Im Bereich GUI gibt es nichts zu bemängeln. Alle Elemente lassen sich bequem aufrufen. Im Menü findet man weniger häufig benötigte Funktionen. Das Produkt scheitert manchmal beim Laden sehr großer Dateien und bietet keine Druckansicht. Die Darstellung von WordArt-Objekten ist etwas "eigenwillig". Kopf- und Fußzeilen fehlen ganz.

Abbildung 8: Auf dem Galaxy SII sind die Icons von MobiSystems problemlos anklickbar.
Abbildung 8: Auf dem Galaxy SII sind die Icons von MobiSystems problemlos anklickbar.

Abbildung 9: Ein Renderingfehler: die WordArts waren einmal über dem Bild.
Abbildung 9: Ein Renderingfehler: die WordArts waren einmal über dem Bild.

Abbildung 10: Der Hintergrund müsste orange sein, wäre er richtig gerendert.
Abbildung 10: Der Hintergrund müsste orange sein, wäre er richtig gerendert.

Die Änderungen im Dokument sind unterschlagen. Auch die Textblöcke erscheinen nicht so dargestellt wie sie sein sollten. OfficeSuite zählt Wörter und fügt Kommentare in Dokumente ein. Die Bearbeitungsfunktionen liegen also im soliden Mittelfeld – obwohl MobiSystems eine Vielzahl von Wörterbüchern anbietet, hat auch ihre Suite keine Rechtschreibprüfung.

Bewertung: ★★★★★

Polaris


Polaris Office suchen Sie im Android Market vergebens. Den relativ neuen Kandidaten im Office-Feld gibt es ausschließlich auf Tablets und Smartphones einiger Hersteller vorinstalliert, so beim Asus Transformer und auf einigen Geräten von Samsung. Noch vor einigen Monaten baute Samsung ThinkFree Office in seine Smartphones ein, aktuell ist Polaris die Office-Suite der ersten Wahl.

Das Programm unterscheidet zwischen Edit und Read Mode. Nur im Edit Mode blendet es die Toolbar ein. Diese ermöglicht raschen Zugriff auf die wichtigsten Funktionen.

Abbildung 11: Steuerzeichen en masse - die Abbildung zeigt den Editiermodus von Polaris Office.
Abbildung 11: Steuerzeichen en masse – die Abbildung zeigt den Editiermodus von Polaris Office.

Beim Rendern der Beispielseite aus dem Lehrbuch zeigt Polaris, was in ihm steckt. Bis auf kleinere Fehler beim WordArt ist alles da, wo es sein soll. Auch die Kopf- und Fußzeilen erscheinen wie am PC.

Abbildung 12: Abgesehen von einem kleinen Fehler im Inhaltsverzeichnis ist das Dokument korrekt.
Abbildung 12: Abgesehen von einem kleinen Fehler im Inhaltsverzeichnis ist das Dokument korrekt.

Leider "patzt" das Programm bei den Änderungen: Sowohl der alte als auch der neue Dateiname werden nebeneinander angezeigt.

Obwohl das Programm weder Suchen & Ersetzen noch das Zählen der im Dokument enthaltenen Wörter beherrscht, ist es beim Einfügen von Inhalten nicht wählerisch. Eine Rechtschreibprüfung gibt es nicht, die Vorlesefunktion ist eher ein Gimmick.

Abbildung 13: In Polaris Office können Sie auch neue Tabellen erstellen.
Abbildung 13: In Polaris Office können Sie auch neue Tabellen erstellen.

Zu guter Letzt noch ein wichtiger Hinweis aus der praktischen Erfahrung des Autors: Die im Menü Settings zu findende Option Create back-up file sollten Sie in jedem Fall aktivieren. Sonst frisst das Programm bei einem eingehenden Anruf schon mal alle Änderungen.

Bewertung: ★★★★

ThinkFree


ThinkFree hat seine besten Zeiten offensichtlich hinter sich: Am Galaxy S war es noch im ROM. Mittlerweile liefert Samsung das bereits erwähnte Polaris aus. Im Gegensatz zu den übrigen Office Suites im Testfeld bietet ThinkFree einen eigenen Onlinespeicher für Dokumente an. Logischerweise verweigert es die Zusammenarbeit mit anderen Systemen wie zum Beispiel DropBox oder box.net.

Abbildung 14: Der Login-Bildschirm funktioniert nur im Portrait-Modus.
Abbildung 14: Der Login-Bildschirm funktioniert nur im Portrait-Modus.

Das Fachbuchmanuskript wird ohne Probleme geladen und angezeigt. Die fortlaufenden Seitenzahlen in der Fußzeile machen hingegen – wie auch bei KingSoft – Probleme. Die WordArts sind ebenfalls nicht ganz so, wie sie sein sollen. Beim Anzeigen des Artikels leistet sich ThinkFree den schon von Polaris her bekannten Fehler. Änderungen sind – eher sinnfrei – nebeneinander dargestellt. Auch die Hintergrundfarben stimmten im Test nicht.

Abbildung 15: Welcher Dateiname ist denn nun richtig?
Abbildung 15: Welcher Dateiname ist denn nun richtig?

Erfreulicherweise fügt ThinkFree eine Menge von Elementen ein. Zum Editieren ist das Programm also durchaus brauchbar.

Abbildung 16: Mit ThinkFree kann man auch Figuren einpflegen.
Abbildung 16: Mit ThinkFree kann man auch Figuren einpflegen.

Bewertung: ★★★★★

SoftMaker Office


Kurz vor Redaktionsschluss haben wir uns für diesen Test auch die Beta-Version von SoftMaker Office angeschaut. Die App befindet sich zurzeit in einer Beta-Phase und soll ab Mitte März im Android Market erhältlich sein. Der Preis wird laut Softmaker pro Komponente zwischen 10 und 15 Euro liegen. Die Word-Komponente von SoftMaker läuft wie die PC-Version unter dem Namen "TextMaker". Da die Benutzerschnittstelle zwischen allen Komponenten gleich ist, gelten die meisten Angaben zur grafischen Oberfläche auch für die Tabellenkalkulation "PlanMaker" und das Präsentationsmodul "Presentations" von SoftMaker Office.

Das Menü von SoftMaker Office besteht aus zwei Ebenen, die übereinander erscheinen. Die untere Zeile gruppiert die Funktionen (Datei, Formatieren), während die obere Zeile die eigentlichen Befehle enthält.

Abbildung 17: TextMaker befindet sich aktuell noch im Betatest, sieht aber schon sehr vielversprechend aus.
Abbildung 17: TextMaker befindet sich aktuell noch im Betatest, sieht aber schon sehr vielversprechend aus.

TextMaker bietet derzeit keine klassische Druckansicht an. Stattdessen springt das Programm je nach Zoomstufe zwischen verschiedenen Darstellungsmodi herum, die allesamt recht sauber dargestellt sind. Das Verändern einzelner Wörter ist in höheren Zoomstufen problemlos möglich. TextMaker brilliert geradezu im Bereich der Änderungsverfolgung. Beim ersten Öffnen eines mit Änderungsverfolgung versehenen Dokuments erscheint eine Meldung, die zum Eingeben des Benutzernamens auffordert. Ist diese Hürde genommen, sind die im Dokument enthaltenen Änderungen zum Akzeptieren oder Ablehnen freigegeben.

Abbildung 18: Die Änderungsverwaltung erfolgt in einer eigenen Toolbar.
Abbildung 18: Die Änderungsverwaltung erfolgt in einer eigenen Toolbar.

Auch beim Einfügen von Elementen gibt sich das Programm keine Blöße. TextMaker unterstützt Tabellen, Bilder und viele andere Medienelemente. Insbesondere für Autoren ist das sehr detaillierte Statistiktool Gold wert. Anders als in den meisten anderen Office-Suites zählt es nicht nur die eingegebenen Zeichen, sondern berechnet auch Metriken. Zu guter Letzt exportiert TextMaker die erstellten Dokumente auch als PDF- oder PostScript-Dateien.

Bewertung ★★★★★

Kurz erledigt

Das amerikanische Traditionshaus Quickoffice enttäuscht mit seinem gleichnamigen Programm auf der ganzen Linie. Das relativ teure Produkt ist zwar stabil, rendert aber nur sehr mittelmäßig und weiß mit komplexen Dokumentenelementen nichts anzufangen. Picsel Smart Office bietet eine Vielzahl lustiger Darstellungmöglichkeiten. So etwa das abgebildete Page Carousel. Diese Funktion ist insbesondere auf Geräten mit sehr großem Bildschirm sinnvoll. Leider rendert es gemessen an heutigen Verhältnissen schlecht. Es ist noch dazu ein überaus schlechter Editor. Der Preis von 7,20 Euro ist für das Gebotene nicht angemessen.

Abbildung 19: Picsel Smart Office zeigt Seiten in kreisrunder Anordnung an.
Abbildung 19: Picsel Smart Office zeigt Seiten in kreisrunder Anordnung an.

Fazit

Word ist extrem flexibel, und jeder Anwender nutzt andere Funktionen. Allein aus diesem Grund ist es schwierig, einen absoluten Testsieger zu küren. Doch in jedem Fall ist klar, dass jedes der hier getesteten Programme – verglichen mit den Leistungen vor einigen Jahren – eine sehr gute Darstellungsqualität aufweisen. Fehlende Tabellen oder Bilder kamen im Testfeld nicht vor, auch das neue .docx-Format findet Unterstützung. Das einzige Ärgernis, das aber im ganzen Testfeld auftrat, ist das Fehlen einer Rechtschreibkorrektur – das ist unverständlich, da es den Spell Check schon vor Jahren bei den PalmOS-Versionen der Testkandidaten gab. Der Effekt davon: wer längere Dokumente "on the run" tippt, braucht nachher doch das Laptop, um die Vertipper zu korrigieren.

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