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Im Test: Städteführer-Apps

Spontan mal nach Wien? Ein Kurztrip nach Paris? Oder eine Rundreise durch die USA? Mit der passenden Android-App macht der Trip noch mehr Spaß. Doch welche Apps sind die besten?

Apps zur Vorbereitung einer Reise oder zur besseren Orientierung vor Ort gibt es im Google Play Store in Hülle und Fülle. Am Beispiel Amsterdam haben wir uns einige kostenpflichtig und kostenfreie Apps angeschaut. Viele von ihnen – etwa Tripwolf, Mtrip oder Marco Polo – sind für zahlreiche Reiseziele erhältlich. Wenn Sie also statt nach Amsterdam lieber nach San Francisco oder Florenz wollen: Wir geben Ihnen einen Eindruck davon, was Sie von den Reiseführer-Apps ganz grundsätzlich erwarten können.

Tripadvisor


Die Amsterdam-Ausgabe des Tripadvisor [1] kommt in englischer Sprache daher. Die übersichtlich gestaltete und intuitiv benutzbare App gruppiert die Städteinformationen in sinnvolle Rubriken wie Hotels, Essen & Trinken, Nachtleben, Einkaufen oder Attraktionen. Die Informationen zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten oder Lokalitäten bezieht Tripadvisor hauptsächlich von Wikipedia und aus Bewertungen und Kommentaren der Nutzer. Sehr praktisch sind die Hinweise zu öffentlichen Verkehrsmitteln in der Nähe eines Ortes oder die Information, wo sich der nächste Geldautomat befindet. Wer mit der englischen Sprache kein Problem hat, erhält mit Tripadvisor Amsterdam einen nützlichen ersten Anhaltspunkt, was die Stadt der Grachten so alles zu bieten hat. Auf besonders innovative Funktionen oder eine Offline-Nutzbarkeit der Karte muss jedoch verzichtet werden.

Abbildung 1: Der kostenfreie Tripadvisor bietet eine ansehenliche Oberfläche.
Abbildung 1: Der kostenfreie Tripadvisor bietet eine ansehenliche Oberfläche.

Abbildung 2: Eine Stärke des Tripadvisor sind die Nutzerbewertungen der einzelnen Lokationen.
Abbildung 2: Eine Stärke des Tripadvisor sind die Nutzerbewertungen der einzelnen Lokationen.

Abbildung 3: Sehr sinnvoll sind die Informationen zu den öffentlichen Verkehrsmitteln in der Nähe eines Ortes.
Abbildung 3: Sehr sinnvoll sind die Informationen zu den öffentlichen Verkehrsmitteln in der Nähe eines Ortes.

Amsterdam City Guide


Der Amsterdam City Guide [2] macht beim Start – und später immer wieder – darauf aufmerksam, dass es sich um eine nicht mehr weiter entwickelte Version handelt und man doch die Multi-City App von GuidePal herunterladen möge. Über Not right now kann man diesen Hinweis jedoch überspringen und die kostenfreie und in Englisch gehaltene App nutzen. Dann offenbart sich ein optisch durchaus ansprechender Reiseführer. Die Detailinformationen zu den einzelnen aufgelisteten Attraktionen sind durchaus umfangreich reichen bis hin zu den Öffnungszeiten und Links zu weiterführenden Informationen im Web. Ist eine Sehenswürdigkeit interessant, können Sie sie zu einer persönlichen My Trip Liste hinzufügen. Praktisch, um schon im Vorfeld der Reise die Spreu vom Weizen zu trennen und seinen persönlichen Stadtrundgang zu planen. Leider lässt die Informationsbreite der App zu wünschen übrig. Amsterdam mutet hier an wie ein provinzielles Dorf, das nicht allzu viel zu bieten hat. Da bieten andere Apps doch deutlich mehr. Weiterer Knackpunkt: Auf einem großen Display wie beim Samsung Galaxy Note ist die Kartendarstellung nicht optimal.

Abbildung 4: Amsterdam City Guide ist zwar kostenlos, aber nicht sonderlich informativ.
Abbildung 4: Amsterdam City Guide ist zwar kostenlos, aber nicht sonderlich informativ.

Abbildung 5: Die Kartendarstellung lässt auf hochauflösenden Displays zu wünschen übrig.
Abbildung 5: Die Kartendarstellung lässt auf hochauflösenden Displays zu wünschen übrig.

GuidePal Amsterdam


Wer beim Amsterdam City Guide nicht standhaft bleibt und irgendwann der Aufforderung folgt, die Multi-City App GuidePal [3] herunterzuladen, verabschiedet sich vom kostenfreien Amsterdam-Reiseführer. Der schlägt nämlich hier mit 3,36 EUR zu Buche und muss per In-App-Kauf zunächst freigeschaltet und heruntergeladen werden. Als Gegenwert erhält man – nun ja – nicht wirklich viel. Der Informationsgehalt geht über den des vorgenannten Amsterdam City Guide nicht hinaus. Die Optik der App ist zwar anders, aber auch nicht wesentlich besser. Immerhin bietet GuidePal die Möglichkeit der Offline-Nutzung und die Kartendarstellung ist ebenfalls verbessert. Was allerdings die Sache nicht wirklich rund macht, wenn der Reiseführer inhaltlich solche Lücken aufweist. Hotels etwa sind in beiden GuidePal-Apps komplett Fehlanzeige. Insofern kann man GuidePal schon mal eine rote Laterne verpassen. Das Preis-/Leistungsverhältnis dieser App ist allenfalls für San-Francisco-Reisende in Ordnung, denn der Reiseführer für die kalifornische Stadt ist immerhin kostenfrei enthalten.

Abbildung 6: Der kostenpflichtige GuidePal will mit großformatigen Fotos darüber hinweg täuschen, dass massive inhaltliche Lücken klaffen.
Abbildung 6: Der kostenpflichtige GuidePal will mit großformatigen Fotos darüber hinweg täuschen, dass massive inhaltliche Lücken klaffen.

Abbildung 7: Die englischsprachigen Informationen sind eher spärlich.
Abbildung 7: Die englischsprachigen Informationen sind eher spärlich.

Marco Polo


Mit dem Marco Polo Reiseführer [4] wagt sich erstmals eine deutschsprachige App ins Testfeld. Die App liefert zunächst eine Übersicht der von Marco Polo angebotenen Städteführer. Der Reiseführer für Berlin ist kostenfrei enthalten, alle anderen kosten jeweils 4,49 EUR. Wer Telekom-Mobilfunkkunde ist, darf sich freuen: Ihn beglückt die Marco Polo App mit dem Hinweis auf eine weitere kostenfreie Stadt. Wir wählen Amsterdam und investieren die 4,49 EUR dann vor Ort lieber in ein leckeres Grolsch. Dennoch wäre auch die Investition der paar Euro durchaus lohnenswert. Denn Marco Polo beweist mit dieser App zumindest in Bezug auf ihren Inhalt Kompetenz. Man merkt sofort, dass hier nicht bloß die wichtigsten Locations der Stadt aus dem Internet zusammengesammelt wurden, sondern dass hier Reise-Journalisten am Werk waren, die den Zielort nicht nur vom Hörensagen kennen, sondern fundierte Kenntnisse mitbringen. So sorgt bereits die Rubrik Einführung für ergiebigen, informativen Lesestoff. So warnt die App berechtigterweise davor, mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren und sich als Fußgänger vor rücksichtslosen Radfahrern in Acht zu nehmen. Wer Amsterdam noch nicht kennt, für den sind das wertvolle Tipps! Schön sind auch die Empfehlungen zu Büchern und Filmen (etwa den Kultfilm Verfluchtes Amsterdam) und Beiträge zu kostengünstigem Amsterdam-Aufenthalt (Low Budget). Aber auch die typischen Rubriken wie Sehenswertes, Essen & Trinken oder Einkaufen sind prall gefüllt.

Sämtliche Lokationen lassen sich selbstverständlich auch auf einer Karte darstellen. Die Karte selbst kann zum Sparen von Roaming-Kosten auch zur Offline-Nutzung auf das Gerät geladen werden. Ein Button Route sollte den Nutzer auch direkt zu den Zielorten navigieren. Die Betonung liegt jedoch auf sollte. Denn tippen Sie diesen Button an, quittiert Marco Polo diese Aktion mit einem lapidaren Coming soon?. Das gibt Abzüge in der B-Note. Denn eine Verlinkung wenigstens mit Google Maps Navigation sollte bei einem Stadtführer zu diesem Preis dann doch noch zu erwarten sein. Schade ist auch, dass zahlreiche Orte – selbst geradezu legendäre wie die Konzerthalle Paradiso – durch Abwesenheit jeglichen Fotomaterials glänzen. Das ist sehr schade und eigentlich einer so altverdienten Reiseführer-Marke wie Marco Polo nicht würdig. Dennoch, unterm Strich lohnt sich die Marco Polo App alleine durch seine Informationsfülle.

Abbildung 8: Marco Polo gibt sich inhaltlich nicht die Blöße. Hier waren kompetente Reise-Journalisten am Werk.
Abbildung 8: Marco Polo gibt sich inhaltlich nicht die Blöße. Hier waren kompetente Reise-Journalisten am Werk.

Abbildung 9: Das Kartenmaterial von Marco Polo ist exzellent.
Abbildung 9: Das Kartenmaterial von Marco Polo ist exzellent.

Abbildung 10: Abzüge in der B-Note gibt es für die nicht funktionsfähige Routenplanung.
Abbildung 10: Abzüge in der B-Note gibt es für die nicht funktionsfähige Routenplanung.

Tripwolf


Ebenfalls in deutscher Sprache (und zum gleichen Preis von 4,49 EUR) – ist die App tripwolf [5] mit ihrem Amsterdam-Führer erhältlich. Tripwolf ist optisch ansprechend und übersichtlich aufgebaut. Die App geht bei einzelnen Sehenswürdigkeiten weiter in die Tiefe als jede andere der hier getesteten Apps. Bei Museen etwa wird nicht nur die Verkehrsanbindung berücksichtigt, auch Informationen zu den Eintrittspreisen und den saisonalen Öffnungszeiten sind akribisch genau aufgeführt. Auch das Preisniveau von Restaurants ist klar gekennzeichnet und hilft, unschöne Überraschungen zu vermeiden. Über den Trip-Planer lassen sich Stationen zu einer eigenen Listen hinzufügen. Die Kartendarstellung ist herausragend und AR-Funktionen (Augmented Reality) sorgen vor Ort für Orientierungshilfe über die Smartphone-Kamera. Die App bietet außerdem eine Offline-Funktionalität. Wer vorher die Daten herunter geladen hat, schützt sich so effektiv vor hohen Roaming-Gebühren und muss dennoch auf nichts verzichten. Fehlt eigentlich nur noch eine Navigationsfunktion. Auch hier wäre zumindest die Verknüpfung zur Google Maps Fußgängernavigation wünschenswert.

Abbildung 11: Sehr schick und aufgeräumt stellt sich Tripwolf dar.
Abbildung 11: Sehr schick und aufgeräumt stellt sich Tripwolf dar.

Abbildung 12: Im Trip-Planer können Sie ihren persönlichen Stadtrundgang planen.
Abbildung 12: Im Trip-Planer können Sie ihren persönlichen Stadtrundgang planen.

Mtrip


Knapp 20 MB groß ist das Installationspaket von Mtrip [6], nach der Installation werden minutenlang etliche zusätzliche Datenpakete heruntergeladen. Damit ist Mtrip das mit Abstand fetteste Paket im Testfeld und sollte definitiv lieber bereits zuhause bei einer Verbindung mit dem WLAN installiert werden. Vor dem Download wird allerdings erstmal der Kaufpreis von 3,99 EUR fällig. Dafür bietet die deutschsprachige App dann aber auch allerhand. Der Einstieg findet sich leicht über die aussagekräftigen Rubriken, die prall gefüllt sind mit Reiseinformationen. Fast alle Orte sind mit Fotos illustriert – sehr vorbildlich! Die Rubrik Hotels glänzt nicht nur mit Informationen zur jeweiligen Herberge, sondern nennt auch konkrete Preisspannen und auf Wunsch lässt sich das Hotel auch per Link zu Booking.com online buchen. Aufgesuchte Orte lassen sich per Check-in auch auf Facebook teilen, inklusive Zeitpunkt des Besuchs. Wer’s mag? Richtig cool finden wir auf jeden Fall aber die Postkartenfunktion. Drauf geklickt, lässt sich zum Foto der Sehenswürdigkeit noch ein kleiner Text schreiben und Foto und Text können dann per Teilen-Menü weiter versendet werden, zum Beispiel per E-Mail oder auf soziale Netzwerke.

Überhaupt haben sich die Entwickler von Mtrip an vielen Stellen was Sinnvolles ausgedacht. Ein besonderer Clou ist die sehr umfangreiche und ausgeklügelte Navigationsfunktion Trip Genius. Die arbeitet sogar vollständig offline, verursacht also keine horrenden Kosten. Sie lässt die Wahl zwischen Navigation als Fußgänger oder per öffentlicher Verkehrsmittel und ist damit ideal für die Suche nach richtigen Weg auf unbekanntem Terrain. Für das Kennenlernen der Navi-Funktionen sollte man sich ein wenig Zeit nehmen, denn das ganze ist sehr granular einstellbar – inklusive der Sightseeing-Vorlieben, anhand derer die Navigation entsprechende Routen plant. Ein kleines Manko ist die Kartendarstellung. Die Zoomfunktion hakt gerne mal und wir würden häufig gerne etwas näher heran zoomen als es möglich ist. Das ist allerdings Jammern auf hohem Niveau.

Augmented Reality Funktionen, die über das Kamera-Bild Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Restaurants und vielem mehr einblenden, machen Mtrip einmal mehr zu einer zeitgemäßen App. Das schick umgesetzte Tagebuch schließlich lädt ein, die Highlights des Städtetrips auch in Wort und Bild festzuhalten. Alles in allem: Mtrip ist eine saubere Sache!

Abbildung 13: Mtrip überzeugt sowohl durch Optik als auch durch Inhalt und ist eine klare Empfehlung.
Abbildung 13: Mtrip überzeugt sowohl durch Optik als auch durch Inhalt und ist eine klare Empfehlung.

Abbildung 14: Die schicke Tagebuch-Funktion lädt ein, Erlebnisse in Wort und Bild festzuhalten.
Abbildung 14: Die schicke Tagebuch-Funktion lädt ein, Erlebnisse in Wort und Bild festzuhalten.

Amsterdam offline Stadtplan


Nicht jeder braucht gleich eine fette Reiseführer-App. Aber ein Stadtplan ist immer gut. Der Google Play Store bietet so ziemlich zu jeder Destination kostenfreie Stadtpläne zum Download, die auch offline nutzbar sind. Wie im Falle der Amsterdam offline App [7] handelt es sich dabei meist um Kartenmaterial des OpenStreetMap Projektes. Diese Karten sind kostenfrei nutzbar, aber durchaus sehr hochwertig und detailgenau. Meist sind – wie auch im vorliegenden Fall – Sehenswürdigkeiten, Hotels, Restaurants etc. gleich in der Karte eingetragen. Wenngleich natürlich ohne weitergehende Informationen. Wer einfach nur den guten alten Stadtplan benötigt, der liegt hier genau richtig.

Abbildung 15: Mit einer Karte basierend auf OpenStreetMap ist man auch auf fremdem Terrain mit dem Wichtigsten ausgestattet.
Abbildung 15: Mit einer Karte basierend auf OpenStreetMap ist man auch auf fremdem Terrain mit dem Wichtigsten ausgestattet.

Annes Amsterdam


Reiseführer gut und schön. Aber es sind doch meist die Geschichten abseits der allzu durchgetretenen Touristik-Pfade, die den besonderen Reiz eines Reiseziels ausmachen. Suchen Sie einfach mal im Google Play Store nach Ihrem Reiseziel. Mitunter finden sie ganz besondere App-Perlen, die einen näheren Blick lohnen. So sind wir etwa über die App Annes Amsterdam [8] gestolpert. Kaum jemand, der das Tagebuch der Anne Frank nicht kennt, die Aufzeichnungen des jüdischen Mädchens, das sich mit seiner Familie in Amsterdam vor der Verfolgung der Nazis versteckt hatte. Bei einem Trip nach Amsterdam ist der Besuch des berühmten Anne-Frank-Hauses Pflicht. Diese wunderschöne, liebevoll gestaltete App, verbindet Vergangenheit und Gegenwart und lässt Sie Amsterdam aus der Sicht von Anne Frank kennenlernen. 30 Stationen vermitteln dabei, was in der Zeit der deutschen Besatzung im 2. Weltkrieg in Amsterdam geschah. Eine herausragende App!

Abbildung 16: Annes Amsterdam verbindet Vergangenheit und Gegenwart und zeigt Amsterdam aus der Sicht von Anne Frank.
Abbildung 16: Annes Amsterdam verbindet Vergangenheit und Gegenwart und zeigt Amsterdam aus der Sicht von Anne Frank.

Fazit

Es ist gar nicht so einfach, eine optimale Reiseführer-App zu finden. Zwar quillt der Google Play Store geradezu über vor Apps dieser Art. Die Spreu vom Weizen zu trennen fällt jedoch schwer. Selbst die namhaften Vertreter unter den Reise-Apps stellen bisweilen frappierende Lücken zur Schau. Von den hier getesteten Apps können wir lediglich Mtrip eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen. Pfiffige Ideen wurden hier kombiniert mit einer hohen Informationsdichte. Die fehlenden Navigationsfunktionen lassen die ansonsten guten Apps von Marco Polo und tripwolf etwas ins Hintertreffen geraten. Von den kostenlosen Apps dürfen Sie nicht zuviel erwarten – wirklich gute Reiseführer gibt es nicht for free. Wer nur einen Stadtplan braucht, findet zahlreiche kostenlose Apps, die auf OpenStreetMap basieren und richtig praktisch sind. Etwas abseits des eigentlichen Themas finden sich bisweilen die eigentlichen Highlights, die den Besuch einer Stadt wie Amsterdam zu einem nachhaltigen, eindrucksvollen Erlebnis werden lassen: Vor Annes Amsterdam ziehen wir den Hut und verbeugen uns tief.

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