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Im Test: Samsung Galaxy S III

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Die Erwartungen an den Nachfolger des Kassenschlagers Samsung Galaxy S2 sind hoch gesteckt. Das SIII kann das Erbe jedoch gelassen angehen, Samsungs Entwicklern ist ein guter Wurf gelungen.

Plusminus

+ Extrem schneller Prozessor

+ Helles Display mit klaren Farben

+ Wechsel-Akku mit hoher Kapazität

+ Guter Ton beim Telefonieren

+ Zahlreiche nützliche Tools vorinstalliert

– Durchschnittliche Kamera-Optik

– Viel Crapware

Lange mussten Samsung-Fans auf das neue Top-Modell warten, viel wurde über die Funktionen und das Design spekuliert und nun ist es endlich in den Läden zu haben. Stolze 570 Euro muss man im Internet auf den virtuellen Ladentisch legen, dann darf man sich zum bislang sehr exklusiven Club der Besitzer eines Quad-Core-Handys zählen.

Samsungs Galaxy SIII trägt von den Papierwerten ohne Zweifel zurecht die Bezeichnung Top-Modell: Das S3 ist das erste Handy mit Samsungs neuem Exynos 4 Quad Chipsatz, in dessen Inneren die vier ARM Cortex-A9-Kerne mit 1,4 GHz schwingen. Ein GByte RAM, 16 GByte Speicherplatz und ein riesiges 4,8 Zoll PenTile-Matrix-Display mit einer Auflösung von 1280×720 Pixeln runden das Gerät ab.

Gehäuse und Display

Als die ersten echten Bilder des Galaxy S III im Netz auftauchen waren viele Kommentatoren vom Design des S III enttäuscht. Viele Beobachter der Szene hatten nach dem mutig gestalteten Galaxy Nexus einen Design-Kracher erwartet, der das iPhone 4S mit seiner schicken Glas-Oberfläche und seinem Metall-Rahmen in den Schatten stellen soll, daraus wurde – wie wir nun sehen – leider nichts. Die Optik und Haptik von Samsungs derzeit exklusivstem Spross ist gefällig und solide, mehr aber auch nicht.

Abbildung 1: Hinter dem Deckel befinden sich die Slots für die SD- und SIM-Karte sowie der austauschbare Akku.
Abbildung 1: Hinter dem Deckel befinden sich die Slots für die SD- und SIM-Karte sowie der austauschbare Akku.

Abbildung 2: Das Handy ist hochwertig verarbeitet, in den Schlitz zwischen Deckel und Handy passt kein Haar.
Abbildung 2: Das Handy ist hochwertig verarbeitet, in den Schlitz zwischen Deckel und Handy passt kein Haar.

Das Handy liegt gut in der Hand, es ist ohne Zweifel auch sehr gut verarbeitet, nirgends finden sich grobe Spalten, in denen sich Staub und Dreck sammeln könnten. Die Rückseite des Gehäuses (es gibt ein blaues und ein weißes Modell) ist aus dünnem Polycarbonat, welches allerdings sicherlich über kurz oder lang anfällig für Kratzer sein wird. Allerdings erspart sich Samsung so den Ärger die Antennensignale irgendwie aus dem Gehäuse leiten zu müssen, das Plastik ist für die Funksignale sehr gut durchlässig.

Das 1280×720 große AMOLED-Display (PenTile-Matrix) mit einer Diagonalen von 4,8 Zoll ist gegenüber dem Samsung Galaxy Nexus deutlich verbessert worden, weiße Flächen sind nun wirklich Weiß und nicht mehr gelblich wie beim Nexus. Ganz so hell wie das Super LCD2 eines HTC One X ist der Touchscreen des S3 allerdings nicht, er leuchtet jedoch noch hell genug, um auch im grellen Sonnenlicht das Display gut genug ablesen zu können.

Quad-Core Power

Im Kräftemessen um die meisten Gigahertz und die höchste Anzahl an Kernen wurde von Samsung mit dem Exynos-4-Quad-Core-Chipsatz eine neue Runde eingeläutet, eine CPU mit vier Kernen gab es zuvor noch ein keinem Smartphone. Aber bringt Ihnen als Anwender diese Rechenpower überhaupt etwas? Zahlen Sie hier nicht nur für ein sinnloses Leistungs-Protzen?

Abbildung 3: Über 12.000 Punkte im Antutu-Benchmark hat noch kein Handy im Test der Android-User erreicht.
Abbildung 3: Über 12.000 Punkte im Antutu-Benchmark hat noch kein Handy im Test der Android-User erreicht.

Abbildung 4: Beim Vellamo-Benachmark ist der Vorsprung allerdings nicht so groß, ein HTC One S ähnliche Werte.
Abbildung 4: Beim Vellamo-Benachmark ist der Vorsprung allerdings nicht so groß, ein HTC One S ähnliche Werte.

Die Messwerte der Benchmarks (AnTuTu: 12141, Vellamo: 2132) sprechen eine deutliche Sprache. Gegenüber dem Samsung Galaxy Nexus haben sich diese Werte verdoppelt. Als Benutzer merken Sie diesen Zuwachs an Rechenpower auch im Alltag. Ob Sie nun gerade im Hintergrund alle Ihre Apps aktualisieren lassen, Musik aus dem Internet streamen lassen und im Vordergrund aufwändige Webseiten betrachten. Sie werden nirgendwo auch nur die geringsten Verzögerungen bemerken.

Dank des großen Akkus geht die viele Rechenpower auch nicht zu Lasten der Akkulaufzeit. Die 2100 mAh halten das S III beim Dauer-Surfen etwa sieben Stunden am Leben, was aufgrund des riesigen Display ein guter Wert ist. Ein Langläufer ist das SIII trotz der im System zusätzlich eingebauten Stromsparfunktionen allerdings nicht.

TouchWiz-Magie

Samsung hat nicht nur an der Technik des SII-Nachfolgers geschraubt, sondern Android 4.0 auch einige weitere Features spendiert. S Voice ist die Samsungs Antwort auf Apples Siri. Die Anwendung hört aufs Wort und löst sprachgesteuert Anrufe aus, sucht für Sie im Internet oder stellt auf Zuruf den Wecker. In unseren Tests hat die Spracheingabe in einer ruhigen Umgebung auch sehr gut funktioniert.

Abbildung 5: Bei Samsungs TouchWiz erinnert kaum mehr an die elegante schlichte Optik von Android 4.0.
Abbildung 5: Bei Samsungs TouchWiz erinnert kaum mehr an die elegante schlichte Optik von Android 4.0.

Abbildung 6: Die Effekte sind jedoch gut gemacht und auch nützlich, so wie der Wechsel zwischen den Homescreens.
Abbildung 6: Die Effekte sind jedoch gut gemacht und auch nützlich, so wie der Wechsel zwischen den Homescreens.

Praktisch ist auch die Direktruf-Funktion aus dem Adressbuch oder den SMS-Nachrichten heraus. Sie ruft automatisch den Kontakt an, sobald Sie das Telefon zum Ohr führen. Versehentliche Anrufe werden – bitte Lachen Sie hier nicht – in der Tat durch eine optische Ohr-Erkennung verhindert. E-Book-Leser oder Fans langer Web-Artikel werden Sich über Smart Stay freuen. Diese Funktion überwacht per Bilderkennung das Geschehen vor der Front-Linse und deaktiviert die Abdunklung des Touchscreens, sobald Sie ein Auge auf das Display werfen.

Abbildung 7: S-Voice ist das Pendant zu Apples Siri. Der Assistent gehorcht Ihnen aufs Wort.
Abbildung 7: S-Voice ist das Pendant zu Apples Siri. Der Assistent gehorcht Ihnen aufs Wort.

Abbildung 8: Notizen und einfache Zeichnungen erstellen Sie mit mit S-Memo von Samsung.
Abbildung 8: Notizen und einfache Zeichnungen erstellen Sie mit mit S-Memo von Samsung.

Abbildung 9: Für Gedanken während einer Autofahrt kommt die Sprach-Memo-App sehr gelegen.
Abbildung 9: Für Gedanken während einer Autofahrt kommt die Sprach-Memo-App sehr gelegen.

Enttäuschend ist, dass TouchWiz allerdings auf einige Neuerungen von Android 4.0 verzichtet, die sich dort im Alltag bewährt haben. So können Sie zwar Ordner auf Homescreens über das Kontext-Menü anlegen, Icons lassen sich nicht intuitiv via Drag&Drop zu einem Ordner kombinieren, es muss immer der Ordner zuvor von Hand angelegt werden.

Kamera mit HDR

Ein durchwachsenes Bild gibt die Kamera des S III ab: Zweifelsohne macht der 8 MPx-Sensor bei gutem Licht auch gute Bilder. Der Chip arbeitet auch sehr schnell, in der Serienbild-Funktion feuert die Kamera wie ein Maschinengewehr, doch sobald die Licht-Verhältnisse schlechter werden, wirken die Farben blasser und das Rauschen im Bild nimmt zu. Die Konkurrenz bei HTC hat beim One S in dieser Richtung deutlich besser gearbeitet.

Abbildung 10: Die Serienbild-Funktion nimmt bis zu 20 Bilder in kurzen Abständen hintereinander auf.
Abbildung 10: Die Serienbild-Funktion nimmt bis zu 20 Bilder in kurzen Abständen hintereinander auf.

Abbildung 11: Ihnen stehen zahlreiche verschiedene Kamera-Modi zur Verfügung, gut funktioniert der HDR-Modus.
Abbildung 11: Ihnen stehen zahlreiche verschiedene Kamera-Modi zur Verfügung, gut funktioniert der HDR-Modus.

Abbildung 12: Ohne HDR ist das Bild außen durch die helle Sonne über- und innen unterbelichtet.
Abbildung 12: Ohne HDR ist das Bild außen durch die helle Sonne über- und innen unterbelichtet.

Abbildung 13: Der HDR-Modus gleich diese Kontraste aus und sorgt für ein detailreiches Bild.
Abbildung 13: Der HDR-Modus gleich diese Kontraste aus und sorgt für ein detailreiches Bild.

Von den Funktionen her braucht sich die Kamera-App aber nicht verstecken. Neben der erwähnten Serienbild-Funktion, die Sie nachträglich das beste Bild auswählen lässt, gibt es eine Lächelerkennung, einen HDR-Mode und eine Bildstabilisierer gegen verwackelte Videos. Fotos nimmt das SIII mit einer Auflösung von bis zu 3264×2448 auf, Videos landen mit bis zu 1080p auf dem Speicher des Handys.

Fazit

Das Samsung Galaxy S III ist das beste Android-Telefon, das Sie aktuell für Geld kaufen können. Es ist nicht perfekt, doch das Gesamt-Paket stimmt. Ein HTC One S hat ein schickeres Gehäuse, ist aber deutlich kleiner und bietet weder einen Slot für eine micro-SD-Speicherkarte, noch lässt sich der Akku tauschen.

Einen Tick besser wäre unsere Bewertung von Samsung auf die umfassende Crapware-Sammlung verzichten könnte. Die Apps der Bild-Zeitung, von Lieferheld HSR-Hotels, kaufDA und myTaxi möchte nicht jeder installiert haben, Sie sind jedoch fest im System verbaut, sie lassen sich nicht deinstallieren und auch nicht verbergen.

Samsung Galaxy SIII

Kerndaten
Hersteller Samsung
Formfaktor 4,8 Zoll-Smartphone
Auflösung 1280×720 AMOLED mit PenTile-Matrix
Prozessor ARM Cortex-A9 Quad-Core mit 1,4 GHz
Android-Version 4.0.4
Akku 2100mAh
Laufzeit (Standby/Gespräch) 9h / 650h
Gewicht 133 Gramm
Preis (Internet) ca. 570 Euro
Technische Details und Preisvergleich
  http://www.android-user.de/lp/8033/
Performance
AnTuTu-Benchmark 12141
Vellamo-Benchmark 2132
Android-User-Bewertung 4,8 Punkte