Start Magazin Im Test: Prestigio Grace PSP7557 alias Gionee Elife alias Allview X2 Soul

Im Test: Prestigio Grace PSP7557 alias Gionee Elife alias Allview X2 Soul

Die Marke Prestigio kannten bisweilen wohl nur Technikinteressierte, die schon mal in Osteuropa im Urlaub waren und dort auf die Hersteller der angebotenen Technikprodukte geachtet haben. Hierzulande ist die Firma aus Zypern noch nicht lange vertreten, möchte sich aber in der Zukunft stärker auf dem deutschen Markt platzieren. Grund genug für uns, ein Smartphone des Herstellers für einen Test zu besorgen.

Das Grace von Prestigio (technische Daten und Preisvergleich) ist ein ganz besonders Smartphone. Ohne Zweifel beeindruckend ist die Dünne des Gerätes: 5,5 mm ist das Grace laut Prestigio dünn und zählt somit zu den schlanksten Smartphones auf dem Markt. Wahlweise in Schwarz oder in Weiß erhältlich punktet das Smartphone darüber hinaus mit einem zeitlos eleganten Design: Vorder- und Rückseite bestehen beide aus flachem Gorilla Glas 3, das an den Seiten von einem Metallrahmen festgehalten wird. Dadurch fühlt sich das Gerät überaus hochwertig an, zu große Spaltmaße oder ähnliches sind nicht zu entdecken.

Auf der Kehrseite liegt das Grace gerade aufgrund seiner Dünne und den flachen Konturen etwas unsicher in der Hand, man hat beim Benutzen des Smartphones immer mal wieder Angst, dass das Gerät einem aus der Hand gleiten könnte — eine Glasrückseite ist doch ziemlich glatt. Die Buttonplatzierung ist in unseren Augen etwas unpraktisch, Lauter und Leiser sowie der Power-Button befinden sich gemeinsam auf der linken Seite. Uns hätte es hier besser gefallen den Power-Button und die Lautstärke-Buttons auf unterschiedlichen Seiten zu platzieren. Ebenso befindet sich der Micro-USB Anschluss an der Kopfseite des Gerätes, was in unseren Augen noch weniger Sinn ergibt. Der 3,5 mm Klinken-Stecker ist im Gegenzug auf die Unterseite gerutscht. Die Position dieser Steckplätze zu tauschen, würde unseren Augen dem Komfort beim Laden einiges zutun.

Design ist zwar bekanntlich Geschmackssache, aber uns gefällt das Grace!
Design ist zwar bekanntlich Geschmackssache, aber uns gefällt das Grace!

Auch wenn das Grace in dieser Form einmalig scheint, ist das Smartphone keineswegs ein Unikat. Es ist baugleich mit dem chinesischen Gionee Elife, das auch als Vorbild für das Grace diente. Die Unterschiede zwischen den beiden Geräten sind lediglich bei der Software zu sehen: das Grace lehnt sich stark an Vanilla Android an, das Gionee-Smartphone besitzt eine deutlich buntere Oberfläche im iOS-Stil. Neben diesen zwei Varianten existiert mit dem Allview Soul X2 auch noch eine dritte. Alle drei Modelle kosten rund 330 Euro, wobei das Gionee hierzulande nur via Direktimport aus China erhältlich ist.

Die Rückseite besteht wie die Vorderseite aus Glas und ist dadurch etwas rutschig.
Die Rückseite besteht wie die Vorderseite aus Glas und ist dadurch etwas rutschig.
Das Button-Placement könnte besser sein und ist eher auf die Bedienung mit der linken Hand ausgelegt.
Das Button-Placement könnte besser sein und ist eher auf die Bedienung mit der linken Hand ausgelegt.

Software und Performance

Softwaretechnisch kommt im Grace Android in Version 4.4.2 zum Einsatz, das durch Prestigio leicht angepasst wurde. So hat der Hersteller einen komplett eigenen Lockscreen namens MultiStart dem Smartphone spendiert, der sehr einfach individuell anpassbar ist. Von ihm aus hat man schnell und unkompliziert Zugriff auf vorher festgelegte Inhalte wie Apps oder Webseiten. Die Umsetzung hat uns richtig gut gefallen, mal eine Hersteller-Erweiterung die Sinn macht.

Weniger mochten wir hingegen die vielen vorinstallierten Apps: Selten hatten wir ein Gerät im Test, das schon mit so vielen installierten Anwendung ausgeliefert wurde. Glücklicherweise lassen sie sich alle einfach deinstallieren — nicht wie bei so manchem Provider. Unter den Apps sind auch Prestigios eigene Produkte wie ein eReader, ein eigener App Store und die sogenannte MultiCloud. Mit dieser erhält man 200 GByte kostenlosen Cloud-Speicherplatz auf den Servern von SurDoc, die den mit 16 GByte eher geringen internen Speicher erweitern (einen MicroSD-Slot bietet das Handy keinen).

MultiStart in Action. Die Technologie stammt von der Firma Celltik.
MultiStart in Action. Die Technologie stammt von der Firma Celltik.
MultiStart in Action. Die Technologie stammt von der Firma Celltik.
MultiStart in Action. Die Technologie stammt von der Firma Celltik.
Bei angeschlossen Kopfhörern lässt sich auch Radio hören.
Bei angeschlossen Kopfhörern lässt sich auch Radio hören.

Auf dem Datenblatt sieht der Octacore-Prozessor mit 1,7 GHz von MediaTek gut aus, in der Praxis zeigen sich aber immer wieder Ruckler und Verzögerungen, die nicht nur auf die 2 GByte Arbeitsspeicher zurückzuführen sind. Unsere Benchmark-Ergebnisse in AnTuTu und Vellamo bestätigen diesen Eindruck. Dennoch ist das Grace den alltäglichen Aufgaben gewachsen, nur laufen Spiele eben nicht so flüssig, wie auf High-End Geräten von Samsung, HTC, LG und Co und hin und wieder muss man mit Bedenksekunden rechnen.

Der Lockscreen ist dank MultiStart bis ins kleinste Detail konfigurierbar.
Der Lockscreen ist dank MultiStart bis ins kleinste Detail konfigurierbar.
Die vorinstallierten Apps wie dieser Store lassen sich problemlos deinstallieren.
Die vorinstallierten Apps wie dieser Store lassen sich problemlos deinstallieren.

Display

Prestigio verbaut im Grace ein 5 Zoll großes Super-AMOLED-Display, wie wir es von Samsung kennen. Mit einer Full-HD-Auflösung (1920×1080) sorgt es für eine knackig scharfe Darstellung. Die Blickwinkel sind klasse, selbst bei stark seitlicher Aufsicht sind die Farben und Kontraste nur geringfügig verändert. Im Allgemeinen ist die Farbwiedergabe sehr intensiv und bunt, wie man es von AMOLED Displays gewohnt ist. Als weiteres nettes Feature ist die Möglichkeit integriert, das Smartphone auch mit nassen Händen bzw. Handschuhen zu bedienen. Dies funktionierte allerdings im Test nicht sonderlich gut, ab einer gewissen Dicke der Handschuhe ist eben doch Schluss. Der einzige große Kritikpunkt am Display ist die maximale Helligkeit, die mit anderen Geräten nicht mithalten kann. Bei unseren Tests im Winter fiel das nicht weiter ins Gewicht, aber im Sommer dürfte der Touchscreen bei prächtigem Sonnenschein seine Mühe haben.

Das Prestigio Grace kommt mit recht vielen vorinstallierten Apps.
Das Prestigio Grace kommt mit recht vielen vorinstallierten Apps.

Kamera

Bei der Hauptkamera setzt Prestigio auf einen Sony Exmor-Sensor, der mit 13 Megapixeln auflöst. Bei normalen Lichtverhältnissen entstehen dadurch gute Bilder, der Autofokus arbeitet schnell, ist meist treffsicher und führt so zu scharfen Bildern. Selbst bei schlechten Lichtverhältnissen sind die Aufnahmen noch einigermaßen zu gebrauchen, Wunder sollte man allerdings nicht erwarten. Überrascht hat uns die 5 Megapixel Frontkamera. Eine sehr weitwinklige Linse sorgt hier für den einen oder anderen netten Effekt und dafür, dass man sich bei Selfies weniger stark verrenken muss. Die Kamera-App wartet zudem mit vielen zusätzlichen Features auf, wie bspw. Gestenerkennung, Serienbildfunktion und Schönheitsfiltern.

Die Kamera-App kommt mit einigen sinnvollen Features daher.
Die Kamera-App kommt mit einigen sinnvollen Features daher.

Akku

Dünnes Gehäuse und dicker Akku passen nicht zusammen — das merkt man beim Grace. Mit 2.300 mAh ist der Stromspeicher des Smartphones nicht allzu groß bemessen, was sich im Alltag mit einer geringen Akkulaufzeit bemerkbar macht. Bei Dauerbenutzung ist nach 4 bis 5 Stunden Schluss, intensive Nutzer werden also ihre Probleme haben, mit dem Gerät über den Tag zu kommen. Wer es aber in erster Linie für Anrufe und nur mäßiges Surfen und Mailen benutzt, kommt auf die üblichen 14 bis 16 Stunden Laufzeit von morgens bis abends. Über die gleichen Parameter hinsichtlich Display und Akku (5 Zoll Full-HD und 2300 mAh) verfügt auch das Nexus 5, die Laufzeit der beiden Geräte ist in etwa gleich unbefriedigend.

Fazit

Ein gelungener Einstieg für Prestigio in den deutschen Markt? Durchaus. Die Verarbeitung und das Design des Grace sind definitiv Oberklasse, hier gibt es nichts zu meckern. Kamera und Display führen diese Linie weitestgehend fort, lediglich der knapp dimensionierte Akku und die nicht ganz optimale Performance holen das Grace zurück in die gehobene Mittelklasse. Bei einem Preis von aktuell ca. 330 Euro ist das Grace aber auf jeden Fall ein Gesamtpaket, das einen Blick wert ist, auch wenn die verbaute Technologie schon fast ein Jahr auf dem Buckel hat. Alternativ können wir in dieser Preislage das OnePlus One oder das Honor 6 empfehlen. Beide sind zwar nicht ganz so dünn und schick, verfügen aber über die deutlich bessere Akkulaufzeit und über mehr Performance.

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2 Kommentare

  1. Nachdem ich lesen durfte, dass das Prestigio Grace PSP7557 neben seinem 166 GB internen Speicher KEINE Erweiterungsmöglichkeit bietet, musste ich den Text des Tests nicht weiter lesen.
    16 GB ohne Erweiterungsoption durch zusätzliche Speicherkarten ist NoGo.
    Das ist viel zu wenig für eine multifunktionale Multimedia-Maschine.
    Schade, hatte ich doch zunächst einen guten Eindruck

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