5. Oktober 2022
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Im Test: Photoshop Touch von Adobe

Photoshop ist in der Grafikindustrie das Bildbearbeitungstool schlechthin. Jetzt hat Adobe erstmals eine Version für Tablets veröffentlicht. Wir haben uns die App installiert und näher angeschaut.

Wer sich ein wenig mit Photoshop auskennt, der weiß, dass die Anwendung über einen riesigen Funktionsumfang verfügt. Wer damit jedoch täglich arbeitet, konzentriert sich meistens nur auf ein paar wichtige Funktionen, zum Beispiel das Freistellen von Objekten oder auf die Bildkorrektur. Hier setzt die Android-Version von Photoshop an, die im Unterschied zu der für das iPad und Android bereits erhältlichen Essential-App wirklich als Bildbearbeitungslösung bezeichnet werden kann.

Guter Einstieg

Photoshop Touch gehört zu den besten Tablet-Apps, die der Android-Market je gesehen hat. Lassen Sie sich beim Einkauf durch die zusätzliche Mehrwertsteuer von rund 2 Euro nicht verunsichern – die App ist die zehn Euro mehr als wert, und hoffentlich behält Adobe den Einführungspreis noch eine Weile bei.

Schon beim ersten Start fällt das gut gemachte Layout auf: Egal, welchen Punkt Sie auswählen oder wo Sie hinklicken, begleiten Sie kleine hellblaue Tipps bei der Arbeit.

Tipp

Sollten Sie im Eifer des Gefechts die Tipps überlesen haben und möchten Sie jetzt noch einmal in aller Ruhe starten, dann finden Sie in den Einstellungen unter Preferences einen Button, um die Tipps noch einmal einzuschalten.

Einen Datei öffnen oder speichern Dialog suchen Sie bei Photoshop Touch vergeblich. Die Arbeit organisiert die App in Projekten, den einzelnen Projekten lassen sich beliebig viele Fotos hinzufügen. Doch beginnen wir bei den Basics: Die Arbeitsoberfläche ist in drei Teile aufgesplittet, die sich einzeln ein- und ausblenden lassen. Auf der rechten Seite finden Sie den Ebenendialog. Hier fügen Sie neue Ebenen ein, wählen die gewünschte Ebene aus und löschen nicht mehr benötigte. Die Anordnung der Ebenen erfolgt per Drag&Drop, die Anzahl der Layer ist nicht beschränkt (zumindest ließen sich in den Tests problemlos 20 Ebenen anlegen). Ab der achten Ebene bietet das Ebenenfenster nicht mehr genug Platz, Sie müssen dann nach oben und unten scrollen, um an die gewünschte Ebene zu gelangen. Benennen lassen sich die einzelnen Layer nicht, das Vorschaubild muss Ihnen also genügen.

Abbildung 1: Rund ein Dutzend Tutorials erleichtern den Einstieg in Photoshop Touch enorm.
Abbildung 1: Rund ein Dutzend Tutorials erleichtern den Einstieg in Photoshop Touch enorm.

Abbildung 2: Die hellblauen Tooltipps sind nützliche Helfer für die ersten Schritte.
Abbildung 2: Die hellblauen Tooltipps sind nützliche Helfer für die ersten Schritte.

Zur Linken finden Sie die Werzeuge, unterteilt in sieben Kategorien vom Auswahlwerkzeug über das Lasso und die Farbauswahl bis hin zum Pinsel, Klonwerkzeug und dem Radierer. Auch für ein Verwisch-Tool hat Adobe gesorgt.

Oben befindet sich quasi die Menüleiste mit dem Zugriff auf die Effekte, das Text-Tool, den Bildauswahl-Dialog und dem Bewegen-Werkzeug. Sämtliche Elemente lassen sich per Touchscreen sehr gut bedienen. Anpassen lässt sich diese Anordnung nicht, möchten Sie also das Menü lieber unten und den Ebenen-Dialog lieber links, dann müssen Sie sich an Adobe wenden.

Abbildung 3: Die Arbeitsfläche: Die einzelnen Werkzeuge lassen sich ausblenden aber nicht anders anordnen.
Abbildung 3: Die Arbeitsfläche: Die einzelnen Werkzeuge lassen sich ausblenden aber nicht anders anordnen.

Abbildung 4: Die Auswahl der Schriften ist beschränkt, abgesehen davon bietet das Font-Werkzeug recht viele Möglichkeiten.
Abbildung 4: Die Auswahl der Schriften ist beschränkt, abgesehen davon bietet das Font-Werkzeug recht viele Möglichkeiten.

Wie erwähnt lassen sich die drei Bedienfelder einzeln verbergen oder anzeigen, sodass mehr Platz für das Bild bleibt, das eigentliche Objekt. Es lässt sich per Pinch-to-Zoom-Geste vergrößern und verkleinern, zum Verschieben müssen Sie zwei Finger auf das Bild legen, was am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig ist.

Mit Liebe zum Detail

Dass die Adobe-Designer beim machen der Touch-App ihren Spaß hatten, merkt man auch an ein paar Stellen der App. So hat man das Werkzeug für das perspektivische Verzerren zum Beispiel über den Bewegungssensor des Tablets realisiert. So wie Sie Ihr Tablet also kippen und drehen, sieht dann auch der ausgewählte Bildausschnitt aus.

Ähnlich wie bei bestimmten Ego-Shootern hantieren Sie stets mit dem Finger auf dem Display und verdecken sich dabei unter Umständen die Sicht auf das Motiv. Gerade beim Lasso-Tool fanden wir das doch sehr störend. Hier wäre es praktisch, wenn man den Kursor und den Finger trennen könnte, und genau diese Funktion beherrscht Photoshop Touch über das Stift-Menü und den Eintrag Show Pointer. Dieser dient nicht nur dazu, den aktuellen Ort des Cursors anzuzeigen, wenn man mal die Übersicht verliert, sondern erlaubt auch das versetzte Malen. Dazu muss man mit einem Finger unten Links das Pointer-Symbol gedrückt halten, während man mit dem anderen Finger zeichnet, ausschneidet oder malt. Auf diese Art lässt sich recht exakt arbeiten.

Abbildung 5: Mit diesen Effekt-Einstellungen wandeln Sie ein Bild zu einem Acryll-Gemälde um.
Abbildung 5: Mit diesen Effekt-Einstellungen wandeln Sie ein Bild zu einem Acryll-Gemälde um.

Abbildung 6: Selbst relativ schwierige Motive lassen sich mit dem Finger problemlos auswählen.
Abbildung 6: Selbst relativ schwierige Motive lassen sich mit dem Finger problemlos auswählen.

Sehr gut gefiel uns beim Dialog zum Hinzufügen neuer Bilder die integrierte Google-Suche. Benötigen Sie zum Beispiel für eine Collage noch ein zusätzliches Motiv, dann müssen Sie dazu nicht zunächst in den Browser wechseln und hier die Google-Bildersuche starten, sondern greifen einfach direkt aus Photoshop touch darauf zu. Dabei lassen sich sogleich Bilder wählen, die unter einer freien Lizenz stehen.

Abbildung 7: Importieren Sie frei verwendbare Bilder direkt aus der Google-Bildersuche.
Abbildung 7: Importieren Sie frei verwendbare Bilder direkt aus der Google-Bildersuche.

Last but not least lässt sich an zahlreichen Stellen die integrierte Kamera als Eingabequelle benutzen: Rahmen zeichnen, Bild einfügen wählen, Kamera als Quelle und schon ist das Portrait oder Urlaubsfoto fertig.

Recht zügig

Bei den Tests mit unserem Transformer-Tablet fiel uns positiv auf, dass die App recht schnell arbeitet. Selbst relativ aufwändige Filter-Effekte wendet die App praktisch sofort an, zu allen Effekten gibt es eine Live-Preview.

Ab in die Wolke

Natürlich dürfte Photoshop Touch bei den wenigsten professionellen Anwendern als Haupt-Anwendung zum Einsatz kommen. Die meisten Nutzer werden es als Ergänzung zum klassischen Photoshop benutzen. Dank Anbindung an die Creative Cloud von Adobe funktioniert auch dieses Szenario perfekt. Projekte lassen sich in der Cloud speichern und aus der Cloud öffnen. Auch eine Facebook-Anbindung hat Adobe dem Programm spendiert. Hier hätten wir es allerdings lieber gesehen, wenn Adobe die Sharing-Funktion von Android benutzt, sodass man Bilder auch direkt an Google+ oder per Bluetooth verschicken kann. So bleiben die von Adobe vorgesehenen Funktionen für den lokalen Export, Upload auf Facebook und Versand per E-Mail.

Abbildung 8: Über die Einstellungen richten Sie den Adobe Creative Cloud Account ein.
Abbildung 8: Über die Einstellungen richten Sie den Adobe Creative Cloud Account ein.

Was fehlt?

Bei so viel Lob für eine brandneue App müssen natürlich auch ein paar Kritikpunkte genannt werden. Aktuell ist die Photoshop-App nicht für Erweiterungen eingerichtet. So lassen sich zum Beispiel keine Schriften nachinstallieren und auch die Sammlung an Effekten ist zurzeit endlich. Aktuell ist von Adobe auch kein Schritt in diese Richtung geplant (Stand Dezember 2011), wir hoffen dennoch, dass Adobe ein SDK auf den Markt bringt, damit auch andere Entwickler Effekte oder zusätzliche Tutorials für Photoshop Touch gestalten können. Das zweite große Manko ist die mangelnde Kompatibilität mit dem großen Bruder Photoshop. Via Plugin lassen sich zwar Photoshop-Touch-Dateien unter der Creative Suite öffnen und umgekehrt, das klappt aber nur mit der allerneuesten Photoshop-Version. Benutzer einer älteren Photoshop-Version bleiben auf dem Trockenen sitzen.

Photoshop Touch beherrscht zwar ganz viele Dinge, bringt aber keine Unterstützung für Pattern mit. Möchten Sie also mit einem Muster statt mit einer Farbe zeichnen, dann ist die App nicht das Richtige für Sie.

Etwas umständlich fanden wir auch die Bedienung des Hauptmenüs. Möchten Sie zum Beispiel zwei Projekte exportieren, dann müssen Sie zunächst die gewünschte Funktion aufrufen. Erst danach erlaubt Photoshop Touch die Auswahl einzelner Elemente. Dieser Workaround ist deshalb notwendig, weil man per Antippen das Projekt öffnet. Eine Mehrauswahl über antippen und gedrückt halten, fänden wir aber besser.

Last but not least sind wir in den Tests immer wieder mal über die falsch betätigte Rücktaste gestolpert. Adobe hat der App eine eigene Zurück-Funktion spendiert. Betätigen Sie also die Zurück-Taste von Honeycomb, dann landen Sie im Android-Homescreen und nicht beim letzten Dialog. Die Zurück-Taste der Photoshop-App befindet sich oben links. Hier wäre eine entsprechende Option in den Einstellungen nützlich, wie zum Beispiel beim Dateimanager Files by Zenfield (siehe auch den Artikel zu den besten Tablet-Apps in dieser Ausgabe von Android User).

Fazit

Mit Photoshop Touch und den weiteren Apps der Touch-Reihe ist Adobe eine sehr gute App gelungen, die die 10 Euro mehr als wert ist. Die Bedienung gefällt spätestens nach dem Durcharbeiten der Tutorials, und die Anzahl der zur Verfügung stehenden Features ist einfach klasse. Auch wer nur ab und zu mit Grafiken arbeitet: diese App gehört auf jedes Tablet.

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