Start Im Test Im Test: Phicomm Passion P660 mit Snapdragon 615 und Dual-SIM

Im Test: Phicomm Passion P660 mit Snapdragon 615 und Dual-SIM

Phicomm hat vor über zwei Jahren schon einmal versucht, in Europa Fuß zu fassen. Jetzt sind die Chinesen mit einer neuen Strategie und einer neuen Produktpalette wieder da. Wir haben uns das Modell Passion P660 mit Snapdragon 615 angeschaut.

Wenn du noch nie von Phicomm gehört hast, dann ist das nicht weiter schlimm. Die chinesische Firma gibt es seit 2008 und sie stellt neben Mobiltelefonen auch diverse weitere Elektronikartikel her, darunter Router und anderes Netzwerkequipment. Mit 4000 Mitarbeitern gehört Phicomm in China eher zu den kleineren Fischen: ZTE beschäftigt zum Vergleich über 70.000 Mitarbeiter weltweit.

Mit dem Phicomm Passion und drei weiteren Android-Smartphones im Einsteiger-Preissegment wagt Phicomm nun den direkten Einstieg in den deutschen Markt. Das Passion positioniert sich dabei als Premium-Gerät mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 399 Euro, es ist aber auf Amazon bereits zum Preis von rund 230 Euro zu haben (http://amzn.to/1IIJx7Y). Amazon gibt 299 Euro als Preisempfehlung des Herstellers an, das passt schon eher.

Der erste Eindruck

Phicomm hat sich beim Passion für eine Box in Buch-Form entschieden. Das Gerät macht bei der ersten Inbetriebnahme einen soliden Eindruck und die Verpackung ist mit Liebe zum Detail gestaltet. Allerdings findet sich in der Box kein Headset. Das sollte Phicomm beim angestrebten Preis überdenken, denn das Passion besitzt auch ein FM-Radio, das sich aber nur mit Kopfhörern nutzen lässt.

Ein Buch mit drei Seiten. Phicomm hat sich für die Verpackung des Passion etwas Besonderes einfallen lassen...
Ein Buch mit drei Seiten. Phicomm hat sich für die Verpackung des Passion etwas Besonderes einfallen lassen…

Die Hardware des Phicomm Passion ist nicht von schlechten Eltern. Phicomm hat dem verbauten Achtkern-Prozessor Snapdragon 615 2 GByte RAM Und 32 GByte ROM-Speicher spendiert. Der interne Speicher lässt sich via microSD-Karte erweitern, wobei es sich um einen Hybrid-Slot handelt, der wahlweise eine Speicherkarte oder eine Nano-SIM-Karte aufnehmen kann. Dieser Slot unterstützt aber seltsamerweise nur Telefonate bzw. 2G. Für die ebenfalls im Passion untergebrachte LTE-Funktionalität (CAT 4) musst du den ersten SIM-Slot benutzen, der die heute üblichen Micro-SIM-Karten unterstützt.

Das 5 Zoll große IPS-Display löst mit 1920 x 1080 Pixeln auf und stellt die Farben klar und hell dar. Im direkten Vergleich mit dem Nexus 5 (ebenfalls FullHD auf 5„) zeigt das Phicomm-Display einen minimalen Gelbstich (wärmere Farben) und etwas weniger Helligkeit. Die Blickwinkelstabilität ist aber sehr gut. Die automatische Helligkeitsregelung war in den Tests durchs Band viel zu dunkel eingestellt. Ich habe das Passion deshalb manuell geregelt.

Im direkten Vergleich mit dem Nexus 5 (links) ist das Display des Phicomm Passions etwas weniger hell und etwas weniger weiß.
Im direkten Vergleich mit dem Nexus 5 (links) ist das Display des Phicomm Passions etwas weniger hell und etwas weniger weiß.

Hinsichtlich der Verarbeitung fehlt dem Phicomm Passion ein Quäntchen Qualität für die obere Mittelklasse. Das Handy ist schön und es gibt auch keinerlei Beanstandungen meinerseits was die Materialien und Spaltmaße betrifft. Aber schön aussehen und hochwertig anfühlen sind nun mal subjektive Dinge und da fehlt mir für den Sprung zur Oberklasse noch das besondere Etwas.

Solide, aber keine Oberklasse. Die SIM-Slots sind leicht versenkt, aber nicht gleichmäßig.
Solide, aber keine Oberklasse. Die SIM-Slots sind leicht versenkt, aber nicht gleichmäßig.

Software

Das Phicomm Passsion ist zwar von Haus aus mit dem — für Android — aktuellen Kernel 3.10 ausgestattet, setzt aber weiterhin auf Android 4.4.4 ,,KitKat„ als Betriebssystem. Das bedeutet auch, dass du mit dem Passion zwar eine 64-Bit-fähige Hardware bekommst, daber ,,nur„ die 32-Bit-Version von Android. Das ist schade, da der Snapdragon 615 klar zu mehr fähig ist. Allein die Benchmark-Resultate von Vellamo mit Chrome (aktuell 2178 Punkte beim HTML-Test) dürften sich um bis zu 50 Prozent verbessern, wenn die 64-Bit-Version zum Einsatz kommt.

Der von Phicomm vorinstallierte Launcher macht optisch einen guten Eindruck. In der Mitte rechts zu sehen das Widget für den Schrittzähler.
Der von Phicomm vorinstallierte Launcher macht optisch einen guten Eindruck. In der Mitte rechts zu sehen das Widget für den Schrittzähler.
Neben dem Play Store und den Google Einstellungen sind keinerlei Google Apps vorinstalliert.
Neben dem Play Store und den Google Einstellungen sind keinerlei Google Apps vorinstalliert.

Das von Phicomm vorinstallierte Android-System kommt dem Android Open Source Projekt recht nahe, zieht man die etwas bunteren aber durchaus schönen Icons des Phicomm Launchers und die farbigen Symbole in den Einstellungen ab. Sehr gut hat mir gefallen, dass Phicomm bei den Google-Apps nur den Play Store vorinstalliert. So bleiben von den 32 GByte ROM-Speicher über 27 GByte für die eigenen Daten frei und du kannst selbst bestimmen, welche Google-Apps du noch benutzen möchtest. Wie Phicomm das durchgebracht hat, ist uns hingegen ein Rätsel. Üblicherweise besteht Google für eine Zertifizierung darauf, dass die zentralen Google Apps vorinstalliert sind, aber das nur mal am Rande. Es gibt diverse Apps von Phicomm, darunter auch ein Barometer und eine Backup-App.

Die Backup-App sichert SMS, MMS, Kontakte und den Kalender auf dem internen Speicher im "backup" Ordner.
Die Backup-App sichert SMS, MMS, Kontakte und den Kalender auf dem internen Speicher im „backup“ Ordner.
Coole Sache:  Mit der Barometer-App lässt sich die Höhe von Stockwerken oder von einem Turm messen. Die Ergebnisse sind sogar recht gut.
Coole Sache: Mit der Barometer-App lässt sich die Höhe von Stockwerken oder von einem Turm messen. Die Ergebnisse sind sogar recht gut.

Wie oben erwähnt arbeitet das vorinstallierte KitKat-System flott, braucht aber ab und zu eine Denkpause. Auch Spiele wie Asphalt 8 lassen sich problemlos zocken, hier treten allerdings klare Ruckler beim Intro auf. Das Spiel selbst ist gut spielbar.

Als Dual-SIM-Smartphone verfügt das Phicomm Passion über alle Möglichkeiten, die auch andere Dual-SIM-Androiden mitbringen. Du kannst wählen, welche Karte du standardmäßig für Anrufe oder für die Datenverbindung benutzen möchtest, wirst aber beim Antippen eines Kontakts auf Wunsch auch stets gefragt, über welche Karte der Anruf erfolgen soll. Einzig der schnelle (Sofware-) Wechsel zwischen den Karten ist nicht möglich. Das ist insofern schade, weil sich die Nano- und Micro-SIM ja nicht einfach so austauschen lassen.

hybrid slot phicomm passion
Der Hybrid-Slot des Phicomm Passion mit einer Nano-SIM-Karte. Im Hintergrund zum Vergleich eine traditionelle SIM-Karte mit ausstanzbarer Micro SIM.

 

Eine Besonderheit des Phicomm-Smartphones ist das Schrittzähler-Widget, das dich auf dem Homescreen ständig begleitet. Die Schritte wirklich zu zählen, gelang dem kleinen Tool in unseren Tests allerdings nicht reproduzierbar. Den kleinen Foto-Walk in den Garten zählte das Widget zum Beispiel mit Null Schritten.

Multimedia

Auf der Rückseite des Phicomm Passion befindet sich ein Mono-Lautsprecher, der für einen halbwegs lauten Klingelton sorgt, aber bei Musik doch sehr blechern daherkommt. Die Audio-Ausgabe über die Kopfhörerbuchse vermag schon eher zu überzeugen, wobei ein leichtes Grundrauschen zu hören ist. Was mir negativ aufgefallen ist: während bei anderen Smartphones die Leistung über die Kopfhörer eher dazu tendiert, zu leise zu sein, lässt sich beim Passion das Volume derart aufdrehen, dass du garantiert nach wenigen Minuten einen bleibenden Gehörschaden davonträgst. Hier muss der Hersteller klar mit einem Software-Update nachbessern und die entsprechenden Grenzwerte einhalten.

Die hauseigene Musik-App ist gut, aber der Sound über den integrierten Lautsprecher klingt sehr blechern.
Die hauseigene Musik-App ist gut, aber der Sound über den integrierten Lautsprecher klingt sehr blechern.

Die 5-Megapixel-Frontkamera macht für ein halbes Noname-Smartphone erstaunlich gute Fotos, so lange die Beleuchtung stimmt. In einem geschlossenen Raum ohne Sonnenlicht wird das Rauschen aber sehr schnell sichtbar. Die 13-Megapixel-Kamera auf der Rückseite bringt bei idealem Licht ebenfalls brauchbare Fotos zustande, sonst überwiegt das Rauschen. Mit der Google Kamera ließen sich leicht besser Fotos schießen, aber auch hier ist bei weniger guter Beleuchtung sofort ein starkes Bildrauschen zu erkennen.

Bei Sonnenschein macht das Phicomm Passion durchaus brauchbare Fotos.
Bei Sonnenschein macht das Phicomm Passion durchaus brauchbare Fotos.

 

Akkulaufzeit

Phicomm gibt die Gesprächszeit des Passion mit lediglich 4,5 Stunden an. Das scheint nicht nur wenig, ist es auch. Die offizielle Standby-Zeit beträgt 165 Stunden, länger als eine Woche hält das Passion aber nur mit einer SIM-Karte oder im WLAN-Modus durch. Sind zwei SIM-Karten verbaut, liegt die Standby-Zeit laut meinen Messungen und Schätzungen eher bei 3-4 Tagen. Die Akkulaufzeit gehört aktuell also nicht zu den Stärken des Phicomm Passion. Mit zwei SIM-Karten kommen Power User definitiv nicht über den kompletten Tag, ohne laden zu müssen. Mit einer Karte drüfte es hingegen reichen. Nach 14 Stunden Nutzung (davon 2:10 Displayzeit) hatte ich am zweiten Testtag um 11 Uhr noch 28 Prozent Akku übrig. Negativ fiel dabei der Phicomm Launcher mit 5 Prozent Akkuverbrauch in der Statistik auf.

Unter Last geht dem Phicomm Passion leider recht schnell die Puste aus.
Unter Last geht dem Phicomm Passion leider recht schnell die Puste aus.

Kritikpunkte

Die Sensortasten des Phicomm Passion sind nicht beleuchtet. Im Dunkeln musst du dich also blind zurecht finden. Das Passion verfügt über keine Benachrichtungs-LED. Informationen zu neuen Mails oder verpassten Anrufen siehst du also nur, wenn du das Display einschaltest. Beim verbauten GPS-Sensor setzt Phicomm auf A-GPS. Die Informationen zu den Satellitenpositionen kommen also über das Mobilfunknetz. Dadurch dauert die Suche etwas länger und im Ausland kommt ohne Datenverbindung eventuell überhaupt keine Ortung zu Stande.

Fazit

Für 230 Euro bietet Phicomm mit dem Passion ein brauchbares Komplettpaket an, bei dem vor allem die 32 GByte Speicher einen großen Pluspunkt darstellen. Sieht man von diesem ab, bietet die Konkurrenz von Motorola, Lenovo, THL und weiteren chinesischen Anbietern ähnlich gute Hardware zum besseren Preis. Falls sich Phicomm zu einem Update auf Android 5.0 entscheiden sollte, dann ist das Passion hingegen noch mal einen Blick wert.

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