Start Magazin Im Test: Pearl Simvalley SP-X2.SLIM

Im Test: Pearl Simvalley SP-X2.SLIM

© Pearl

Pearl hat mit der ersten richtigen Android-Smartwatch gezeigt, dass Simvalley mehr als ein bloßer China-Brand ist. Gespannt warteten wir denn auch auf unser Testgerät des dünnsten Smartphones der Welt.

Plusminus

+ Formfaktor

+ Akkulaufzeit

+ Verarbeitung

– Display

– microSD-Slot

– Audioausgang

Pearl trug auf der IFA 2013 dick auf und stellte "das dünnste Android-Smartphone der Welt" vor. Diesen Titel haben schon mehrere Hersteller für sich beansprucht, meistens folgten dann aber keine brauchbaren Produkte. Nicht so beim Pearl-Handy: Es ist schon seit ein paar Monaten im Verkauf und kostet aktuell 169,90 Euro.

Kleine Überraschung

Das kleine Simvalley überrascht beim ersten Hands-on mit einer durchaus soliden Verarbeitung, einer Rückseite aus Aluminium und natürlich dem Formfaktor. Das SP-X2.SLIM ist wirklich verdammt dünn und lediglich halb so hoch wie das Moto G oder das Galaxy S3 mini von Samsung. Im Lieferumfang der etwas überdimensionierten Box befinden sich neben dem Handy auch das Netzgerät, ein spezielles USB-Kabel, ein Headset und – zu unserer Überraschung – ein kleiner Schraubendreher.

Der recht gute erste Eindruck hält auch nach dem Einschalten an. Das von einem 1,3 GHz schnellen Dual-Core-Prozessor von MediaTek angetriebene Smartphone arbeitet recht flott und reagiert prompt auf Eingaben. Lediglich die drei Sensortasten enttäuschen: Sie leuchten zu wenig stark und gehen auch zu früh aus. So müssen Sie das Handy oft blind bedienen.

Schwächen auf den zweiten Blick

Nach der ersten Begeisterung stellte sich dann aber doch recht schnell auch etwas Ernüchterung ein: Das AMOLED-Display zeigt zwar brillante Farben, und nach etwas Feinjustierung stimmte auch die Helligkeit (es gibt keinen Lichtsensor), aber die Pixeldichte von 160 ppi lässt doch stark zu wünschen übrig. Auch macht die Abdeckung für die SIM-Karte keinen sehr soliden Eindruck. Sie ist zwar ebenfalls aus Metall, liegt aber nicht komplett plan auf und lässt sich auch nicht wirklich festmachen. Hier hätte Pearl besser auf die kleine Abdeckung verzichtet und den Einschub sicher unter der Rückabdeckung angebracht. Große Enttäuschung machte sich bei der Audioqualität und bei den beiden Kameras breit. Die zwei Knipsen sind nicht wirklich zu gebrauchen, als Kopfhörer müssen Sie mangels 3,5-mm-Klinkenstecker die von Pearl mitgelieferten Modelle benutzen und sich ein deutliches Rauschen über die beiden Lautsprecher gefallen lassen. Beachten Sie auch, dass Sie stets das mitgelieferte USB-Kabel einsetzen, da sonst der Zugriff auf den internen Speicher nicht funktioniert.

Jetzt geht’s ans Eingemachte

Beim Versuch, eine microSD-Karte in das Handy einzusetzen, bemerkten wir dann auch, wozu der Schraubendreher mitgeliefert wird: Sie müssen das Pearl-Handy tatsächlich auseinanderschrauben und die Plastikabdeckung über der Kamera entfernen, um den Speicherchip einsetzen zu können. Das benötigt nicht nur Fingerspitzengefühl, sondern ist auch ein recht fehleranfälliger Vorgang. Nehmen Sie also den Hinweis "Achten Sie auch darauf, den Ein/Aus-Schalter (3) nicht zu verlieren" auf Seite 19 der Gebrauchsanweisung ernst, denn die Abdeckung (1) lässt sich nur mit etwas Kraft entfernen. Zudem war bei unserem Gerät auch ein Klebestreifen, der eigentlich die Abdeckung für CPU/GPU etc. festhalten sollte, an der Plastikkappe des Geräts angebracht, sodass wir auch diesen entfernen mussten. Ein Blick auf unsere Explosionsansicht dürfte klarmachen, dass dieses Handy nicht für jedermann geeignet ist.

Abbildung 1: Möchten Sie eine microSD-Karte in das Handy einsetzen, dann brauchen Sie viel Fingerspitzengefühl.
Abbildung 1: Möchten Sie eine microSD-Karte in das Handy einsetzen, dann brauchen Sie viel Fingerspitzengefühl.

Wirklich enttäuscht hat das Pearl-Smartphone bei der Audioqualität (blechern mit viel Rauschen) und bei den Kameras. Weder die Front- noch die Hauptkamera schießen wirklich scharfe Bilder. Die JPG-Komprimierung macht aus den 5-MP-Fotos schöne impressionistische Kunstwerke, aber keine Fotos.

Interessante Software

Auf dem kleinen Pearl-Schmuckstück ist Android 4.2.2 vorinstalliert. Die Software entspricht mehr oder minder einem unmodifizierten Android. Allerdings sind uns die Einstellungen zur SIM-Verwaltung aufgefallen. Diese sehen üblicherweise nur bei Dual-SIM-Geräten so aus. Das SLIM beherbergt im Inneren ziemlich sicher ein Dual-SIM-Board, wie beim Modell SP-121 verbaut. Darauf deuten auch die offiziellen Produktfotos hin, die in der Statusleiste zwei SIM-Karten anzeigen.

Abbildung 2: Die Schnelleinstellungen des Pearl-Handys lassen kaum Wünsche übrig.
Abbildung 2: Die Schnelleinstellungen des Pearl-Handys lassen kaum Wünsche übrig.

Abbildung 3: Software de Luxe: Beim mobilen Hotspot lässt sich die Bandbreite pro Nutzer regeln.
Abbildung 3: Software de Luxe: Beim mobilen Hotspot lässt sich die Bandbreite pro Nutzer regeln.

Apps und Einstellungen lassen sich mit einer speziellen vorinstallierten App auf die microSD-Karte sichern und so zum Beispiel nach einem Werksreset wiederherstellen. Ein wirklich tolles Feature des Pearl-Smartphones ist die Bandbreitenbeschränkung beim mobilen Hotspot. Für jeden der unterstützten fünf Benutzer können Sie ein Limit festlegen. Das hat in den Tests auch recht gut geklappt. Beim mobilen Hotspot zeigte das schicke Pearl-Handy zudem, dass es in puncto Akkulaufzeit durchaus mit anderen Geräten mithalten kann.

Abbildung 4: Die Akkulaufzeit liegt durchaus auf einem guten Level.
Abbildung 4: Die Akkulaufzeit liegt durchaus auf einem guten Level.

Abbildung 5: Zu den vorinstallierten Apps gehört auch eine Backup-Software für Einstellungen und Apps.
Abbildung 5: Zu den vorinstallierten Apps gehört auch eine Backup-Software für Einstellungen und Apps.

Absolut kurios ist die Liste der Verbindungsmöglichkeiten via USB. Neben dem von Android 4 bekannten MTP und PTP bietet das Pearl-Handy auch das traditionelle USB-Massenspeicher, Nur laden und die Verbindung als CD-ROM-Laufwerk an. Als CD-ROM-Laufwerk mit dem Rechner verbunden, erhalten Sie aber nicht etwa Zugriff auf die nötigen Windows-Treiber, sondern ein Handbuch über die kompletten microUSB-Spezifikationen vom April 2007. Die Windows-Treiber befinden sich im internen Speicher, der nur dann sichtbar ist, wenn keine microSD-Karte im Gerät sitzt. Die MediaTek-Treiber lassen sich aber aufgrund eines Prüfsummenfehlers unter Windows (8) nicht installieren.

Fazit

Wenn ein Handy 169 Euro kostet, dann muss es sich zwangsläufig dem Duell mit dem Moto G stellen. Dieses Duell gewinnt das Pearl-Handy zwar hinsichtlich der Eleganz und des Coolness-Faktors, zwischen den beiden Handys liegen aber Welten. Legen Sie keinen Wert auf technische Details und Android-Updates, sondern soll das Handy (vor allem) ein Schmuckstück sein, dann ist das Simvalley SP-X2.SLIM durchaus eine Kaufempfehlung wert. Am Moto G oder am Samsung Galaxy S3 mini werden Sie aber langfristig mehr Spaß haben – auch ohne Schraubendreher.

Pearl Simvalley SP-X2.SLIM

Kerndaten
Hersteller Pearl
Formfaktor 4.0-Zoll-Tablet/Smartphone
Auflösung 360 x 640 Pixel
Prozessor 1,3 GHz, Dual Core, MediaTek MT6572
Speicher 4 GByte, microSD-Slot vorhanden
Kamera (Front/Haupt) 2 MP (interpoliert)/5 MP
Android-Version Android 4.2.2
Akku 1300 mAh
Laufzeit (Standby/Gespräch) k.A./k.A.
Gewicht 120 Gramm
Preis (Internet) 170 Euro
Technische Details
  http://android-user.de/lp/32694
Performance
AnTuTu-Benchmark 11170 Punkte
Vellamo (HTML5/Metal) 1663/521 Punkte
Android-User-Bewertung 3,3 Punkte
 

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