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Im Test: Outdoor-Handy Motorola Defy

© motorola.com

Defy heißt aus dem Englischen übersetzt so viel wie „trotzen“ oder „herausfordern“. Das trifft das derzeitige Alleinstellungsmerkmal des Geräts ziemlich genau: Motorolas Defy ist nicht nur äußerst robust und leistungsstark sondern auch provozierend günstig.

Bereits im September letzten Jahres stellte Motorola das Outdoor-Handy Defy [1] vor. In heutigen Zeitmaßstäben gerechnet gehört es damit inzwischen beinahe schon zum alten Eisen. Allerdings wartet das Smartphone mit Attributen auf, mit denen es zum Dauerbrenner avancieren könnte. Es bietet nämlich teilweise einzigartige Ausstattungsmerkmale zum derzeit unschlagbaren Preis von etwa 215 Euro.

Hart im Nehmen

Laut Herstellerangaben entspricht das Android-Smartphone der Schutzklasse IP67. Die sieht nicht nur einen vollständigen Staubschutz sondern vor, sondern garantiert auch das Verhindern von Wasser bei zeitweiligem Eintauchen. Dafür spendierte Motorola den physikalischen Schnittstellen Gummistöpsel, der sie gegen Eindringen von Fremdkörpern schützt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Abdeckungen an der USB- und Audiobuchse verhindern das Eindringen von Flüssigkeit und Staub.
Abbildung 1: Abdeckungen an der USB- und Audiobuchse verhindern das Eindringen von Flüssigkeit und Staub.

Darüber hinaus besteht das Display aus kratzunempfindlichem Gorillaglas, das auch mal eine Rutschpartie über den Asphalt unbeschadet übersteht. Da es auch heftigere Stöße und Stürze klaglos übersteht, ist es derzeit wohl das robusteste Smartphone auf dem Markt. Das fällt schon beim Öffnen des Gehäusedeckels auf, der wegen der Gummidichtung deutlich strammer sitzt, als bei den meisten anderen Smartphones.

Da die Entwickler mehr die Funktionalität in den Fokus stellten, leidet die Ästhetik ein wenig: Schönheitspreis gewinnt das Handy sicherlich keinen, dafür erweist es sich als sehr alltagstauglich und bietet praktisch die gleichen Ausstattungsmerkmale wie deutlich teurere Konkurrenten.

Hardware

Das Kernstück des Smartphones stellt die CPU OMAP3610 von Texas Instruments mit einer Taktung von 800 MHz. Im Vergleich zur Konkurrenz, die inzwischen mit einem GHz und mehr aufwartet, klingt das nicht besonders viel, jedoch hängt das Phone mit 1026 Punkten im Benchmark mit Quadrant-Standard-Edition [2] diverse Vertreter mit schnelleren CPUs deutlich ab [3]. So erreichten das Nexus One und HTC Desire gerade einmal 500 Punkte. Das liegt nicht zuletzt an der verbauten PowerVR SGX 530 GPU im Defy, die das Darstellen von Grafiken übernimmt. Das zeigt sich auch im Alltag: Praktisch alle Anwendungen starten ohne große Verzögerung und laufen flüssig. Das gilt auch für den Browser, der sich in der Geschwindigkeit kaum von dem auf PCs installierten unterscheidet.

Auch speichertechnisch ist das Defy bestens gerüstet. So wartet es mit 500 MByte RAM (Arbeitsspeicher) und 2 GByte ROM (Datenspeicher) auf, wovon das System etwa 800 MByte belegt. Der Micro-SD-Einschub, der sich im Batteriefach befindet, nimmt Karten bis zu einer Kapazität von 32 GByte auf, eine 2-GByte-Karte liefert Motorola mit.

Auch wenn es optisch anders wirkt, ist das Display mit 3,7 Zoll (9,5 cm) Diagonale so groß wie das des HTC Desire. Mit einer Auflösung von 480 x 854 Pixeln zeigt es auch filigranere Bilder noch gestochen scharf und unverpixelt an. Im Test zeigte die Anzeige auch bei Sonnenlicht kaum Schwächen. Dank des eingebauten Helligkeitssensors passt das Gerät die Displaybeleuchtung automatisch ans Umgebungslicht an.

Zum Kontakt mit der Außenwelt setzt Motorola löblicherweise auf die gängigen Standards: Eine 3,5-mm-Klinke bietet sich als Anschluss für Head-Set und Kopfhörer an, die Micro-USB-Buchse verbindet das Phone mit dem PC oder Ladegerät.

Sehr gute Ergebnisse erzielt das Smartphone beim Telefonieren. Zum einen wartet es mit einem sehr guten Empfangsteil auf, zum anderen unterdrücken diverse Filter wirkungsvoll Fremdgeräusche. Das erweist sich vor allem dann als großer Vorteil, wenn Sie das Gerät beispielsweise während einer Autofahrt im Freisprechmodus betreiben.

Einer der Schwachpunkte fast aller Smartphones ist die kurze Akkulaufzeit. Das Defy macht hier keine Ausnahme. Obwohl es mit einer Leistung von 1540 mAh einen vergleichsweise starken Energiespeicher mitbringt, geht ihm bei intensiver Nutzung nach 10-12 Stunden die Puste aus. Bei normalem Gebrauch hält er im Idealfall drei Tage. Wie bei den meisten Android-Smartphones lässt sich über das Ausschalten der automatischen Synchronisationsdienst die Laufzeit teils erheblich verlängern.

Im Test überraschte die Qualität der integrierten 5-MPixel-Kamera: Sie produzierte auch bei schlechteren Lichtverhältnissen noch vergleichsweise gute Bilder. Der eingebaute Blitz überzeugt jedoch nicht. Bereits in einer Entfernung von mehr als einem Meter verpufft seine Wirkung. Dafür eignet er sich mit der vorinstallierten Motorola-App DroidLight prima als LED-Taschenlampe.

Software

Motorola liefert das Gerät mit der nicht mehr zeitgemäßen Android-Version 2.1 aus, ein Update auf 2.2 ist seit Juli verfügbar. Eine weitere Versionserhöhung bietet der Konzern aber nicht an. Wer eine neuere Android-Version möchte, greift zum Nachfolger Defy+ oder spielt eine Custom-Firmware von Cyanogen ein.

Wie sämtliche Motorola-Handys setzt auch das Defy auf die Oberfläche Motoblur. Der damit verbundene Online-Account erfordert zunächst eine Registrierung, danach synchronisiert ein Dienst regelmäßig die Adressdaten und erlaubt im Verlustfall das Löschen der persönlichen Daten vom Gerät. Der Service von Motorola stößt bei einigen Anwendern auf Kritik, so stört zum Beispiel das gelegentliche Ruckeln beim Blättern zwischen den virtuellen Desktops. Zudem erfordern die meisten Android-Dienste neben dem Motorola-Account auch einen Google-Account, der praktisch dieselben Daten übers Netz synchronisiert. Abhilfe gegen Motoblur schaffen diverse Apps, etwa Go Launcher EX [4].

Allerdings bietet Motorola auch durchaus sinnvolle Zusatzprodukte – allen voran die App G3 Mobile Hotspot. Sie verwandelt das Telefon in einen WLAN-Hotspot, an dem Sie sich beispielsweise mit Ihrem Laptop anmelden und darüber im Internet surfen. Im Test funktionierte der Verbindungsaufbau problemlos. Allerdings benötigt das Gerät in diesem Modus sehr viel Energie. Zum Verwalten des Phones via PC bietet Motorola zudem die App Phone Portal. Sie stellt als Verbindungsmöglichkeit zur webbasierten Verwaltungsoberfläche (Abbildung 2) WLAN oder USB bereit.

Abbildung 2: Motorolas webbasiertes Phone Portal ermöglicht es unter anderem, per Web-Browser Einstellungen am Handy zu ändern und Kontakte zu im- oder exportieren.
Abbildung 2: Motorolas webbasiertes Phone Portal ermöglicht es unter anderem, per Web-Browser Einstellungen am Handy zu ändern und Kontakte zu im- oder exportieren.

Der Zugriff auf die Konfiguration im USB-Modus Portal und Tools setzt jedoch eine auf dem Rechner installierte Software voraus. Unter Windows geschieht dessen Setup automatisch beim ersten Einstecken des Smartphones. Sie ermöglicht es auch, das Handy als Modem über diese Schnittstelle zu nutzen. Für Linux fehlen die benötigten Treiber jedoch.

Fazit

Das Defy erweist sich nicht nur als ausgesprochen robust, sondern auch sehr performant. Im Leistungstest hängt es etliche Geräte mit einer höheren CPU-Taktung locker ab. Dank seiner hohen Auflösung von 480 x 854 Pixeln eignet sich das Display auch zum Spielen und Betrachten von Bildern. Alles in allem ist das Smartphone ein klasse Allrounder und mit einem Straßenpreis von etwa 220 Euro derzeit mit Abstand das preiswerteste Android-Smartphone mit solchen Ausstattungsmerkmalen.

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