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Im Test: OnePlus One

Im April kündigte die chinesische Firma OnePlus ihr erstes Smartphone an: das OnePlus One. Dem Launch zuvorkommend gab es eine intensive Werbekampagne über soziale Kanäle, um möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen. OnePlus bezeichnet das One als "Flagship Killer 2014". Ob es diesem Anspruch auch gerecht wird, zeigt unser Testbericht.

Die Spezifikationen des OnePlus One lassen sich durchaus mit denen des HTC One M8, des Samsung Galaxy S5 oder des LG G3 vergleichen. Den Unterschied macht das OnePlus One beim Preis: Für 269 Euro gibt es die 16-GByte-Version und für einen Aufpreis von 30 Euro ist eine 64-GByte-Variante erhältlich ? oder auch nicht. Denn das ist der große Knackpunkt beim OnePlus One: Die Verfügbarkeit der Geräte ist mittlerweile fast drei Monate nach der Veröffentlichung des Gerätes nicht gegeben. Zu Kaufen gibt es das One lediglich über ein Invitesystem. Das bedeutet, dass man aktuell noch zwingend eine der raren Einladungen benötigt, um ein Gerät bestellen zu können.

Zwar hat OnePlus angekündigt, in nächster Zeit die One Geräte breit anzubieten, bisher ist das aber noch nicht der Fall. Wir haben glücklicherweise eine Einladung ergattern können und freuen uns umso mehr für euch in diesem Testbericht das OnePlus One genauer unter die Lupe zu nehmen und zu überprüfen, ob das One wirklich der Flagship Killer ist.

Wer steckt hinter OnePlus? 

OnePlus ist kein echtes StartUp, wie uns das Pete Lau immer glaubhaft machen will. Viel mehr steht hinter der Firma der recht finanzkräftige und bekannte Chinesische Mobilfunkhersteller Oppo, der unter anderem mit dem Find 7 und anderen Android-Smartphones ebenfalls sehr tolle Handys zu einem recht günstigen Preis anbietet. Oppo Mobile und OnePlus sind auf dem Papier Konkurrenten, hinter beiden Unternehmen steht aber Oppo Electronics als Investor. Zudem wird das OnePlus bei Oppo gebaut und es ist bis auf wenige Details baugleich mit dem Oppo Find 7a.

Design, Verarbeitung und Haptik

Das Design des OnePlus One lässt sich als schlicht und minimalistisch, als auch zugleich elegant beschreiben. Mit einer Seitenhöhe von nur 4,6 mm und einer Gesamtdicke des Gerätes von nur 8,9 mm ist das One recht dünn. Die Rückseite ist leicht gewölbt und besteht in der 64 GB Variante "Sandstone Black" aus einem mehr anthrazit als schwarzem Material, das der Haptik und Oberflächenbeschaffenheit Sandsteins nachempfunden ist. Der Unterschied zur 16 GB Version besteht außer in der Speicherkapazität nur noch beim Material und bei der Farbe der Rückseite. Das kleinere Modell besitzt eine weiße Rückseite.

Die Rückseite und die Vorderseite werden durch einen Metallrahmen getrennt, der die Stabilität verbessert und beim Halten des Gerätes noch mal zusätzlich für ein hochwertiges Gefühl sorgt. Vorne befindet sich nur das reine Display, welches am oberen und unteren Ende kürzer als der Metallrahmen ist und ein paar Millimeter höher liegt. Mit einem Gewicht von 162 Gramm liegt das OnePlus One trotz seiner Größe erstaunlich gut in der Hand und fühlt sich aufgrund der verarbeiteten Materialien sehr hochwertig an. Die Sandstein-Rückseite des 64-GByte-Modells stellt hier ein Highlight da, ein ähnliches Material kam bisher in einem Smartphone noch nicht zum Einsatz. Es sorgt dafür, dass man die Rückseite immer wieder anfassen möchte.

Hardwaretasten gibt es insgesamt drei Stück: den Power-Button auf der rechten Seite und die Lauter- und Leiser-Taste auf der linken Seite. OnePlus ist es gelungen die Tasten ideal zu platzieren, sodass man auch bei kleineren Händen mit einer Hand überall gut hinkommt. Verarbeitungstechnisch befindet sich das OnePlus auf höchstem Niveau, selbst auf Kleinigkeiten wie die Position des Telefonlautsprechers wurde Wert gelegt. Dieser ist nicht eingelassen oder steht hervor, sondern befindet sich auf einem Level mit der Displayeinheit.

Insgesamt besitzt das One drei Mikrofone, um Umgebungsgeräusche bestmöglich zu reduzieren.
Insgesamt besitzt das One drei Mikrofone, um Umgebungsgeräusche bestmöglich zu reduzieren.

Performance und Software

Im OnePlus One ist ein Snapdragon 801 Quad-Core Prozessor von Qualcomm verbaut, welcher zum Beispiel auch beim HTC One M8, beim LG G3 oder beim Samsung Galaxy S5 zum Einsatz kommt. In Kombination mit satten 3 GByte Arbeitsspeicher sorgt der Prozessor für das sehr performante und potente System, das auch bei intensivem Einsatz keine Wartezeiten oder Bedenksekunden vorkommen lässt. Grafisch aufwendige Spiele laufen flüssig und auch auf höchsten Grafikeinstellungen ohne Probleme.

OnePlus liefert das One mit vorinstalliertem CyanogenMod 11S aus, also keiner Stock-Vanilla-Version von Android oder gar ColorOS. CyanogenMod kommt aber der nativen Android-Experience sehr nahe. Im Grunde ist CyanogenMod, das vor allem in der Modding-Szene sehr beliebt ist, ein durch weitere Features und Einstellmöglichkeiten erweitertes Standardsystem. Zusätzlich zu den normalen Android-Apps sind beim OnePlus One die von CyanogenMod bekannten Apps, wie ein umfangreicher Equalizer, ein Dateimanager und eine Galerie an Bord. Zudem beinhaltet das One mit der Design-Galerie eine hervorragende Option das Gerät zu individualisieren und farblich an seinen Geschmack anzupassen.

Mit umfangreichen Design-Einstellungen lässt sich das OnePlus One individuell anpassen.
Mit umfangreichen Design-Einstellungen lässt sich das OnePlus One individuell anpassen.

Auf den ersten Blick kaum von einem Nexus-Gerät zu unterscheiden, die CyanogenMod-Software bietet aber deutlich mehr Einstellungen.
Auf den ersten Blick kaum von einem Nexus-Gerät zu unterscheiden, die CyanogenMod-Software bietet aber deutlich mehr Einstellungen.

Ganz klassisch über die Geräte-Einstellungen gelangt man in die angesprochenen Design-Optionen. In verschiedene Kategorien eingeteilt lassen sich viele Einstellungen die das Gerät designtechnisch individualisieren treffen. Darunter Icons, Schriftarten, Sperrbildschirm-Hintergründe, Boot-Animationen, Töne oder ganz normal den Hintergrund. Von Haus ist die Auswahl an Designs relativ begrenzt, lässt sich aber mit der vorinstallierten Design-Galerie-App erweitern. Teilweise kosten diese Add-Ons, viele sind aber kostenlos. Über diese Design-Optionen ist es auch möglich das OnePlus "Branding" weitestgehend zu entfernen, welches sich aus veränderten Icons etc. zusammensetzt, um mindestens optisch ein Stock-Android zu bekommen.

Wie bei CyanogenMod ROMs gewohnt gibt es auch beim One die Möglichkeit von Profilen, die es erlauben verschiedene Voreinstellungen zu treffen und mit diesen das Smartphone ein Stück weit zu automatisieren. Bei der Bedienung lässt OnePlus dem Benutzer die Wahl, ob er lieber kapazitive Tasten am unteren Displayrand verwenden möchte oder auf Navigation-Buttons auf dem Display setzt. In den Einstellungen lassen sich die verbauten kapazitiven Tasten ohne Probleme abschalten und auf die Display-Buttons umschalten. Wie auch bei vielen anderen High-End Smartphones gibt es beim OnePlus One eine "Double Tap to Wake" Geste im ausgeschalteten Zustand. Einfach zwei Mal auf das Display tippen und schon hat man sich das Drücken auf den Power-Button erspart. Das ist aber die einzige Geste, die in den Tests zuverlässig funktioniert hat: Beispielsweise sprach die Taschenlampen-Geste, bei der man ein V auf das Display zeichnet, nur selten korrekt an.

 

Display

OnePlus verbaut beim One ein 5,5 Zoll großes IPS-Display mit besonderer Energieeffizienz, welches mit einer Auflösung von 1920 x 1080 auf eine Pixeldichte von 401 dpi kommt. Die maximale Helligkeit ist gut, so dass auch bei praller Sonne Inhalte ausreichend ablesbar sind. Zudem ist das Display blickwinkelstabil, Farben und Helligkeit verschlechtern sich bei nicht optimalen Blickwinkeln, wie bspw. von der Seite, nicht immens. Die Farben sind kräftig und intensiv, ohne dabei übersättigt zu wirken. Geschützt wird die Vorderseite durch Corning Gorilla Glas 3, das vor Kratzern und Schäden schützen soll.


Kamera

Die Frontkamera löst mit 5 Megapixel auf, was für die alltäglichen Selfies ausreichen sollte. In der Rückseitenkamera kommt ein 13 Megapixel Exmor Chip von Sony zum Einsatz. Eine große Blende von f/2.0 soll auch für gute Bilder bei schlechteren Lichtbedingungen sorgen. Wenn es doch mal zu dunkel sein sollte, kann der LED Blitz unterhalb der Kamera aushelfen. Die mitgelieferte Kamera-App ist für ein Smartphone umfangreich und bietet viele Optionen. Durch Swipen von oben nach unten wechselt man durch viele verschiedene vorgegebene Modi. Es stehen Effekte wie Sepia, Negativ, Solarisiert, Posterisiert, Skizze oder Neon zur Verfügung. Ein Modus für HDR Aufnahmen ist ebenso vorhanden wie die Möglichkeit mit langen Belichtungszeiten zu fotografieren und dadurch Effekte wie verschwommenes Wasser zu erreichen. In den Einstellungen gibt es außer der Möglichkeit die Größe der Bilder und deren Qualität anzupassen noch die Option den Serienbildmodus zu aktivieren. Dabei werden 5, 10, 15 oder 20 Aufnahmen direkt hintereinander gemacht. Bei bewegten Objekten kann sich das lohnen um die ganze Aktion einzufrieren. Die Konfigurationsmöglichkeiten gehen bis hin zum ISO-Wert, dem Fokussierungsmodus und der Belichtungsautomatik, die sich alle penibel anpassen lassen.

Im Videomodus nimmt die Kamera auch Videos mit 4K-Auflösung auf. Außerdem gibt es eine Zeitlupenfunktion, bei der das OnePlus One Videos mit wahlweise 60 oder 120 Frames per Second aufnimmt. Generell führen die hardwaretechnisch guten Voraussetzungen beim One in Kombination mit der ordentlichen Kamera-App zu beachtlichen Ergebnissen.

Viele der zur Verfügung stehenden Einstellungen der Kamera-App befinden sich in Sub-Menüs.
Viele der zur Verfügung stehenden Einstellungen der Kamera-App befinden sich in Sub-Menüs.

Akku

Mit einer Kapazität von 3100 mAh gehört der Akku des OnePlus One sicher zu den Stärken des Gerätes. Trotz des riesigen Displays kommt das Gerät dank ihm auf lange Akkulaufzeiten. Bei Wenignutzung sind zwei Tage locker machbar, und auch bei intensiver Benutzung kommt man mit dem OnePlus One problemlos über den Tag. Einzig die Wärmeentwicklung unter größerer Last empfanden wir als wirklich störend, die sich auf der Rückseite doch erheblich bemerkbar macht.

Über eine Wischgeste kann man die Kamera-App direkt vom Homescreen aus starten.
Über eine Wischgeste kann man die Kamera-App direkt vom Homescreen aus starten.

Konnektivität

Das One unterstützt nahezu alle aktuellen Standards, Miracast, Bluetooth 4.0, GPS, NFC sowie Wifi mit 2,4 GHz und 5Ghz. Zudem unterstützt das WLAN-Modul den neuen ac Standard, wodurch eine Kompatibilität mit 802.11 b/g/n/ac zu Stande kommt. Mobil kommt entweder via 2G (EDGE), 3G (UMTS, HSDPA) oder 4G bzw. LTE ins Internet. OnePlus hat beim LTE Modul auf das LTE 20 (800 MHz) Band verzichtet. Das kommt international zwar nur selten zum Einsatz, ist in Deutschland aber auf dem Land verbreitet. Der fehlende Qi-Standard zum induktiven Laden trübt das sonst gute Bild der Konnektivität zusätzlich.

Sound

Was den Sound angeht macht OnePlus mit Dual-Sound Lautsprechern Werbung. Die Klangqualität der Lautsprecher ist in der Tat in Ordnung, allerdings nicht so toll, wie man eventuell denken mag. Gerade sobald die Lautstärke höher wird, klingt der Sound doch eher blechern und verwaschen. Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei der Ohrmuschel ab, die sehr leise ist und deshalb sehr genau am Ohr platziert werden muss, damit bei Telefonaten der Gesprächspartner gut zu verstehen ist. Das One hat mit AudioFX jedoch noch ein Ass mit an Bord. Die App ermöglicht es sehr umfangreich und bis ins kleinste Detail Soundeinstellungen zum externen Speaker, Headset (3,5mm Klinkenausgang), USB-Ausgang, Bluetooth sowie WLAN zu tätigen. Das ermöglicht es, Schwächen einzelner Ausgabegeräte getrennt voneinander möglichst gut zu kompensieren. Ein Headset fehlt im Lieferumfang.

Die beiden Lautsprecher sorgen lediglich für einen durchschnittlichen Klang.
Die beiden Lautsprecher sorgen lediglich für einen durchschnittlichen Klang.

Fazit

OnePlus hat mit dem One in der Tat ein tolles Smartphone auf den Markt gebracht, das allerdings auch viel vom Marketing-Hype um OnePlus profitiert. Spezifikationen, Design und Verarbeitung machen das OnePlus One zu einem klasse Smartphone, das bei besserer Verfügbarkeit durchaus den einen oder anderen Käufer finden würde. Eine echte Gefahr für Samsung & Co stellt das OnePlus One aber nicht dar. Wer ein tolles Smartphone mit ähnlichen Specs in der gleichen Preisklasse sucht, wird zum Beispiel beim LG G2 fündig, das in der 32-GByte-Variante inzwischen auch nicht mehr viel mehr als 300 Euro kostet.

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