Start Aktuell Im Test: Datenrettung unter Android mit Dr.Fone von Wondershare

Im Test: Datenrettung unter Android mit Dr.Fone von Wondershare

Haben Sie schon versehentlich SMS-Nachrichten oder Fotos auf Ihrem Smartphone gelöscht oder vielleicht sogar das komplette Gerät auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt und dabei vergessen, zuvor ein Backup zu erstellen? Dann ist Dr.Fone for Android von Wondershare die Lösung. Die Windows- und Mac-Software verspricht, gelöschte Daten wieder herzustellen. Wir haben den Test gemacht, ob das auch tatsächlich funktioniert.

Wondershare Dr.Fone für Android gibt es in vier Versionen: Eine Testversion zum Ausprobieren für Windows und Mac OS und die Vollversion für 59,99 Euro, ebenfalls für Windows und Mac OS X erhältlich. Die Trial-Version eignet sich ideal, um zu testen, ob das eigene Android-Gerät unterstützt wird und welche Daten sich rekonstruieren lassen. Die Wiederherstellung selbst ist nur mit der kostenpflichtigen Version von Wondershare Dr.Fone für Android möglich. Im Notfall ist die Vorgehensweise also denkbar einfach: Trial-Version herunterladen, schauen, ob das eigene Handy erkannt wurde, Scan starten und wenn die gesuchten Dateien von Dr.Fone gefunden wurden über die Webseite die Vollversion bzw. den nötigen Key kaufen.

Wir haben von Wondershare sechs Lizenzen für Dr.Fone für Android erhalten. Eine davon haben wir nach dem Download der Vollversion zur Aktivierung der Software benutzt, die restlichen fünf Lizenzen werden wir über die Google+– und die Facebook-Seite von Android User verlosen.

Installation und erste Ernüchterung

Die Installation unter Windows (für diesen Test benutzten wir Windows 8.1) verlief erwartungsgemäß problemlos. Lizenzvereinbarung akzeptieren, Installationsverzeichis gutheißen oder ändern und auf Installieren klicken. Doch bereits nach dem ersten Start kam dann die Ernüchterung. Trotz aktiviertem USB Debugging wollte Dr.Fone keines unserer Testgeräte richtig erkennen. Die Software startete zwar die Treiberinstallation und wir verbanden unser Testgerät (Nexus 5) auch mehrfach mit dem Windows PC, um die Erkennung neu zu starten, aber irgendwie kam die Software nie über den ersten Schritt (korrekte Erkennung des Geräts und Verbindung via ADB) hinaus.

Für die Installation können Sie lediglich den entsprechenden Pfad angeben und den Wunsch nach einem Desktop-Icon.
Für die Installation können Sie lediglich den entsprechenden Pfad angeben und den Wunsch nach einem Desktop-Icon.

Beim ersten Start des Programms geben Sie den Lizenzschlüssel ein, um die Funktionen der Vollversion nutzen zu können.
Beim ersten Start des Programms geben Sie den Lizenzschlüssel ein, um die Funktionen der Vollversion nutzen zu können.

Also versuchten wir zunächst Dr.Fone mit Administrationsrechten zu starten: Rechtslick auf das Icon auf dem Windows-Desktop und "Als Administrator ausführen" brachten aber auch nicht den gewünschten Erfolg. Nachdem das Tool auch mit weiteren Testgeräten trotz aktiviertem USB Debugging nicht zusammenarbeiten wollte (Galaxy S5, HTC One, Xperia Z1 Compact) und wir uns sicher waren, dass Windows 8 nicht der Schuldige ist, entschlossen wir uns, die Liste der unterstützten Geräte auf der Wondershare-Webseite zu konsultieren. Da wurde uns schnell klar, dass Dr.Fone mit Android 4.3 und 4.4 noch nicht klarkommt und generell eher auf Android 4.1 und bei wenigen Samsung-Geräten auch auf Android 4.2 ausgerichtet ist. Ein Blick auf die englische Webseite zeigte zudem, dass SMS und Kontakte auf vielen Androiden nur bei gerooteten Geräten verfügbar sind, weil Dr.Fone dort besonders tief im Dateisystem herumbaggern kann. Also gruben wir unser uraltes, ebenfalls gerootete Samsung Galaxy S3 mini aus und starteten Dr.Fone mit Admin-Rechten und siehe da, endlich kooperierte die Software mit den Testgeräten.

Mit dem xten Testgerät (einem Motorola Atrix 4G) hat die Verbindung endlich geklappt.
Mit dem xten Testgerät (einem Motorola Atrix 4G) hat die Verbindung endlich geklappt.

Es funktioniert!

Besitzen Sie ein Android-Smartphone mit Android 4.1 oder älter, stehen die Chancen sehr gut, dass Sie sich die vielen Probeläufe, die wir durchgehen mussten, ersparen können und gleich den großen grünen Starten-Button sehen. Mit Android 4.2 stehen die Chancen immerhin noch 1:10, dass Ihr Handy von Dr.Fone für Android unterstützt wird. Bei allen Androiden mit Version 4.3 oder 4.4 können Sie sich hingegen die Installation bzw. den Kauf der Software (aktuell noch) sparen.

Hat alles geklappt, sehen Sie oben links den Gerätenamen Ihres Android-Devices und unten in der Mitte einen großen grünen Button mit der Aufschrift "Starten". Die Checkbox für den Tiefenscan (unten links) lassen Sie am besten mal unmarkiert, da Dr.Fone auch so einige Stunden lang mit Ihrem Smartphone beschäftigt sein wird. Falls Sie aber genügend Zeit mitbringen, dann können Sie sie auch schon beim ersten Scan markieren. Der Hinweis auf einige Stunden ist durchaus erst gemeint: Auf dem Galaxy S3 mini dauerte der komplette Scan-Vorgang fast 5 Stunden, mit dem Motorola Atrix 4G war Dr.Fone knapp 6 Stunden lang beschäftigt, bevor alle Dateien gefunden wurden. Die anfänglichen Zahlen von 9 oder 13 Stunden sind aber meistens zu hoch gegriffen.

Nach mehreren Stunden war der Scanvorgang endlich beendet.
Nach mehreren Stunden war der Scanvorgang endlich beendet.

Die meisten der Dateien hatten wir gar nie gelöscht...
Die meisten der Dateien hatten wir gar nie gelöscht…

Zu unserer großen Überraschung fand die Software viele Dateien, sogar sehr viele! Dr.Fone hat alle (sic!) Dateien auf dem Smartphone analysiert und diese im Filebrowser angezeigt. Als gelöscht galt von diesen Dateien auf dem Galaxy S3 mini aber keine einzige. Stellten wir den Schieberegler oben links auf "Nur gelöschte Elemente anzeige", blieb die Liste leer. Und unsere testweise gelöschten Dateien aus der Galerie fand die Software nicht als solche.

Dafür listete Dr.Fone unheimlich viele alte? Fotos von unserem Google-Account auf. Fotos, die auf diesem Smartphone wohl kaum jemals gespeichert waren, und wenn, dann nur via Autobackup-Funktion von Google+. Ein zweiter Blick zeigte, dass es sich bei den gefundenen Fotos tatsächlich nur um die Vorschaubilder handelt, die die Galerie-App lädt, wenn man schnell durch die Aufnahmen scrollt.

Auch bei den Kontakten stellten wir Unstimmigkeiten fest: Auf dem Galaxy S3 mini waren lediglich sechs Kontakte im Adressbuch drin. Dr.Fone fand aber etwas mehr als ein Dutzend und markierte keinen davon als gelöscht. Darunter befanden sich wiederum Kontakte aus der Cloud, die Google wohl irgendwo zwischengespeichert hat.

Auch auf dem Motorola Atrix 4G zeigte sich ein ähnliches Bild. Auch hier fand die Software jede Menge von Vorschaubildern, aber keine echten Fotos. Zwei gelöschte SMS-Nachrichten konnten zwar identifiziert werden, die Detailansicht erhielt aber nur kryptische Zeichen, keinen Text. Generell hinterließ die Software somit im Test einen zwiespältigen Eindruck: sie findet wirklich viele Daten, aber exakt zwischen gelöschten und Cache-Daten zu unterscheiden, scheint nicht möglich zu sein. Für wenig Vertrauen sorgt auch die Android-Anwendung, die Dr.Fone bei gerooteten Geräten via adb push installiert und anschließend mit Superuser-Rechten ausführt. Die Superuser-App zeigt beim Start eine rote Warnmeldung an, dass die entsprechende Berechtigung ACCESS_SUPERUSER im Manifest der App fehlt.

Dr.Fone installiert bei gerooteten Geräten eine Android.App im Hintergrund, die nicht sehr viel Vertrauen erweckt.
Dr.Fone installiert bei gerooteten Geräten eine Android.App im Hintergrund, die nicht sehr viel Vertrauen erweckt.

Die App erscheint zwar während des Scanvorgangs permanent in der Benachrichtigungsleiste von Android, aber mehr Informationen bekommt der Nutzer nicht. Hier täte Wondershare gut daran, auch auf dem Android-Gerät eine Art Fortschrittsanzeige einzubauen (welche Verzeichnisse werden gerde gescannt.

Die Wiederherstellung

Dr.Fone arbeitet auf dem Android-Smartphone angeblich im Read-Only-Modus. Wählen Sie eine oder mehrere Dateien zur Wiederherstellung aus, dann sichert die Software diese Dateien auf dem Windows- bzw. Mac-Rechner. Es findet also keine Wiederherstellung im strengen Sinn statt. Das bedeutet zugleich, dass sich die Software prima dazu eignet, ein Backup des kompletten Androiden auf dem PC zu erstellen, wenn Sie dafür ein paar Stunden investieren möchten…

Im zweiten Durchlauf mit aktiviertem Tiefenscan fand die Software noch mehr Vorschaubilder.
Im zweiten Durchlauf mit aktiviertem Tiefenscan fand die Software noch mehr Vorschaubilder.

Fazit

Wondershare Dr.Fone für Android hinterlässt nicht den besten Eindruck. Die Software kommt fast nur mit älteren Android-Geräten klar, was darauf schließen lässt, dass sie für den Scan irgendeine alte Sicherheitslücke in Android ausnutzt. Laut der Kompatibilitätstabelle im Internet benötigt Dr.Fone den Root-Zugang nur, um gelöschte SMS und Kontakte wieder herzustellen, dennoch scheint der komplette Scan via Software auf dem Android-Gerät zu laufen.  Das Entscheidende ist jedoch das Resultat: Auf den zwei Testgeräten, die bei uns mit Dr.Fone zusammenarbeiteten, fand das Programm genau die Dateien nicht, die wir für die Tests kurz zuvor gelöscht hatten, aber dafür zahlreiche andere Dateien, die wir nicht "vermisst" hatten. Zudem dauert der Scanvorgang selbst bei einem relativ kleinen internen Speicher von 8 GByte sehr lange. Haben Sie die gesuchten Daten auf eine MicroSD-Karte gespeichert, sollten Sie diese via Adapter in ein Notebook oder einen Kartenleser schieben und mit Spezialsoftware für Windows/Mac/Linux auslesen. Das geht deutlich flotter als via Smartphone.

Viel falsch machen können Sie aber mit dem Programm nicht, schließlich müssen Sie nur dann in die Tasche greifen und die knapp 60 Euro für die Vollversion bezahlen, wenn Dr.Fone die Dateien gefunden hat, die Sie gesucht haben. Die Suche nach den gelöschten Dateien selbst ist gratis. Als Notfallsoftware können wir Dr.Fone für Android also durchaus empfehlen. Allzu große Hoffnungen sollten Sie sich aber nicht machen: Nach einem Full wipe mit anschließender Neuinstallation eines Custom-ROMs dürften weite Bereiche des internen Speichers überschrieben sein. Lediglich bei einem simplen Werksreset bestehen große Chancen, dass die Bereiche des Speichers nur zum Überschreiben markiert, aber noch nicht überschrieben wurden.

Dr.Fone für Android herunterladen

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