Start Im Test Im Test: Coolpad Torino S E561 – Das kleine Wunder

Im Test: Coolpad Torino S E561 – Das kleine Wunder

Kleines Display – Kleine Leistung. Mit Ausnahme von Sony haben sämtliche Hersteller ihre Kunden in den vergangenen zwei bis drei Jahren auf diese Schiene gelenkt: Entweder du entscheidest dich für 5 Zoll oder mehr oder du musst mit vielen Kompromissen leben. Nicht so beim Coolpad Torino S.

Steve „iPhone“ Jobs behauptete über Jahre hinweg, dass ein 4,7″ Display die ideale Größe für ein Smartphone ist, weil sich Handys jenseits dieser Grenze nicht mehr einhändig bedienen lassen. Recht behalten hat er damit nicht, denn aktuell bevorzugen die meisten Anwender Smartphones mit einer Diagonale von 5 bis 5,5″ und Apple selbst stellt inzwischen auch größere Smartphones her, um der Nachfrage gerecht zu werden.

Dennoch hat ein kleines Handy viele Vorteile: es passt in jede Hosentasche, ist leichter und lässt sich  — je nach Anatomie — auch einhändig bedienen. Wenn du auf der Suche nach einem kleinen aber feinen Smartphone unter 200 Euro bist (Amazon-Preis unter 180 Euro), dann hat Coolpad mit dem Torino S das genau richtige Smartphone in petto. Wir haben es uns im täglichen Gebrauch angeschaut.

Klein, cool, sexy

Glaubt man den Marketing-Experten, dann entscheidet sich ein potentieller Käufer im Geschäft vor Ort innerhalb weniger Sekunden für oder gegen ein Smartphone. Er schaut sich zwar die zur Auswahl stehenden Geräte an, innerlich hat er sich aber bereits längst für eines davon entschieden. Welches, ist meistens kein rationaler Vorgang, auch wenn Preis und Leistung eine Rolle spielen, kommen hier Faktoren wie das Display, die benutzten Materialien und natürlich der Coolness-Faktor zum Zug. Auf genau diesen setzt auch Coolpad mit dem Torino S, das auf den ersten Blick durch die ästhetisch abgerundete Form zu gefallen weiß. Denn nicht nur die Rückseite schmiegt sich an, auch das so genannte 2.5D-Glass auf der Front ist an den Kanten abgerundet.

Die Kopfhörerbuchse befindet sich oben links.
Die Kopfhörerbuchse befindet sich oben links. Der „dunkle Punkt“ rechts ist der Infrarot-Sender.

Den positiven Eindruck verstärken Kleinigkeiten wie die im Lieferumfang enthaltene Silikon-Hülle, das recht gute Headset sowie eine brauchbare Kurzanleitung, die zum Beispiel auch klipp und klar erklärt, dass von den zwei SIM-Karten jeweils nur eine aktiv in Benutzung sein kann.

Das Coolpad Torino S ist dank abgerundeter Rückseite und Front ein echter Handschmeichler.
Das Coolpad Torino S ist dank abgerundeter Rückseite und Front ein echter Handschmeichler.

Die Rückseite des Torino S gibt sich mit der 8-MP-Kamera, dem Fingerabdrucksensor (FAS) und dem Lausprechergrill komplett symmetrisch. Die Front verzichtet auf einen größeren Lautsprecher, was bei Gesprächen eine relativ genaue Platzierung des Ohrs erfordert, zudem stören bei der Version in Weiß die verbauten Sensoren für die Annäherung und die 5-MP-Frontkamera etwas das sonst sehr ausgeglichene Design.

Ebenfalls Abzug in der B-Note sichert sich das Coolpad Torino S durch den unnötig breiten Rahmen um das Display herum. Der von HTC her bekannte Trauerrand fällt seitlich mit knapp 3mm und oben und unten mit fast 2mm etwas breit aus.

Der "Trauerrand" um das Display herum fällt etwas breit aus. Dies stört aber nur bei der weißen Version.
Der „Trauerrand“ um das Display herum fällt etwas breit aus. Dies stört aber nur bei der weißen Version.

Dafür verzichtet die Front komplett auf Buttons, Coolpad setzt hier wie Google auf Software-Buttons, die sich zudem auch noch über die Einstellungen anpassen lassen. Auch einen schwebenden so genannte C-Button gibt es zusätzlich, der wie unter iOS die Bedienung mit einer Hand erleichtert.

Der C Button (hier ausgeklappt) erleichter die Bedienung des Smartphones mit einer Hand.
Der C Button (hier ausgeklappt am rechten Rand) erleichtert die Bedienung des Smartphones mit einer Hand.

Auf der Oberseite des Smartphones findest du den 3,5mm Stecker für die Kopfhörer und einen Infrarot-Blaster, über den sich das Torino S als universelle Fernbedienung einsetzen lässt.

Der Einschub für die zwei SIM-Karten (Micro plus Nano) oder eine Micro-SIM-Karte und eine microSD-Karte) befindet sich auf der linken Seite, rechts hat Coolpad den Einschaltknopf und die Lautstärkewippe untergebracht.

Coolpad UI 8.0

Beim Design des Coolpad Torino S kann man nicht wirklich von einer iPhone-Kopie sprechen, eher von einem wirklich gelungenen Äußeren. Bei der Software gibt es aber viele Gemeinsamkeiten mit dem Apple-System, wie sie sich zum Beispiel auch bei der MIUI-Oberfläche von Xiaomi und bei anderen chinesischen Herstellern finden. Dazu gehören der fehlende App-Drawer, das liegende Akku-Symbol und die eher filigranen Symbole in den Einstellungen. Auch einige Animationen erinnern stark an iOS.

Die Coolpad eigenen Apps und die Einstellungen weisen ein einheitliches Design auf.
Die Coolpad eigenen Apps und die Einstellungen weisen ein einheitliches Design auf.

Damit sind die Gemeinsamkeiten aber auch bereits erschöpft, denn unter der Haube befindet sich ein waschechtes Android-5.1.1-System mit allen Vorteilen von Android. Zum Beispiel beherrscht das Torino S das Aufwecken des Geräts über ein Doppeltippen auf das ausgeschaltete Display oder das Starten des Musikplayers über die Geste „M“. (Letzteres funktioniert allerdings nur, wenn keine Bildschirmsperre eingerichtet ist.)

Die Quicksettings in Braun könnten etwas hübscher sein. Dafür sind sie gut lesbar.
Die Quicksettings in Braun könnten etwas hübscher sein. Dafür sind sie gut lesbar.

Die Gesten sind deshalb erwähnenswert, weil diese üblicherweise bzw. in dieser Preisklasse nur bei Geräten mit MediaTek-Chipsatz verfügbar sind, im Torino S ist hingegen ein Snapdragon 410 verbaut (siehe technische Daten und Benchmarks). Dank 2 GByte RAM sorgt dieser trotz relativ schwacher Specs für eine genügende Performance, Apps zu killen war in den Tests nie notwendig.

Die Beschreibungen sind auch für Laien verständlich.
Die Beschreibungen sind auch für Laien verständlich.

Patzer leistet sich die Oberfläche bei den deutschen Übersetzungen in den Einstellungen. Hier sind einige Punkte von den Begriffen her absolut nicht verständlich, denn zum Beispiel mit Keys sind keine Schlüssel sondern Buttons gemeint.

Wer hätte sich gedacht, dass sich die Soft-Buttons hinter dem Menüpunkt "Einstellungen virtueller Schlüssel" versteckt.
Wer hätte sich gedacht, dass sich die Soft-Buttons hinter dem Menüpunkt „Einstellungen virtueller Schlüssel“ versteckt.

Einen weiteren Patzer (?) leistet sich Coolpad auch bei den vorinstallierten Apps. Neben Facebook, WhatsApp und einer optisch perfekten Wetter-App hat es auch eine Testanwendung in Chinesisch auf das Gerät geschafft, die sich trotz entgegenlautender Aussage nicht deinstallieren lässt. Da Coolpad ehemals Youlong hieß gehen wir hier von einer offiziellen Testapp aus, die vielen Berechtigungen der Anwendung sind aber keineswegs vertrauenerweckend.

Die Testapp von Coolpad lässt sich nicht deinstallieren und lässt somit ein ungutes Gefühl zurück.
Die Testapp von Coolpad lässt sich nicht deinstallieren und lässt somit ein ungutes Gefühl zurück.

So bleiben durch die recht umfangreiche Software nur 9 von insgesamt 16 GByte an internem Speicher frei.

Kamera, FAS und Multimedia

Das Coolpad Torino S ist mit einem recht schnellen Fingerabdrucksensor ausgestattet, der sich zum Beispiel auch für das Auslösen bei Selfies oder für andere Spielereien benutzen lässt. Hier kann ich nur wiederholen, was ich bereits beim Testbericht des Nubia Z11 mini und anderere Smartphones mit Android 5.1 geschrieben hatte: Mangels offizieller Integration ins Android-System lässt sich der Sensor nur für das Entsperrend des Geräts benutzen, aber nicht für Käufe im Play Store. Somit fällt für mich eine wichtige Bequemlichkeitsfunktion weg. Wer kaum Apps im Play Store kauft, kann diesen Kritikpunkt ignorieren.

Die Fingerabdruck-Verwaltung ist in eine komplett separate App ausgegliedert.
Die Fingerabdruck-Verwaltung ist in eine komplett separate App ausgegliedert.

Die Kamera des Torino S ist für die Preisklasse sehr gut. Die Farben der Fotos könnten etwas kräftiger sein und bei wenig Licht gibt es ein sichtbares Rauschen, aber sonst leistet sie sich kaum Patzer und eignet sich auch für Schnappschüsse und Makro-Aufnahmen.

Die Kamera-App ist einfach zu bedienen und macht gute Fotos.
Die Kamera-App ist einfach zu bedienen und macht gute Fotos.

Die Note „gut“ sichert sich das Torino S auch bei der Audio-Qualität des Kopfhörerausgangs sowie bei der Gesprächsqualität. Wie oben erwähnt muss man beim Telefonieren das Ohr etwas genauer als üblich platzieren, um einen idealen Klang zu erhalten, aber abgesehen davon sind mir in den Tests keine Schwächen aufgefallen.

Der verbaute Lautsprecher liegt durch die gewölbte Form nicht komplett plan auf, dennoch fängt das Gerät selbst sehr viel vom Klang ab, wenn es mit dem Rücken auf einem Tisch liegt. Insgesamt gibt es bei der Audio-Note so einen Stern Abzug.

Kritikpunkte

Der fest verbaute Akku fällt mit einer Kapazität von 1700 mAh nicht besonders groß aus. Dennoch reicht er für zwei bis drei Stunden Onscreen-Time. Die von Coolpad angegebenen Werte für die Gesprächszeit (4 Stunden via 3G) halte ich für untertrieben. Das Gerät leistet mehr. Einzig bei Spielen und intensivem Surfen bei schlechter Verbindung geht der Akku recht schnell in die Knie. Power Nutzer sollten aber definitiv zu einem anderen Smartphone mit mehr Ausdauer greifen.

Das Torino S wird ziemlich sicher kein Update auf Android 6.0 „Marshmallow“ oder sogar auf Android 7.0 „AndroidNougat“ erhalten.

Das Torino S hat zwar ein LTE-Modem verbaut (die SIM-Karten lassen sich per Software einstellen), das Modem funkt aber bei LTE nur über 1800 und 2100 MHz, das 800-MHz-Band fehlt also.

Fazit

Wenn du auf der Suche nach einem kleinen aber feinen Smartphone bist, dann ist das Coolpad Torino S (Amazon-Preis unter 180 Euro) eine gute Wahl. Das Smartphone sieht nicht nur schick aus und verfügt über eine optisch ansprechende Android-Oberfläche, es zeigt sich auch bei der täglichen Nutzung als ausgeglichener, treuer Begleiter. Einzige Kritikpunkte: LTE wird nur mit 1800 und 2100 MHz unterstützt, der hierzulande auch benutzte 800-MHz-Bereich bleibt außen vor. Zudem könnte die Akkulaufzeit etwas besser ausfallen, aber irgendwo musste Coolpad ja auch etwas sparen.

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