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Googles Referenz-Tablet Nexus 7 im Test

© (C) Google

Das Nexus 7 ist schnell, kompakt und preiswert, mit seinen Leistungsdaten dürfte für eine längere Zeit den Standard für ein gelungenes Android-Tablet setzen. Traurig ist jedoch die Lage rund um Google Musik, Movies und TV, erst die Inhalte würden Googles-Tablet-Träume zum Leben erwecken.

Plusminus

+ Kompaktes Format

+ Schnelle Quad-Core-CPU

+ Gutes Display

– Kein SD-Kartenslot

– Keine Rückkamera

– Inhalte in Deutschland dürftig

Es heißt, Google wüsste alles über uns. Dass das so nicht ganz stimmt, hat Google selbst bewiesen, als sein Android-Tablet Nexus 7 in der 16GB-Version zwei Wochen nach der Auslieferung ausverkauft war. Zumindest das Interesse der Menschen an einem 7-Zoll-Tablet für 249 USD (199 USD für die 8GB-Version) hat Google gewaltig unterschätzt.

Das Nexus-Label verpasst Google solchen Mobilgeräten, die als Referenz-Umsetzungen verschiedener Versionen des Google-eigenen Betriebssystems Android dienen sollen. Das Android-Handy Nexus One wurde vom chinesischen Hersteller HTC produziert und sollte der Welt zeigen, was in Android 2.0 "Eclair" steckte. Für Tablets hatte Google zwar mit Version 3.0 "Honeycomb" schon eine eigene Android-Version aufgelegt. Die Herstellung und Vermarktung von Tablets hatte Google bisher jedoch den üblichen Verdächtigen, von Samsung bis Motorola, überlassen. Erst das Nexus 7, hergestellt von ASUSTek, mit einem vom Hersteller nicht veränderten Android 4.1 "Jelly Bean", gibt uns einen Eindruck davon, wie sich Google ein Android-Tablet vorstellt.

Google gibt Gas

Für reichlich Tempo sorgt ein Tegra 3-Vierkernprozessor von NVidia mit 1 GByte Arbeitsspeicher sowie ein 12-Kern-Grafikprozessor, der einen LED-befeuerten Bildschirm mit einer Auflösung von 1280×800 Pixeln beliefert. Das kommt bei weitem nicht an das Retina-Display eines iPad heran, ist aber mehr als ausreichend, um auf dem deutlich kleineren 7-Zöller scharfe Bilder und schnelle Bewegungen präzise und flüssig darzustellen. Den guten subjektiven Eindruck bestätigen auch die Benchmarks, 8635 Punkte bei AnTuTu und 1724 bei Vellamo sprechen eine deutliche Sprache.

Abbildung 1: Die Benchmarks von Vellamo und AnTuTu sprechen eine deutliche Sprache.
Abbildung 1: Die Benchmarks von Vellamo und AnTuTu sprechen eine deutliche Sprache.

Zum Eindruck eines flinken Tablets trägt auch die aktuelle Android-Version bei, deren Entwickler gegenüber der Vorversion großen Wert auf schnelle und fließende, sozusagen butterweiche Bewegungen gelegt haben (die Optimierung von Android lief unter dem Codenamen "Butter"). Ruckeleien beim Wechsel zwischen den Homescreens gehören der Vergangenheit an.

Kompakt ist das Nexus 7 schon seiner Bildschirmgröße wegen. Dazu ist es nur unwesentlich dicker als ein iPad 2. Mit dem gummierten Rücken und gerade mal 340g Gewicht liegt es sicher in der Hand des Nutzers, die auch beim Lesen halber e-Bücher oder beim Angucken ganzer Filme nicht sofort ermüdet. Solange der Leser (oder Betrachter) nicht auf einen größeren Bildschirm, also dem 10-Zöller eines iPad oder eines anderen Android-Tablets, besteht, ist das Nexus 7 als Medien-Konsumiergerät gut geeignet.

Jelly Bean

Wer Android seit der ersten veröffentlichten Version 1.5 "Cupcake" kennt, weiß, wie weit das Betriebssystem sich entwickelt hat. Eingefleischte Fans von iPhone und iPad werden "ihr" OS immer mindestens zwei Schritte vorne sehen. Mit einer von Markentreue weniger eingefärbten Brille betrachtet, ist Android spätestens seit Version 4.0 "Ice Cream Sandwich" ein ausgereiftes, komfortables und betriebssicheres OS geworden.

Zu den Neuerungen von Android 4.1 gehört eine verbesserte Sprachfunktion, die ihren vollen Umfang bisher aber nur auf Englisch entfaltet. Fragen wie "Do I need an umbrella today?" beantwortet das Nexus mit gesprochenen Wetterhinweisen; die deutsche Version "Brauche ich heute einen Regenschirm?" wird immerhin mit Google-Suchergebnissen beantwortet, an deren erster Stelle ein Link zu wetter.com steht.

Abbildung 2: Wie finde ich zum Alexanderplatz? Google Now meint: über Berlin Hauptbahnhof.
Abbildung 2: Wie finde ich zum Alexanderplatz? Google Now meint: über Berlin Hauptbahnhof.

Abbildung 3: Google Now: Angenehmes Wetter für einen Tag auf dem Rummel mit der Tochter.
Abbildung 3: Google Now: Angenehmes Wetter für einen Tag auf dem Rummel mit der Tochter.

Ebenso neu ist Google Now, ein Dienst, der Datenschützer erschrecken dürfte, Fans aber begeistern. Google kombiniert hierzu Daten des Nutzers, die auf dem Gerät gespeichert sind, mit Zeit und Ort, und strickt daraus eine persönliche Informationsseite.

Tablet-Apps

Ein Problem haben auch Nexus-7-User: Noch immer gibt es zu wenige Apps, die für den Gebrauch auf den großen Tablet-Bildschirmen angepasst sind – und die, die es sind, sind gelegentlich nur auf 10-Zöllern wirklich brauchbar. Die Office-App QuickOffice Pro beispielsweise gibt es in einer Tabletversion, die QuickOffice HD heißt.

Auf einem 10-Zöller läuft sie einwandfrei; auf dem Nexus 7 lässt sie sich noch nicht einmal installieren. Der Anwender ist hier auf die Handy-Version angewiesen, die auf dem 7-Zoll-Bildschirm unangemessen und aufgeblasen wirkt. Andere Apps, auch sehr populäre wie Twitter und Facebook, gibt es überhaupt nur in einer Phone-Ausgabe.

Angesichts der Fülle von Apps, die es inzwischen für Android-Telefone gibt, ist die Zurückhaltung der Entwickler nur schwer verständlich. Vielleicht trägt der Erfolg des Nexus 7 und die damit möglicherweise einhergehende größere Verbreitung von Android-Tablets zu einem Umdenken bei.

Inhalte

Eins wird deutlich: Das Google-Tablet soll für Google vor allem Inhalte, von der App über Bücher bis zu Filmen verkaufen. Damit hat das Nexus 7 eine ähnliche Funktion wie das Kindle Fire für Amazon, und es erklärt den Preis, mit dem Google angesichts der Ausstattung nur eine Handvoll Dollars pro verkauftem Exemplar verdient.

Abbildung 4: Mit dabei in der Standardeinstellung: Werbung für Inhalte von Googles Play Store.
Abbildung 4: Mit dabei in der Standardeinstellung: Werbung für Inhalte von Googles Play Store.

Die schlechte Nachricht für Nexus-Besitzer im deutschsprachigen Europa: Bisher gibt es für uns keine Filme zu kaufen (außer mit einem amerikanischen Google-Account), und auch die Bücherauswahl ist, verglichen mit dem Angebot des Online-Buchhändlers Amazon, eher übersichtlich.

Fazit

Auch wenn es schon früher 7-Zoll-Tablets mit dem Betriebssystem Android gab, war diese Geräteklasse bisher doch immer zur Nische verdammt. Das lag daran, dass Google die Entwicklung von Android-Tablets zu lange vernachlässigte, was die Hersteller dazu zwang, das nur für Telefone gedachte Android 2.x einzusetzen. Dazu kommt, dass Hersteller den von Apple vorgegebenen Weg gingen und 10-Zöller anboten – liegt das etwa an Steve Jobs angeblicher Aussage, es gebe für 7-Zöller keinen Markt?

Das Kindle Fire hat jedoch bewiesen, dass auch für diese Größenordnung zwischen den ausgewachsenen Tablets und den größeren Smartphones der neuesten Generation noch Platz ist. Und Google ist mit dem Nexus 7 auf dem besten Weg, einen neuen Standard für kompakte und preisgünstige Tablets zu setzen.

Google Nexus 7

Kerndaten
Hersteller Google/ASUSTek
Formfaktor 7,0-Zoll-Smartphone
Auflösung 1280×800 Pixel
Prozessor 1,2 GHz Quad-Core ARM Cortex-A9
Android-Version 4.1.1
Akku 4325 mAh
Laufzeit (Standby/Video) 300/9h
Gewicht 340g
Preis (Internet) 199 USD (8 GByte) /249 USD (16 GByte)
Technische Details und Preisvergleich
  http://www.android-user.de/lp/9453
Performance
AnTuTu-Benchmark 8635 Punkte
Vellamo-Benchmark 1724 Punkte
Android-User-Bewertung 4,7 Punkte
 

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