8. Mai 2023
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Google Doodle zu Ehren von Justine Siegemund

Das heutige Google Doodle steht ganz im Zeichen der Geburt und Hebammentätigkeit. Es ehrt die Hebamme Justine Siegemund, die das erste Lehrbuch für Hebammentätigkeit schrieb.

Justine Siegemund – Dorfhebamme und Geburtshelferin am brandenburgischen Hof, Autorin

Schwangere Frauen benötigen gut ausgebildete Hebammen, die ihnen durch die Zeit der Schwangerschaft, der Geburt und des Wochenbettes helfen.

  • Sie brauchen keine Hebammen, die am Telefon schreien:“Stell dich mal nicht so an…“, sondern, die mal lieber geschaut hätten, dann wären Rettungswagen und Not-OP umgangen worden.

Das Doodle auf der heutigen Startseite feiert eine solche Hebamme: Justine Siegemund. Sie stellte patriarchalische Einstellungen im 17. Jahrhundert infrage. Justine Siegemund war die erste Person in Deutschland, die ein Buch über Geburtshilfe aus weiblicher Sicht schrieb. Heute, im Jahr 1690, wurde ihr Buch „Die Hofhebamme“ von der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder als offizielles medizinisches Lehrbuch zertifiziert.

In einer Zeit, in der nur wenige Frauen Zugang zu formaler Bildung hatten, veröffentlichte Siegemund als erste Frau einen wegweisenden medizinischen Text auf Deutsch.

Geboren wurde Justine Siegemund am 26. Dezember 1636 in Rohnstock bei Jauer/Jawor in Niederschlesien. Ihr Werdegang als Hebamme begann mit 21 Jahren und einer vermeintlichen Schwangerschaft. Die damaligen Hebammen drängten Justine, die auch Tochter des Pfarrers Elias Dittrich war, über mehrere Tage zu einer Geburt, bis sich herausstellte, dass sie gar nicht schwanger war. Um anderen Frauen diese Qual zu ersparen, ergriff sie den Beruf der Hebamme.

Anhand von Büchern und Abbildungen brachte sie sich alles Wissenswerte selbst bei. Mit 25 Jahren half sie zwölf Jahre lang den Bäuerinnen auf dem Land, die Kinder sicher auf die Welt zu bringen. Ihr guter Ruf war bis in adelige Kreise bekannt, sodass sie 1670 erst nach Liegnitz und 1683 durch den Kurfürsten Friedrich Wilhelm als „Chur Brandenburgische Hof-Wehemutter“ nach Berlin berufen wurde. Weitere Wirkungsstätten waren Friesland und die Niederlande.

20230328 Doodle Justine Siegemund

Durch ihre Erfahrung veröffentlichte sie das erste deutsche Lehrbuch für Geburtshilfe. Für ihr Werk erhielt sie am 28. März 1689 von der medizinischen Fakultät Frankfurt ihre Approbation.

Das Lehrbuch hat mehrere Auflagen. 1756 erhielt es den Titel „Die Königlich Preußische und Kurbrandenburgische Hofwehemutter“. 1691 erfolgte die Übersetzung ins Holländische. Im Lehrbuch werden der Verlauf einer Geburt, Gesichts- und Beckenendlagen eines Kindes geschildert. Des Weiteren verschiedene Untersuchungen und Handgriffe.

Justine Siegemund starb am 10. November 1705 in Berlin. Sie brachte mehr als 6200 Kinder sicher zur Welt. 

Weitere Infos zum Doodle gibt es hier.

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