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Erweitern Sie den Speicherplatz Ihres Nexus-Geräts

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Das Google-Tablet Nexus 7 stieß allgemein auf viel Begeisterung, der fehlende Micro-SD-Kartenplatz hält aber dennoch manchen Nutzer von einem Kauf ab. Zu Unrecht, lässt sich diese Einschränkung doch recht einfach umgehen.

Googles Konzept hinter den Nexus-Geräten (Smartphone und Tablet) besteht unter anderem darin, nur Apps und die wichtigsten Daten lokal abzuspeichern. Medienarchive sollen hingegen aus der Cloud gestreamt werden – beziehungsweise aus dem Play-Store. Doch diese Philosophie stößt an ihre Grenzen: Unterwegs ist beim Übertragen von Videos relativ schnell die Volumengrenze des Mobilfunktarifs erreicht. Auch ist innerhalb Deutschlands stellenweise nur langsamer EDGE-Empfang verfügbar – und wer im Ausland unterwegs ist, schaltet aus Kostengründen die Internetfunktion des Smartphones oft komplett ab. Dem Tablet Nexus 7 fehlt sogar eine Mobilfunkempfangseinheit komplett: Netzzugriff besteht nur dort, wo WLAN-Netze verfügbar sind. Für viele Nutzer ist es also weiterhin erstrebenswert, genügend physikalischen Speicher lokal im Gerät zu integrieren – so können sie beispielsweise unterwegs ein kleines Medienarchiv mitnehmen.

Hierfür existiert eine Lösung: Bei den Nexus-Geräten lässt sich über einen kleinen Umweg ein USB-Stick oder ein SD-Kartenleser anschließen. Dazu benötigen Sie lediglich ein USB-OTG-Kabel (dieses lässt sich im Internet zu Preisen zwischen zwei und fünf Euro bestellen) sowie eine der in diesem Artikel vorgestellten Apps. Dieses Vorgehen funktioniert übrigens auch bei jedem anderen Android-Gerät, welches ebenfalls über keinen Micro-SD-Slot verfügt. Die betroffenen Apps bewerkstelligen dabei nichts anderes, als die an das Kabel angeschlossenen Speichermedien zu "mounten". Damit ist gemeint, dass sie gegenüber dem Betriebssystem sichtbar gemacht und an einer bestimmten Stelle im Verzeichnisbaum "eingehängt" werden – dies geschieht bei Android im Gegensatz zu den meisten PCs nicht automatisch. Beim Entfernen (also dem "Verstecken" des Speichermediums vor dem Betriebssystem) spricht man dagegen von "aushängen" beziehungsweise "unmounting".

Dateisysteme

Speichermedien wie beispielsweise USB-Sticks verwenden eine bestimmte Struktur, nach der Daten auf diesen abgelegt werden. Nur wenn die verwendete "Mounting"-App das Dateisystem kennt, mit dem ein Massenspeicher am PC formatiert wurde, wird dieser unter Android korrekt erkannt. Die folgenden Dateisysteme zählen zu den bekanntesten:

  • FAT32: Bei USB-Sticks sehr verbreitet. Abwärtskompatibel bis hin zu Windows 95B. Erlaubt jedoch nur Dateien mit einer maximalen Größe von vier Gigabyte (problematisch bei mehrstündigen HD-Videos); ist dafür mit vielen Systemen kompatibel
  • NTFS: Moderneres Windows-Dateisystem, ermöglicht auch sehr große Dateien
  • HFS+: Wird auf Apple-Computern jüngeren Datums verwendet
  • Ext4: Modernes Linux-Dateisysteme und Standard-Dateisystem von Android intern. Bei externen Speichermedien aus Kompatibilitätsgründen allerdings unüblich.
Abbildung 1: Der Nexus Media Importer stellt die Inhalte eines angeschlossenen USB-Sticks dar.
Abbildung 1: Der Nexus Media Importer stellt die Inhalte eines angeschlossenen USB-Sticks dar.

Nexus Media Importer


Für den Preis von 2,34 Euro stellt diese App den Zugriff auf USB-Sticks bereit, welche mit FAT32 oder NTFS formatiert wurden. Allerdings können diese anschließend nur gelesen, nicht aber beschrieben werden. Dafür funktioniert sie auch problemlos auf Smartphones beziehungsweise Tablets, die nicht gerootet wurden. Die Benutzung ist einfach: Zuerst wird das USB-OTG-Kabel an das Android-Gerät angeschlossen, dann der USB-Stick an das Kabel gestöpselt. Ist der Nexus Media Importer [1] installiert, so startet er nun automatisch, und die Daten des Sticks stehen über einen Dateimanager bereit. Der Benutzer hat dabei die Möglichkeit, zwischen zwei Ansichten umzuschalten: die klassische Verzeichnis-Ansicht und eine Art Medien-Browser, bei der Videos, Musik und Dokumente in eigene Listen einsortiert werden. Nach einem Klick auf Disconnect wird der Stick für das Android-System wieder unsichtbar. Einen an das Kabel angeschlossene SD-Kartenleser erkannte die App hingegen nicht: Dieser wurde stattdessen – unabhängig vom Dateisystem der eingelegten SD-Karte – immer mit einer Fehlermeldung quittiert.

Rooten – Vor- und Nachteile

Beim Rooten wird das OS eines Android-Geräts so verändert, dass Apps auch sehr tief in das System eingreifen können. Manche Programme funktionieren nur nach dieser Modifikation korrekt (wie zum Beispiel die in diesem Artikel besprochenen Helfer "Stickmount" und "Paragon"). Der Vorgang des Rootens selbst gestaltet sich relativ einfach. Er kann häufig mit einer einfach zu bedienbaren Software durchgeführt werden, während das Smartphone respektive Tablet via Kabel an den PC angeschlossen ist. Allerdings sollte sich jeder über die Gefahren dieser Veränderung bewusst sein: Zum einen verliert der Besitzer damit in vielen Fällen die Herstellergarantie für sein Gerät. Zudem ist es theoretisch möglich, das Handy hierdurch unwiederbringlich funktionsunfähig zu machen ("bricken"), falls zum Beispiel während des Root-Vorgangs gleichzeitig der Netzstrom ausfällt und der Akku nicht einspringt. Auch besteht die Gefahr, dass Sicherheitslücken entstehen, welche von Malware ausgenutzt werden könnten. Hierbei ist jedoch anzumerken, dass später für jede App, die Root-Rechte benötigt, dies noch einmal extra bestätigt werden muss. Wägen Sie also ab, inwiefern Sie Apps benötigen, welche nur auf gerooteten Geräten laufen – und wie stark in Ihrem persönlichen Fall die genannten Nachteile ins Gewicht fallen.

Abbildung 2: Die Optionen der App Stickmount fallen recht bescheiden aus.
Abbildung 2: Die Optionen der App Stickmount fallen recht bescheiden aus.

Stickmount


Die kostenlose App "Stickmount" [2] benötigt Root-Rechte. Dafür ermöglicht sie dem Benutzer nicht nur Lese- sondern auch Schreibzugriff auf angeschlossene Medien. Nachdem ein USB-Gerät eingesteckt wurde (oder auch nach einem manuellen Start der App) erscheint zunächst die Anfrage, ob Stickmount Root-Rechte gewährt werden sollen. Bestätigt der Nutzer dies, mountet das Programm sofort alle Medien, die es finden kann. Falls beispielsweise ein Kartenlesegerät mit mehreren eingelegten SD-Karten angeschlossen wird, sind anschließend all diese als Unterverzeichnisse verfügbar. Der eigentlich Zugriff auf die benötigten Daten erfolgt nun über andere Apps, die das jeweils eingehängte Verzeichnis jetzt sehen. Zum Beispiel via ES Datei Explorer.

USB-Sticks erkennt das System genauso unkompliziert – deren Inhalte befinden sich nach dem Mounten im Unterverzeichnis /usbStorage. Das Aushängen eines Mediums erfolgt über die App-Schaltfläche Unmount. Stickmount kommt mir FAT32- und NTFS-Dateisystemen klar, das Beschreiben der Medien funktioniert allerdings nur bei FAT32. Im Test trat manchmal der Effekt auf, dass sich ein Stick nach dem Aushängen nicht wieder neu einhängen ließ – dies war erst nach einem Neustart des Nexus-Geräts möglich.

Abbildung 3: Die App Paragon NTFS & HFS+ befindet sich noch im Beta-Status.
Abbildung 3: Die App Paragon NTFS & HFS+ befindet sich noch im Beta-Status.

Infokasten: Paragon NTFS & HFS+

Außer Konkurrenz sei an dieser Stelle noch "Paragon NTFS & HFS+" [3] vorgestellt. Zwar kann bereits jetzt jeder diese kostenlose App über den Google-Play-Store installieren. Allerdings handelt es sich noch um eine frühe Beta-Version – sie sollte also nicht in Zusammenhang mit wichtigen Daten verwendet werden.

Das Programm benötigt ein gerootetes Gerät. Zwar kennt es kein FAT32, in unserem Kurztest war es jedoch in der Lage NTFS-Dateisysteme zu lesen und zu beschreiben. Bei Apples HFS+ soll dies laut Herstellerangaben ebenfalls funktionieren. Paragon startet nicht automatisch, wenn ein Speichermedium an das Android-Gerät angestöpselt wird. Nach einem manuellen Aufruf der App geschieht das Mounten/Unmounten angeschlossener Speichermedien jedoch unkompliziert via Knopfdruck. Den Verzeichnisnamen, in denen die Inhalte eines Sticks abgebildet werden, dürfen Sie frei festlegen.

Fazit

Alle vorgestellten Apps ermöglichen dem Nexus 7 (und anderen Geräten) doch noch externe Speichermedien anzuschließen. Wider erwarten schränkt ein am Gerät hängendes Mini-Kabel mitsamt USB-Stick die Ergonomie kaum ein. Auch beim Transportieren lässt es sich kompakt und ohne nennenswertes Zusatzgewicht bei dem Tablet verstauen. Lediglich ein SD-Kartenleser fällt da wesentlich sperriger aus. Welche App zu empfehlen ist, hängt vom Verwendungszweck ab: Wer unterwegs lediglich Filme schauen möchte, ist mit dem Nexus Media Importer gut bedient – er liest sowohl die verbreiteten FAT32-Medien, als auch die (bezüglich der Dateigröße flexibleren) NTFS-Sticks. Nur wenn Sie auch Schreibrechte auf angeschlossene Medien benötigen, ist eine Root-App notwendig: Für FAT32-Dateisysteme ist in diesem Fall Stickmount das Mittel der Wahl, für NTFS und HFS+ empfehlen wir die Paragon-App, auch wenn sich diese noch im Beta-Stadium befindet.

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