Start Aktuell Englische Tüftler entwickeln Smartphone-Fahrradschaltung

Englische Tüftler entwickeln Smartphone-Fahrradschaltung

Betätigen wir die Fahrradschaltung bald via Smartphone? Geht es nach einem britischen Forscherteam aus Cambridge, ist das bald Realität. Ob das Schaltsystem allerdings massentauglich ist, ist eine andere Frage. 

Besieht man sich ein Fahrrad aus der Nähe, fällt eines auf: Im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln wie dem Auto oder dem Passagierjet mutet die Technik wenn nicht archaisch, dann doch leicht angestaubt an. Bei Mountainbikes wird landläufig ein völlig offener Antrieb verbaut, eigentlich der Alptraum eines jeden Ingenieurs. Zwar werden die wartungsintensiven und im Vergleich ineffektiven Felgenbremsen langsam durch deutlich leistungsfähigere Scheibenbremsen ersetzt, dem guten alten Bowdenzug in der Außenhülle sagte bis jetzt jedoch noch niemand so richtig den Kampf an.

Geht es nach den britischen Tüftlern bei Cambridge Consultants Limited (CCL), werden Seilzüge bald der Vergangenheit angehören. Sie haben ein vollautomatisches Schaltsystem entwickelt, das völlig ohne nervige Kabel funktioniert. Eine Handy-App überträgt die aktuellen Bewegungsdaten des Fahrradfahrers via Bluetooth an die Schaltung – auf diese Weise werden stets die zur Tretgeschwindigkeit passenden Gänge eingelegt. Auch bei Notbremsungen soll das System im Nu den richtigen (niedrigen) Gang einlegen und auch bei Abwärtspassagen den passenden Gang finden.

Netter Ansatz, aber massentauglich?

Eine vollautomatische Fahrradschaltung ist nichts gänzlich neues, bisher scheiterten die Systeme jedoch meist an der Umsetzung. Besonders bei Radsportlern, die im hügeligen Gelände oft den Gang wechseln müssen, kamen die vollautomatisierten Schaltgetriebe oft eher in die Quere als dass sie als praxistauglich bezeichnet werden können. Bei Fahrten im flachen Gelände machen die Automatik-Schaltungen jedoch durchaus Sinn.

Von der Technik her basiert das von CCL entwickelte System auf bereits existierenden elektronischen Fahrradschaltungen wie zum Beispiel der Dura Ace Di2 von Shimano (oben im Bild) oder der Mavic ZMS aus den 80er Jahren. Bei diesen werden die Schaltsignale von den Schalthebeln Schalthebel am Lenker durch Kabel an Schaltwerk und Umwerfer übertragen. CCL hat die Kabel durch eine besonders stabile Bluetooth-Übertragung ersetzt, die sehr effektiv und stromsparend arbeiten soll. Aktiviert man den "Manual Mode", kommuniziert die Schaltung via Bluetooth mit dem Smartphone in der Hosentasche und nutzt dessen Sensoren zur Ermittlung des richtigen Ganges. Im "Automatic Mode" liest die Schaltung die Schrittfrequenz aus und errechnet daraus den passenden Gang.

Erste Tests des Systems verliefen erfreulich, Projektleiter Mark Wilson kann jedoch noch nicht sagen, ob und wann das System zur Marktreife gelangt. Bis jetzt waren allerdings sämtliche Versuche, das gute alte Bowdenzug-System abzulösen, nicht von wirtschaftlichem Erfolg gekrönt. Entweder funktionierten die Konstruktionen nicht zweckmäßig oder sie sind für den Alltagseinsatz schlicht zu teuer.

Quelle: pressetext.com

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