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Echtzeit-Simulation für das Smartphone

Die Sims ist die plattformübergreifend am besten verkaufte Spieleserie und seit kurzem auch in einer Gratis-Version für Android erhältlich. Will man jedoch tiefer in den Sims-Kosmos einsteigen, bleibt ein Griff in den Geldbeutel nicht aus.

Warum spielt man Spiele auf dem PC, auf der Konsole oder auf dem Smartphone? Gründe gibt es viele, aber einer von ihnen lautet: um dem langweiligen Alltag zu entkommen. Denn dort muss man früh aufstehen, duschen, zur Arbeit gehen und sein Sozialleben in Schuss halten.

Welche Ironie, dass man in der erfolgreichsten Spieleserie aller Zeiten, den Sims (über 125 Millionen verkaufte Einheiten auf allen Plattformen), genau das macht: Mit den virtuellen Figuren – den Sims – richtet man das Badezimmer ein, veranstaltet Partys, wäscht sich die Hände oder erledigt den Gang zur Toilette. Die Sims haben auch vor den mobilen Geräten nicht Halt gemacht. Zunächst erschien eine abgespeckte Variante von Sims 3 für iOS und Android, nun ist Sims Freispiel erschienen, und wie der Name bereits verrät, kostet es keinen Cent.

Da muss doch ein Haken sein!

Kostenlos ist aber nicht gleich kostenlos, denn Sims Freispiel zieht alle Register des Free-to-Play-Modus. Das bedeutet: Sie dürfen alle Spielinhalte auch kostenlos genießen, aber um schneller voranzukommen, müssen Sie Ingame Währung oder Ingame Items mit echtem Geld erwerben. Solche Free-to-Play Spiele müssen immer einen Test bestehen: Macht das Spiel auch ohne den Kauf zusätzlicher Gegenstände Spaß?

Abbildung 1: Die Auswahlmöglichkeiten bei der Erstellung eines Sims sind enorm. Wer darauf keine Lust, wählt ihn oder sie einfach per Zufall aus.
Abbildung 1: Die Auswahlmöglichkeiten bei der Erstellung eines Sims sind enorm. Wer darauf keine Lust, wählt ihn oder sie einfach per Zufall aus.

Abbildung 2: Die Sims wollen ständig gepflegt werden. Dieser junge Herr ist übermüdet, hat Hunger und braucht dringend eine Dusche.
Abbildung 2: Die Sims wollen ständig gepflegt werden. Dieser junge Herr ist übermüdet, hat Hunger und braucht dringend eine Dusche.

Der Einstieg in das Spiel ist jedenfalls sehr einladend und komfortabel, man wird jederzeit an die Hand genommen und über sämtliche Funktionen unterrichtet. Ein Sim, ein Haus, ein Hund – fertig. Der Hund gräbt im Garten und entdeckt Geld. Unser erster Sim erhält Aufgaben, anhand deren Sie lernen, wie Sie ihn schlafen legen, unterhalten, waschen und Essen lassen. Jeder Sims kennt sechs Zustände oder Bedürfnisse, die regelmäßig erfüllt werden wollen: Essen, der Toilettengang, Hygiene, Schlaf, Geselligkeit und Unterhaltung. Jeder Sims ist auf seine oder andere Häuser beschränkt, er kann also nicht einfach frei in der Stadt herumlaufen und einen Bäcker aufsuchen. Also tippt man den Kühlschrank an, um ihn zu füttern, tippt den Fernseher an, um ihn zu unterhalten, oder tippt auf das Bett, um ihn schlafen zu lassen. All diese Aktionen schenken Ihnen Erfahrungspunkte und erfüllen die Bedürfnisse der Sims. Zufriedene Sims werfen mehr Erfahrungspunkte ab, daher sollten Sie die Sims regelmäßig zufrieden stellen.

Abbildung 3: Gleichgeschlechtliche Beziehungen? Bei Sims Freeplay gar kein Thema.
Abbildung 3: Gleichgeschlechtliche Beziehungen? Bei Sims Freeplay gar kein Thema.

Abbildung 4: In der Stadtübersicht sehen Sie die Häuser der Sims, können Geld eintreiben oder öffentliche Gebäude bauen.
Abbildung 4: In der Stadtübersicht sehen Sie die Häuser der Sims, können Geld eintreiben oder öffentliche Gebäude bauen.

Mann, wie das dauert!

Jetzt kommen ein paar entscheidende Sachen ins Spiel: Zum einen laufen alle Geschehnisse in Echtzeit ab, sprich ein Toilettengang dauert 15 Sekunden, ein Nickerchen ein paar Minuten und einmal tief Durchschlafen dauert sieben bis acht Stunden. Je länger die Aktion, desto mehr Erfahrungspunkte erhalten Sie, aber desto länger müssen Sie auch auf den Sim warten. Das gilt auch für den Bau von Häusern und anderen Gebäuden. Wollen Sie die Aktion oder den Bau sofort abschließen, müssen Sie Lebensstil-Punkte einsetzen. Diese erhalten Sie, spärlich dosiert, durch abgeschlossene Aktionen oder können sich damit per In-App-Kauf ausreichend eindecken. Gleiches gilt für das Geld, Simoleons genannt: Gerade zu Beginn kommt es nur mühsam zusammen, etwa durch den Hund, der im Garten Geld findet oder die Sims, die man in der Stadtübersicht ständig antippen muss, um Geld von ihnen einzusammeln. Man muss sich zu Beginn auch beim Einrichten der Wohnung mit dem billigsten begnügen: ein Bett, ein Fernseher oder eine Lampe – immer muss es das günstigste sein.

Der Preis von "kostenlos"

Diese Bremsen sind natürlich gewollt, denn das Spiel soll genügend Langzeitmotivation bieten und gleichzeitig ungeduldige Spieler zum Kauf von Simoleons oder Lebensstil-Punkten anregen.

Abbildung 5: Die Wohnungsgestaltung ist eine etwas fummelige Arbeit, und nicht selten stellt man versehentlich Klo, Fernseher oder Dusche mit der falschen Seite an die Wand.
Abbildung 5: Die Wohnungsgestaltung ist eine etwas fummelige Arbeit, und nicht selten stellt man versehentlich Klo, Fernseher oder Dusche mit der falschen Seite an die Wand.

Diese haben es in sich. Für 5.000 Simoleons, von denen man sich ein paar Häuser kaufen kann, legt man knapp fünf Euro auf den Tisch. Für fünf Euro bekommt man im Play Store bereits sechs gute Vollpreis Titel. Wen das nicht stört, der kann bis zu knapp 90 Euro für 500.000 Simoleons hinblättern und sich so alle Luxusgüter und Gebäude sofort leisten.

Wenn Sie das Spiel hingegen ohne In-App-Kauf spielen wollen, dann sollten Sie sich am besten auf einen lang und ein wenig zäh andauernden Fortschritt einstellen. Das disqualifiziert das Spiel, um es mal ein oder zwei Stunden auf der Couch zu spielen, denn ohne Moos ist nicht viel los. Stattdessen hat das Spiel eher Tamagotchi-Charakter: Schauen Sie ein oder zwei Mal am Tag ins Spiel rein und kümmern sich ein wenig um die Sims, dann haben Sie in wenigen Wochen eine lustige Sims-Gemeinde und eine kleine belebte Stadt.

Abbildung 6: Im Shop können Sie Simoleons, Lebensstil-Punkte oder Extras wie bestimmte Bundles kaufen. Der Preisschock folgt dann an der Kasse im Play Store.
Abbildung 6: Im Shop können Sie Simoleons, Lebensstil-Punkte oder Extras wie bestimmte Bundles kaufen. Der Preisschock folgt dann an der Kasse im Play Store.

Abbildung 7: Nur zum Vergleich: Für 90 Euro könnten Sie das knapp drei Jahre alte Sims 3 für PC, Playstation 3 und die Xbox 360 kaufen.
Abbildung 7: Nur zum Vergleich: Für 90 Euro könnten Sie das knapp drei Jahre alte Sims 3 für PC, Playstation 3 und die Xbox 360 kaufen.

Fazit

Sims Freispiel ist eigentlich ein tolles Spiel, denn spielerisch und grafisch wird einem viel geboten. Doch die ständig angelegte Handbremse vermiest einem oft den Spielspaß. Hinzu kommt der schlechte Beigeschmack der teuren Ingame-Währung, die ungeduldige Spieler teurer zu stehen kommt als ein Vollpreis-Titel aus dem Play Store. Hinzu kommt der hohe Akkuverbrauch des Spiels und der bisher noch nicht erwähnte Online-Zwang, der einen das Spiel nie offline spielen lässt. Sims Freispiel ist somit leider kein Spiel für einen gemütlichen Nachmittag, sondern ein ganz spaßiger Zeitvertreib für die paar Minuten zwischendurch, der aber schnell zum Sammeltrieb und damit zu hohen Ausgaben im Play Store führen kann.

[Gratis|Deutsch|13 MByte]

★★★★★

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