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Durovis Dive: Die virtuelle Smartphone-Brille im Test

Mithilfe einer einfachen VR-Brille trickst ein beliebiges Android-Handy den menschlichen Wahrnehmungsapparat aus und entführt den Nutzer in virtuelle Realitäten. Wir haben die Durovis Dive getestet.

Virtual-Reality-Brillen vermitteln uns ein bis dato unbekanntes Realismus-Gefühl bei Spielen und Multimedia-Anwendungen. Die in diesem Artikel getestete Brille "Durovis Dive" der deutschen Firma Shoogee GmbH ist eines der ersten für die breite Masse erhältlichen Produkte.

Durovis Dive ist eigentlich nur ein cleveres Brillengestell für das Handy, das Sie für 56 Euro direkt auf der Herstellerwebseite [1] kaufen können. Zur Nutzung schiebt man sein Smartphone vor die beiden Linsen. In die Halterung passen alle Handys bis zu einer maximalen Bildschirmgröße von 5,0 Zoll. Anschließend starten Sie eine kompatible App (siehe unten), klappen das Gestell zu und setzen die Brille auf.

© Shoogee GmbHAbbildung 1: So einfach ist es: App starten, Handy ins Gestell einlegen, virtuelle Brille aufsetzen.
© Shoogee GmbHAbbildung 1: So einfach ist es: App starten, Handy ins Gestell einlegen, virtuelle Brille aufsetzen.

So funktioniert es

In der Brille befinden sich Lupen, die dafür sorgen, dass sich das auf dem Smartphone dargestellte Bild direkt vor den Augen des Nutzers befindet. Außerdem berechnen die Dive-Apps auf der linken und der rechten Hälfte des Handy-Bildschirms für beide Augen jeweils eine eigene Ansicht des Geschehens, sodass dem Nutzer in diesem Moment alles dreidimensional und plastisch erscheint. Ein besonderes Feature stellt das Headtracking dar: Durch Abfrage des Gyroskops und des Beschleunigungssensors erkennen Anwendungen, in welche Richtung der Nutzer seinen Kopf gerade dreht. Dadurch können Apps genau den Teil einer simulierten Welt darstellen, die zu sehen sein soll, wenn die Spielfigur genau dorthin schaut. So wird das Gehirn getäuscht und im Idealfall entsteht die Illusion, man befände sich gerade "mittendrin" in dieser virtuellen Welt.

Apps

Findige Entwickler haben bereits einige Android-Apps für die VR-Brille Dive entwickelt. Im Folgenden stellen wir eine Auswahl der interessantesten Ideen vor. Bei der App Go Show [2] findet man sich in einem Kinosaal wieder. Vor dem Start wählt der Nutzer eine auf dem Smartphone gespeicherte Videodatei aus, die anschließend auf einer großen virtuellen Leinwand zu sehen ist. Dreht man den Kopf zur Seite, sieht man plastisch einen dreidimensionalen, jedoch leider nur virtuellen Popcorn-Becher vor sich. Wenn das eigene Handy mindestens über Full-HD-Auflösung verfügt, macht Go Show besonders viel Spaß. Auf diese Weise lassen sich auch lange Fahrten im Fernbus oder Langstreckenflüge cineastisch verkürzen – wenn auch der Sitznachbar rätseln dürfte, was für ein seltsames Gerät man da auf dem Kopf trägt. Für die Vollversion werden 2,92 Euro fällig. Das kostenlose Go Show Free [3] dient nur zum Ausprobieren und kann deswegen ausschließlich einen vorgegebenen Demo-Film wiedergeben.

Dive City Rollercoaster [4] ersetzt die Fahrt zum Vergnügungspark: Man sitzt in einer virtuellen Achterbahn, die inmitten einer Großstadt steht. An sich eine sehr nette Idee und während der Fahrt entsteht durchaus ein gewisser räumlicher Sinneseindruck. Doch leider ist es schlecht um die Immersion (siehe Kasten) bestellt: Man hat nicht wirklich die Illusion, in dieser Attraktion drin zu sitzen. Mangels Nervenkitzel und Kribbeln im Bauch greift man da lieber auf eine echte Achterbahn zurück.

Abbildung 2: Für jedes Auge rendern die mit Dive kompatiblen Apps eigene Ansichten.
Abbildung 2: Für jedes Auge rendern die mit Dive kompatiblen Apps eigene Ansichten.

Divestreetview [5] greift auf Google Streetview zurück und beamt den Nutzer nach New York oder an einen anderen entfernten Ort seiner Wahl. Diese App beeindruckte im Test am meisten. Man kann sich an der jeweiligen Lokalität fast genauso umschauen, als wäre man tatsächlich vor Ort. Die Einrichtung der Anwendung erfordert etwas Vorarbeit, diese Arbeit lohnt sich aber definitiv.

Über die hier vorgestellten Apps hinaus sind noch eine Reihe von Virtual-Reality-Spielen für Android erhältlich, auf die hier aus Platzgründen jedoch leider nicht eingegangen werden kann. Suchen Sie einfach im Play Store nach Apps vom Entwickler Dive Games [6].

Abbildung 3: Das virtuelle Streetview macht mit der Durovis Dive am meisten Spaß.
Abbildung 3: Das virtuelle Streetview macht mit der Durovis Dive am meisten Spaß.

Immersion: Richtig eintauchen

Der Spaß an VR-Anwendungen steht und fällt mit dem Umstand, wie realistisch das Gefühl ist, sich inmitten einer anderen Welt zu befinden. Der Fachbegriff hierfür lautet "Immersion". Diese hängt zum einen von der Qualität der verwendeten Apps ab. Aber auch die eingesetzte Hardware spielt eine Rolle: Die Auflösung des Smartphones sollte so groß wie nur möglich sein. Da für jedes Auge ein eigenes Bild gerendert wird, steht de facto nur die halbe tatsächliche Bildschirmauflösung des Handys zur Verfügung, die zudem noch mithilfe von Lupen vergrößert wird. Wer etwa ein Handy mit 1280 x 720 Bildschirmpunkten besitzt, wird alle Dinge leicht verpixelt sehen. Auch sollte man nicht zu stark zum Rand schielen, da sonst das Brillengestell zu sehen ist. Zu guter Letzt ist es hilfreich, in einem abgedunkelten Raum zu spielen, damit keine einfallenden Lichtstrahlen die Immersion stören.

Pros und Cons

Insgesamt weiß die VR-Brille Durovis Dive zu gefallen. Zwar ist die virtuelle Täuschung angesichts der derzeit erhältlichen Displays mit Full-HD-Auflösung noch nicht perfekt, aber die Dive ist zukunftskompatibel: Wenn 2014 die ersten Android-Smartphones mit Ultra-HD-Auflösung herauskommen, schiebt man einfach eines dieser neuen Modelle in die Brille und erhöht so den Realismusgrad der virtuellen Welt.

Für den PC soll Ende 2014 die technisch überlegene Konkurrenz-Brille "Oculus Rift" auf den Markt kommen. Doch diese wird nicht nur ein Vielfaches der Dive kosten, da sie nicht die Hardware eines bereits vorhandenen Mobiltelefons mitbenutzt, sondern stattdessen alle benötigten Komponenten selbst an Bord haben muss. Außerdem ist sie derzeit auch nur in einer frühen Entwicklerversion erhältlich. VR-Interessierte können also guten Gewissens zur günstigen Dive-Brille greifen.

Seekrank?

Manche Anwender erfahren beim ersten Benutzen einer Virtual-Reality-Brille ein Übelkeitsgefühl. Dies hängt damit zusammen, dass dem optischen Wahrnehmungsapparat zum Beispiel mitgeteilt wird, man würde gerade durch eine Spielewelt rennen. Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr stellt im Widerspruch dazu jedoch fest, dass man ruhig in seinem Wohnzimmersessel sitzt. Dieser Gegensatz kann in Schwindel oder Übelkeit resultieren. Setzen Sie in solch einem Fall die Dive-Brille ab und nutzen Sie diese erst 24 Stunden später erneut. Nach mehreren Tagen hat sich Ihr Denkorgan an die widersprüchlichen Wahrnehmungen gewöhnt und es sollte nun keine Übelkeit mehr auftreten. Außerdem ist es empfehlenswert, anfangs ausschließlich Apps einzusetzen, bei denen sich die Spielerfigur gar nicht oder nur langsam bewegt.

Fazit

Die Durovis Dive bietet eine sehr günstige Gelegenheit, um in die virtuelle Welt einmal so richtig einzutauchen. Wenn Sie ein Handy mit Full-HD-Auflösung besitzen, sollten Sie sich den Spaß unbedingt gönnen, zumal es auch regelmäßig neue Apps für die Hardware gibt!


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