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Digitales Fernsehen unter Android

Wer mit seinem Tablet oder Smartphone via DVB-T Fernsehen möchte, kommt nicht darum herum, sich das passende Empfangsgerät zu besorgen. Wir stellen Ihnen fünf davon vor.

Gerade neuere Android-Geräte glänzen häufig mit sehr guten Displays, und sind nicht nur deswegen geradezu prädestiniert, um darauf fernzusehen. Die unkomplizierteste Lösung dafür bieten zweifellos Streaming-Dienste via Internet.

Allerdings hat diese Methode zwei entscheidende Nachteile: Praktisch alle mobilen Internetzugänge sind im Datenverbrauch gedeckelt und das Transfervolumen solcher Streamingdienste ist nicht unerheblich. Der zweite Nachteil ist die Notwendigkeit einer schnellen Netzanbindung, die beileibe nicht überall zur Verfügung steht.

Alternativ gibt es die Möglichkeit, das Fernsehprogramm via DVB-T zu empfangen, setzt aber externe Hardware voraus. Wir haben die fünf aktuell verfügbaren DVB-T-Adapter für Android getestet, die teilweise grundverschiedene Ansätze mit dem gleichen Ziel verfolgen. Wie gut sie sich jeweils in der Praxis bewähren, zeigt unser Bericht.

DVB-T in Deutschland

Auch wenn die Abdeckung kontinuierlich ausgebaut wird, gibt es nach wie vor noch diverse Regionen in Deutschland, die nur einen begrenzten oder gar keinen Empfang digital ausgestrahlter Sendungen zulassen. Informieren Sie sich deswegen vor dem Kauf eines DVB-T-Empfängers, ob ein Empfang an dem Ort, an dem Sie wohnen möglich ist. Eine detaillierte Karte samt Regionsuche bietet die Webseite http://www.ueberallfernsehen.de.

EyeTV micro

Der erste Prüfling aus dem Hause Elgato nennt sich EyeTV micro [1] und kostet etwa 70 Euro. Der DVB-T-USB-Dongle mit Micro-USB-Anschluss ist mit 2 x 3 Zentimetern nur unwesentlich größer als ein Daumennagel. Im Lieferumfang enthalten sind neben dem eigentlichen Gerät eine kleine Teleskop-Antenne und eine Stabantenne samt einem zwei Meter langen Verbindungskabel. Um sie auch auf rutschigem Untergrund sicher zu positionieren, legt der Hersteller noch einen magnetischen Saugnapf bei. Ein Micro-USB-to-USB-Adapter erlaubt den Anschluss am PC oder Mac. Windows 7 erkennt den Dongle sofort, eine zusätzliche Treiberinstallation ist nicht nötig. Zum Fernsehen am PC nutzen Sie den Dongle beispielsweise mit dem Windows Media Center.

Als Systemvoraussetzungen für Android-Geräte nennt Elgato eine Dual-Core-CPU mit NEON-Unterstützung (etwa Tegra 3), die USB-Host-Funktion sowie Android in Version 4.0.3 oder neuer.

Den sicheren Betrieb gewährleistet der Hersteller auf den moderneren Samsung-Geräten Galaxy S II/III/Nexus und Note sowie dem Ausus Nexus 7. Im Test funktionierte der Empfang aber auch mit den Archos-Tablets 80 G9 und 101 G9 problemlos.

Da sich auf der Rückseite der Verpackung ein QR-Code mit der URL zur benötigten App befindet, gestaltet sich die Installation denkbar einfach. Manuell finden Sie diese mit der Suche nach „EyeTV micro“ im Play-Store [2]. Stecken Sie den Dongle nach der Installation der App in das Gerät ein, erscheint der Hinweis Micro öffnen, wenn dieses USB-Gerät verbunden ist?. Setzen Sie hier ein Häkchen bei Standardmäßig für dieses USB-Gerät verwenden öffnet sich die App zukünftig automatisch mit dem Anschluss des Dongles. Die Funktionen der Verwaltungseinheit beschränken sich aufs Nötigste: Sender suchen, Sender sortieren und Time-Shift-Puffer. Letzterer legt fest, wie lange die App eine laufende Sendung aufzeichnet, um sie später zeit-versetzt wiederzugeben. Das Aufzeichnen von Sendungen unterstützt die App jedoch nicht. Im Test gelang es dem Winzling, im Raum München 24 Kanäle zu empfangen. Das entspricht dem maximal erreichbaren Wert für Zimmerantennen.

In der Wiedergabe-Einheit wechseln Sie durch Wischen nach links und recht zu den davor oder dahinter liegenden Sendern. Alternativ nutzen Sie die das Drop-Down-Menü an der oberen Leiste zur Senderauswahl. Rechts daneben finden Sie Einstellungen für Lautstärke und das Seitenverhältnis des Bildes. Am unteren Bildrand zeigt die App Informationen zur laufenden und folgenden Sendung sowie der DVB-T-Signalstärke. Das Anzeigen weitergehender EPG-Informationen unterstützt die App jedoch nicht.

Abbildung 1: Viel mehr als die Senderwahl und das Anzeigen des Fernsehbildes leistet die App von EyeTV nicht.
Abbildung 1: Viel mehr als die Senderwahl und das Anzeigen des Fernsehbildes leistet die App von EyeTV nicht.

Etwas unorthodox gestaltet sich die Bedienung des Timeshift. Die App zeichnet die Sendung bis zur eingestellten Grenze (in der Grundeinstellung 256 MByte) kontinuierlich auf. Um verpasste Sequenzen anzuzeigen, drücken Sie im Overlay entweder auf den doppelten nach links gerichteten Pfeil oder ziehen den darüber angezeigten Schieberegler an die gewünschte Stelle zurück. Sowohl Bild- als auch Tonqualität waren ohne Fehl und Tadel. Auf dem Testgerät Archos 101 G9 Turbo konsumierte der Dongle etwa 30 Prozent Akkuleistung in der Stunde.

DVB ab Android 3.1

Digitaler Fernsehempfang ist erst seit Android 3.1 möglich. Benutzen Sie ein Gerät mit Version 2.3 funktionieren also die hier getesteten DVB-T-Adapter nicht. Die Geräte EyeTV micro, Equinux Tizi und iCube Tivizen pico setzen sogar Android 4.0 als Version voraus. Lediglich der Elecom-Adapter arbeitet auch mit Honeycomb-Tablets ab Android 3.1.

Equinux Tizi

Der nächste Kandidat namens tizi [3] kommt von der Firma Equinox. Das kleine Böxchen mit den Maßen 5×9 Zentimeter enthält neben dem DVB-T-Empfänger ein WLAN-Modul. Letzteres arbeitet als Hot-Spot, an dem sich die Geräte anmelden, die darüber das TV-Signal empfangen möchten. Gegenüber der Dongle-Lösung hat diese Variante gleich mehrere Vorteile. Zum einen hängt am Tablet oder Smartphone kein lästiges Zusatzgerät, zum anderen erlaubt es die Box, sie problemlos an der Stelle mit dem besten Empfang zu positionieren. Der Nachteil ist natürlich, dass es ein weiteres Gerät zu laden gilt.

Wiedergabe

Da tizi die Sendungen per WLAN streamt, ist der Empfang mit praktisch jedem Androiden ab Version 2.3.3 über die App Tizi Player [4] möglich. Vor dem Empfang gilt es, das WLAN mit dem Tizi-Hot-Spot tizi.tv zu verbinden. Beim ersten Kontakt sucht die App zunächst alle verfügbaren Sender. Auch dieses Gerät fand die 24 in dieser Region möglichen. Danach startet sofort die Wiedergabe. Negativ fällt auf, dass die Verwaltungseinheit nur im Hochformat erscheint, das Fernsehbild dagegen im Querformat.

Viel zu schreiben gibt es über die App nicht – ihre Funktion beschränkt sich nämlich einzig und allein auf die Auswahl der Sender und deren Wiedergabe. Von den auf der Webseite angepriesenen Funktionen, etwa der EPG-Verwaltung oder Aufnahme von Sendungen ist weit und breit nichts zu sehen, diese stehen wohl exklusiv in den Apple-Apps zur Verfügung. Die Wiedergabe an sich gab jedoch keinen Anlass zur Kritik. Weniger gut gefiel dagegen, dass sich Tizi jeweils nur von einem Gerät nutzen lässt. Zwar können sich mehrere Clients am WLAN anmelden, ohne jedoch das Fernsehbild zu empfangen. Die Akkulaufzeit des Receivers beschränkt sich auf etwa 2-3 Stunden bevor er an die Ladestation muss.

Tipp

Die Tizi-Box gibt es auch als OEM-Version von Belkin zu einem etwas günstigeren Preis.

EyeTV netstream DDT

Der nächste Kandidat, EyeTV netstream DDT [5], wählt eine komplett andere Produktstrategie und speist den DVB-T-Stream ins heimische Netz ein, worüber bis zu zwei Geräte gleichzeitig mit dem passenden Empfänger ihn empfangen. Als unverbindliche Preisempfehlung nennt der Hersteller Elgato auf seiner Webseite 199 Euro, bei Amazon ist es aber bereits für etwa 150 Euro zu haben.

Ganz so trivial wie bei den bisherigen Prüflingen verläuft das Setup der Streambox jedoch nicht. Als ersten Schritt verbinden Sie die Box via Ethernetkabel mit ihrem heimischen Netzwerk, von wo es im Normalfall automatisch eine IP-Adresse bezieht. Installieren Sie danach die auf der DVD enthaltene Software Terra Tec Home Cinema und starten sie. Im Normalfall erkennt die Software das Gerät sofort und öffnet den Abschnitt Suchlauf der Einstellungen. Hier klicken Sie auf den Button Suchlauf, um die erreichbaren Sender zu empfangen. Damit wäre das Gerät an sich schon betriebsbereit – zumindest für die Verwendung mit dieser Software. Damit aber auch andere Geräte, etwa Smartphones mit der passenden App, den Service nutzen können, gilt es, die Senderliste auf das Gerät zu exportieren.

Wechseln Sie dafür zunächst in die Rubrik Optionen und klicken darin auf Einstellungen. Im neuen Fenster starten Sie via Senderliste auf EyeTV Netstream DDT kopieren die Übertragung. Theoretisch sollten jetzt alle Geräte den Stream empfangen können – die Senderliste auf der App blieb aber hartnäckig leer. Des Rätsels Lösung war die veraltete Firmware, die sich weigerte, mit der App vernünftig zu interagrieren.

Das Webfrontend, das Sie über die IP-Adresse der Box erreichen bietet unter Installieren die notwendige Uploadfunktion, um die Firmware 1.1.4 [6] auf die neueste Version zu heben. Außer Informatives über die Sender und Empfangsstärke hat die Seite jedoch nicht viel zu bieten. Wer hofft, darüber das Gerät verwalten zu können, irrt.

Abbildung 2: Das Webfrontend der netstream DDT Fernsehbox beschränkt sich im Wesentlichen auf die Anzeige verschiedener Informationen. Eine Konfiguration lässt sie dagegen nicht zu.
Abbildung 2: Das Webfrontend der netstream DDT Fernsehbox beschränkt sich im Wesentlichen auf die Anzeige verschiedener Informationen. Eine Konfiguration lässt sie dagegen nicht zu.

Lediglich im fehlenden Time Shift unterscheiden sich die Apps von EyeTV micro und EyeTV Netstream. Entsprechend beschränkt sich ihre Funktion auf die Wiedergabe und den Programmwechsel – zusätzliche Features bietet sie nicht. Was auffällt ist die vergleichsweise bescheidene Empfangsleistung an der beiliegenden Stabantenne. Des Öfteren kam es zu Rucklern und Aussetzern, die die anderen Prüflinge in der Art nicht hatten. Allerdings fand auch dieses Gerät alle 24 verfügbaren Sender.

Was das Ganze allerdings relativiert ist die Tatsache, dass die Box einen ganz normalen Antenneneingang besitzt der es Ihnen erlaubt, mühelos leistungsstärkere Antennen anzuschließen.

Abbildung 3: Die Netstream-App unterscheidet sich nur in wenigen Details von der Micro-Verswion.
Abbildung 3: Die Netstream-App unterscheidet sich nur in wenigen Details von der Micro-Verswion.

iCube Tivizen pico Android

Der Tivizen pico Android von iCube ist der ausgefallenste Adapter im Test. Er setzt anstelle einer üblichen Antenne auf ein lockeres Gummiband mit innenliegendem Draht. Von der Größe her entspricht er sonst recht genau dem Elgato EyeTV micro, aber er kommt in Weiß statt schwarz und ist auch etwas günstiger.

Abbildung 4: Im Großraum München hatte keiner der Adapter Probleme sämtliche Sender zu finden.
Abbildung 4: Im Großraum München hatte keiner der Adapter Probleme sämtliche Sender zu finden.

Der Adapter war ursprünglich für das Nexus 7 konzipiert funktioniert nun aber auf fast jedem Gerät mit Android 4 oder neuer. Allerdings gibt es zwei Versionen der Tivizen-Mini-App bei Google Play [7], [8]. Je nachdem, ob Sie ein Tablet oder ein Smartphone benutzen, müssen Sie eine andere App installieren. Bei uns mussten wir auf dem Nexus 7 die Smartphone-App installieren, damit alles klappte.

Der große Vorteil des Tivizen-Adapters gegenüber der Konkurrenz liegt in der Aufnahmefunktion. Damit können Sie problemlos einen zweistündigen Film aufnehmen – sofern der Akku genügend voll ist und genug freier Speicher vorhanden ist. In unseren Tests klappte das mehrfach. Allerdings ist es nicht möglich, eine Sendung aufzuzeichnen und dabei einen anderen Film auf dem gleichen Transponder zu schauen, wie Sie sich das vielleicht von entsprechenden Sticks oder Karten für den PC gewohnt sind.

Elecom DVB-T Receiver

Als einziger DVB-T-Adapter im Testfeld unterstütz das Elecom-Gerät auch Tablets mit Android 3.1 oder neuer. So eignet er sich zum Beispiel für das recht weit verbreitete Acer A500 und andere Android-Tablets, die kein Update auf Ice Cream Sandwich oder Jelly Bean bekommen haben. Im Unterschied zu den Vorgestellten Adaptern arbeitet der Elecom DVB-T-Reciever zudem nicht direkt via MicroUSB-Anschluss, sondern als USB-Host-Gerät. Sie brauchen also einen USB-Host-Adapter an Ihrem Tablet (oder einen vollwertigen USB-Port, wie beim Transformer mit Tastatur, damit der Stick richtig funktionert. Ein passendes Kabel liegt der Verpackung bei.

Auf den ersten Blick sieht der Elecom-Adapter recht altmodisch aus. Die Verbindung via Kabel hat jedoch in der Praxis viele Vorteile zudem bringt das Elecom-Gerät auch die beste Antenne mit, die sich zudem auch durch eine externe Antenne erweitern lässt Achten Sie darauf, den richtigen MicroUSB-Anschluss zu benutzen, sonst erkennt das Android-Gerät den Adapter nicht. Über zwei Schalter an der Gehäuse-Oberseite ist der Adapter für Firmware-Updates und weitere Funktionalitäten gerüstet, ob der Reciever aber tatsächlich Updates erhalten wird, ist ungewiss.

In puncto Bildqualität und Benutzerfreundlichkeit der App [9] gibt es kaum Unterschiede zur Tivizen-App. Dank EPG haben Sie auch das Programm stets vor Augen, zudem hat Elecom den Wechseln ins Querformat von allen am besten gelöst. Auch bei diesem Adapter bekommen Sie einen Aufnahmemodus, der recht zuverlässig funktioniert. Einzig Aufnahmen zu programmieren, ist nicht möglich.

Abbildung 6: TV-Programm und den laufenden Film im Überblick bei der App Android DVB-T.
Abbildung 6: TV-Programm und den laufenden Film im Überblick bei der App Android DVB-T.

Fazit

Einen klaren Gewinner unter den Prüflingen zu küren ist schon deswegen kaum möglich, weil ihre Ansätze so grundverschieden sind. Geht es um Kompatibilität und Empfangsqualität, hat das Tizi die Nase vorne. Allerdings eignet sich die Android-App ausschließlich zum Empfang des Fernsehbildes. Alle anderen Features bleiben den Apple-Usern voranthalten. Wer in seinem zuhause auch noch im letzten Winkel das Fernsehprogramm empfangen möchte, für den ist die EyeTV Netstream-Box das richtige. Allerdings muss er sich auf eine vergleichsweise umständliche Intsallationsprozedur gefasst machen. Für alle, die wirklich mobil fernsehen möchten, empfehlen wir den DVB-T-Empfänger iCube Tivizen oder falls Android 3.2 zum Einsatz kommen soll den Adapter von Elecom. Insofern sind hier die zwei günstigsten Produkte die zwei besten, eine gute Bildqualität lieferten alle Testgeräte.

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