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Die Open-Source-Wolke ownCloud mit Android im Test

Do it yourself! Was für die Renovierung der eigenen Wohnung gilt, stimmt auch in der IT! Nur wer seine Daten selber managt, behält die volle Kontrolle über sie. Mit der Open-Source-Wolke ownCloud betreiben Sie Ihre eigene Datencloud.

Cloud-Speicherdienste wie Dropbox, Google Drive oder Microsofts SkyDrive sind ohne Zweifel äußerst praktisch. Damit erreichen Sie Ihre Daten jederzeit mit wenigen Klicks, egal wo Sie gerade sind, egal welches Gerät Sie verwenden – einzige Voraussetzung: Sie brauchen einen Internetzugang. Um den Rest kümmert sich der Cloudspeicher.

Auch wenn Dropbox und Co. für "Einsteiger-Accounts" mit bis zu 20 GByte Speicherplatz kein Geld verlangen, der Preis für den Komfort ist hoch: Sie zahlen nicht mit Euros, Sie bezahlen mit dem Verlust Ihrer Privatsphäre. Alle online gespeicherten Dokumente können theoretisch vom Betreiber oder auch von Behörden eingesehen werden.

Googles Server durchforsten zum Beispiel ganz offiziell [1] Ihre Google-Drive-Uploads nach PDFs und Bildern, bei denen dann der als Bildinformation gespeicherte Text mittels Texterkennung (OCR) in maschinenlesbaren und vor allen Dingen durchsuchbaren Text umgewandelt wird. So können Sie Ihre PDFs direkt in Google Drive durchsuchen. Die Funktion ist mit Sicherheit nützlich – doch zugleich auch erschreckend unheimlich.

Die eigene Wolke

Wer seine Privatsphäre schützen und dennoch nicht auf den Komfort eines Cloudspeichers verzichten möchte, der greift inzwischen zu selbst gehosteten Clouddiensten. Damit bleiben Ihre Daten immer unter Ihrer Kontrolle. Hosten Sie den Dienst auf einem NAS oder einem kleinen Server zuhause, dann lagern die Daten sogar in den eigenen vier Wänden.

Entsprechend diesem Szenario haben wir Ihnen in Android User 11/2013 [2] die Synology Cloud Station im Zusammenspiel mit einem NAS-Gerät aus dem selben Haus vorgestellt. NAS und der Cloud-Speicherdienst lassen sich bei Synology schnell und relativ unkompliziert einrichten, doch einen Haken hat die Synology-Lösung: Obwohl das Synology-Betriebssystem DSM auf Linux aufsetzt, ist das System um den Linux-Kern herum Closed Source.

ownCloud ist Open Source

Wer nach einer reinen Open-Source-Lösung sucht, setzt daher eher auf das unter der AGPL lizenzierte ownCloud [3]. Als Grundlage nutzt das ownCloud-Projekt PHP und eine angebundene SQLite-, MySQL- oder PostgreSQL-Datenbank. Sie brauchen daher auch kein kostspieliges NAS-Gerät. Zum Betrieb einer kleinen ownCloud-Instanz reicht etwa schon ein handlicher und stromsparender Raspberry Pi aus. Alternativ hosten Sie ownCloud auf PHP-fähigem Webspace oder einem VServer im Internet.

Abbildung 1: Das Web-Frontend unserer im Test genutzten ownCloud-Installation auf dem PC-Bildschirm.
Abbildung 1: Das Web-Frontend unserer im Test genutzten ownCloud-Installation auf dem PC-Bildschirm.

Abbildung 2: Auf dem PC sorgen Client-Programme für den automatischen Abgleich der Clouddaten.
Abbildung 2: Auf dem PC sorgen Client-Programme für den automatischen Abgleich der Clouddaten.

Neben den mit Dropbox und Google Drive vergleichbaren Desktop-Clients für Windows, MacOS X und Linux [4] bietet ownCloud auch Apps für mobile Betriebssysteme an. Für iOS und Android finden Sie die entsprechenden Programme im App Store beziehungsweise auf Google Play [5]. Während die Desktop-Programme gratis zum Download angeboten werden, kosten die mobilen Apps einen kleinen Obolus. Als quelloffenes Programm finden Sie ownCloud für Android jedoch auch im Open-Source-Market F-Droid [6]. Dort lässt sich die Anwendung auch als APK-Datei ohne Gebühren herunterladen.

ownCloud auf dem Handy

Einmal installiert, ist die App auch schnell eingerichtet. Mehr als die URL zu Ihrer ownCloud-Instanz – die Sie natürlich vorher aufgesetzt und konfiguriert haben müssen – und die Login-Daten brauchen Sie nicht einzutragen. Direkt nach dem Login sehen Sie dann schon die Dateien, die Sie bereits auf Ihren Cloudspeicher hochgeladen haben. Möchten Sie mehr als nur eine ownCloud-Instanz vom Handy aus nutzen, so tragen Sie in den Einstellungen weitere ownCloud-Accounts ein.

Abbildung 3: Auf den ersten Blick unterscheidet sich die ownCloud-App nicht von Dropbox und Co.
Abbildung 3: Auf den ersten Blick unterscheidet sich die ownCloud-App nicht von Dropbox und Co.

Abbildung 4: Zum Aktualisieren einer bereits heruntergeladenen Datei tippen Sie länger auf diese.
Abbildung 4: Zum Aktualisieren einer bereits heruntergeladenen Datei tippen Sie länger auf diese.

Die ownCloud-App lädt nun alle Dateien, die Sie antippen, direkt in den Speicher Ihres Handys. Die Daten landen automatisch im Ordner owncloud auf der internen Speicherkarte. Ändern lässt sich der Pfad bislang noch nicht – ärgerlich für User, die den Ordner gerne auf eine externe SD-Speicherkarte auslagern möchten.

Kontakte und Termine

Das Web-Frontend von ownCloud eignet sich auch dazu, Kontakte und Termine zu verwalten. Auf diese Daten können Sie ebenfalls mit Ihrem Handy zugreifen. Die Synchronisation erfolgt dabei jedoch nicht über die ownCloud-App, sondern über das CalDAV- bzw. CardDAV-Protokoll. Mit den Apps CalDAV-Sync [7] und CardDAV-Sync [8] synchronisieren Sie die ownCloud-Kontakte und -Termine in der ownCloud-Datenbank mit denen auf Ihrem Handy.

Bereits auf das Handy heruntergeladene Dateien markiert ownCloud mit einer grünen Ecke. Ändern Sie die Datei auf dem Server, so aktualisiert die ownCloud-App die lokale Datei jedoch nicht automatisch auf dem Handy. Das müssen Sie von Hand machen, indem Sie länger auf die Datei tippen und dann einen erneuten Abgleich über Datei aktualisieren veranlassen. Der Datenabgleich funktioniert genauso, wenn Sie die Datei auf Ihrem Handy bearbeiten und sie dann wieder in Ihre ownCloud-Instanz laden.

Automatisch synchronisieren

Soll eine Datei auf dem Handy und im ownCloud-Speicher permanent synchron gehalten werden, dann öffnen Sie über einen längeren Klick die Details. Dort aktivieren Sie dann mit dem Schalter Datei aktuell halten den permanenten Abgleich. Ungeschickt ist, dass Sie das bislang für jede Datei einzeln machen müssen, eine Mehrfachauswahl oder die Möglichkeit, ganze Ordner zu synchronisieren, fehlt bislang.

Abbildung 5: In den Details bestimmen Sie, dass eine Datei fortwährend aktuell gehalten werden soll.
Abbildung 5: In den Details bestimmen Sie, dass eine Datei fortwährend aktuell gehalten werden soll.

Abbildung 6: Bei einem Bearbeitungskonflikt werden Sie gefragt, wie das Problem gelöst werden soll.
Abbildung 6: Bei einem Bearbeitungskonflikt werden Sie gefragt, wie das Problem gelöst werden soll.

Bearbeiten Sie eine Datei auf dem PC wie auch auf dem Handy, bevor Sie die Synchronisierung angeworfen haben, meldet sich die App mit dem Hinweis, dass ein Konflikt zwischen der Onlinevariante und der Datei auf Ihrem Handy besteht. Im daraufhin folgenden Dialog ist jedoch nicht ganz klar, welche Aktion was genau bewirkt. Die Übersetzung müsste an dieser Stelle deutlich verbessert werden.

Integrierter Musikplayer

Öffnen Sie Fotos mit der ownCloud-App, zeigt Ihnen die Handyanwendung das Bild in einer Großansicht an. In Verzeichnissen mit einer Vielzahl von Aufnahmen springen Sie per Wisch nach links oder rechts von Bild zu Bild. Sollten in diesem Verzeichnis Fotos liegen, die Sie bisher noch nicht auf das Handy geladen haben, zieht die App diese automatisch aus dem Netz.

Abbildung 7: ownCloud bringt einen eigenen Player für Audio- und Videodateien mit.
Abbildung 7: ownCloud bringt einen eigenen Player für Audio- und Videodateien mit.

Abbildung 8: Bildergalerien lassen sich sehr bequem direkt in der App durchblättern.
Abbildung 8: Bildergalerien lassen sich sehr bequem direkt in der App durchblättern.

Auch mit Audio- und Videoformaten weiß ownCloud umzugehen. Sie werden direkt in der App geöffnet und abgespielt. Allerdings taugt ownCloud nicht als Ersatz für kommerzielle Musikstreaming-Dienste: ownCloud streamt nicht, sondern lädt jeden Titel erst einmal auf das Handy und spielt dann den Song von dort ab – wer gerne und viel Musik hört, bringt damit den Speicherplatz schnell zum Überlaufen.

Des weiteren spielt ownCloud immer nur den aktuell markierten Titel ab und stoppt nach jedem Song. Wer seine Musikalben in Ordnern organisiert und sie in seine ownCloud hochlädt, kann nicht gleich das ganze Album abspielen lassen. Musik in Playlists zu organisieren, müssen ownCloud-User gar nicht erst versuchen.

Foto-Upload wie bei Dropbox

Von Clouddiensten wie Dropbox oder Google Drive sind es die User gewohnt, mit dem Handy geschossene Aufnahmen direkt ins Netz hochzuladen. Damit sichern Sie ganz automatisch Ihre Handybilder und müssen auch nicht mit einem USB-Kabel hantieren, wenn Sie die Fotos auf dem PC-Bildschirm betrachten wollen.

Abbildung 9: Per Sofort-Upload sichert ownCloud Handyaufnahmen direkt in Ihrer privaten Datencloud.
Abbildung 9: Per Sofort-Upload sichert ownCloud Handyaufnahmen direkt in Ihrer privaten Datencloud.

Diese Funktion ist auch bei ownCloud vorhanden, von Haus aus jedoch nicht aktiv. In den Einstellungen finden Sie dazu die Option Aktiviert den sofortigen Upload. Wer nicht gerade über ein extrem großes Mobilfunkpaket verfügt, sollte zudem noch den Haken bei Fotos nur über WiFi hochladen setzen.

Fazit

Das Betreiben einer eigenen ownCloud ist sicherlich nur für PowerUser interessant, die Erfahrung im Umgang mit Servern und Serverdiensten haben – oder für diejenigen, die mit diesen Diensten experimentieren und lernen wollen. Wer sich nicht selber mit dem Hosting abmühen möchte, der findet zahlreiche ownCloud-Serviceprovider [9] im Netz. Viele dieser Anbieter arbeiten auch mit Rechenzentren in Deutschland.

Die ownCloud Android-App erfüllt ihre Aufgabe, kann aber noch nicht mit dem Funktionsumfang und der Einfachheit von Dropbox oder Google Drive mithalten. Dies macht sich besonders beim automatischen Abgleich von Daten bemerkbar – vollständige Verzeichnisse lassen sich bislang noch nicht synchronisieren. Auch der Speicherort der von ownCloud auf dem Handy geladenen Daten müsste frei wählbar sein.

In Bezug auf die Android-App muss ownCloud also noch kräftig aufholen. Im Play Store häuft sich daher auch die Kritik an der App. Oft wird beklagt, dass der Funktionsumfang für eine kostenpflichtige Anwendung zu gering sei. Zumindest diesem Kritikpunkt können Sie aus dem Weg gehen: Im F-Droid Market bekommen Sie ownCloud zum Nulltarif.


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