Start Magazin Die neue Kamera-App von Google

Die neue Kamera-App von Google

Die Google-Kamera-App ist eine Weiterentwicklung der Standard-Kamera-App von Android und ersetzt auf Nexus-Geräten automatisch die bisherige Kamera. Die App lässt sich aber auch auf jedem beliebigen Android-Gerät mit Android 4.4 installieren.

Unser erster Eindruck der "neuen" Kamera-App bei der Veröffentlichung Mitte April war: "naja, geht so!" Eigentlich ist die App nicht besonders hübsch und vor allem der große hässliche Auslöser-Button auf der rechten Seite passte uns nicht so recht ins Konzept. Auch fehlten auf den ersten Blick ein paar Optionen der Standard-Kamera von Nexus-Geräten: der Weißabgleich und die manuelle Belichtung. Doch es sind auch ein paar neue Funktionen dazugekommen, und Panoramen und Fotokugeln können nun deutlich mehr Pixel speichern.

Einmal drüber schlafen?

Auf den zweiten Blick ist Google das Update der Kamera-App jedoch durchaus gelungen: Die am meisten benötigten Funktionen sind vorhanden und einige weniger oft benötigte hat Google in den Einstellungen versteckt. Dabei gilt es zwischen zwei Einstellungsmodi zu unterscheiden: Nach dem Start der Kamera-App gibt es die üblichen drei Punkte für die Android-Einstellungen. Hier wechseln Sie zwischen der Frontkamera und der Hauptkamera und schalten den Blitz, den HDR+-Modus und das Rastergitter ein/aus. (Nexus-5-Besitzer aufgepasst, der HDR+-Modus ist in der Standard-Einstellung nun ausgeschaltet). Der große Auslöser ist praktisch, wenn man die Kamera mit einer Hand bedienen möchte. Auf dem Nexus 5 scheint zudem der Bereich so groß zu sein, weil das Handy aktuell nur das 4:3-Format unterstützt. Somit wollte man die Vorschau nicht im 16:9-Format zeigen und hat als Lösung den schwarzen Balken eingefügt. Auf dem Galaxy S5 und dem neuen HTC One fällt die Fläche weniger krass auf und ist zudem transparent gehalten.

Streiten lässt sich darüber, ob der manuelle Fokus notwendig ist: Während Apple und Motorola bei ihrer Kamera-App auf "Antippen = Foto schießen" setzen, bleibt Google weiterhin der Maxime "Antippen = Fokussieren" treu. Die wenigsten Nutzer dürften sich aber dieser Tatsache bewusst sein. Insofern hätten wir es begrüßt, wenn Google bei der neuen App gleich zum Modus "Antippen = Foto schießen" gewechselt und die manuelle Fokussierung in den Einstellungen versteckt hätte. Es ist aber weiterhin möglich, über die Lautstärkewippe den Auslöser zu betätigen.

Abbildung 1: Bei der neuen Google Kamera App nimmt der Auslöser einen recht großen Bereich ein. Das erleichtert die Bedienung mit einer Hand.
Abbildung 1: Bei der neuen Google Kamera App nimmt der Auslöser einen recht großen Bereich ein. Das erleichtert die Bedienung mit einer Hand.

Abbildung 2: Die Belichtung manuell einzustellen, ist weiterhin möglich, aber die Funktion ist in den Einstellungen zunächst ausgeschaltet.
Abbildung 2: Die Belichtung manuell einzustellen, ist weiterhin möglich, aber die Funktion ist in den Einstellungen zunächst ausgeschaltet.

Und so funktioniert’s?

Ziehen Sie von rechts den Finger ins Bild dann erscheinen (bis zu) fünf Symbole für die Kamera-Modi: Photo Sphere, Panorama, Fokuseffekt (neu), Kamera und Video. Wenn diese Symbole sichtbar sind (und nur dann) erreichen Sie oben rechts vom Auslösebutton das Zahnrad-Symbol, das zu den Einstellungen führt. Hier legen Sie die Auflösung der Fotos und Videos fest und hier finden Sie unter "Erweitert" auch die Möglichkeit, die manuelle Belichtung wieder einzuschalten sowie den Standort ein/aus zu schalten. Auf dem Nexus 5 und dem HTC One steht der komplette Funktionsumfang zur Verfügung, auf dem Moto G fehlen hingegen die Panorama und die Photosphere-Funktion.

Tipp

Um die Symbole für die verschiedenen Kameramodi einzublenden, genügt auch eine Wischgeste auf dem breiten schwarzen Balken mit dem Auslöser. Man muss also nicht zwingend vom Displayrand aus arbeiten und kann die Elemente so mit einer Hand öffnen.

Abbildung 3: Der volle Funktionsumfang der neuen Kamera-App zeigt sich nur bei einigen Geräten.
Abbildung 3: Der volle Funktionsumfang der neuen Kamera-App zeigt sich nur bei einigen Geräten.

Abbildung 4: Es geht auch ohne Trauerrand: Bei HTC stehen die Bedienelemente auf transparentem Hintergrund.
Abbildung 4: Es geht auch ohne Trauerrand: Bei HTC stehen die Bedienelemente auf transparentem Hintergrund.

Nicht mehr vorhanden ist der Modus für den Weißabgleich. Dafür gibt es neu die Option, ein Gitterraster anzuzeigen und eine neue Auslösefunktion, die sich Fokuseffekt nennt. Damit lassen sich Nahaufnahmen geschickt verfremden, indem die Kamera-App zwei Fotos aus leicht verschiedenen Winkeln erstellt und somit Objekte gezielt scharf bzw. unscharf stellen kann. HTC-M8-Besitzern dürfte die Funktion bekannt vorkommen. Hier steht sie bei allen Fotos zur Verfügung und man benötigt keine zweite Aufnahme, da HTC genau zu diesem Zweck eine zweite Linse verbaut hat. Die Software-Lösung von Google ist zwar auch recht elegant, allerdings können die Bearbeitungsoptionen (noch) nicht mit den Möglichkeiten der HTC-Software mithalten. Das dürfte aber lediglich eine Frage der Zeit sein.

Abbildung 5: Mit dem Schieberegler oder durch Antippen lässt sich der Fokusbereich festlegen.
Abbildung 5: Mit dem Schieberegler oder durch Antippen lässt sich der Fokusbereich festlegen.

Abbildung 6: Anschließend speichern Sie das neue Foto über den Button oben links.
Abbildung 6: Anschließend speichern Sie das neue Foto über den Button oben links.

Freunde von Photospheres und Panorama-Aufnahmen dürfen sich auf jede Menge Highres-Fotos freuen, da mit der neuen Google Kamera deutlich größere Bilder möglich sind. Die maximale Dateigröße beträgt neu 50 MByte für Photospheres.

Android User meint?

Ein Update der Kamera-App von Nexus-Geräten war schon längst überfällig. Die Herumfummelei an den zu kleinen Bedienelementen, die sich über das Bild gelegt hatten, war zwar optisch cool, aber alles andere als benutzerfreundlich. Und ein Raster für die Drittelregel gehört bei einer guten Kamera-App einfach dazu! Die aktuelle Google-Kamera-App lässt sich sehr gut einhändig bedienen und wir freuen uns schon auf viele Aufnahmen mit Fokuseffekt bei Google+. Lediglich die Bearbeitungsmöglichkeiten für die Fokus-Aufnahmen sind aktuell noch etwas beschränkt. Hier hat HTC deutlich mehr zu bieten, allerdings auch zu einem deutlich höheren Preis?

Kommentiere den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here