Start Aktuell Die melancholische Kraft der Elektronik

Die melancholische Kraft der Elektronik

Das Wiener Duo Tosca ist gefühlt schon immer da. Über die Jahre gesehen legte es Standards fest, Messlatten höher und ist ohne Zweifel eine europäische Größe im weitläufigen Genre Elektro geworden. Tosca hat es sich zwischen den Stühlen bequem gemacht, fühlt sich im TripHop wohl, ist Meister des Downbeats und ist neuerdings auch im Ambient zu Hause.

Die Songs von Tosca leben von langsamen Beats, die das Gerüst für die melancholisch dunklen Soundflächen bilden. Auf dem neuen Album ?Odeon? klingt das vereinzelt wie ein Nebel, der an einem Novembermorgen tief über der Landschaft hängt. Im Osten wird es langsam hell. Der Tag erwacht. Noch ist alles still. Vögel durchbrechen die Ruhe. Den Rest füllen Tosca sanft mit ihrem schwebenden Sound.

 

Highlights auf Odeon zu finden ist leicht, denn jedes Lied spricht für sich – und das spricht wiederum für das ganze Album. Trotz der sphärischen Stimmung herrscht viel Abwechslung: ?JayJay? lässt leise Klavierakkorde bedrohlich hinter dem Sänger schleichen, ?Soda? klingt wie der Wind, der über den ruhigen Ozean streicht. ?Heatwave? hingegen hört sich im Ansatz an wie Tricky: Die geheimnisvolle Stimme von Rodney Hunter und der verrauchte Sound, der mit der Zeit TripHop-Beats hervorbringt, könnten genau so gut in Bristol aufgenommen worden sein. Bei ?What If? beginnt das Meer zu rauschen, Tosca bringen Gitarrenloops und eine tiefe Frauenstimme ein. Im Gegensatz zur ruhigen Grundstimmung wirkt ?In My Brian Prinz Eugen? mit seiner klar definierten, fast zackigen Bassline wie ein leicht trashiger Clubhit.

Es passiert viel auf Odeon, trotzdem wirkt das Album wie ein Ruhepol. Ob dem Hörer das Duo bereits bekannt war oder Odeon als Einstieg in die Welt von Tosca fungiert, spielt keine Rolle. Das Wiener Elektro-Urgestein kann auch Kenner mit seiner neuen Platte überzeugen.

 

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