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Datensauger unter Android drosseln

Viel Telefonieren und SMS schreiben ist mit AllNet-Flatrates zu einem billigen Vergnügen geworden. Ein großes Datenpaket bleibt aber auch heute noch teurer Luxus. Wir zeigen Ihnen welche populären Apps ganz unaufällig im Hintergrund Ihr Inklusivvolumen aufsaugen.

Leisten Sie sich den Luxus eines Handy-Vertrags mit einem GByte oder mehr an ungedrosselten Download-Volumens pro Monat? Dann kommen Sie – wahrscheinlich – selten in den zweifelhaften Genuss der Warn-SMS, dass Sie Ihr Datenvolumen bald überschritten haben und die Verbindung demnächst auf Scheckentempo gedrosselt wird.

Die meisten Android-User nutzen jedoch Datentarife mit 500 MByte oder weniger [1] an Inklusivvolumen, 15 Prozent unserer Leser stehen gar maximal nur 200 MByte zur Verfügung. Geben Sie daher darauf acht, dass Apps nicht zu viel über die mobile Datenleitung jagen. Die häufigsten Traffic-Fallen zeigen wir Ihnen im Folgenden auf.

Vorsicht vor Tethering


Unter Tethering versteht man die gemeinsame Nutzung der Mobilfunkanbindung eines Handys mit mehreren Geräten. Sehr praktisch ist dies zum Beispiel, wenn man ein reines WLAN-Tablet auch unterwegs nutzen möchte oder im Urlaub eine Prepaid-SIM-Karte aus dem Urlaubsland ins Handy steckt und mitreisende Freunde/Verwandte über dieses Handy ins Internet gehen. Dazu muss unter Einstellungen | Drahtlos & Netzwerke | Mehr? | Tethering & mobiler Hotspot nur der Mobile WLAN-Hotspot aktiviert werden.

Abbildung 1: Achten Sie beim WLAN-Tethering darauf, dass Apps auch über WLAN nicht beliebig ins Internet funken.
Abbildung 1: Achten Sie beim WLAN-Tethering darauf, dass Apps auch über WLAN nicht beliebig ins Internet funken.

Bedenken Sie jedoch dabei, dass viele beliebte Apps – wie noch im Laufe des Artikels beschrieben – die Datenleitung intensiv nutzen, sobald Sie über WLAN ins Internet gehen. Im Falle der Nutzung eines WLAN-Hotspots weiß zwar das "Haupt-Handy", dass es nur über eine Mobilfunkanbindung im Internet hängt, bei den anderen Handys ist jedoch das WLAN aktiv – und demzufolge laufen auch deren Hintergrunddienste – achten Sie daher sehr genau darauf, was Ihre Apps so im Hintergrund treiben.

Google+


Das soziale Netzwerk Googles dient auch als Online-Photospeicher. Die App fragt Sie bei der ersten Benutzung, ob Sie Ihre mit dem Handy geschossenen Bilder und Videos automatisch hochladen möchten. Von dort aus teilen Sie Ihre besten Bilder ohne großen Aufwand gleich mit Ihren Kreisen.

Abbildung 2: Google+ dient Google auch als Online-Bilderbuch für mit dem Handy geschossene Bilder.
Abbildung 2: Google+ dient Google auch als Online-Bilderbuch für mit dem Handy geschossene Bilder.

Abbildung 3: Der Upload zu Google+ geschieht in der Standardeinstellung nur über die WLAN-Verbindung.
Abbildung 3: Der Upload zu Google+ geschieht in der Standardeinstellung nur über die WLAN-Verbindung.

In der Standardeinstellung geschieht dies lediglich bei einer aktiven WLAN-Verbindung, aus den Google+-Einstellungen heraus lässt sich unter Einstellungen | Sofort-Upload jedoch auch der Zeitpunkt für Foto-Uploads bzw. der Zeitpunkt für Video-Uploads von Nur über WLAN auf Über WLAN oder Mobilfunknetz umstellen. Ist der zweite Punkt aktiv, kommen schnell einige hundert MByte an Bilderuploads zu Google+ zusammen.

YouTube


Googles Videos-Dienst YouTube kennt keinen Hintergrund-Dienst, der über die UMTS-Leitung des Handys arbeitet. Allerdings überschreiten Sie sehr schnell das Limit Ihrer Datenleitung, wenn Sie via Tethering ins Netz gehen und Sie in den Einstellungen der YouTub-App im Menüpunkt Vorab laden die Optionen Abos vorab laden und "Später ansehen" vorab laden aktiviert haben.

Abbildung 4: Auch YouTube lädt auf Wunsch im Hintergrund Daten ohne Ihr Zutun auf das Android-Handy.
Abbildung 4: Auch YouTube lädt auf Wunsch im Hintergrund Daten ohne Ihr Zutun auf das Android-Handy.

Abbildung 5: Das "Vorab laden" von YouTube-Videos ist jedoch von Haus aus nicht aktiv und geschieht über WLAN.
Abbildung 5: Das "Vorab laden" von YouTube-Videos ist jedoch von Haus aus nicht aktiv und geschieht über WLAN.

Beide Optionen sind dafür gedacht YouTube-Videos auf dem Handy zu speichern, so dass Sie diese auch unterwegs – ohne hohen Datenverbrauch – betrachten können. Allerdings ist diese Funktion auch schnell wieder in Vergessenheit geraten. Aktivieren Sie sie zum Beispiel auf Ihrem reinen WLAN-Tablet und gehen dann ausnahmsweise über Ihr Handy ins Netz, dann tickt der Download-Zähler schneller als Ihnen lieb sein könnte.

Google Music


Google Music kann ein fieser Datenschlucker sein, wenn Sie nicht entsprechend aufpassen. Die App spielt lokal gespeicherte, über die App auf dem Handy gecachte und aber auch Musik-Streams ab, die aus Ihrem 20.000 Titel umfassenden Speicher des Google Music-Dienstes aus dem Internet geladen werden.

Abbildung 6: Wählen Sie in Google Music "Alle Musiktitel" aus, lädt die App Musik bei Bedarf auch aus dem Netz.
Abbildung 6: Wählen Sie in Google Music "Alle Musiktitel" aus, lädt die App Musik bei Bedarf auch aus dem Netz.

Abbildung 7: In den Einstellungen de-/aktivieren Sie das Streamen oder Laden von Musik über das Mobilfunknetz.
Abbildung 7: In den Einstellungen de-/aktivieren Sie das Streamen oder Laden von Musik über das Mobilfunknetz.

In den Einstellungen von Google Music finden sich die Optionen Nur über WLAN streamen und Nur über WLAN herunterladen. Die erste ist von Haus aus deaktiviert, die App lädt also – wenn als Datenquelle im Menü Alle Musiktitel ausgewählt wurde – noch nicht auf dem Handy zwischengespeicherte Titel auch über die Mobilfunkanbindung.

Der zweite Punkt betrifft das Herunterladen ganzer Alben auf das Handy. In der Albenansicht oder durch längeres Drücken auf ein Album finden Sie den Punkt Auf Gerät belassen mit einer Pin-Nadel als Symbol. Dieser lädt das Album in den Speicher der App, so dass Sie es immer auf dem Handy dabei haben. Ist Nur über WLAN herunterladen abgewählt, lädt Play Music solche Titel auch über das Mobilfunknetz herunter.

Google Currents


Auch der Nachrichtenaggregator Google Currents kennt eine Datenschlucker-Option. Sie finden Sie in den Einstellungen der App unter Synchronisierung im Hintergrund und Nur über WLAN herunterladen. Diese Option sollte bei einem kleinen Datentarif aktiv sein, sonst lädt die App auch über die Mobilfunkanbindung die letzten News herunter. In der Standardeinstellung ist dieser wichtige Haken allerdings gesetzt.

Abbildung 8: Damit Sie auch ohne Netz immer Lesestoff haben, synchronisiert Google Currents ihre Nachrichtenstreams.
Abbildung 8: Damit Sie auch ohne Netz immer Lesestoff haben, synchronisiert Google Currents ihre Nachrichtenstreams.

Abbildung 9: In der Grundeinstellung ist der Hintergrunddienst von Currents jedoch nur bei WLAN aktiv.
Abbildung 9: In der Grundeinstellung ist der Hintergrunddienst von Currents jedoch nur bei WLAN aktiv.

Facebook


Facebook zeigt hier an dieser Stelle, wie man es eigentlich nicht machen sollte. Aktivieren Sie den automatischen Bilder-Upload, dann lädt die Facebook-App jedes neu geschossene Bild umgehend in Ihre Timeline hoch, ganz egal wie Sie ins Internet gehen. Erst in den Einstellungen unter Fotos synchronisieren werden Sie vor die Wahl gestellt, Bilder nur über Wi-Fi oder auch über das Mobilfunknetz zu teilen.

Abbildung 10: Facebook lädt bei aktivierer Foto-Synchronisierung alle Bilder auch über UMTS ins Netz.
Abbildung 10: Facebook lädt bei aktivierer Foto-Synchronisierung alle Bilder auch über UMTS ins Netz.

Abbildung 11: Im Kleingedruckten der Beschreibung zum Bild-Upload weist Facebook zwar darauf hin.
Abbildung 11: Im Kleingedruckten der Beschreibung zum Bild-Upload weist Facebook zwar darauf hin.

Abbildung 12: In der Grundeinstellung sollte der Upload jedoch nur über die WLAN-Verbindung aktiv sein.
Abbildung 12: In der Grundeinstellung sollte der Upload jedoch nur über die WLAN-Verbindung aktiv sein.

Dropbox


Auch Dropbox kennt einen automatischen Bilder-Upload, Dropbox macht es jedoch richtig und lädt die Bilder in der Standardkonfiguration nur über WLAN hoch – und das auch erst dann, wenn Sie den Kamera-Upload aktiviert haben. Die entsprechend Konfiguration finden Sie in den Einstellungen der App unter Kamera-Upload.

Abbildung 13: Auch Dropbox bietet einen automatischen Bilder-Upload an, dieser ist jedoch nur bei WLAN aktiv.
Abbildung 13: Auch Dropbox bietet einen automatischen Bilder-Upload an, dieser ist jedoch nur bei WLAN aktiv.

Abbildung 14: Erst in den Einstellungen können Sie Dropbox auch bei einer UMTS-Verbindung tätig werden lassen.
Abbildung 14: Erst in den Einstellungen können Sie Dropbox auch bei einer UMTS-Verbindung tätig werden lassen.

Beachten Sie aber wieder das Tethering während einer Urlaubsreise. Steckt die ausländische SIM-Karte in Ihrem Handy und Ihr(e) PartnerIn geht über Ihr Handy via Tethering ins Netz um auch wichtige E-Mails empfangen zu können, dann schlägt der Bilderupload Dropbox schnell mit einigen MByte pro Bild zu Buche, stellen Sie ihn im Urlaub besser ganz ab.

Tipp

Es lohnt sich bei Dropbox den automatischen Bilder-Upload vom Handy zu nutzen. Der Dienst schenkt Ihnen [2] jeweils 500 MByte zusätzlichen Speicherplatz in der Dropbox-Cloud für jedes halbes GByte an hochgeladenen Bildern. Maximal "verdienen" Sie sich so drei GByte zusätzlichen Speicher bei Dropbox.

Hintergrunddaten beschränken


Android selber protokolliert sehr zuverlässig mit welche App wie viele Daten im Laufe der Zeit über die Leitung schickt. Unter Einstellungen | Drahtlos & Netzwerke | Datenverbrauch bereitet das System die gesammelten Daten übersichtlich auf. Hier können Sie Limits für eine Verbrauchswarnung festlegen oder auch eine Obergrenze bestimmen, ab der Ihr Handy die Mobilfunkverbindung nicht mehr für Daten benutzen darf – In Deutschland meist wenig sinnvoll, da bei Überschreitung des Inklusivvolumens die Übertragungsgeschwindigkeit reduziert wird, aber keine zusätzlichen Kosten entstehen.

Abbildung 15: Wenn zu viele Daten vom Handy übertragen werden, gibt Android auf Wunsch eine Warnung aus.
Abbildung 15: Wenn zu viele Daten vom Handy übertragen werden, gibt Android auf Wunsch eine Warnung aus.

Abbildung 16: Beschänken Sie die Übertragung von Hintergrunddaten, wenn das Inklusivvolumen knapp wird.
Abbildung 16: Beschänken Sie die Übertragung von Hintergrunddaten, wenn das Inklusivvolumen knapp wird.

Praktisch ist jedoch die Option Hintergrunddaten beschränken in Zusammenspiel mit der Warnung, dass soundsoviel MByte des Datenvolumens bereits verbraucht sind. So lässt sich rechtzeitig das Synchronisieren von Gmail und Co. deaktivieren – und somit das Überziehen des Datenvolumnens vermeiden – ohne dass Sie gänzlich auf eine aktive Internetanbindung verzichten müssen. Nicht jede App aber hält sich an diesen Schalter, prüfen Sie daher besser die Einstellungen jeder von Ihnen nachinstallierten Android-Anwendung.


Infos

  1. Welche Datenflatrate benutzen Sie?: http://www.android-user.de/content/collectedinfo/16760
  2. Mehr Speicherplatz bei Dropbox: https://www.dropbox.com/help/287/de

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