Start Magazin Das Samsung Galaxy S unter CyanogenMod 10.1

Das Samsung Galaxy S unter CyanogenMod 10.1

© (C) Samsung

Auch wenn das Samsung Galaxy S schon mehr als zwei Jahre auf dem Buckel hat, den Zugriffsstatistiken auf android-user.de nach ist das Handy nach wie vor sehr beliebt. Zeit sich dem Handy zu widmen! Mit CyanogenMod 10.1 locken Sie deutlich mehr Power aus dem alten Knochen.

Als Samsung das erste Galaxy S im Juli 2010 vorstellte, war es "das" Android-Handy. Zum Zeitpunkt der Präsentation hatte es dank seiner GPU von PowerVR den schnellste Grafikchip auf dem Markt und war mit knapp 9,9 mm Dicke das dünnste Smartphone der Welt. Die vom Galaxy S gesetzten Rekorde gelten natürlich schon lange nicht mehr, was für Besitzer des Handys dennoch kein Grund sein sollte, das Handy zum alten Eisen zu geben.

Auch wenn Samsung den Support des Handys mit dem Erscheinen von Android "Gingerbread" 2.3 aufgegeben hat, entwickelt die Android-Community rund um das Handy munter weiter. Das alte Galaxy S stellt praktisch die untere Grenze von Android-Handys dar, auf denen die CyanogenMod-Firmware [1] installiert werden kann. Damit kommt auch das Galaxy S – wenn auch nicht offiziell – in den Genuss von Android "Jelly Bean" 4.2.

Samsung Galaxy S I9000

Benchmark Ergebnis
Android 2.2, FROYO.XXJPO
AnTuTu 3066
Vellamo 1.0.6 566
Android 2.3.6, GINGERBREAD.XXJVU
AnTuTu 3034
Vellamo 1.0.6 606
Vellamo HTML5 521
Vellamo METAL 217
Android 4.2.2, CyanogenMod 10.1.0 RC5
AnTuTu 4218
Vellamo 1.0.8 1118
Vellamo HTML5 1105
Vellamo METAL 265

Die Installation des aktuellen CyanogenMod-Release-Candidates ist im Zusammenspiel mit einem Windows-PC gar nicht so schwer. Belohnt wird die Arbeit mit einem top-aktuellen Android-System und einem deutlichen Leistungsschub, der sich nicht nur in Benchmarks, sondern auch auch im Android-Alltag durchaus bemerkbar macht.

Flashen vorbereiten

Bevor Sie die ersten Schritte auf dem Weg hin zu Jelly Bean unternehmen, gilt es wie immer bei Operationen am offenen Herzen ein Backup des Systems zu machen. Ihre Mails und Kontakte, sind üblicherweise sicher in der Google-Cloud verstaut, doch wichtige SMS oder Bilder von der SD-Speicherkarte können durchaus auch einmal verloren gehen. Nicht unüblich ist es zudem, nach dem Einspielen eines neuen ROMs einen Werksreset zu machen, ein Backup schadet daher nie.

Um eine gute Basis zum Flashen von CyanogenMod 10 mit Jelly Bean aufzubauen, sollten Sie in einem ersten Schritt das System zurücksetzen und die letzte offizielle Firmware von Samsung mit Android 2.3.6 einspielen. Im Netz finden Sie dazu das Flash-Tool Odin 3 und die Firmware inklusive Root-Patch in einem großen Download-Paket [2]. Laden Sie das Archiv I9000XXJVU_I9000OXAJVU_OXA.zip auf Ihren PC herunter und entpacken die enthaltenen Dateien mit einem geeigneten Tool.

Abbildung 1: Das Samsung Galaxy S im Download-Modus vor dem Flashen des Original-Images mit Odin 3.
Abbildung 1: Das Samsung Galaxy S im Download-Modus vor dem Flashen des Original-Images mit Odin 3.

Um die Firmware einzuspielen, müssen Sie Ihr Galaxy S nun in einem speziellen "Download Modus" starten. Schalten Sie es dazu ab, ziehen das USB-Kabel vom PC ab und drücken dann gleichzeitig die Knöpfe Lautstärke-Runter | Home | An-/Aus. Das Handy startet daraufhin mit einem gelben Baustellen-Androiden auf dem Display und dem Text "Downloading? Do not turn off Target!!!".

Rooten mit Odin

Führen Sie nun die Datei Odin3 v1.85.exe aus dem Archiv aus und verbinden das Handy wieder per USB mit dem Rechner. Odin sollte nun etwas wie <ID:0/005> Added!! im Nachrichtenbereich melden und der Kasten oben links unter "ID:COM" gelb aufleuchten. Zeigt Odin keine Reaktion an dieser Stelle, fehlt Ihnen vermutlich der nötige Treiber für Windows. Installieren Sie diesen bitte entweder durch die vollständige Installation von Samsungs megabyte-starker Verwaltungssuite Kies [3] oder besser gezielt als einzelnes Setup [4][5].

Abbildung 2: Mit Odin 3 flashen sie die letzte offizielle Firmware auf Ihr Samsung Galaxy S.
Abbildung 2: Mit Odin 3 flashen sie die letzte offizielle Firmware auf Ihr Samsung Galaxy S.

Meldet Odin erfolgreich das Galaxy S im Download-Modus, setzen Sie den Haken bei Re-Partition und wählen unter PIT die Datei s1_odin_20100512.pit. Im weiteren Verlauf unter PDA die CODE_I9000XXJVU_CL851880_REV03_user_low_ship.tar.md5, für PHONE die Datei MODEM_I9000XXJVU_REV_00_CL1092175.tar.md5 und unter CSC letztendlich das Archiv GT-I9000-CSC-MULTI-OXAJVU.tar.md5. Ein Klick auf Start weißt Odin abschließend an die ausgewählte Firmware zu installieren, am Ende des Prozesses startet das Handy mit der neuen Firmware durch.

Abbildung 3: Danach kopieren Sie den passenden Root-Patch und das Recovery auf das Handys.
Abbildung 3: Danach kopieren Sie den passenden Root-Patch und das Recovery auf das Handys.

Auf Ihrem Galaxy läuft nun die letzte Original-Firmware mit Android 2.3.6, ohne Root oder andere Modifikationen. Den nun nötigen Root-Patch finden Sie ebenfalls im Odin-Archiv. Starten Sie dazu erneut das Handy im Download-Modus, stecken es wieder an den Rechner an und gehen abermals in das Odin-Tool. Setzten Sie dieses mit Reset zurück und wählen unter PDA diesmal lediglich die Datei CF-Root-XX_OXA_JVU_2.3.6-v4.3-CWM3RFS.tar aus. Achten Sie bitte darauf, dass die Option Re-Partition nicht aktiviert ist, sie würde wieder Daten auf dem Handy löschen.

Abbildung 4: Nach dem Rooten des Handys finden Sie die Superuser-App unter Ihren installierten Anwedungen.
Abbildung 4: Nach dem Rooten des Handys finden Sie die Superuser-App unter Ihren installierten Anwedungen.

Abbildung 5: Sie regelt den Zugriff von Apps auf Funktionen, die erweiterte Root-Rechte benötigen.
Abbildung 5: Sie regelt den Zugriff von Apps auf Funktionen, die erweiterte Root-Rechte benötigen.

Auch hier startet das Handy wieder automatisch neu in das Android-System. Nach dem Flashen des Root-Zugangs – inklusive modifiziertem Recovery-Modus – finden Sie nun Einträge wie CWM, Superuser oder Tweaks auf Ihrem Galaxy-S-Handy. Verschwenden Sie aber hier an dieser Stelle nicht viel Zeit mit dem Einrichten, wir gehen gleich über zur Installation von CyanogenMod 10.

CyanogenMod flashen

Die Entwickler von CyanogenMod haben das Galaxy S bereits in die Liste der für CM10.1 offiziell unterstützten Geräte aufgenommen. Für Besitzer eines SGS heißt dies, dass es täglich Nightly Builds und in regelmäßigen Abständen Release Candidates, also geprüfte Zwischenstände, zum Download gibt. Zum Zeitpunkt dieses Artikels ist CM10.1.0 RC5 [6] aktuell, das wir auch für diesen Bericht nutzen.

Abbildung 7: CyanogenMod 10 installieren Sie von der SD-Speicherkarte direkt über den Recovery-Modus des Handys.
Abbildung 7: CyanogenMod 10 installieren Sie von der SD-Speicherkarte direkt über den Recovery-Modus des Handys.

Laden Sie sich zum Flashen der Firmware das aktuelle Archiv cm-10.1.0-RC5-galaxysmtd.zip [7] herunter und verschieben es nach dem Download auf den internen Speicher des Handys, ohne es vorher auszupacken. Um sicher zu gehen ob der Download und das Verschieben der Datei störungsfrei funktioniert hat, prüfen Sie bitte abschließend die MD5-Summe der Datei mit etwa WinMD5Free [8].

Abbildung 8: CyanogenMod schraubt nicht an der Optik, Sie bekommen original Jelly Bean auf das SGS.
Abbildung 8: CyanogenMod schraubt nicht an der Optik, Sie bekommen original Jelly Bean auf das SGS.

Abbildung 9: Die Google Apps wie Gmail oder der wichtige Play Store müssen nachgerüstet werden.
Abbildung 9: Die Google Apps wie Gmail oder der wichtige Play Store müssen nachgerüstet werden.

Schalten Sie jetzt wieder das Handy aus und starten Sie es diesmal mit der Tastenkombination Lautstärke-Hoch | Home | An-/Aus in den Recovery-Modus. Dort initiieren Sie die Installation des CyanogenMod-ROMs über Install zip from sdcard und setzen anschließend noch mit den beiden Optionen Wipe data/factory reset und Wipe cache partition den Speicher des Handys zurück. Reboot system now startet dann abschließend Ihr Handy mit CyanogenMod 10.1 und Jelly Bean neu.

Google Apps installieren

Nach dem Reboot empfängt Sie CyanogenMod mit einem ziemlich nacktem Android. Aus rechtlichen Gründen enthält das Custom-ROM von Haus aus keine Google Apps wie z.B. Gmail oder den Play Store, die sie normalerweise auf einem Androiden finden. Sie müssen jedoch nicht auf diese gewohnten Tools – und vor allem dem Google Play Store mit seinen zigtausend Apps – verzichten, die Apps lassen sich ebenfalls über den Recovery Modus flashen.

Sie finden den zu CyanogenMod 10 passenden Download auf Goo.im [9]. Die Datei gapps-jb-20130301-signed.zip kopieren Sie – wie das Image von CyanogenMod zuvor – auf den internen Speicher des Handys und flashen die Datei erneut über den Recovery Modus. Nach dem nächsten Neustart finden Sie den Play Store unter den installierten Apps. Weitere Google-Anwendungen wie etwa Gmail [10], Maps oder Google+ installieren Sie danach ganz normal über den Play Store.

Quicksettings aus dem S4

Über die Schnelleinstellungen von Android 4.2 lässt sich bequem WLAN oder Bluetooth ab- und anschalten, doch die Optionen sind begrenzt. Wer so gut wie alles mit nur einem Klick regel möchte, kann neben CyanogenMod das "S4 Notification Center for i9000" [11] flashen. Dazu muss die Datei S4 Style Notification - [CM10.1_RC5].zip genauso wie CyanogenMod selber oder die Google Apps über den Recovery-Modus eingespielt werden.

Abbildung 6: Mit den "S4 Style Notifications" holen Sie die vom S4 bekannten Quick-Settings aufs Handy.
Abbildung 6: Mit den "S4 Style Notifications" holen Sie die vom S4 bekannten Quick-Settings aufs Handy.

Anschließend finden Sie unter Einstellungen | System die zusätzlichen Einträge Schnelleinstellungen und Benachrichtigungsanzeige. Hier wählen Sie aus, welche Schalter in welcher Reihenfolge letztendlich in der Benachrichtigungsanzeige erscheinen sollen. Zwischen den beiden Ebenen schalten Sie über das Icon in der rechten oberen Ecke um.

Jelly Bean auf dem Galaxy S

Trotz des noch andauernden Entwicklungsprozesses von CyanogenMod können wir keine negativen Auswirkungen auf unser Galaxy S feststellen. Ganz im Gegenteil, die Benchmarks zeigen einen deutlichen Leistungsanstieg. Dieser wirkt sich besonders im Browser oder auch in der Oberfläche aus. Wie von aktuellen Jelly-Bean-Androiden gewohnt, ruckelt in der Oberfläche nichts und auch aufwändige Webseiten bauen sich zügig auf.

Abbildung 10: Der DSPManager optimiert auf Wunsch den Klang der Audio-Ausgabe Ihres Galaxys.
Abbildung 10: Der DSPManager optimiert auf Wunsch den Klang der Audio-Ausgabe Ihres Galaxys.

Abbildung 11: CyanogenMod integriert diverse Tweaks zur Konfiguration des Smartphones.
Abbildung 11: CyanogenMod integriert diverse Tweaks zur Konfiguration des Smartphones.

CyanogenMod liefert Ihnen nicht ein blankes Android, so wie es direkt von Google kommt. Die Android-Distribution baut verschiedene Modifikationen und auch eigene Entwicklungen in ihr Custom-ROM ein. So finden Sie mit Apollo oder dem DSPManager einen eigenen Musik-Player bzw. Audio-Effekte zur verbesserten Ausgabe von Musik und Sprache.

Tipp

Noch (Stand Mitte Juni 2013) wurde die offizielle Version von CyanogenMod 10.1 nicht veröffentlicht. CyanogenMod bringt jedoch unter Einstellungen | Über das Telefon | CyanogenMod-Updates gleich eine eigene Update, über die Sie das System ganz einfach aktuell halten können. Einmal installiert, müssen Sie CyanogenMod nicht mehr über das Recovery-System flashen.

Abbildung 12: CyanogenMod aktualisieren Sie über die Update-Routine aus dem laufenden System.
Abbildung 12: CyanogenMod aktualisieren Sie über die Update-Routine aus dem laufenden System.

Exklusive Features von Jelly Bean – wie zum Beispiel Google Now – finden Sie natürlich auch in CyanogenMod 10 wieder. Da dem Galaxy S jedoch virtuelle Tasten wie auf dem Galaxy Nexus fehlen, aktivieren Sie den persönlichen Assistenten Googles über einen längeren Druck auf die linke Menütaste anstatt eines Wischs über den Home-Button. Zum App-Switcher gelangen Sie über einen längeren Druck auf den Home-Button.

Fazit

Für Android-Fans lohnt es sich auf jeden Fall das Samsung Galaxy S zu rooten und CyanogenMod zu installieren. Sie bekommen so ein Handy mit aktueller Software und vielen Tuning-Möglichkeiten. Sollte Ihnen Ihr Galaxy S nach wie vor noch zu träge arbeiten, lässt sich etwa die Maximale Taktfrequenz der CPU unter Einstellungen | Leistung | Prozessor hochsetzen. In unserem Text bezahlt man das Übertackten des Systems jedoch mit zahlreichen Abstürzen, wir empfehlen den Betrieb mit den ursprünglichen 1000 MHhz.

Abbildung 13: Zu starkes Drehen an der Leistungsschraube bezahlt man mit Abstürzen.
Abbildung 13: Zu starkes Drehen an der Leistungsschraube bezahlt man mit Abstürzen.


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