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CyanogenMod auf dem Samsung Galaxy S3 installieren

Das Galaxy S3 ist ein tolles Smartphone, doch die Touchwiz-Oberfläche nicht jedermanns Geschmack. Mit CyanogenMod 10.1 verpassen Sie dem Star-Handy einen frischen Touch.

Das Galaxy S3 gehört zu den am weitesten verbreiteten Android-Smartphones. Es wird aber vermutlich von Samsung nach Android 4.2.2 keine weiteren großen Firmware-Updates mehr bekommen. Zudem bringt die Samsung-Firmware recht viel Ballast mit, den Sie vielleicht gar nicht brauchen. Alles gute Gründe, CyanogenMod auf dem SGS3 einzuspielen. Die folgende Anleitung steht exemplarisch für die meisten modernen Samsung Telefone und Tablets, bei denen das Vorgehen zur CM-Installation identisch ist. Die Anleitung funktioniert nur unter Windows.

Vorbereitungen

Vor dem Flashen sollten Sie auch hier ein Backup Ihrer Daten anlegen, wie in den Artikeln zum Nexus 4 und zum Samsung i9000 beschrieben. Anschließend müssen Sie die Firmware auf den neuesten Stand bringen, damit es keine Probleme mit dem Bootloader und der Funkeinheit gibt (siehe Kasten "Bei Problemen"). Beim Einspielen von CyanogenMod gehen sämtliche Einstellungen und Daten auf dem Galaxy-Smartphone verloren, abgesehen von den Dateien, die auf der MicroSD-Karte liegen.

Laden Sie sich nun die passende CyanogenMod-Firmware [1] und die Gapps [2] herunter und speichern Sie diese zwei Dateien auf der MicroSD-Karte des Galaxy S3. Je nachdem, ob Sie die normale oder die LTE-Variante einsetzen, müssen Sie die Version für i9300 oder i9305 herunterladen. Aktuell (Stand Mitte Juni) gibt es davon nur Nightly Builds, keine RCs, da es noch Probleme mit der Mali-Grafikeinheit des Galaxy S3 gibt. Sollten Sie keine MicroSD-Karte in Ihrem Handy haben, dann speichern Sie die Dateien auf dem PC und übertagen diese nach der Installation des ClockworkMod Recoverys.

Abbildung 1: Die Firmware-Dateien für das CyanogenMod-Projekt sind sauber nach Gerät und Build-Status geordnet.
Abbildung 1: Die Firmware-Dateien für das CyanogenMod-Projekt sind sauber nach Gerät und Build-Status geordnet.

Bei Problemen

Treten nach der Installation von CyanogenMod Probleme auf, die nicht dokumentiert sind – zum Beispiel instabile Telefongespräche oder unerklärliche Abstürze, liegt dies höchstwahrscheinlich an zwei geschlossenen Komponenten des Systems: Dem Bootloader und der Firmware der Radio-Einheit. Der Bootloader ist die Komponente, die alle Hardware initialisiert und danach das Betriebssystem startet. Sie ist vergleichbar mit dem BIOS eines Computers. Die Firmware des Radios hingegen kümmert sich um alles, was senden und empfangen kann. Beispielsweise Telefon/GSM, Internetverbindung, WLAN, Bluetooth und GPS.

Diese Komponenten kann und darf das CM-Team – aus verschiedenen Gründen – nicht in die Firmware integrieren. Um Probleme in diesem Bereich zu beheben, gibt es eine einfache Regel: Installieren Sie die neueste online verfügbare Firmware Ihres Herstellers. Danach ist zwar das ClockworkMod Recovery weg, aber dafür sind alle internen und geschlossenen Komponenten auf dem neuesten Stand. Wenn Sie jetzt die hier beschriebene CyanogenMod-Installation durchführen, sollte Ihr System anstandslos funktionieren.

ClockworkMod installieren

Laden Sie zuerst das ClockworkMod Recovery auf Ihren PC herunter, das Sie unter [3] finden. Beachten Sie auch hier, dass es unterschiedliche Versionen für die LTE- und die GSM-Version des SGS3 gibt. Laden Sie dann die Heimdall Suite 1.4RC2 für Windows herunter [4]. Falls Sie beim Start der Heimdall Suite eine Fehlermeldung bezüglich C++ bekommen, dann benötigen Sie noch die Microsoft C++ 2012 Bibliotheken, die Sie unter [5] finden.

Schalten Sie Ihr Gerät nun aus, verbinden Sie das Micro USB Kabel mit dem PC, nicht jedoch mit dem Handy. Halten Sie nun die Home-Taste, Leiser Taste und Power Taste gedrückt, während Sie das USB Kabel einstecken. Eine dritte Hand kann für diesen Schritt sehr hilfreich sein. Sollten Sie jetzt nicht den Download Modus auf Ihrem Gerät sehen (Abbildung 2), sondern einen normalen Startvorgang, wiederholen Sie die Schritte. Wahrscheinlich haben Sie nicht alle Tasten richtig gedrückt.

Abbildung 2: Das SGS3 in den Download-Modus zu versetzen, benötigt etwas Fingerspitzengefühl.
Abbildung 2: Das SGS3 in den Download-Modus zu versetzen, benötigt etwas Fingerspitzengefühl.

Führen Sie jetzt die Datei zadig.exe aus der Heimdall Suite aus und wählen Sie unter Options den Punkt List all devices. Markieren Sie in der Liste den Eintrag Samsung USB Composite Device. Je nach Windows-Version und installierten Treibern kann dieser Eintrag auch den Namen Gadget Serial oder Device Name tragen. Klicken Sie nach der Auswahl auf Install Driver und bestätigen Sie eventuell auftauchende Windows Bestätigungsdialoge mit Ja.

Letztlich führen Sie eine Befehlszeile im Heimdall-Verzeichnis aus, in die Sie das zuvor heruntergeladene ClockworkMod Recovery kopiert haben. Hier geben Sie folgenden Befehl ein:

heimdall flash --recovery recovery-clockwork-touch-6.0.3.1-i9300.img --no-reboot

Der Dateiname kann bei aktualisierten Versionen leicht abweichen, i9300 steht auch hier für die S3-Variante ohne LTE. Sie haben nun das ClockworkMod Recovery auf Ihrem System. Sollten Sie Ihr Samsung-Handy nochmals starten, wird dies das Recovery leider wieder mit dem originalen Samsung Recovery überschreiben. Verhindern Sie dies, indem Sie Ihr Gerät nicht herunterfahren sondern durch längeres Drücken der Ein-/Aus-Taste ausschalten. Zum Einschalten drücken Sie erst die Lauter und Home-Taste und dann die Ein-/Aus-Taste. Nach einigen Sekunden booten werden Sie mit dem ClockworkMod Recovery begrüßt.

Die erste Aktion im neuen ClockworkMod Recovery sollte ein Backup des Herstellersystems sein. Wählen Sie unter backup and restore den Punkt backup aus. Dieses Backup kann man zum Beispiel im Garantiefall wieder einspielen. Bis dahin ist es gut auf der Festplatte des PC aufgehoben, wohin Sie es später von der MicroSD-Karte verschieben können. Nehmen Sie sich die Zeit für das Backup!

Nach dem Backup wählen Sie den Eintrag wipe data/factory reset aus. Dieser löscht alle Daten! Vergisst man diesen Schritt endet man nach der Installation von CyanogenMod in einem Bootloop, und die Start-Animation von CyanogenMod wird endlos abgespiel. Der Bootloop ist nicht zu verwechseln mit dem ersten Start des frischen CM-Systems, dem man in jedem Fall zehn Minuten Zeit geben sollte.

CyanogenMod installieren

Nach diesen Schritten ist das Galaxy S3 bereit für CyanogenMod. Wählen Sie den Eintrag install zip from sdcard | choose zip from sdcard, um die MicroSD-Karte zu öffnen, auf der Sie die vorher heruntergeladenen Dateien auswählen können. Einige Geräte bieten ausserdem die Option install zip from external sdcard für den Zugriff auf die externe, zweite Karte. Die zuvor geladenen zwei Dateien befinden sich im Verzeichnis Download. Das Recovery zeigt hier nur Dateien mit der Endung .zip und weitere Verzeichnisse an.

Zuerst wählen sie die eigentliche CyanogenMod-ROM aus. Der Dateiname für das Nightly-Release des SGS3 vom 12. Juni lautet cm-10.1-20130612-NIGHTLY-i9300.zip. Bis diese Ausgabe von Android User am Kiosk erscheint, gibt es aber mit Sicherheit bereits neuere Versionen von CM 10.1 für das SGS3.

Bestätigen Sie die Auswahl, damit die Installation startet. Nachdem dieser Schritt abgeschlossen ist, installieren Sie auf die gleiche Weise die Google Apps (siehe Kasten). Ein Neustart zwischen den beiden Inatallationen ist nicht nötig. Die Gapps zur Version 4.2.2 heißen aktuell gapps-jb-20130301-signed.zip. Ist auch diese Installation abgeschlossen, wählen Sie reboot system und geben dem Gerät etwas Zeit, alle Operationen, die für den ersten Systemstart ausgeführt werden, abzuarbeiten (bis zu 10 Minuten sind nicht unüblich). Sie werden dann nach der Eingabe Ihres PIN-Codes mit dem Dialog zum ersten Einrichten Ihres Telefons begrüßt, der Sie nach Dingen wie WLAN Zugang und Google Account fragt.

Abbildung 3: Auch bei CyanogenMod führt Sie das System beim ersten Start durch die wichtigsten Dialoge.
Abbildung 3: Auch bei CyanogenMod führt Sie das System beim ersten Start durch die wichtigsten Dialoge.

Abbildung 4: Der DSP-Manager gehört zu den akustischen Leckerbissen von CyanogenMod.
Abbildung 4: Der DSP-Manager gehört zu den akustischen Leckerbissen von CyanogenMod.

Google Apps

In den allermeisten Fällen wird CyanogenMod zusammen mit den so genannten Gapps installiert. Diese beinhalten Googles Closed-Source – also nicht frei verfügbaren – Android-Komponenten. Beispielsweise die Synchronisation von Kontakten und Kalendar über den Google Account, so wie den Play Store zur Installation von weiterer Software. Obwohl es Teil der CyanogenMod-Philosophie ist, das ein frisch installiertes CyanogenMod auch ohne Google Apps in der Lage sein sollte, die alltäglichen Aufgaben zu erledigen, ist dem Team bewusst, wie wichtig der Play Store mit seiner Fülle an Anwendungen ist.

Google hat das CyanogenMod-Team in den frühen Android-Tagen offiziell aufgefordert, die nicht freien Google-Apps nicht mit der ROM zu bündeln. Eine Aufforderung, die sich gegenüber anderen Projekten seltsamerweise nie wiederholt hat. Dennoch bemüht sich das CM-Projekt, Google nicht zu verärgern, und kommt dieser Aufforderung seither nach. Daher muss man zusätzlich zum CyanogenMod Paket noch das Gapps-Paket installieren [6]. Dabei muss leider der Nutzer selbst darauf achten, dass die verwendete CyanogenMod-Version auch zur verwendeten Gapps-Version passt. Schon Android 4.2.2 mit den Gapps von Android 4.2.1 kann Probleme verursachen – Eine nicht ganz unproblematische Situation, die zu unnötigen Problem und Unklarheiten führen kann. Das CM-Team arbeitet deshalb an einem FAPPS-Paket, das durchgehend aus freien Apps besteht und einen unabhängigen Market/Store und unabhängige Synchronisation bieten wird. So zumindest die aktuelle Planung.

Automatische Updates

Seit CM10 beinhaltet CyanogenMod einen Update-Mechanismus. Nach der Installation ist er so eingestellt, dass er einmal pro Woche nach einer neuen, stabilen Version sucht. Als stabil gelten hier M-, RC- und Stable-Versionen (siehe separaten Artikel zu den Grundlagen von CyanogenMod). Alle diesen Einstellungen können Sie unter Einstellungen | Über das Telefon/Tablet | CyanogenMod Updates nach Belieben verändern. Als Nightly-Nutzer möchten Sie vielleicht täglich nach neuen Versionen inklusive Nightly suchen.

Das Vorgehen ist für alle Einstellungen gleich: Eine Benachrichtigung informiert Sie über die Verfügbarkeit einer neuen Version. Das anklicken dieser Benachrichtigung führt Sie zum Download. Der Download-Fortschritt wird ebenfalls über eine Benachrichtigung angezeigt. Sobald der Download fertig ist, werden Sie gefragt, ob Sie die Installation jetzt oder später durchführen möchten. Wählen Sie hier Ja, startet das Telefon neu, das Recovery installiert automatisch die neue Version und startet danach sofort erneut. In weniger als fünf Minuten ist Ihr Gerät auf dem neuesten Stand.

Das Neustart-Menu

Alte CyanogenMod Benutzer mögen sich fragen, wohin die erweiterten Neustart Optionen verschwunden sind. Konnte man früher zwischen Neustart, Recovery und Bootloader (oder Download Mode bei Samsung Geräten) wählen, ist diese Auswahl seit einiger Zeit verschwunden. Hintergrund ist die Tatsache, dass der normale Benutzer diese Auswahl nicht mehr benötigt, da die Updates, wie oben erklärt, automatisiert sind. Ein Benutzer, der trotzdem im Recovery landet, ohne dies zu kennen, kann ungewollt sehr viel Schaden anrichten. Diese Überlegung kombiniert mit der Tatsache, dass man bei fast allen Geräten das Recovery durch drücken einer Tastenkombination beim Neustart erreichen kann hat uns dazu geführt, die Neustart Optionen abzuschalten.

Abbildung 5: Die Entwickler-Optionen mit dem erweitertem Neustart-Menu von CM 10.1.
Abbildung 5: Die Entwickler-Optionen mit dem erweitertem Neustart-Menu von CM 10.1.

Allerdings können Sie die alte Auswahl wieder einschalten. Der Eintrag hierfür befindet sich als Erweitertes Neustartmenü in den Entwickleroptionen. Leider hat Google seit Version 4.2 diese Entwickleroptionen versteckt. Gehen Sie in den Einstellungen auf Über das Telefon und tippen Sie 7-mal auf den Menüpunkt Build-Nummer, um diesen Menüpunkt zurück zu erhalten.

Fazit

Auch wenn es aktuell noch keine Stable Builds von CM 10.1 für das Samsung Galaxy S3 gibt, lohnt sich ein Blick auf die Nightly Builds. Denn Samsung hat das offizielle Update auf Android 4.2.2 erneut verschoben, und Android 4.3 oder sogar 5.0 werden Sie garantiert von Samsung nicht mehr erhalten.


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