Start Apps Conversation: OpenSource Instant-Messenger im Holo-Design und mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Conversation: OpenSource Instant-Messenger im Holo-Design und mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

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Als Facebook im Februar den Messenger WhatsApp schluckte, war das Geschrei um mögliche Alternativen sehr groß. Jede wollte besser und vor allem sicherer als WhatsApp sein. Doch bei all den Alternativen blieb ein Aspekt außen vor: Warum nicht auf ein bewährtes Protokoll und auf eine bewährte Infrastruktur setzen, statt das Rad neu zu erfinden?

Jeder Messenger hat seine eigenen Vor- und Nachteile, warum also nicht back to the roots und gleich einen XMPP Client benutzen? Das eXtensible Messaging and Presence Protocol bietet zahlreiche Vorteile: Ähnlich wie E-Mail ist das XMPP Netzwerk vollkommen dezentral aufgebaut. Benutzer werden durch eine Kombination aus Benutzername und Servername identifiziert (username@server.tld). Die Spezifikation des Protokolls ist komplett offen, und es gibt bereits unterschiedliche Client- und Serverimplementationen. Zahllose Unis, Vereine wie der Chaos Computer Club oder sogar Firmen wie die United Internet AG (GMX, 1und1, web.de) stellen XMPP-Server bereit. Wer es gerne noch ein bisschen privater hätte, betreibt selber einen Server oder bittet einen computeraffinen Bekannten darum, einen zu betreiben.

Conversation bringt XMPP auf Android

Ein Grund weshalb sich XMPP bisher nicht richtig durch setzen konnte, könnte das Fehlen eines einfach zu bedienen mobile Clients sein. Für Android gab es zwar bereits eine ganze Reihe von Clients (Yaxim, Xabber oder ChatSecure) doch überfordern sie den Benutzer mit zahllosen Einstellungen oder lassen wichtige Features wie Verschlüsselung oder die Möglichkeit Bilder zu verschicken vermissen.

Conversations tritt nun an mit allen diesen Problemen aufzuräumen. Es kommt mit einer modernen, an Google Hangouts angelehnten, Oberfläche. Beim ersten Start fragt die App nach einer Benutzer ID und einem Passwort und dann kann es ohne weitere Konfiguration los gehen. Conversations verhält sich weitestgehend so wie man es von anderen Instant Messengern gewöhnt ist. Der einziger Unterschied ist das Schlosssymbol in der rechten, oberen Ecke mit der man die Art der Ende-zu-Ende Verschlüsselung umschalten kann. Zur Wahl stehen OTR und openPGP. Für den normalen Anweder dürfte OTR die unkomplizierteste und schicherste Variante sein. OTR richtet sich selbstständig ein und steht sofort zur Verfügung. Außerdem ist es kompatible zu diversen Dektop Clients wie Pidgin oder Gajim. Der erfahrenere Anweder kann durch die Wahl von openPGP einige kleinere Nachteile von OTR ausgleichen, erkauft sich dies allerdings mit dem Verzicht auf einige Sicherheitsfeatures, die OTR bietet.

Conversation ist ein Messenger wie aus dem Bilderbuch, hübsch und einfach zu bedienen.
Conversation ist ein Messenger wie aus dem Bilderbuch, hübsch und einfach zu bedienen.

Über das Symbol mit dem Vorhängeschloss lassen sich die Chats verschlüsseln.
Über das Symbol mit dem Vorhängeschloss lassen sich die Chats verschlüsseln.

Unter der Haube nutzt Conversations einige XMPP-Erweiterungen, um den Anforderungen eines mobilen Clients besser Gerecht zu werden. So sorgt eine Erweiterung nahmens Carbons dafür, dass Nachrichten die auf dem Handy getippt werden auch auf dem Desktop-Client erscheinen. Eine andere Erweiterung names Stream Managment kümmert sich darum, dass Conversations mit kurzen Verbindungsabbrüchen und Verbindungswechseln zurecht kommt. Diese Erweiterungen setzen allerdings eine Unterstützung auf Serverseite voraus und sind daher optional.

Das Design von Conversation lehnt sich eng an die Richtlinien der Google-Apps an.
Das Design von Conversation lehnt sich eng an die Richtlinien der Google-Apps an.

Als freie Software setzt Conversation auch auf die zugehörigen Open-Source-Tools wie OpenGPG.
Als freie Software setzt Conversation auch auf die zugehörigen Open-Source-Tools wie OpenGPG.

Eine vollständige Liste der unterstützten Erweiterungen findet sich auf der Github Seite von Conversations. Dort findet sich auch der vollständige, GPLv3 lizenzierte Quellcode der App. Wer Ahnung von Softwareentwicklung hat, kann die App in wenigen Schritten selber aus den Quellen übersetzen. Wer diesen Aufwand nicht betreiben oder den Entwickler unterstützen möchte kann den Messenger für 1,99 Euro im Google Play Store kaufen.

Fazit

Conversations beweist, dass XMPP durchaus Chancen hat, eine sichere, dezentrale Alternative zu Whatsapp, Hangouts und Co zu werden. Die App ist allerdings in der aktuellen Version 0.2 noch weit davon entfernt, vollständig massentauglich zu sein. So funktioniert der Bildversand und die OTR-Verschlüsselung nur dann, wenn auch der Empfänger online ist und manche Benutzer berichten, dass unter Umständen einzelne Nachrichten verloren gehen. Die Entwicklung schreitet jedoch stetig voran und der Entwickler reagiert in der Regel sehr schnell auf Bugreports.

Conversations herunterladen

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