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CalDAV/CardDAV: Kalender und Adressbücher ohne Google synchronisieren

© Google Play

Mails, Kontakte, Termine, Ortsdaten: Aus Bequemlichkeit speichern wir alles bei Google. Mit DAVdroid lassen sich jedoch Adressbücher und Termine zu unabhängigen oder selbst-gehosteten Diensten auslagern und so die allgegenwärtige Google-Cloud umgehen.

Können Sie sich noch erinnern, wie umständlich früher einmal der Wechsel des Handys war? Lagerten die Telefonnummern nicht auf der SIM-Karte – weil man Nummern und Anschriften im Adressbuch des Handys speichern wollte – dann musste man für den Umzug spezielle Programme installieren, die die Adressdaten zum Beispiel mit Outlook abglichen – und hoffen, dass es zum Import auf das neue Handy ebenso eine Lösung gab.

Online-Sync per CalDAV und CardDAV

Mit Smartphones und der allgegenwärtigen Datencloud ist dieser Aufwand in Vergessenheit geraten. Wenn Sie heute ein neues Android-Handy in Betrieb nehmen, müssen Sie nur noch Ihre Google-Adresse eintragen, und schon zieht das Gerät Telefonnummern, Adressbücher und Ihre Termine aus dem Netz. Ja, sogar Ihre Handybilder sind umgehend alle wieder da, wenn Sie Ihre Aufnahmen Diensten wie Dropbox oder Google+ anvertraut haben.

CalDAV und CardDAV

CalDAV und CardDAV sind standardisierte Protokolle, mit denen sich Kalender und Kontaktdaten über das Internet übertragen und synchronisieren lassen. Beide Protokolle setzen auf WebDAV auf, das oft zum Einsatz kommt, wenn größere Mengen an Dateien und Verzeichnissen übertragen werden sollen, ohne dass Firewalls weitere Ports öffnen müssen.

Auch wenn Google es von Haus aus bei Android nicht anbietet: Kalender und Adressbuch müssen nicht zwingend bei Google liegen. Über die standardisierten Protokolle CalDAV und CardDAV können Sie diese Daten in Ihrer eigenen Cloud oder bei unabhängigen Anbietern lagern, ohne dass Sie den Komfort der Synchronisation Ihrer Daten über das Internet verlieren.

Installation von DAVdroid

Dazu nötig ist ein entsprechendes CalDAV/CardDAV-Plugin, das Sie als App über den Play Store installieren können. Für unseren Test nutzen wir das quelloffene DAVdroid [1], das sich für etwa 3 Euro aus dem Play Store [2] installieren lässt. Alternativ finden Sie das Programm kostenlos im Open-Source-Market F-Droid [3]. DAVdroid wird aktuell aktiv entwickelt und bietet die Synchronisation von Kalendern und Adressbüchern.

Zusätzlich benötigen Sie noch einen Speicherplatz für Ihre Daten – Google soll es ja nicht mehr sein. Hier bietet es sich an, einen CalDAV-/CardDAV-Server auf eigenem Webspace mit ownCloud [4] aufzusetzen oder auf alternative E-Mail-Anbieter und Internetdienste wie Posteo [5] oder 1&1 MailXchange [6] zuzugreifen. ownCloud hat den Vorteil, dass alle Ihre Daten komplett unter Ihrer Kontrolle bleiben, allerdings müssen Sie selber eine ownCloud-Instanz aufsetzen.

Abbildung 1: Posteo bietet neben sicheren E-Mails ein Web-Frontend mit Kalender und Adressverwaltung.
Abbildung 1: Posteo bietet neben sicheren E-Mails ein Web-Frontend mit Kalender und Adressverwaltung.

Abbildung 2: ownCloud fungiert nicht nur als Cloudspeicher, sondern verwaltet auch Adressen und Termine.
Abbildung 2: ownCloud fungiert nicht nur als Cloudspeicher, sondern verwaltet auch Adressen und Termine.

Das Berliner Unternehmen Posteo hingegen bietet werbefreie und verschlüsselte Postfächer samt Kalender und Adressbüchern an, die sich dank offener Protokolle auch leicht mit Android synchronisieren lassen. Um den Dienst zu finanzieren, verlangt Posteo allerdings Gebühren – mit einem Euro pro Monat sind diese jedoch bezahlbar. MailXchange von 1&1 richtet sich eher an Unternehmen, die eine Groupware-Lösung suchen.

DAVdroid konfigurieren

DAVdroid finden Sie nach der Installation nicht unter Ihren Apps. Als Schnittstelle zwischen dem Adressbuch des Handys und einem CalDAV-/CardDAV-Server klickt sich DAVdroid in die Kontenverwaltung ein. Öffnen Sie daher die Einstellungen Ihres Handys, und tippen Sie im Abschnitt "Konten" auf Konto hinzufügen. Hier wählen Sie nun DAVdroid als Kontotyp aus.

Abbildung 3: Die DAVdroid-App klinkt sich direkt in die Kontenverwaltung des Handys ein.
Abbildung 3: Die DAVdroid-App klinkt sich direkt in die Kontenverwaltung des Handys ein.

Abbildung 4: In DAVdroid tragen Sie die Zugangsdaten für Ihren CalDAV-/CardDAV-Account ein.
Abbildung 4: In DAVdroid tragen Sie die Zugangsdaten für Ihren CalDAV-/CardDAV-Account ein.

Abbildung 5: Wählen Sie danach den zu synchronisierenden Kalender oder das Adressbuch aus.
Abbildung 5: Wählen Sie danach den zu synchronisierenden Kalender oder das Adressbuch aus.

Im darauf folgenden Einrichtungsassistenten tragen Sie die Zugangsdaten zu Ihrem CalDAV-/CardDAV-Server ein [7]. Bei Verwendung von Posteo müssen Sie an dieser Stelle lediglich posteo.de:8443 als über https verschlüsselte URL und Ihren Benutzernamen – ohne "@posteo.de" am Ende – eintragen. Abschließend fragt DAVdroid, welche der mit Ihrem Account verknüpften Online-Adressbücher und -Kalender synchronisiert werden sollen. Üblicherweise sind dies nur das Standardadressbuch und der als Standard ausgewählte Kalender.

Tipp

Wenn Sie DAVdroid über den Play Store installieren, haben Sie eventuell das Problem, dass alle DAVdroid-Konten samt Daten bei einem Neustart des Geräts verschwinden. Dem Problem liegt ein Fehler in den Versionen ab Android 4.1 "Jelly Bean" zugrunde, den Google auch in Android 4.4 noch nicht behoben hat [8]. Wer DAVdroid nicht über F-Droid installiert, muss daher auf aktuellen Geräten noch einen Workaround [9] einspielen.

ownCloud-User haben es beim Abgleich über DAVdroid ein wenig schwerer. Kalender und Adressbuch müssen als getrennte Accounts einzeln angelegt werden, die URLs lauten example.com/remote.php/caldav/ bzw. example.com/remote.php/carddav/. Die Pfade müssen Sie entsprechend Ihrer ownCloud-Installation anpassen. Anschließend wählen Sie jeweils den zu synchronisierenden Kalender bzw. das Adressbuch aus.

Online-Sync ganz ohne Google

Nach dem Einrichten Ihres CalDAV-/CardDAV-Accounts sollten nun automatisch Termine und Kontakte aus Ihrem bereits gefüllten Online-Account auf dem Handy erscheinen. Legen Sie auf dem Smartphone einen neuen Eintrag im Kalender oder Adressbuch an, dann können Sie jetzt zwischen Ihrem Google- und DAVdroid-Konto wählen. Entscheiden Sie sich für DAVdroid, synchronisiert Ihr Handy den neuen Eintrag an Google vorbei mit Ihrem eigenen Cloudspeicher.

Abbildung 6: Beim Speichern eines Kontakts haben Sie die Wahl zwischen Google und DAVdroid.
Abbildung 6: Beim Speichern eines Kontakts haben Sie die Wahl zwischen Google und DAVdroid.

Abbildung 7: Den Speicherort eines bestehenden Kontakts erkennen Sie am Icon.
Abbildung 7: Den Speicherort eines bestehenden Kontakts erkennen Sie am Icon.

Mit welchem Konto einer Ihrer Adressbucheinträge verwaltet wird, sehen Sie in der Kontakte-App. Wollen Sie auf das Google-Adressbuch komplett verzichten, legen Sie in den Einstellungen der Kontakte-App fest, dass nur Einträge aus dem DAVdroid-Adressbuch erscheinen sollen. Unter Personalisieren lässt sich noch genauer bestimmen, welche Kontaktgruppen aus welchem Kalender das System im Adressbuch anzeigen soll.

Abbildung 8: Der Android-Kalender kennzeichnet Termine aus unterschiedlichen Quellen in verschiedenen Farben.
Abbildung 8: Der Android-Kalender kennzeichnet Termine aus unterschiedlichen Quellen in verschiedenen Farben.

Abbildung 9: In den Kalendereinstellungen legen Sie fest, welche Quellen genutzt werden sollen.
Abbildung 9: In den Kalendereinstellungen legen Sie fest, welche Quellen genutzt werden sollen.

Abbildung 10: Beim Erstellen eines Termins wählen Sie den Speicherort per Dropdown-Menü aus.
Abbildung 10: Beim Erstellen eines Termins wählen Sie den Speicherort per Dropdown-Menü aus.

Termine im Kalender färbt Android je nach Quelle unterschiedlich ein. So können Sie Einträge aus Ihrem Google-Kalender von denen aus Ihrem DAVdroid-Account unterscheiden. Welche Kalender in der App erscheinen sollen, lässt sich in den Einstellungen der Kalender-App unter Anzuzeigende Kalender konfigurieren. Tragen Sie einen neuen Termin ein, dann bestimmen Sie über einen Klick auf den farbig hinterlegten Account im Kopf des Dialogs, in welchem Kalender der Eintrag gespeichert werden soll.

Fazit

Es muss nicht immer Google sein! Die Synchronisation von Adressen und Terminen über DAVdroid und einen Web-Anbieter wie Posteo oder eine selbst-gehostete ownCloud-Installation funktioniert auch unter Android problemlos. Sie brauchen sich lediglich darum zu kümmern und die Dienste einzurichten.

Das ist nicht ganz so simpel und von Haus aus vorkonfiguriert wie bei Google, und es kostet Sie im Endeffekt immer ein wenig Geld. Doch wenn Sie für einen Dienst wie Ihren Google-Account nichts bezahlen, dann sind nicht Sie der Kunde, sondern das zum Verkauf stehende Produkt.


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