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Aus Chats mit Google Talk werden Hangouts

© Google

Whatsapp und Co. machen sich auf die gute alte SMS in Rente zu schicken. Um auf der Höhe der Zeit zu bleiben baut daher auch Google das Chat-System von Android um. Aus Google Talk werden Hangouts. Wir helfen Ihnen sich zurecht zu finden!

MSN, ICQ und AIM. IRC, SMS und XMPP? Nein, wir zitieren hier nicht den Liedtext des Hits Mfg der fantastischen Vier. Dies alles sind Chat-Protokolle oder Techniken, die dazu dienen kurze Nachrichten von einem User zum nächsten zu transportieren. Android brachte dafür bis vor Kurzem Google Talk, den Google+ Messenger und natürlich den Klassiker SMS mit. Nun führen die Hangouts Text- und Video-Chats unter einem neu gestalteten Dach zusammen.

Von Google Talk zu Hangouts

Ursprünglich war Googles Talk einfach nur dazu gedacht miteinander via Text zu kommunizieren. Es gab Apps für den Desktop-PC, der Chat wurde in Gmail integriert und eine Android-App durfte natürlich auch von Anbeginn an nicht fehlen. Später rüstete Google sein Talk weiter auf, so dass Sie auch wie bei Skype Audio- und Video-Gespräche über das Internet führen konnten.

Googles geschlossener Garten

Google Talk und auch die neuen Hangouts basieren auf dem "Extensible Messaging and Presence Protocol", kurz XMPP oder auch Jabber genannt. Der Vorteil dieses standartisierten Protokolls besteht darin, dass die Grenzen wie bei einer E-Mail offen waren. Google-Talk-User konnten mit Usern chatten, die bei anderen Jabber-Anbietern wie jabber.ccc.de oder auch bei GMX oder Web.de Ihren Account hatten.

Mit dem Wechsel zu Hangouts macht Google nun aber die Tore zu anderen Anbietern dicht. Der Hangouts-Account lässt sich zwar noch mit andere Clients (wie Pidgin oder Miranda) nutzen, doch die – früher einmal von Google selber entwickelte – Server-zu-Server-Verbindung ist nun tot. Wer früher einmal Kontakte zu anderen Jabber-Usern via Talk gepflegt hat, sieht diese von nun an nicht mehr.

Mit dem Google+ Messenger beginnt nun aber die Geschichte von Googles Messenger-Chaos. Neben Talk können Sie auch mittels Google+ mit Ihren Freunden chatten. Da sich aber mit einem reinen Text-Chat kaum mehr jemand hinter dem Ofen hervorlocken lässt, gibt es in natürlich auch dort Audio/Video-Chats – Sogar mit bis zu zehn Teilnehmern, in Google Talk waren nur Ein-zu-Eins Gespräche möglich.

Abbildung 1: Beim Chatten drücken Sie mit unzählige Smileys Ihre aktuelle Stimmung aus.
Abbildung 1: Beim Chatten drücken Sie mit unzählige Smileys Ihre aktuelle Stimmung aus.

Abbildung 2: In der von links aufziehbaren Seitenleiste finden Sie Ihre letzten Chats.
Abbildung 2: In der von links aufziehbaren Seitenleiste finden Sie Ihre letzten Chats.

Mit Hangouts (ohne Google+) [1] räumt Google nun auf. Die neue App ersetzt automatisch Google Talk auf Ihrem Androiden. Lassen Sie sich beim Update daher nicht verwirren, das Ersetzen der alten App ist von Google so gewollt. In Hangouts chatten Sie wie gewohnt mit anderen Google-Kontakten, können natürlich aber auch Video-Chats führen.

Die neuen Hangouts

Was bei Hangouts auf den ersten Blick auffällt, ist das Fehlen einer klassischen Kontaktliste, wie man sie von Google Talk und auch anderen Messengern gewohnt ist. Die von links herausziehbare Seitenleiste sieht auf den ersten Blick wie die gesuchte Liste aus, hier finden Sie jedoch nur die von Ihnen in der letzten Zeit geführten Chats. Per Wischgeste lassen sich dort die einzelnen gespeicherten Chats in das Archiv schieben – Die Funktion kennt man von Gmail.

Status-Anzeigen wie "Beschäftigt", "Nicht anwesend" oder "Nicht stören" gibt es aktuell nicht mehr (laut der Hangout-FAQ soll diese Funktion jedoch wieder eingebaut werden [2]). Ob ein User gerade direkt erreichbar ist, erkennen Sie an seinem Benutzer-Bild. Ist es farbig, ist der User gerade mit einem seiner Geräte online. Ein ausgegrautes Bildchen sagt Ihnen, dass Ihr Kontakt gerade wirklich nicht erreichbar ist. In der Gmail-Weboberfläche symbolisiert ein kleiner grüner Balken unter dem Bild des jeweiligen Kontakts den Status, erscheint der Balken, ist der User auf seinem Computer in Gmail eingeloggt – der Status auf dem Handy wird dabei nicht berücksichtigt.

Tipp

Bei Hangouts sind Sie immer Online. Bevorzugen Sie etwas mehr Privatsphäre, müssen Sie sich über einen sehr versteckten Menüpunkt ausloggen. Ziehen dazu die Seitenleiste auf und öffnen Sie die Hangouts-Einstellungen. Tippen Sie auf Ihren Account, dort am Ende der Liste letztendlich auf Abmelden.

Abbildung 3: Die Option sich von den Hangouts abzumelden ist tief in den Einstellungen verborgen.
Abbildung 3: Die Option sich von den Hangouts abzumelden ist tief in den Einstellungen verborgen.

Abbildung 4: Markieren Sie mit einem Fingerzeig mehrere Kontakte zu denen Sie einen Chat starten möchten.
Abbildung 4: Markieren Sie mit einem Fingerzeig mehrere Kontakte zu denen Sie einen Chat starten möchten.

In der Liste Neuer Hangout sehen Sie stattdessen eine Mischung aus Ihren Android-Kontakten und Kreisen/Kontakten auf Google+. Chats können Sie gezielt mit einzelnen Usern, durch Mehrfachauswahl mit mehreren Freunden oder über Google+-Gruppen gleich mit zig Teilnehmern starten. Ob Sie erst einen Text-Chat starten und später das Video-Bild hinzuschalten – oder umgekehrt – ist egal, Sie können zwischen beiden, Modi nahtlos hin- und herschalten.

Abbildung 5: Auf einem Android-Tablet können Sie einen eingehenden Video-Chat gar nicht übersehen.
Abbildung 5: Auf einem Android-Tablet können Sie einen eingehenden Video-Chat gar nicht übersehen.

Abbildung 6: Tippen Sie während eines Video-Telefonats kurz auf das Bild um die Menüs einzublenden.
Abbildung 6: Tippen Sie während eines Video-Telefonats kurz auf das Bild um die Menüs einzublenden.

Im Gegensatz zu Talk bietet Ihnen Hangouts auch an über den Chat Dateien zu versenden – Aktuell unterstützt Hangouts nur Bilder, doch später sollen mehr Dateiformate folgen. Klicken Sie dazu auf das Kamera-Symbol neben dem Eingabefeld für Text. Dort haben Sie dann die Wahl ein neues Bild zu erstellen, ein Bild aus Ihren Google+-Fotos zu versenden oder eines aus Ihrer Android-Galerie auszuwählen.

Abbildung 6: Tippen Sie während eines Video-Telefonats kurz auf das Bild um die Menüs einzublenden.
Abbildung 6: Tippen Sie während eines Video-Telefonats kurz auf das Bild um die Menüs einzublenden.

Sollten Sie von einem Hangout-Partner genervt sein, müssen Sie sich nicht ganz von Hangouts abmelden. Im Menü des Hangouts finden Sie den Eintrag Personen & Optionen. Hier können Sie weitere Personen zum aktuellen Hangout hinzufügen, eine Person explizit blockieren oder die Benachrichtigungen des Hangouts auf stumm schalten.

Abbildung 6: Tippen Sie während eines Video-Telefonats kurz auf das Bild um die Menüs einzublenden.
Abbildung 6: Tippen Sie während eines Video-Telefonats kurz auf das Bild um die Menüs einzublenden.

Perfekt verzahnt

Was bei den Hangouts nun einwandfrei funktioniert, ist die Organisation Ihrer Chats über mehrere Geräte hinweg. Starten Sie eine Unterhaltung etwa auf dem Handy, können Sie zwischendurch ohne Probleme zum Web-Frontend von Gmail wechseln. Soll es dann bequem auf der Couch weitergehen, schnappen Sie sich einfach Ihr Android-Tablet.

In einem anderen Fall nutzen Sie jeweils Ihr Handy um miteinander ein Hangout-Video-Telefonat zu führen und schicken sich gleichzeitig Texte (zum Beispiel Links zu interessanten Webseiten) per Tablet oder Gmail-Web-Frontend zu. Der Gesprächsverlauf wird auf allen Geräten fortwährend synchron gehalten.

Handynummer bestätigen

Beim ersten Einsatz von Hangouts bittet Sie die Hangouts-App Ihre Handynummer zu bestätigen. Dazu schickt Ihnen Google eine SMS mit einem Schlüssel aufs Handy, dieser wird nach dem Empfang der Nachricht automatisch ausgelesen. Dieser Schritt lässt sich jedoch mit Überspringen aktuell noch übergehen. Die Nummer nutzt Google, um Sie mit Kontakten zu verbinden, die Sie bisher nur im Telefonbuch stehen haben [3].

Abbildung 9: Google Hangouts möchte, dass Sie Ihre Handy-Nummer durch den Empfang einer SMS bestätigen.
Abbildung 9: Google Hangouts möchte, dass Sie Ihre Handy-Nummer durch den Empfang einer SMS bestätigen.

Das Ziel Googles wird sein, langfristig der Messaging-App Whatsapp [4] Konkurrenz zu machen. Der Dienst konnte in relativ kurzer Zeit Aber-Millionen User gewinnen. Unter anderem dadurch, dass zur Benutzerverwaltung kein Account registriert werden muss, die User authentifizieren sich über Ihre Handy-Nummer. Dadurch müssen auch keine extra Chat-Adressen ausgetauscht werden, die App findet potentielle Chat-Kandidaten über das Telefonbuch des Handys.

Hangouts für iOS und den PC

Richtig stark werden Messenger erst dann, wenn Sie auf jedem System funktionieren. Egal ob Sie gerade Ihren Androiden in der Hand haben oder am PC sitzen, chatten muss überall möglich sein. Google lässt es sich daher nicht nehmen neben der Android-Version auch eine iOS-Variante von Hangouts [5] im App-Store anzubieten. So halten Sie Kontakt, auch wenn Bekannte und Freunde eher auf dem iPhone oder iPad zuhause sind.

Abbildung 10: Auch in Gmail ersetzt Hangouts das bisher genutzt Google Talk.
Abbildung 10: Auch in Gmail ersetzt Hangouts das bisher genutzt Google Talk.

Auf dem PC hat Google Hangouts direkt in die Web-Oberfläche von Gmail integriert – allerdings werden die Hangouts aktuell nur auf Ihren ausdrücklichen Wunsch aktiviert. Wie gewohnt finden Sie Ihre Kontakte in der Seitenleiste, das weitere Erscheinungsbild ist mit der Handy-App identisch. Um Audio- und Video-Chats vom PC aus führen zu können, müssen Sie jedoch das Hangouts-Browser-Plugin [6] auf Ihrem Computer installiert haben.

Abbildung 11: Per Chrome-Erweiterung haben Sie Ihre Hangouts immer im Griff.
Abbildung 11: Per Chrome-Erweiterung haben Sie Ihre Hangouts immer im Griff.

Wer auch gerne am PC Hangouts nutzen möchte, ohne in Gmail eingeloggt zu sein, kann für den Chrome-Browser die offizielle Hangouts-Erweiterung [7] einspielen. Sie integriert den neuen Google-Chat direkt in die Traybar Ihres Systems – sobald Chrome gestartet wurde. Dort finden Sie dann auch Ihre Kontaktliste, zum Chatten öffnet sich dann ein weiteres kleines Fenster.


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