Start Im Test Apps und RAM unter Android 4 auslagern

Apps und RAM unter Android 4 auslagern

Wer sein Handy rege nutzt, hat früher oder später den für Programme reservierten Teil des internen Speichers aufgebraucht. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit Link2SD wieder freien Platz schaffen und zudem auch für genügend RAM sorgen.

Bis Android 2.3 sah die Welt noch einfach aus – zumindest für Leute mit viel Speicherplatzbedarf: Eine eingesteckte MicroSD-Karte wurde standardmäßig als /mnt/sdcard im Verzeichnisbaum eingehängt. Apps lagen in einem hierfür reservierten Bereich des bereits eingebauten Speichers, welchen das Betriebssystem als /data mountete. Reichte der für die Anwendungen vorgesehene Platz nicht mehr aus, konnte der Anwender seine Apps (bis aus wenige Ausnahmen) über ein Einstellungsmenü auf die externe Karte verschieben. Es existieren auch Tools, welche diesen Prozess etwas vereinfachen. Sollte Ihr Handy noch mit einer älteren Android-Version laufen, finden Sie unter [1] einen Artikel aus Android User 01/2011, der hierzu ausführliche Informationen bereitstellt.

Android 4 macht alles neu

Doch mit den neueren Android-Versionen wurde alles nicht nur vielfältiger, sondern in einer Hinsicht auch komplizierter: Nicht nur /data, sondern auch /mnt/sdcard zeigten nun auf den internen Speicher (wenn auch auf zwei verschiedene Partitionen von diesem). Dieses Vorgehen wirkt zwar unlogisch, hat jedoch durchaus Gründe: Handys wurden inzwischen mit mehr internem Speicher ausgeliefert; einige ältere, speicherplatzintensive Apps setzten aber weiterhin das Vorhandensein von /mnt/sdcard für ihre Daten voraus. Durch die vorgespielte Pseudo-SD-Karte (welche in Wirklichkeit den eingebauten Speicher nutzt) waren diese weiterhin ohne zusätzliches Speichermedium lauffähig. Unter [2] finden Sie einen Online-Artikel der Android-User, welcher genauer auf die Speicheraufteilung und -nutzung unter Android eingeht und somit eine gute Wissensgrundlage für diesen Artikel bildet.

Wo im Verzeichnisbaum befindet sich in dieser neuen Situation nun die echte externe Speicherkarte, falls eine solche vom Benutzer eingesteckt wurde? Hier kocht leider nicht nur jeder Hersteller sein eigenes Süppchen, dies variiert auch herstellerintern: Auf dem Samsung Galaxy S3 findet sich die Karte unter /mnt/extSdCard, während sie beim Samsung Galaxy Note unter /mnt/sdcard/external_sd residiert. Hat der Benutzer das richtige Verzeichnis gefunden, kann er auf seinem externen Datenspeicher dennoch zunächst einmal mal nur Videos, Musik etc. ablegen, jedoch keine Apps dorthin verschieben. Zunächst einmal. Wie immer unter Android, gibt es für jede fehlende Funktion jemanden, der mit einer passenden App aushilft.

Link2SD


Im Internet kursieren bereits seit einiger Zeit Skripte, die das angesprochene Problem auf eine einfache Weise lösen: Sie setzen einen Dateisystem-Link von dem Verzeichnis, in dem Android nach Apps sucht (/data/app) auf ein anderes, in welches eine Partition der externen SD-Karte gemountet wurde. Auf die Weise lassen sich alle Anwendungen auf dem eingesteckten Speichermedium ablegen. In der Regel wurden diese Skripte jedoch immer nur für ein bestimmtes Smartphone-Modell geschrieben, auch sind sie nicht für jedermann geeignet: Zur Installation solcher Skripte muss der Nutzer Konsolenkommandos über die Android Debug Bridge eingeben. Link2D [3] ist eine App aus dem Play-Store, die als Lösung nicht nur das alles viel einfacher macht, sondern auch Modellunabhängigkeit und zusätzliche Funktionen verspricht.

Abbildung 1: Mit GParted lässt sich eine zusätzliche ext2-Partition anlegen.
Abbildung 1: Mit GParted lässt sich eine zusätzliche ext2-Partition anlegen.

Das Einzige, was Link2SD dem Benutzer nicht abnehmen kann, ist, sein Handy zu rooten und die externe Speicherkarte mittels eines Computers und angeschlossenem SD-Karten-Lesegerät neu zu partitionieren. Root-Anleitungen für zahlreiche Smartphones finden Sie in Android User 02/2013. Fürs Partitionieren verkleinert der Nutzer eine (in der Regel) vorhandene FAT32-Partition auf der MicroSD-Karte und legt auf dem freigewordenen Platz eine zweite, mit dem Ext2-Dateisystem formatierte an (nähere Informationen hierzu finden sich unter [2]). Vor der Neupartitionierung sollten Sie aus Sicherheitsgründen ein Backup der SD-Karte anlegen.

Eine gute Partitionierungssoftware ist beispielsweise die Gparted-Live-CD [4], welche auf einem Computer ein minimales Linux mit einem umfangreichen Partitionsmanager bootet. Wer diese Lösung aus irgendeinem Grund nicht nutzen möchte, findet auch unter Windows viele kostenlose Programme, die den Zweck ebenfalls erfüllen, wie etwa die Home Edition des Minitool Partition Managers [5]. Allerdings sollten Sie bei den letztgenannten beachten, dass diese für die zweite, neu angelegte Partition gerne Microsoft-typisch den Typ logisch vergeben. Diesen muss der Anwender in den Einstellungen in primär abändern, ansonsten erkennt Android später die SD-Karte nicht. Ist das Handy/Tablet gerootet und die SD-Karte formatiert, sind alle Vorarbeiten erledigt und der Nutzer kann Link2SD starten.

Abbildung 2: Link2SD verschiebt auch größere Mengen an Apps ohne zu murren.
Abbildung 2: Link2SD verschiebt auch größere Mengen an Apps ohne zu murren.

Linken statt schieben

Link2SD selbst lässt sich kinderleicht bedienen. Auf Wunsch kann der Nutzer einzelne Apps auswählen und sie über einen Klick auf Link erstellen auf die zweite Partition der SD-Karte verschieben. Dabei wird gleichzeitig der benötigte Dateisystem-Link (Symlink) gesetzt, damit das Betriebssystem sie auch an der richtigen Stelle sucht. Besonders interessant: Im Gegensatz zu älteren Lösungen kann Link2SD zur App zugehörige Bibliotheken sowie die .dex-Dateien des Dalvik-Caches mitverschieben – auf diese Weise schaufelt es noch mehr internen Speicherplatz frei. Am komfortabelsten ist es, die Mehrfachauswahl zu nutzen oder alle vorhandenen Apps über einen Klick zu verschieben (Abbildung 2).

Abbildung 3: Neu installierte Apps kann das Tool auch automatisch an den gewünschten Platz bewegen.
Abbildung 3: Neu installierte Apps kann das Tool auch automatisch an den gewünschten Platz bewegen.

Abbildung 4: Link2SD bietet auch noch ein paar Zusatzfeatures an, wie beispielsweise das Leeren der Caches.
Abbildung 4: Link2SD bietet auch noch ein paar Zusatzfeatures an, wie beispielsweise das Leeren der Caches.

Apps, die der Nutzer zukünftig installiert, platziert das Smartphone nun auf Wunsch immer auf der externen SD-Karte (Abbildung 3) – alternativ wählt ein Hintergrundprozess den Speicherort je nach freiem Platz automatisch. Als zusätzliche Features kann Link2SD unter anderem alle Caches leeren (Abbildung 4) oder den freien Speicher auf den Partitionen der Speichermedien anzeigen (Abbildung 5). Auf älteren Androiden oder solchen mit einem manipuliertem 4.x-Rom bietet Link2SD sogar an, über die klassische, eingebaute Methode des Betriebssystems Apps auf die erste Partition der externen Speicherkarte zu platzieren (wie es auch das alte Programm App2SD früher veranlasste, siehe Abbildung 6). In der Regel macht es hier aber mehr Sinn, wenn der Nutzer stattdessen die Option Link erstellen auswählt: Zum einen kann nur so Link2SD die Bibliotheken und den Dalvik-Cache mitverschieben. Zum anderen bringt die modernere Vorgehensweise mit der zweiten Partition einen Vorteil ein, wenn der Benutzer zum Datenaustausch sein Smartphone an einen Desktop-PC anschließt: Wird nur die erste Partition der SD-Karte mit den Daten vom PC aus gemountet, die zweite mit den Apps aber nicht, so sind die Programme des Handys während der Datenübertragung weiter nutzbar (schließlich sieht der PC diese dann nicht und kann den Ablauf nicht stören).

Abbildung 5: Wie viel Platz ist auf den verschiedenen Partitionen jeweils frei?
Abbildung 5: Wie viel Platz ist auf den verschiedenen Partitionen jeweils frei?

Alles in allem hinterlässt Link2SD einen sehr positiven Eindruck. Sind alle nötigen Vorarbeiten erledigt, verrichtet die App ihre Aufgaben schnell, unkompliziert und zuverlässig. Dabei ist das Tool nicht nur für Low-End Geräte, sondern auch für Intensiv-Nutzer interessant: Ein über längere Zeit stark genutztes Samsung Galaxy Note mit einer dreistelligen Anzahl an installierten Apps profitierte im Test ebenfalls von mehr freiem Telefon-Speicher. Ferner hilft das darüber hinaus angebotene Löschen temporärer Dateien in den internen Caches, gegebenfalls entstandene Geschwindigkeits- und Stabilitätsprobleme zu lösen, wenn der Nutzer sein Handy bereits seit längerer Zeit mit einer großen Anzahl an Apps betreibt.

Abbildung 6: Auf älteren Androiden bietet Link2SD auch die klassische Verschiebemethode des Betriebssystems an.
Abbildung 6: Auf älteren Androiden bietet Link2SD auch die klassische Verschiebemethode des Betriebssystems an.

Mehr RAM

Falls Sie Link2SD nutzen möchten, weil es sich bei Ihrem Handy um einen Androiden aus dem Low-Cost-Segment mit sehr wenig internem Speicher handelt, brennt Ihnen möglicherweise noch ein anderes Thema auf den Nägeln: Der ebenfalls schmale RAM-Speicher des eigenen Geräts. Ist nicht ausreichend Hauptspeicher vorhanden, beendet das Betriebssystem laufende Prozesse abrupt oder startet leistungshungrigere Apps gar nicht erst. Hier hilft es, Swap-Speicher zu nutzen: Dieser ist wie bei einem Desktop-PC eine virtuelle Auslagerungsdatei, welche zusätzliches RAM simuliert. Auf leistungsschwachen Handy sorgt dies für einen spürbaren Geschwindigkeits- und Stabilitätszuwachs, vorausgesetzt die Swap-Datei befindet sich auf einer Speicherkarte mit schnellen Zugriffszeiten (mindesten Class 10). Jedoch zahlt der Anwender hierfür auch einen Preis: Die Lebensdauer der SD-Karte verkürzt sich dadurch vermutlich stark, da Swap-Speicher immer mit vielen Schreibzugriffen einhergeht. Trotzdem kann dieser Ansatz bei chronischem RAM- Mangel interessant sein. Die Option für Auslagerungsspeicher ist zum Teil in manchen Custom-ROMs verfügbar, aber auch für Stock-ROMs existieren entsprechende Apps (zum Beispiel [6] und [7]). Hier steht und fällt der optimale Performancegewinn damit, dass entweder der Nutzer oder die App selbst einen optimalen Wert für die Swapiness einstellt. Dabei handelt es sich um eine als Zahlenwert ausgedrückte Schwelle, welche besagt, wie schnell das System dazu übergeht, den Swap-Speicher bei knapp werdendem RAM zu nutzen. Mittlere Werte sollte hierbei eine gute Ausgangslage für Experimente bilden.

Insgesamt ist es schon beeindruckend, wie sich mit den richtigen Tricks selbst aus billigen 100 Euro Handys noch Reserven herausholen lassen. Bei den Swapping-Apps sei jedoch angemerkt, dass diese zwar im Prinzip auch ohne Custom-ROMs funktionieren. Allerdings benötigt das System hierfür trotzdem Root-Rechte, und auch dann spielt nicht jedes Gerät mit: Bei Samsung-Handys verbietet der Original-Kernel die Nutzung von Swap-Dateien.

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