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Android und die FRITZ!Box

AVM macht seine WLAN-Router FRITZ!Box fit für Ihre eigene Cloud und entsprechende FRITZ!App Handy-Apps. Mit den FRITZ!Apps telefonieren Sie über die FRITZ!Box zum Festnetz-Tarif, streamen Filme und Musik aufs Handy und verpassen keinen Anruf mehr.

AVM möchte seine FRITZ!Boxen noch stärker als eigenständige Rechner präsentieren und betitelt die Firmware seiner Router erstmals als Betriebssystem. FRITZ!OS 5.20 [1] steht zunächst nur für die FRITZ!Box 7390 zum Download zur Verfügung und bringt eine Reihe von interessanten Neuerungen mit. Die Unterstützung weiterer Boxen soll später noch folgen, doch erstmal gibt es die neue Firmware nur für das aktuelle Top-Modell von AVM.

Mit MyFRITZ! [2] bietet AVM einen einfachen und sicheren Zugriff auf Ihre persönliche FRITZ!Box. Auf der Box gespeicherte Fotos, Musik oder Dokumente lassen sich weltweit, auch mit dem Smartphone und Tablet, abrufen. MyFRITZ! vereint hier einen Dynamic-DNS-Service wie Dyn oder No-IP mit einer für das Web schlank gehaltenen Oberfläche.

Wichtig für Android User ist auch die schon lange vermisste Möglichkeit, das Adressbuch der FRITZ!Box mit dem von Freemail-Anbietern wie GMX, Web.de oder auch Google Mail abzugleichen – so ist die Fritzbox immer auf einem aktuellen Stand. Außerdem gibt es jetzt ein für mobile Geräte optimiertes Webfrontend. Die Konfiguration und Bedienung der FRITZ!Box über das Handy ist nun einfacher möglich.

Abgleich mit Google Mail

Android User, die sich vor Google Mail nicht scheuen und auch dort ihre Kontakte ablegen, gleichen über die Google Cloud automatisch auf allen Ihren Android-Geräten die Kontakte ab. Egal ob auf dem Handy, dem Tablet oder im Web-Frontend von Google Mail, überall ist man auf dem selben Stand, ein aufwändiges Synchronisieren der Kontakte zwischen den Geräten ist nicht nötig.

Abbildung 15: Mit Googles Navigationslösungen finden Sie leicht ans Ziel.
Abbildung 15: Mit Googles Navigationslösungen finden Sie leicht ans Ziel.

Von dieser – hoffentlich – gut gepflegten Adressdatenbank kann nun auch Ihre FRITZ!Box und die daran angeschlossenen Telefone profitieren. Ohne dass Sie Nummern in Ihr Festnetztelefon einprogrammieren müssen, erscheint etwa der Name eines Anrufers im Display Ihres Telefons. Der Zugriff auf das Adressbuch beim Wählen ist allerdings leider den FRITZ!Fon-Produkten [3] vorbehalten, herkömmliche DECT-Telefone können das Telefonbuch der FRITZ!Box nicht auslesen.

Abbildung 2: Neben dem Adressbuch von Google Mail lassen sich auch die Daten der Freemailer von Web.de und GMX einbinden.
Abbildung 2: Neben dem Adressbuch von Google Mail lassen sich auch die Daten der Freemailer von Web.de und GMX einbinden.

Die zum Einbinden nötigen Einstellungen finden Sie im Web-Frontend der FRITZ!Box unter Telefonie | Telefonbuch. Dort legen Sie ein neues Telefonbuch an und geben Ihre Zugangsdaten zu Ihrem Google-Account ein. Alternativ kann FRITZ!OS auch die Telefonbücher von GMX bzw. Web.de einlesen.

Abbildung 3: FRITZ!OS 05.20 liest das Adressbuch von Google aus und bindet es sauber sortiert in das eigene Telefonbuch ein.
Abbildung 3: FRITZ!OS 05.20 liest das Adressbuch von Google aus und bindet es sauber sortiert in das eigene Telefonbuch ein.

Unverständlich ist jedoch, dass die FRITZ!Box die Internet-Telefonbücher nicht automatisch abgleicht. Um wichtige Änderungen nicht zu verpassen, müssen Sie sich daher regelmäßig in der FRITZ!Box einloggen und auf der Telefonbuchseite den kleinen "Aktualisieren"-Knopf anklicken. Ein automatischer Abgleich alle X Minuten hätte an dieser Stelle dem Bedienungskomfort der FRITZ!Box gut zu Gesicht gestanden.

Für Smartphones optimiert

Neu ist auch die für Smartphones optimierte Anzeige der FRITZ!Box-Oberfläche. Sie ist gegenüber der herkömmlichen Ansicht deutlich abgespeckt, Einstellungen etwa lassen sich so gut wie gar nicht über die mobile Variante des Web-Frontends vornehmen. Die Ansicht soll primär die wichtigsten Informationen der Box übersichtlich darstellen – Eine Aufgabe, die vollends erfüllt wird.

Abbildung 4: Die FRITZ!Box leitet Smartphones und Tablets automatisch zu einer mobilen Version des Web-Frontends weiter.
Abbildung 4: Die FRITZ!Box leitet Smartphones und Tablets automatisch zu einer mobilen Version des Web-Frontends weiter.

Abbildung 5: AVM hat auch dem Medienserver FRITZ!NAS die neue mobile Variante der Oberfläche spendiert.
Abbildung 5: AVM hat auch dem Medienserver FRITZ!NAS die neue mobile Variante der Oberfläche spendiert.

Die mobile Ansicht bekommen Sie automatisch angezeigt, wenn Sie sich im WLAN Ihrer FRITZ!Box befinden und im Browser Ihres Handys die übliche URL der Box http://fritz.box eingeben. Anhand des Browsers erkennt die FRITZ!Box Ihr Handy und zeigt automatisch die reduzierte Seite an. Sollten Sie doch die volle Ansicht auch auf Ihrem Handy benötigen, so finden Sie am Ende jeder Seite einen Link zur klassischen Version.

My FRITZ!

Das Firmware-Update macht Ihren WLAN-Router jetzt zu einem über das Internet erreichbaren NAS. Auf der Box bzw. auf an der Box angeschlossenen Datenträgern hinterlegte Daten können so von überall her verschlüsselt mit dem Notebook, Smartphone oder Tablet abgerufen werden. Der Zugriff erfolgt über AVMs kostenlosen MyFritz-Dienst, für den sich der Nutzer keine IP-Adresse merken muss. Man erspart sich so das Einrichten einer herkömmlichen DynDNS-Lösung wie etwa Dyn.com oder No-IP.com.

Abbildung 6: My FRITZ! ist der zentrale Anlaufknoten für den Zugriff auf Ihre FRITZ!Box aus dem Internet.
Abbildung 6: My FRITZ! ist der zentrale Anlaufknoten für den Zugriff auf Ihre FRITZ!Box aus dem Internet.

Der Komfort von My FRITZ! als "Cloud-Lösung" hält sich jedoch stark in Grenzen. Der Dienst ersetzt im Endeffekt nur den DynDNS-Anbieter. Eine Integration in das Smartphone – so wie es etwa Cloud-Speicherdienste wie Dropbox, Sugarsync oder gar Strato und 1&1 anbieten – ist bei MyFRITZ! an keiner Stelle gegeben.

Über das Web-Frontend von FRITZ!NAS lassen sich lediglich Dateien herunterladen. Mit dem Smartphone geschossene Bilder automatisch in die eigene Cloud laden? Daten anderen Usern freigeben? Backups wichtiger Daten erstellen? Fehlanzeige, hier bieten richtige Cloud-Dienste doch einiges mehr.

Apps für Android

Neben diesen Verbesserungen an der Firmware gibt es schon länger eine ganze Reihe von offiziellen Android-Apps von AVM. Mit Ihnen haben sie Zugriff auf den in vielen FRITZ!Boxen eingebauten Medien-Server, nutzen über Ihr Smartphone die Festnetz-Leitung der Box oder verpassen keinen Anruf mehr, auch wenn Sie gerade nicht zuhause sind.

FRITZ!App Fon


Mit Hilfe der FRITZ!App Fon [4] verbinden Sie Ihr Smartphone per WLAN mit der Telefonie-Funktion Ihrer FRITZ!Box. Die App verwandelt Ihr Smartphone so in ein weiteres schnurloses Festnetz-Telefon, das Sie in der Reichweite Ihres WLANs wie ein normales Telefon benutzen können.

Ist die App gestartet, klingelt bei Anrufen auf der FRITZ!Box auch Ihr Handy. Vom Handy ausgehende Gespräche lassen sich ebenso über die Box führen, sodass etwa bei einer Festnetz-Flatrate keine Kosten beim Telefonieren über das Handy entstehen.

Abbildung 7: Die FRITZ!App Fon klinkt sich in die Telefonie der FRITZ!Box ein und verwandelt Ihren Androiden in ein schnurloses Festnetztelefon.
Abbildung 7: Die FRITZ!App Fon klinkt sich in die Telefonie der FRITZ!Box ein und verwandelt Ihren Androiden in ein schnurloses Festnetztelefon.

Etwas lückenhaft ist jedoch die Integration der App in Android. Zum einen passt die quietschbunte Plastik-Optik der Anwendung nicht zum doch recht schlichten Auftreten von Android, zum anderen gibt es auch technische Lücken. Gespräche über die App und ein Bluetooth-Headset zu führen, ist zum Beispiel bislang noch nicht möglich.

FRITZ!App Media


In vielen FRITZ!Box-Modellen wie der 3370, 7330 oder der 7390 ist ein DLNA-Medien-Server enthalten. Dieser von Intel und Sony ins Leben gerufene Standard ermöglicht das Streamen von Musik oder Filmen über das lokale Netzwerk, ohne dass Server und Client bekannt gemacht werden müssen.

Von Haus aus ist der Media-Server der FRITZ!Box deaktiviert, Sie müssen Ihn erst unter Heimnetz | Speicher (NAS) | Mediaserver im Web-Frontend des Routers von Hand aktivieren. Anschließend lässt sich noch bestimmen, welche der an der Box angeschlossenen USB-Medien vom Mediaserver nach Multimedia-Daten durchsucht werden sollen.

Abbildung 8: Die FRITZ!App Media verbindet Ihr Android-Handy oder Tablet mit dem DLNA-Medienserver Ihrer FRITZ!Box.
Abbildung 8: Die FRITZ!App Media verbindet Ihr Android-Handy oder Tablet mit dem DLNA-Medienserver Ihrer FRITZ!Box.

Abbildung 9: Musik und Filme, die auf einer an der FRITZ!Box angeschlossenen Platte liegen, brauchen Sie nicht mehr auf das Handy kopieren.
Abbildung 9: Musik und Filme, die auf einer an der FRITZ!Box angeschlossenen Platte liegen, brauchen Sie nicht mehr auf das Handy kopieren.

Die FRITZ!App Media [5] stöbert nun zuverlässig den Medien-Server Ihrer FRITZ!Box in Ihrem Netzwerk auf und erlaubt Ihnen den einfachen Zugriff auf die vom Mediaserver gefundenen Medien. Ohne Musik oder Videos auf Ihren Droiden kopieren zu müssen, spielen Sie die Inhalte des Medien-Servers ab.

Falls Sie einen netzwerkfähigen Fernseher oder eine entsprechende Stereoanlage in Ihrem Heim-Netzwerk eingebunden haben sollten, können Sie über die App diese Geräte auch als Abspielplattform nutzen. Ihr Handy dient in diesem Fall nur als Vermittler des Streaming-Vorgangs.

Die Darstellung der Musik aus der Musiksammlung der FRITZ!Box ist jedoch leider in keiner Weise so ansprechend gestaltet wie bei der Android Musik App. Mehr als eine schlichte Liste mit Künstlern, Alben oder Titeln oder eine Vorschau bei Videos bietet FRITZ!App Media nicht.

FRITZ!App Ticker Widget


Für alle, die öfters nicht Zuhause sind, aber trotzdem über die Anrufe in ihrer Abwesenheit informiert werden wollen, ist das FRITZ!App Ticker Widget [6] eine Empfehlung wert. Die App zeigt als Widget die in regelmäßigen Abständen aktualisierte Liste der verpassten Anrufe an, bei Bedarf startet man direkt aus der Liste heraus einen Rückruf an die jeweilige Nummer.

Abbildung 10: Das FRITZ!App Ticker Widget informiert Sie über verpasste Anrufe.
Abbildung 10: Das FRITZ!App Ticker Widget informiert Sie über verpasste Anrufe.

Um den Ticker von unterwegs nutzen zu können, müssen Sie in den FRITZ!Box-Einstellungen unter Internet | Freigaben | Fernwartung die entsprechenden Einstellungen bzgl. der Fernwartung aktivieren. Wählen Sie hier am besten ein sicheres Passwort, denn über diese Fernwartung könnten auch Unbefugte zur FRITZ!Box Kontakt aufnehmen. Neben der richtigen Konfiguration der Fernwartung braucht es allerdings auch einen Account bei einem sogenannten DynDNS-Anbieter, der Ihre sich immer wieder ändernde Internet-IP mit einem statischen Namen verbindet.

Beliebt und bewährt sind etwa die Dienste von Dyn [7] oder No-IP [8]. Beide Anbieter haben schon seit Jahren für Privatanwender kostenlose DynDNS-Dienste im Angebot. Sobald Sie Ihren Account und die entsprechenden Zugangsdaten unter Internet | Freigaben | Dynamic DNS eingerichtet haben, schickt Ihre FRITZ!Box bei jeder Einwahl dem Anbieter die aktuelle IP der Box, sodass dieser die Internet-IP mit dem von Ihnen gewählten Domain-Namen verknüpfen kann.

Fazit

AVM zeigt mit der Integration der Kontakte von Google Mail und den Android-Apps viele gute Ansätze, die Android Usern mit einer FRITZ!Box einen Mehrwert bieten. Das Ticker-Widget und die zwei anderen FRITZ!Apps sind praktisch und ergänzen die FRITZ!Box gut. Allerdings wirken die Ideen nicht ganz zu Ende gedacht und etwas halbherzig umgesetzt.

Besonders MyFRITZ! enttäuscht, der eigenen FRITZ!Box-Cloud geht leider etwas die Luft aus. Damit der Dienst sich wirklich "Cloudspeicher" nennen darf, müsste man mit verschiedenen Protokollen wie FTP, WebDAV oder auch SSH und passenden mobilen Anwendungen lesend und schreibend auf den Speicher zugreifen können. Das geht zwar zum Teil [9][10], doch bis AVM ausgewachsenen Cloud-Speicherdiensten wie Dropbox Konkurrenz machen kann, vergeht noch einige Zeit.

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